Das HandyTV-Konsortium Mobile 3.0, das mobiles Fernsehen via DVB-H auf den Handybildschirm bringen wollte, steht kurz vor der Auflösung. Die Online-Ausgabe der BILD-Zeitung schreibt, dass die beteiligten Verlage Burda und Holtzbrinck sowie der Medienkonzern Naspers überlegen, wie sie die Zusammenarbeit in den Projekt beenden können, ohne sich zu blamieren. Der Partner Mobiles Fernsehen Deutschland (MFD) sei bereits ausgeschieden.
Dem Bericht zufolge sind einige Fragen noch unbeantwortet. Die Partner müssen klären, in welcher Höhe die bereits investierten Millionenbeträge verteilt werden und wie die Rückgabe der bereits erteilten Sendelizenzen erfolgt. Zuletzt wollte Mobile 3.0 seinen bezahlten TV-Dienst zur Fußball-EM 2008 starten, kam jedoch nicht über einen Testbetrieb in vier Städten hinaus. Grund für die Verzögerung sei die schleppende Frequenzvergabe in den einzelnen Bundesländern. Obwohl sich die Gesamtkonferenz der Landesmedienanstalten mit dem Betreiberkonsortium auf einen Start im Juni geeinigt hatte, konnten die Länder Bremen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen die Vergabe nicht abschließen und Sendefrequenzen für DVB-H freigeben. Doch erst nachdem alle Bundesländer die Frequenzen freigegeben haben, kann mit dem Netzaufbau begonnen werden.
Auch der technische Fortschritt könnte für DVB-H das Aus bedeuten. Die Handys sind mittlerweile leistungsfähig genug, um Fernsehen via DVB-T zu empfangen. Der als "Überall-Fernsehen" beworbene Standard ist im Unterschied zu DVB-H schon deutschlandweit und vor allem kostenlos verfügbar. Das "echte Handyfernsehen", wie Mobile 3.0 es bezeichnet, sollte mit Ausnahme der öffentlich-rechtlichen Sender nur verschlüsselt ausgestrahlt werden und gegen eine Monatsgebühr zu empfangen sein. Die Pressestelle von Mobile 3.0 war auf Anfrage zu keiner Stellungnahme bereit. Somit bleibt abzuwarten, für welchen Weg man sich entscheidet. Auch für die Industrie hat die Entwicklung eine Signalwirkung, denn DVB-H wie im Nokia N96 hat für deutsche Verbraucher keine Bedeutung mehr. Stattdessen wird mobiles Fernsehen via DVB-T immer interessanter.
ich würde niemals IPTV über UMTS oder LTE nützen, weil man dann zum gläsernen
Bürger wird. Es kann von jedem Nutzer ganz genau geprüft werden was und wie
lange er schaut.
Ich bin für Broadcasts bei denen man schauen kann ohne
irgendwelche Daten seden zu müssen. Wer möchte kann ja trotzdem mit dem Sender
interagieren. Aber bei IPTV geht nichts ohne dass man sich zu erkennen gibt in
dem man Daten sendet.
Außerdem ist eine Broadcaststriktur auch
wirtschaficher, da nicht jedem einzelnen Nutzer die gleichen Daten zugesendet
werden müssen , sondern es bekommen alle die gleichen Daten zur selben Zeit.
Wenn 2010 LTE kommt, hat jeder genug Bandbreite für alles. Wozu dann noch DVB-H?
Bis es ein Netz gibt, das bundesweit Datenraten von 5 MBit/s und mehr an ALLE
Nutzer liefern kann, werden sicher noch einige Jahre vergehen. Deshalb wird
DVB-T wohl bis dahin das Rennen machen. Dass höhere Datenraten bei den Handys
auch mobiles Fernsehen ermöglichen, ist dagegen klar und wird sicher so kommen.
DVB-H ist -T natürlich insbesondere in puncto Stromkonsum voraus, und das ist
beim Anwendungsfall Fernsehen natürlich ein wichtiger Faktor. Nokia zeigte
außerdem, dass man DVB-H-Empfänger ohne "peinliche" Antennen bauen kann, die
man aus dem Gerät herausziehen muss.
Ich denke, nicht DVB-T ist der
Konkurrent und das vermeintliche Totschlagsargument für -H, sondern IP-TV bzw.
HSDPA- oder LTE-basierte Streaming-Technologien. Die lassen sich besser
kommerziell kontrollieren (was nicht immer ein Nachteil sein muss), bieten
weitaus mehr Flexibilität und einen ständig verfügbaren Rückkanal.
Der
Netzbetreiber, der das erste vernünftige, streaming-basierte "MobileTV"
ausstrahlt, das alle Originalprogramme der ÖRs und Privaten kostenlos (bzw. GEZ)
sowie viele private / kommerzielle Sender zu üblichen Preisen +Mobilaufschlag
anbietet, wird imho gewinnen.
DVB-H braucht viel weniger Batterie als DVB-T. Es wäre schön, wenn es kostenlos
ausgestrahlt würde und Mobile 3.0 sich das Geld für die Verbreitung bei den
Fernsehsendern holen könnte. Wer nicht zahlt, kommt nicht aufs Handy.
Bei DVB-H sind die Netzbetreiber und TV-Anbieter immer sehr am zugehörigen
IP-Rückkanal interessiert. Dadurch können sie ihre Broadcast-Kunden genau
identifizieren, abkassieren und die Werbung personalisieren. Anonym lässt sich
nur DVB-T sehen.