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Autor: Markus Goebel | 29.02.2008 - 14:19 | (1)

Openmoko: Google soll Android als Open Source freigeben

Die Organisation Openmoko entwickelt ein Betriebssystem und Anwendungen für das Handy, deren Quellcode allen frei zur Verfügung steht. AreaMobile hat mit dem Geschäftsführer von Openmoko, Sean Moss-Pultz, über die Vor- und Nachteile von Open-Source-Software und die Zukunft der mobilen Technik gesprochen.

Openmoko: Google soll Android als Open Source freigeben

Linux war eines der wichtigsten Schlagwörter auf dem Mobile World Congress in Barcelona. Das freie Betriebssystem wird auf immer mehr Handys eingesetzt und ist theoretisch unbegrenzt erweiterbar. Nur lassen die meisten Hardware-Hersteller das nicht zu. Eine der wenigen Ausnahmen ist die Firma Openmoko. Auf ihren Smartphones Neo 1973 (mehr lesen) und Neo Freerunner (mehr lesen), kann man jede Software installieren wie auf einem PC, den eigenen Kernel kompilieren oder neue Treiber programmieren. Von so viel Freizügigkeit können die Besitzer anderer Linux-Handys nur träumen. Selbst das als offene Plattform angekündigte LiMo-Linux ist in Wirklichkeit verschlossen wie ein Sarg. Laut eines LiMo-Sprechers, der ungenannt bleiben wollte, nutzen die Mitglieder der LiMo-Foundation Linux nur, weil sie dafür keine Lizenzgebühren zahlen müssen, was die Kosten für die Handyherstellung senkt. Er fügte hinzu, selbst Googles Linux-System Android (mehr lesen) sei viel offener. Am offensten ist aber Openmoko. Deswegen unterhielten wir uns mit dem Geschäftsführer der Organisation Sean Moss-Pultz.

sean moss pultz openmoko 175px offiziell presse

Sean Moss-Pultz |
Foto: OpenMoko

Wie ist der aktuelle Stand des Openmoko-Projektes? Wir hatten unsere Produktion bisher auf spezielle Handys für Software-Entwickler beschränkt und wollten eigentlich nur eine kleine Menge an ein paar begeisterte Anhänger verkaufen. Aber wir waren schon nach drei Tagen ausverkauft und haben gemerkt, dass wir dringend neue Handys produzieren müssen. Für uns sind diese Software-Entwickler ein Teil unserer Firma. Im Moment haben wir ungefähr zehntausend. Weil unser Produkt immer bekannter wird, bekommen wir mehr Anfragen aus den verschiedensten Richtungen. Von unserem nächsten Gerät, Neo Freerunner, werden wir gleich mehr produzieren und auch Produkte für den Massenmarkt an den Start bringen. Das beste an unserem Neo ist, was er nicht tut. Er schließt Dich von nichts aus. Es ist ein Linux-Computer, mit dem Du machen kannst, was Du willst.

