Mit der Portierung des Apache2-Webservers auf seine S60-Plattform schafft Nokia eine Basis für innovative Services. Vor allem die Verwaltung von PIM-Daten könnte so deutlich komfortabler werden.
Angesichts der Leistungsfähigkeit mobiler Plattformen lassen sich neuartige Anwendungsfälle erdenken, an die selbst die Urväter der mobilen Multimediamaschinen kaum gedacht haben dürften. Eine wichtige Komponente für den Austausch von Daten in Netzwerken ist die sogenannte "Middleware", die dafür sorgt, dass Daten von einem Kommunikationspartner zum anderen überwechseln. Als bekannteste Grundlage von Middleware-Systemen ist der quelloffene Webserver Apache das beste Produkt, um Daten anderen im (mobilen) Web zur Verfügung zu stellen. Nokia präsentiert jetzt die Frucht seiner Bemühungen, den Server auch auf mobile Endgeräte zu portieren. Unter dem Codenamen "Raccoon" (Waschbär) entwickeln die Finnen eine mobile Version des beliebten Webservers. Die Codebasis stammt von der UNIX-Variante des Apachen. Neben dem eigentlichen http-Daemon portierte Nokia auch wichtige Module, die man von der Serverplattform kennt, darunter mod_alias und _auth, mod_dav, mod_rewrite(!) und als besonderes Schmankerl mod_python, das die Ausführung von dynamischen Seiteninhalten erlaubt und als Alternativ zu PHP oder JSP-Technologien avanciert. Als Testgerät diente den Entwicklern ein Nokia 6630 mit Symbian-Betriebssystem, das Inhalte via Raccoon-Apache über ein Bluetooth-PAN bereitstellt. Um Inhalte vom Telefon auch Handy-Clients versenden zu können, musste man allerdings einen Umweg gehen, da die Firewalls der Netzbetreiber den offenen 80er-Ports des Handys in der Regel blockieren. Der Trick liegt in einer Gateway-/DNS-Lösung fürs Portmapping, die der Netzbetreiber bzw. Kunde installieren muss, um sein Handy vollständig serverfähig zu machen.
Das Ziel der ganzen Aktion sei eine vollständige Integration des Mobiltelefons in die Infrastruktur des Internets. Inhalte auf dem Handy würden so auch auf Desktop-Clients und Notebooks zur Verfügung stehen, sodass man z.B. seine Kontakte und Kalenderdaten ohne zwischengeschaltete Synchronisierungsmechanismen im Browser bearbeiten könnte. Die Anwendungsfälle einer Handy-Middleware sind vielseitig: Eine Demo-Anwendung von Nokia sendet beispielsweise von einem Internet-PC eine Anfrage an den Handy-Nutzer, ein Foto aufzunehmen. Dieses wird über den Webserver automatisch an den Anfragenden zurückgesandt. Personalisierte Handy-Webseiten, Webcam-Lösungen, Lokalisierungsanwendungen, Instant-Messaging, Abwesenheitsmeldungen, Handy-gehostetes Webblogging, öffentliche Bildergalerien und PIM-Anwendungen sind weitere Ideen, die sich mit einem Handy-gehosteten Webserver realisieren ließen.
Wer Nokias Lösung gerne ausprobieren möchte, bekommt die Quellen für den embedded Apache2-Server direkt bei SourceForge. Sie sollten laut Hersteller auf allen S60-Modellen der 2nd Edition mit Featurepack 2 laufen. Die Installationsskripte sind für Linux-Compiler vorgesehen, sollten aber auch auf Windows-Rechnern funktionieren. Vorbedingung für eine vollfunktionale Umgebung ist eine statische IP-Adresse, die man z.B. bei dynamischen DNS-Diensten kostenlos erhalten kann. Alternativ lässt sich ein Gateway-Zugang direkt bei Nokia ordern.
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