Nokia hat den Firefox auch für die Grafikbibliothek Qt portieren lassen. Das kann weitreichende Auswirkungen haben, weil der Open-Source-Browser dadurch auf vielen Mobilplattformen lauffähig wird. Nokia will sich dadurch aus der Umklammerung von Apple befreien, die das Webkit-Projekt steuern und damit auch die Entwicklung des S60-Browsers kontrollieren. Ein Browserkrieg zeichnet sich ab.
Nokia und das Mozilla-Projekt haben gemeinsam den Webbrowser Firefox für die portiert. Dafür waren gerade mal fünf Tage nötig. Firefox kann dadurch in den kommenden Monaten auf immer mehr Betriebssystemen für Mobilgeräte zum Laufen gebracht werden. Der Schritt ist umso bemerkenswerter, weil Mozilla neulich die Entwicklung von Firefox für das iPhone aufgeben musste und Apple als Schuldigen dafür benannt hat. Es zeichnet sich ein neuer Browserkrieg ab, wie er bereits in den 90er Jahren zwischen dem Firefox-Vorgänger Netscape und dem Internet Explorer um die Vorherrschaft auf dem PC geführt wurde. Nur Microsoft hat bisher noch nicht eingegriffen.
Qt ist vor allem bekannt, weil die weitverbreitete Linux-Oberfläche KDE darauf beruht. Aber auch Windows und Mac OSX können mit der Grafik-Software arbeiten. Die Entwickler von bekannter Software wie Skype, Google Earth oder des Opera-Browsers verwenden Qt für ihre grafische Benutzeroberfläche, weil sie ihre Anwendungen dadurch gleich plattformübergreifend programmieren können. Selbst Windows Mobile unterstützt seit Mai 2008 Qt. Dadurch wurden bereits einige relativ komplizierte KDE-Programme unter dem Microsoft-Betriebssystem zum Laufen gebracht, demnächst wahrscheinlich auch Firefox. Verantwortlich für die weitere Entwicklung der Grafikbibliothek ist seit Januar Nokia. Der finnische Handyhersteller hat die Softwarefirma Trolltech aufgekauft, die Qt entwickelt. Durch diesen Schachzug kann Nokia jetzt seine Anwendungen wie Nokia Maps, Ovi oder Plazes so entwickeln, dass sie gleichzeitig auf dem Handy und dem PC laufen können. Derselbe Quellcode kann dann für jede Plattform verwendet werden. Wenn eine Software beispielsweise für Windows programmiert wurde, lässt sie sich danach mit der passenden Qt-Variante für eine weitere Plattform kompilieren. Das soll auch für S40 und S60 gelten, wie aus dieser Grafik hervorgeht, die Nokia veröffentlicht hat:
Die Portierung von Firefox macht den Open-Source-Webbrowser auf allen mobilen Plattformen verfügbar, die mit Qt kompatibel sind. Eine Version für die mobile Linux-Variante Maemo, die Nokia auf seinen Internet Tablets einsetzt, lässt sich bereits von der Website herunterladen. Verantwortlich ist wieder einmal der Mozilla-Programmierer Vladimir Vukicevic, der schon im April die mobile Firefox-Variante Fennec präsentiert hatte. Sie basiert auf der neuesten Version, Firefox 3, die auch auf dem PC verfügbar ist. Für seine Veröffentlichung wurde der Quellcode des Browsers ausgemistet und optimiert, damit Firefox 3 auch auf Mobilgeräten mit langsamer Hardware funktioniert.
Eigentlich wäre die Portierung gar nicht nötig gewesen, denn zu Qt gehört in der neuesten Version die Bibliothek Webkit, die für die Anzeige von HTML-Seiten auf dem Bildschirm zuständig ist. Webkit ist auch das Kernstück von Nokias Browser für S60 und von Apples Safari-Browser für das iPhone. Ihre Entwicklung wird durch Apple koordiniert und genau darin liegt ein Knackpunkt für Nokia: "Sie sind beunruhigt, dass Webkit zu einem bestimmten Grad von Apple kontrolliert wird, die mit ihrem iPhone eine Konkurrenz zu Nokia darstellen", sagte der Programmierer Oleg Romaxa neulich auf einer KDE-Konferenz. Er muss es wissen, denn er war für seinen Arbeitgeber Nokia an der Qt-Portierung beteiligt. Firefox sei einfach ein besserer Browser als Webkit. Er habe viel mehr Funktionen und Nokia müsse kaum selbst etwas programmieren. Statt dessen können sie einfach die vielen funktionsfähigen Schnittstellen und Plugins nutzen, die tausende Firefox-Entwickler in den vergangenen Jahren programmiert haben.
@mgoebel: danke für die korrekte Beschreibung, was "wirklich" neu ist.
Wünschen wir Firefox auf dem Handy eine große Zukunft - allzu rosig sahs ja
bislang nicht aus. Ich frag mich grade, ob die Qt-basierte Firefox-Engine auch
solche Sachen wie XUL oder Add-Ons mitmacht...
Mein Gott, warum reisst Firefox denn so ein Mund auf ? Ist doch wohl klar oder
?
Die wollen mit ihren Browser den Explorer und Apples Safari platt
machen.
Und Nokia, macht da sicherlich auch mit, und schieben dann mal schnell
allen anderen die Schuld in die Schuhe.
So setzt man sich ins gute
Licht.
Scheinheilig Scheinheilig Scheinheilig
wär ja ok wenn keiner installiert wäre aber was soll das mit 2-3 browsern
surfen?
so nen quatsch
Genauer gesagt wurde wurde ein neues Qpainter-Backend für die Cairo-Bibliothek
der Gecko Rendering Engine von Firefox 3 programmiert. Der Qt-Port soll jetzt
als weitere Gecko-Version gleichberechtigt neben den Varianten für Gtk2, Win32
und OSX stehen. Erklärt wird das
hier:
[url]http://arstechnica.com/news.ars/post/20080818-nokia-helps-port-firefox-[/url]
to-qt.html
Mich kotzt das an es so viele verschiedene Browser gibt!
Ja, das soll alles noch implementiert werden oder läuft bereits. Oleg Romaxa von
Nokia sagte auf der Konferenz in dem Interview mit KDE.News:
"The Qt port is
mostly ready now for our browser. For full Firefox support, we need to implement
XUL widgets, theming, and make some implementation for Flash player (NPAPI)
support: it works but doesn't currently draw anything."