Was ist das schwerste daran, ein GSM-Handy komplett neu auf Basis von Linux zu entwickeln? Openmoko startete als Projekt des taiwanischen Hardware-Herstellers First International Computer (FIC) und wurde kürzlich als unabhängiges Unternehmen ausgegliedert. Wir mussten die Open-Source-Software entwickeln, ein Team finden, die Produktentwicklung voranbringen, die Zukunft planen und ein Unternehmen aufbauen, während jeder dabei zusehen konnte. Viele unserer Herausforderungen sind philosophischer Natur, nicht technisch. In einer normalen, geschlossenen, Firma durchläuft die Hardware-Entwicklung viele Stufen, ohne dass die Öffentlichkeit daran teilnimmt. Zuerst werden ein paar Prototypen gebaut und intern ausprobiert. Später baut man mehr Hardware und führt ein Pilotprojekt durch, an dem ein paar Angestellte der eigenen Firma teilnehmen. Am Ende wird alles so der Öffentlichkeit präsentiert, als wäre es gerade frisch aus dem Ofen gekommen. Openmoko hat dagegen sein Innerstes nach außen gekehrt. Entwickler aus der ganzen Welt können mit unseren Protypen spielen. Warum? Weil sie zu uns gehören. Unsere Entwickler sitzen innerhalb der Firma und außerhalb. Das ist ein bisschen wie eine Reality-Show im Fernsehen. Wir zeigen öffentlich, wie wir ein Gadget für die Zukunft bauen. Das ist wie eine Mischung aus den TV-Sendungen Survivor, Dirty Jobs und Ice Road Truckers. Was haben Openmokos Smartphones für technische Spezifikationen? Wie schneiden sie Vergleich zur Konkurrenz ab? Das kann jeder selbst auf openmoko.org nachlesen. Oberflächlich betrachtet sind es GSM-Handys mit GPS, WLAN, Bluetooth, 3D-Grafikbeschleunigung und Beschleunigungssensor. Aber bei uns geht es nicht um einen Technikwettlauf oder einen Schönheitswettbewerb. Die Neo-Smartphones befreien die Hardware und die Software. Jedes Stück Software auf dem Handy ist absolut offen. Wenn Du selbst dafür programmieren willst, kannst Du alles verändern. Wenn Du keine Lust darauf hast, lädst Du einfach eine gute Software herunter, die jemand anders programmiert hat.

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Neo1973

Und wo kann man die Smartphones kaufen? Unser Neo 1973 war im Juli 2007 im Angebot. Wir sind total ausverkauft und werden es nicht weiter produzieren. Unser nächstes Produkt, Neo Freerunner, kommt demnächst auf den Markt. Ich glaube, dass wir bisher vor allem bei Technik-Fans Anklang finden und dass es noch einige Zeit so bleibt. Aber das bedeutet keine Einschränkung für uns. Am besten finde ich, dass wir von Openmoko lediglich die Rahmenbedingungen schaffen müssen, um Veränderungen herbeizuführen. Die eigentliche Revolution wird von unserer Community vorangebracht. Um so mehr Leute für unsere Plattform programmieren, um so größer wird auch der Markt. Wir haben eine gute Nische gefunden. Das ist wichtig, weil die Massenmarktwerbung über das Fernsehen tot ist. Man kann heute ein Produkt nicht mehr direkt in großen Stückzahlen vermarkten. Die Leute haben einfach zu viele Auswahlmöglichkeiten und zu wenig Zeit. Openmoko sticht hervor, weil wir anders sind. Wir sprechen direkt die Bedürfnisse einer extrem kreativen Gruppe an. Wir wollen ihnen Werkzeuge und Inspiration geben. Sie sollen merken, dass sie die Kraft haben, die Welt zu verändern. Die Firma Openmoko ist Teil ihrer Community. Wir verstärken ihre Stimme. Wer hatte eigentlich die Idee für das Projekt? Vor eineinhalb Jahren war ich Produktmanager bei FIC, einem großen OEM-Hersteller aus Taiwan, und sollte die Entwicklungsrichtung für unsere Abteilung festlegen. Dabei war ich ziemlich eingeschränkt, weil wir nur Geräte mit Windows Mobile entwickeln durften. Ich habe aber schnell gemerkt, dass es nicht immer so sein muss. Man kann auch aussteigen. Das Smartphone, das ich wirklich entwickeln wollte, war das moderne Gegenstück zum programmierbaren Taschenrechner: Ein Gerät, das sich einfach benutzen lässt, dass der Nutzer aber unendlich erweitern kann. Meine wichtigste Erkenntnis war damals, dass die freie Software der eigentliche Motor für die Internet-Entwicklung ist. Ohne Open Source würde das Internet immer noch wie 1995 aussehen. Bei Openmoko geht es jetzt darum, diese Technologie auf mobile Geräte zu übertragen. Überall sollen die Leute ihre Handys von den Einschränkungen befreien können, die ihnen Hardware-Hersteller und Netzbetreiber auferlegen. Das ist die Geburt eines neuen Internet, nicht nur eine Überarbeitung. Unser erstes, vollkommen offenes Endgerät heißt "Neo 1973". Es hat Zugang zum Internet, kennt immer seinen Standort und basiert komplett auf freier Software. Bisher lebte die Mobilfunkbranche wie in einer Matrix: gefesselt durch proprietäre Systeme. Neo will diese Wände einreißen. Die Menschen sollen sich aus der Matrix befreien und wieder selbst für sich entscheiden können.

