In Regensburg ist dieser Tage von ein von der Bayerischen Landesmedienanstalt initiiertes internationales Forschungsprojekt zum Thema Handy-TV gestartet worden. Über zwei Jahre wollen die Partner des europäischen Digital-Multimedia-Broadcasting-(DMB) Projektes "MI FRIENDS" neue Inhalte und Formate ausprobieren.
Handy-TV ist nach Angabe von Managern und Marketing-Fachleuten ein großer leerer Markt. Doch keiner weiß, wie man ihn bedienen soll. Um das Unternehmerrisiko in diesem neuen Markt zu minimieren, hat sich unter der Schirmherrschaft der Bayerischen Landesmedienanstalt eine Projektgruppe zusammengefunden, die in einem Forschungsprojekt neue Formate entwickeln will, die vom Kunden auch entsprechend honoriert werden. Dazu haben sich 70 Projektpartner aus neun europäischen Ländern zusammengeschlossen, die in einer ersten Phase TV-Inhalte anbieten. Der Focus liegt dabei auf regionalen TV- und Radio-Angeboten. In einer zweiten Phase sollen dann zusätzlich zu den linear ausgestrahlten Inhalten interaktive Inhalte kommen. In einem dritten Schritt planen die Initiatoren Multistandard-Empfangsgeräte einzusetzen, die nicht nur DMB-Angebote, sondern auch Programme im Standard DVB-H empfangen können.
200 Testpersonen werden für das Projekt in Regensburg ausgewählt. Regensburg ist nach Aussage der Forscher "auch deshalb ausgewählt worden, weil sich die mittlere Größe der Stadt [...] sowie ihre demografische und sozioökonomische Zusammensetzung statistisch gut eignet, um die Projekterkenntnisse auf andere europäische Städte und Regionen zu übertragen." Aus den gewonnenen Erkenntnissen hoffen die Forscher geeignete Geschäftsmodelle für Mobile Broadcasting ableiten zu können. Bereits zur Fussball-WM gab es eine kurze Testphase mit 190 Personen in München, die Ende August abgeschlossen wurde. Damals ging es jedoch lediglich darum, die Sendemöglichkeiten des DMB-Standards zu testen. Weitere Projekte werden grenzüberschreitend im Bodenseeraum folgen sowie in Südtirol.
Fraglich dürfte für viele bleiben, warum ein eigenes Forschungsprojekt? Der Anbieter MDF (Mobiles Fernsehen Deutschland) bietet schon über mobilcom (ab Oktober) und debitel mobiles Fernsehen über DMB. Der "watcha" genannte Dienst ist schon jetzt in vielen Großstädten in Deutschland empfangbar. Am Forschungsprojekt ist allerdings weder MDF noch debitel oder mobilcom beteiligt. Daher wäre es u.U. sinnvoller gewesen mit den Providern und deren Kundschaft zusammenzuarbeiten, statt mit nur 200 Leuten ein eigenes Projekt zu starten.
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