Nokia schlägt einen weiteren Java Specification Request für mobile Applikationen vor und will damit nichts geringeres erreichen, als die leichtere Integrierbarkeit von Middleware und J2EE-Komponenten auf mobilen Telefonen.
Nokia bittet wieder zur Probe. Aktuell geht es um den Specification Request 232, Das das finnische Unternehmen gibt ihn jetzt als Entwicklertest frei. Der JSR232 definiert ein komponentenorientiertes Framework auf Basis mobiler Infrastruktur. Der Entwurf (Basis: eine Komponententechnologie der Open Services Gateway Initiative = OSGi Alliance) erlaubt die Verwaltung von dynamisch installierbaren Komponenten. Sie nutzen die Internet- und Netzwerkservices. Das Zentrum des JSR232 bildet eine Architektur ähnlich der Java Enterprise Edition und ist damit ähnlich skalierbar, sicher und wartbar wie der "große Bruder" J2EE. Praktisch: das Management-Framework passt sich den auf einem mobilen Gerät verfügbaren Ressourcen an. Automatisch!
Foto: Wikimedia | Das OSGi-Framework
Möglicher Vorteil durch JSR232: er bringt potentielle Applikationsbauer in Verzückung. So spricht der amerikanische Netzbetreiber Sprint von spannenden neuen Services, die sich durch Nokias JSR erschließen. Insbesondere bestehende SOA (Service Oriented Architecture)- oder Komponentenframeworks (Stichwort: Enterprise Beans) ließen sich durch den Einsatz des JSR232 einfacher auf mobilen Endgeräten einpassen. Direkten Nutzen sieht beispielsweise auch IBM, die ihre Collaboration-Objekte der Workplace-Produkte so auf mobilen Endgeräten nutzen könnten.
Lange kann dauern, bis der "Otto Normalverbraucher" von Nokias Initiativgeist profitiert. Denn der JSR232 definiert vor allem ein Framework, das großgewachsene Enterprise-Applikationen dem Handy oder Smartphone ein Stückchen näher bringt. Dynamische Shopsysteme, ineinander übergreifende Workflows verschiedener Office-Applikationen und nahtloses Messaging dürften die ersten - zumindest für Unternehmens-ITler - spürbaren Erfolge sein, die man mit dem JSR232 feiern wird.
Für den interessierten Leser hier noch ein paar Ergänzungen zum JSR 232:
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Fernwartung: in Anlehnung an den OMA-DM Standard definiert JSR 232 eine
Fernwartungsschnittstelle, die sich leicht mit dem auf modernen Telefonen schon
vorhandenem OMA-DM Framework verbinden läßt. Dadurch kann in Zukunft die mobile
Java Plattform bis auf Applikationsebene ferngewartet werden!
- JSR 232
basiert auf J2ME CDC (Connected Device Configuration) und bietet den
Programmierern J2SE 1.4 kompatible APIs, was die Entwicklung komplexer mobiler
Anwendungen erheblich vereinfacht.
- Nachladbarkeit von Code: im Gegensatz zu
MIDP2/CLDC Java können Anwendungen modular aufgebaut werden. Module können
jederzeit nachgeladen werden und, die notwendigen Zugriffsberechtigungen
vorausgesetzt, von allen Anwendungen verwendet werden. Daraus ergeben sich
mächtige Deployment-Szenarien, mit denen u.a. auch das
Java-Fragmentierungsproblem reduziert werden kann.