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Autor: Stefan Schomberg 13.12.2014 - 13:00 | 0

Samsung Gear S Testbericht

Samsung Gear S Test: Handy-Uhren-Zwitter für Technikfans

Smartwatches sind grundsätzlich praktisch, kosten aber viel und sind ohne verbundenes Smartphone meist hilflos. Samsung geht darum einen anderen Weg und verpasst der Gear S einen eigenen SIM-Karten-Slot, wodurch die Uhr auch autark nutzbar ist. Ob das uneingeschränkt stimmt und wie sich die Gear S insgesamt schlägt, klären wir im Test.

Gehäuse-Design und -Verarbeitung

Smartwatches sind gar nicht schlau, ohne angeschlossenes Smartphone können sie kaum noch was. Darum geht Samsung mit dem eingebauten Funkmodul bei der Gear S einen anderen Weg - das gilt auch für Betriebssystem und Design. Während Motorola und LG auf Android Wear setzen und mit ihren runden Displays und dem gesamten Design klassische Herrenarmbanduhren imitieren, verzichtet Sony auf diese Tarnung gleich ganz. Samsung hingegen setzt auf eine Mischung aus Modeschmuck und Technik-Nerdgasm mit außergewöhnlichem Betriebssystem, um seine aktuelle Smartwatch an den Mann und die Frau zu bringen. Entsprechend zwiegespalten fallen Äußerungen zum Design aus: Die einen finden die Uhr wegen ihrem stark gebogenen Display und dem schmalen Chromrahmen darum richtig schick, denn dadurch erinnert sie eher an einen schmückenden Armreif, was besonders Frauen anspricht. Andere empfinden den „Plastikbomber" einfach nur als billig. Wir tendieren eher zur ersten Kategorie, können aber nicht ganz verhehlen, dass uns die Uhr viel zu dick (12,5 Millimeter!) und wuchtig ist und echtes Metall sicherlich hochwertiger gewesen wäre.

Samsung Gear S Unboxing | (c) Areamobile

Im Test: Samsung Gear S

Samsung Gear S Unboxing | (c) Areamobile

Ständig Spiegelungen auf dem gebogenen Display

Samsung Gear S Unboxing | (c) Areamobile

Ganz schön dicker Brocken | (c) Areamobile

 

Eine gewisse Faszination weckt aber das stark gebogene Display der Uhr auf jeden Fall - so etwas gab es bislang kaum. Als positiven Nebeneffekt hebt Samsung außerdem hervor, dass sich die große Uhr besser an ein Handgelenk anschmiegt, da nicht nur das Display, sondern der ganze Uhrenkorpus gebogen ist. Das mag generell stimmen, hängt aber auch von der Dicke des Gelenks und von der Tragweise ab. Wer besoncders dünne Ärmchen hat oder seine Armbanduhren gerne vor den Handgelenkknochen trägt, wird beim Tragekomfort eher bei anderen Uhren mit herkömmlicherer Form glücklich, zumal das Armband der Gear S im Test auch noch etwas steifer als bei den Konkurrenten wirkt. Immerhin lässt es sich austauschen, allerdings nur gegen Armbänder von Samsung. Denn wie bei der Smartwatch 3 von Sony kann man den Uhrenkorpus aus dem umschließenden Kunststoffarmband herausdrücken. Das erneute Einfädeln ist etwas umständlich und verlangt viel Nachdrücken, stellt aber insgesamt kein großes Problem dar. Die Faltschließe des Armbandes sieht mit seiner Mischung aus glänzendem Chrom und gebürstetem Alu-Look hochwertig aus, schließt aber bisweilen äußerst widerspenstig und verlangt dann viel Druck. Geöffnet wird sie durch einfachen Zug, einen speziellen Schließmechanismus gibt es nicht. Von allein öffnete sich das Armband in mehreren Wochen Testphase allerdings trotzdem nicht. Leichte Kratzer waren hingegen schon nach wenigen Tagen auf dem Metall zu sehen. Die starke Biegung des Displays sieht schick aus, hat aber auch einen Nachteil: Fast egal wie man die Uhr hält - irgendeine Spiegelung ist immer auf dem Display. Das stört im Alltag aber wegen des kontrastreichen Displays nur wenig.

