Bisher schlossen sich Handy, Flugzeug und Sicherheit gegenseitig aus. Doch das könnte sich bald ändern.
Bis März 2008 war an Telefonieren im Flugzeug nicht zu denken. Das galt zumindest für die Fluggesellschaften, die ihren rechtlichen Sitz in Deutschland hatten. Das Bundesministerium für Verkehr hatte enorme Sicherheitsbedenken. Die Strahlung der Mobiltelefone und UMTS-Karten für das Notebook könnte die Funktionen der Bordelektronik empfindlich stören, meinte man und setzte ein grundsätzliches Verbot für Handy. Die Flugzeugtechnik gibt es aber inzwischen her, dass die Maschinen so nachgerüstet werden können, dass von den Mobiltelefonen keine Gefahr mehr ausgeht. Ein technisches System gibt es bereits: Das OnAir-System ist bereits von der EASA (so wird die Europäische Agentur für Flugsicherheit kurz genannt) zugelassen worden.
Ähnliche Systeme gibt es auch für den Internetzugang im Flugzeug. Dafür muss ein sogenannter Hotspot zur Verfügung gestellt werden, der die Einwahl in ein WLAN-Netz innerhalb der jeweiligen Maschine ermöglich. Das würde auch das Problem Telefonieren im Flugzeug beheben, weil man dann sogar die Voice-over-IP-Technik, zum Beispiel mit Hilfe der verschiedenen Messanger, nutzen und in vielen Fällen sogar kostenlos telefonieren könnte.
Es liegt aber im Ermessen der einzelnen Fluggesellschaften, das Telefonieren im Flugzeug zuzulassen. Sie dürfen das nur, wenn sie die entsprechende Technik an Bord haben. Das wiederum bedeutet zusätzliche Investitionen für die einzelnen Fluggesellschaften, denen sich in Zeiten immer größer werdenden Sparzwangs niemand stellen möchte. Schließlich müsste man die dafür anfallenden Kosten über die Flugpreise refinanzieren, und das könnte zu einer Reduzierung der Wettbewerbsfähigkeit vor allem im Bereich der Billigfluglinien kommen...
Außerdem sollte man sich vor einer Kritik am Handy-Flugzeug-Verbot einmal vor Augen halten, was passieren würde, wenn es plötzlich eine komplette Freigabe geben würde: Mit der Ruhe im Flugzeug wäre es ein für allemal vorbei. Bei mehreren hundert Fluggästen in einer Maschine wie dem Airbus würde es ständig in irgendeiner Tasche klingen, und es gäbe ein wüstes Geplapper, dass wiederum andere Fluggäste stören würde, die zum Beispiel einen Nachtflug zum Schlafen nutzen möchten. Das könnte sogar so weit führen, dass die Crew im Ernstfall Probleme hätte, wichtige Informationen an die Passagiere geben zu können. Sowohl der Hotspot für den Internetzugang als auch das OpenAir-System könnte in einem solchen Falle blitzschnell komplett abgeschaltet werden.
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