Der Walkie-Talkie-Dienst Push-To-Talk kommt heute ein gutes Stück voran. Die Open Mobile Alliance definiert erstmals eine Funktionsbeschreibung, die für alle Hersteller und Netzbetreiber gelten soll. Einer netzabdeckenden Infrastruktur und einer Einführung des Dienstes steht damit nichts mehr im Wege.
Vielleicht ist manchem Leser in amerikanischen Reallife-Soaps schon einmal das beständige Piepsen im Hintergrund aufgefallen. Oder die seltsame Haltung der Handys, wenn West Coast Customs-Ingenieure mit ihren Kollegen "telefonieren". Wenn ein Handy piepst und es sich jemand statt ans Ohr einen halben Meter entfernt vors Gesicht hält, hat das nichts mit einer gewöhnlichen Freisprecheinrichtung zu tun, sondern deutet vielmehr auf ein Gespräch hin, das der Teilnehmer via "Push-To-Talk" führt. Dieser Walkie-Talkie-Dienst, der in Nordamerika von Millionen Kunden genutzt wird, ist bis heute nicht richtig in Deutschland oder Europa angekommen: schuld daran sind nicht ausschließlich Netzbetreiber oder Hersteller, sondern in erster Linie die zähe Definition eines gemeinsamen Standards, über den sich Push-To-Talk-Gespräche übers GSM/GPRS- oder UMTS-Netz führen lassen.
Ab heute kann die Einführung von "PoC" (PTT over Cellular) oder "PTT", wie Push-To-Talk oft abgekürzt wird, in größeren Schritten voranschreiten, denn die Open Mobile Alliance, ein Konsortium der weltgrößten Netzbetreiber und Hersteller, hat die erste endgültige Version (OMA PoC 1.0 AER) des Standards beschlossen, der die Funktionsweise der Walkie-Talkie-Technologie im Detail beschreibt. Die Testphase hierfür dauerte knapp ein Jahr und bezog über 20 Client- und ein halbes Dutzend Server-Vorschläge für die Implementierung des Dienstes mit ein. PTT-Gespräche werden übers SIP-Protokoll vermittelt und erfordern damit die Lokalisierbarkeit der IP jedes einzelnen Teilnehmers. Anders als bei herkömmlichen Handy-Telefonaten nutzt PTT Datenpakete, um Sprachinformationen zu übertragen. Um PoC überhaupt zu ermöglichen, benötigt man einen auf dem Handy einen PoC-Client, der im wesentlichen folgende Merkmale unterstützen muss:
Auf der Serverseite müssen neben Endpunkten für die geforderten Client-Merkmale Funktionen vorhanden sein, die das Geräte- und Gruppenmanagement für viele PoC-Konversationen gleichzeitig übernehmen. Dieser "Enabler" muss Gruppeninformationen speichern, um schnell Konferenzgespräche unter mehreren Teilnehmern zu ermöglichen. Über sogenannte "Group Advertisements" lässt sich eine Nutzergruppe neuen Teilnehmer bekannt machen. Optional kann der Server auch sogenannte "Presence"-Informationen vorhalten, mit denen man die Verfügbarkeit eines Gesprächspartners erfragen kann. Mit Hilfe dieser Client-Server-Kommunikation sind dann folgende Anwendungen realisierbar:
Die Zahl der potenziell PoC-fähigen Endgeräte ist hoch: Nokia verbaut beispielsweise mittlerweile fast in jedem zweiten seiner Handys einen Client für Push-To-Talk. Auch Sony Ericsson, Motorola und BenQ-Siemens haben Handys im Angebot, die PoC-fähig sind. Dabei bleibt die Frage offen, ob die "alten" PoC-Handys auch die finale OMA PoC 1.0-Version nutzen können, denn nicht alle bislang integrierten Clients müssen sich zwangsweise an die Regeln halten, die die OMA im Vorfeld aufstellte. Trotz des reichhaltigen PTT-Angebots haben sich bis auf T-Mobile alle Netzbetreiber Deutschlands vom Walkie-Talkie-Dienst ferngehalten, offenbar war den Mobilfunkern das Risiko des Aufbaus eines proprietären PTT-Netzwerks zu hoch.
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