Display-Größe und -Qualität

Samsung Gear S Unboxing | (c) Areamobile

Schön scharf | (c) Areamobile

Apropos Display: Mit 2 Zoll und einer Auflösung von 480 x 360 Pixel, was einer Bildschärfe von 300 Pixel pro Zoll entspricht, bietet die Samsung Gear S derzeit das größte und schärfste Smartwatch-Display auf dem Markt. Dank der Verwendung von AMOLED als Technologie profitieren Nutzer von guten Blickwinkeln, satten Farben und hervorragendem Schwarzwert - Schwarz ist auch wirklich schwarz und nicht dunkelgrau wie bei LCDs. Praktisch ist der eingebaute Umgebungslichtsensor, der nachts die Leuchtkraft des Screens reduziert. Die Uhrzeit lässt sich mit einem vereinfachten Ziffernblatt auch dauerhaft anzeigen, es wird unter anderem durch die typische "auf-die-Uhr-schau-Geste" voll aktiviert.

System: Hardware, Software und Bedienung

Die Bedienung der Gear S weicht von Android Wear leicht ab, ist aber nach kurzer Eingewöhnungsphase eingängig. Die Uhrzeit wird dauerhaft angezeigt - zumindest wenn man die etwas versteckte Option dazu unter "Design" findet. Dann profitiert man von der stromsparenden Funktion von AMOLED, wenn Schwarz dargestellt werden soll. Statt komplett auszugehen wird dann eine vereinfachte Version des gewählten Ziffernblattes in Schwarz-Weiß gezeigt, das erst bei Aktivierung durch Druck auf den mittig unter dem Display platzierten Knopf, durch die typische „auf-die-Uhr-schau-Geste" oder das Berühren des Displays voll dargestellt wird. Genaugenommen wird aber auch dann noch kein volles Display angezeigt, sondern nur eine weitere abgespeckte Version, dieses mal aber immerhin schon in Farbe - das finden wir ziemlich überflüssig, denn bei voller Aktivierung kommen dann nur noch Feinheiten wie etwa die diversen Zeiger für Sekunden, Batteriestatus o.ä. hinzu. Ansonsten erreicht man mit einem Fingerwisch von unten das Hauptmenü, ein Wisch von oben führt immer wieder einen Schritt zurück. Direkt zurück auf das Ziffernblatt geht es mit einem Druck auf den physikalischen Druck unter dem Display. Seitliche Wischbewegungen von rechts führen auf bis zu fünf belegbare Homescreens, das gleiche von links zeigt die letzten Statusmeldungen wie Mails und sonstige Nachrichten an.

Samsung Gear S Unboxing | (c) Areamobile

Unterschiedliche Ziffernblätter

Samsung Gear S Unboxing | (c) Areamobile

Schnellzugriffe wie bei Android Wear

Samsung Gear S Unboxing | (c) Areamobile

Quasi Widgets | (c) Areamobile

 

Das Problem daran: Der nicht näher genannte Dual-Core-Chipsatz in der Samsung Gear S im Test schafft es nicht, die Uhr komplett flüssig zu betreiben. Immer hakt und stockt es leicht, das ist einer Smartwatch für 399 Euro UVP nicht würdig! Dabei interessiert es auch nicht, wie stark das Ruckeln wirklich ist - neutral betrachtet kann man damit gut leben, aber das galt auch schon für die Moto 360, die wir trotzdem zu Recht für ihre leichten Ruckler gerügt haben - das muss 2014 nicht mehr sein, die Technik ist längst stark genug! Selbst die Android-Uhren laufen mit der gleichen restlichen Ausstattung wie 512 MB RAM und 4 GB internem Speicher ziemlich flüssig. GPS ist auch noch mit an Bord, zudem die typischen Sensoren für Smartwatches wie Pulsmesser und Schrittzähler. Sogar ein UV-Sensor ist integriert - in unseren Breiten eher selten nützlich. Wie gewohnt ist die Uhr gegen Wasser und Staub mit IP67-Zertifizierung geschützt. Von gelegentlichen Rucklern abgesehen läuft alles gut, alles funktioniert. So wie vorgesehen zumindest. Dazu gehört es aber auch, dass man kleine Apps erst installieren muss, obwohl es so scheint, als ob das ab Werk der Fall ist. Verwendet man etwa den Sprachassistent S Voice, der normalerweise durch einen Doppeldruck auf den Knopf unter dem Display aktiviert wird und dann in gewohnten Bahnen funktioniert, kann man zwar vieles sagen, aber längst nicht alles kann auch ausgeführt werden. Will man etwa einen Timer stellen, muss man den zuvor aus dem App Store von Samsung herunterladen. Für Navigation gilt das gleiche. Dafür wird nicht Google Maps genutzt, sondern Here for Gear, also der Nokia-Navigationsdienst. Für all das braucht man aber einen Samsung-Account. Das ist aber noch nicht alles. Das größte Problem: Samsung kocht mal wieder sein eigenes Süppchen.