Was halten Sie von dem anderen offenen Linux für Smartphones, dem Android von Googles Open Handset Alliance? Wir unterstützen alle Bemühungen für freie Software. Für uns muss eine Software-Plattform von oben bis unten offen sein. Der Source Code muss frei verfügbar sein, von den niedrigsten Ebenen der Programmierung, die direkt mit der Hardware kommunizieren bis zu der Oberfläche, die der Nutzer bedient. Wir hoffen, dass Android sich in diese Richtung entwickelt. Wir fordern sie dazu auf. Ist Openmoko an Android beteiligt? Ja. Wir bearbeiten sie, damit sie der Open-Source-Bewegung beitreten und alles als frei einsehbaren Source Code veröffentlichen. Alles bis zum letzten Treiber, genau wie wir das machen. Hat die Open Handset Alliance Kontakt zu Openmoko aufgenommen? Ja. Enthält Android auch Source Code von Openmoko? Unser Source Code ist frei verfügbar unter der GNU General Public License (GPL). Jeder kann ihn nehmen. Und hat Openmoko sich selbst am Source Code von Android bedient? Wenn sie ihren Code frei unter der GPL veröffentlichen würden und er gut ist, würden wir ihn schon verwenden. Darum geht es ja bei Open-Source-Software. Dadurch wird die Bewegung immer stärker. Wie wirkt sich Android auf das Openmoko-Projekt aus? Es ist ziemlich demütigend. Wir hätten nie erwartet, dass eine Firma wie Google unser Konzept zur Befreiung des Handys übernimmt. Es ist aber auch aufregend. Wir merken dass durch ihre Unterstützung viele neue offene Anwendungen entwickelt werden.

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Googles Android auf einem Prototypen | Quelle: AreaMobile

Warum ist eigentlich Harald Welte von Openmoko abgesprungen? Er war „Senior Software Archtitect System Level“ und wir waren ziemlich stolz darauf, dass er aus Berlin kommt. Berlin kann stolz sein. Harald ist ein großartiger Programmierer und war entscheidend für die Entwicklung unseres ersten Endgerätes, des Neo 1973. Er hat eine riesige Menge Arbeit geleistet und ist immer noch Teil von jedem Neo, der verkauft wird. Wir kommen aber auch ohne ihn klar, weil er großartige Vorarbeit geleistet hat. Wie wird die mobile Kommunikation in zehn Jahren aussehen? Das neue Schlagwort heißt ja "offen". Verizon und AT&T öffnen ihre Netze, Google will eine offene Frequenz im 700-Megahertz-Bereich und das mehrere Milliarden Dollar teure mobile Wimax-Netz von Sprint soll offen für alle Endgeräte sein. Wo führt das hin? Es gibt immer zwei Ansätze. Bei dem einen zahlt der Nutzer für die Bandbreite, also für Telefonieren und Internet-Benutzung, und bekommt dafür sein Handy kostenlos. Bei dem anderen ist die Bandbreite kostenlos, wie heute bei WLAN, und die Leute müssen sich die Geräte selbst kaufen. In der einen Welt zahlen sie für die Bandbreite und in der anderen für die Handys. Wenn aber der Zugang zu den Netzen geöffnet wird, dann können mehr Spieler aufs Feld kommen und der Kunde hat mehr Auswahl. Darum geht es auch bei Openmoko.

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Kommentare
  1. 30.05.08 15:49 Anonymous (Gast)

    Na dann entwickelt mal schön bis zum
    St. Niemerleinstag. Bis ein Openmoko beim
    Endkunden ankommt ist die Firma am Ende.

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