Das erlauben die Fans seit Jahren allerdings nur Apple ungestraft, unserer Meinung nach schaufelt Samsung damit das Grab seiner kompletten Smartwatches. Zumindest derer, die wie die Gear S im Test mit dem eigenen Betriebssystem Tizen laufen. Denn die verbinden sich ausschließlich mit Samsung-Smartphones und dem darauf laufenden Gear Manager - und das auch nur mit einigen Topmodellen wie Galaxy S5, Galaxy Alpha und Galaxy Note 4. Alle anderen Nutzer von Smartphones anderer Hersteller werden ausgeschlossen, Käufer eigener Produkte größtenteils auch. Das schränkt den potentiellen Käuferkreis dramatisch ein und senkt somit die Verkaufszahlen. Dadurch haben Entwickler zusätzlich auch kaum Lust, für die Tizen-Uhr Apps zu entwickeln. Klar, Apps gibt es, aber das sind derzeit weit weniger als bei Android Wear und viele davon sind auch noch überraschend teuer. Gefühlt kostet jede zweite App mehr als einen Euro, manche auch fast fünf Euro. Für eine Smartwatch ist das aber einfach zu viel. Die Samsung Gear S im Test will allerdings auch gar nicht nur einfach Smartwatch sein, sondern mehr. Und damit übernimmt sich Samsung. Ohne angeschlossenes Smartphone hilflos? Nicht mit der Gear S! Denn der Hersteller des "Alleskönners" belebt eine alte Idee wieder, die schon vor etlichen Jahren kaum auf Gegenliebe stieß: Die Gear S kann eine SIM-Karte aufnehmen und verfügt über ein eigenes GSM-Modul. Mit ihr lassen sich daher autark Telefonate durchführen und Daten mit HSPA+-Geschwindigkeit empfangen. Die Samsung-Uhr ist also auch ein kleines Handgelenk-Smartphone. Per eingebautem WLAN kann sie dann Daten empfangen, Bluetooth 4.0 sorgt dann etwa für eine Verbindung mit einem Headset.

Samsung Gear S Unboxing | (c) Areamobile

Samsung Gear S Unboxing | (c) Areamobile

Samsung Gear S Unboxing | (c) Areamobile

Samsung Gear S Unboxing | (c) Areamobile

Samsung Gear S Unboxing | (c) Areamobile

Nur mit Gear Manager | (c) Areamobile

 

Das funktioniert schon alles - aber auf so einem kleinen Display tippt es sich naturgemäß eher unkomfortabel - welchen Sinn macht es dann, etwa für Browser oder SMS-Versand eine winzige Volltastatur einzublenden? Richtig gehört - unter den Samsung-Apps findet man etwa auch den kostenlosen Opera-Mini-Browser, mit dem man etwa die Desktop-Version von Areamobile überraschend gut auf sein Handgelenk bekommt. Da ruckelt dann auch nichts - egal ob Scrolling oder Zoom. Aber die Adresse eingeben wird zum Geduldsspiel, obwohl es noch besser funktioniert, als mancher vielleicht glauben will. Eine Alternative ist in solchen Situationen aber die Spracheingabe, die halbwegs ordentlich arbeitet. Was fehlt noch für ein vollwertiges Smartphone? E-Mails kann heute jedes noch so günstige Smartphone empfangen. Nicht so die Gear S. Im autonomen Modus zumindest nicht, per Bluetooth verbunden schon. Ganz autark kann man die Gear S im Test also doch nicht verwenden.

Telefon-Funktion und Akku

Es wurde bereits angedeutet: Mit der Gear S im Test kann man auch telefonieren. Das geschieht entweder mit eingelegter Micro-SIM oder per Bluetooth-Verbindung mit dem Smartphone, wobei das Handy den eigentlichen Anruf aufbaut und die Uhr als Mikrofon dient. Und als Lautsprecher. Denn im Gegensatz zu den Android-Wear-Smartwatches verfügt die Gear S auch über einen Lautsprecher und damit kann man überraschend gut telefonieren. Zumindest in ruhiger Umgebung gibt es keinerlei Verständigungsprobleme, wie mehrere Telefonate gezeigt haben. Das gilt für beide Seiten der Leitung. Telefoniert man über die eingelegte SIM-Karte kann auch ein Bluetooth-Headset verwendet werden.

Samsung Gear S Unboxing | (c) Areamobile

Die Gear S lässt sich nur...

Samsung Gear S Unboxing | (c) Areamobile

...mit der dicken Ladeschale...

Samsung Gear S Unboxing | (c) Areamobile

...aufladen | (c) Areamobile

 

Der Akku ist einer der Schwachpunkte aller Smartwatches. Realistische Laufzeiten liegen hier zwischen 26 und 50 Stunden, das ist auf der einen Seite ausreichend, weil man damit gut über den Tag kommt, andererseits aber auch ganz schön wenig, weil es zuverlässig meist eben nur ein einziger Tag ist. Die Gear S im Test reiht sich hier ganz klar in die Rubrik "Eintagsfliege" ein, 29 Stunden war das Maximum am Stück, das die Smartwatch durchhielt - mit "Uhr immer an", also der stetigen Darstellung eines vereinfachten, schwarzweißen Ziffernblattes und ohne eigene SIM-Karte. Hält man sich vor Augen, dass davon etliche Stunden Nachtruhe abgehen, ist wirklich nicht viel mehr als ein Tag drin. Zur Not schaltet die Gear S auf Wunsch in einen Stromsparmodus, in dem dann aber auch nicht mehr viel mehr als das bloße Anzeigen von Uhrzeit, Anrufen und Nachrichten möglich ist. Um die typisch kurze Akkulaufzeit zu verlängern hat sich Samsung einen Trick einfallen lassen, der gleichermaßen genial und absurd ist.

Zum Laden der Uhr packt der Hersteller eine Ladeschale in den Lieferumfang, die erstaunlich dick ist und mit etwas Kraft an die Uhr geklipst werden will. Das ist weniger elegant als bei Motorola und - wegen des immer geschlossenen Armbandes - auch LG, aber immer noch praktischer als bei Sony. Mit angeklipster Ladeschale werden die Pogopins der Uhr entsprechend mit der Schale verbunden und die Uhr lädt. Wer hingegen weiß, dass er länger als einen Tag ohne erreichbare Steckdose unterwegs sein wird, der kann diese Ladeschale einfach mitnehmen. Denn in sie integriert der Hersteller einen weiteren Akku, der mit 320 mAh sogar noch etwas stärker ist als die 300 mAh der Batterie im Inneren der Uhr. Das ist genial. Allerdings wird die Uhr dadurch natürlich auch so dick, dass sie nicht mehr am Handgelenk getragen werden kann und der Akku der Uhr wird nur zu etwa 70 Prozent geladen - das ist dann schon wieder eher absurd.

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Samsung Gear S: Tizen-Smartwatch mit gewölbtem Display im Unboxing (50 Bilder)

Samsung Gear S Unboxing | (c) AreamobileSamsung Gear S Unboxing | (c) AreamobileSamsung Gear S Unboxing | (c) AreamobileSamsung Gear S Unboxing | (c) Areamobile
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Fazit

Die Samsung Gear S hinterlässt einen zwiegespaltenen Eindruck - so zwiegespalten, wie sie selbst ist. Denn sie will einerseits Smartwatch sein, andererseits Smartphone im Handgelenkformat. Und so bietet sie zwar einen größeren Nutzungsumfang als die Konkurrenten, ohne auf dem jeweils deckungsgleichen Gebiet aber im Schnitt besser zu sein. Der Akku ist schwächer als bei den besseren Smartwatches, die Telefonfunktion ist gut umgesetzt, allerdings gilt das ohne Hilfsmittel nur in ruhiger Umgebung. Eine Volltastatur auf 2 Zoll ist außerdem ziemlich sinnfrei, auch wenn es irgendwie schon funktioniert - das gilt auch für einen vollen Internetbrowser am Arm. Praktikabel ist das schlichtweg nicht. Und natürlich ist es toll, dass die Uhr auch mit eigener SIM-Karte läuft, aber wer will schon für seine Smartwatch einen zweiten Mobilfunkvertrag abschließen? Zumal einige Aspekte ohne angeschlossenes Smartphone gar nicht funktionieren - E-Mails lassen sich dann nämlich nicht abrufen. Und für eine reine Smartwatch ist die Gear S einfach zu teuer. Technik-Fans werden trotzdem zur Tizen-Uhr greifen - sofern sie selbst ein Galaxy-Smartphone besitzen und den hohen Preis von 400 Euro für die Uhr bezahlen wollen. Denn das gebogene Display hat schon was, keine Frage. Und mit der Gear S im Test könnte man eben. Wenn man denn wollte.

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