Bestechende Qualität, abzugsreife Fotos, vergessen Sie ihre Digitalkamera. Die Marketingmaschinen der Handyhersteller laufen seit über zwei Jahren heiß - dem Zeitpunkt der ersten Megapixeloptik in einem deutschen Handy (Sharp GX30). Angekommen sind wir bei fünf Megapixeln und nach wie vor herrscht Unklarheit, ob man eine Handykamera mit einer echten Digitalkamera messen kann. Um das Fazit vorwegzunehmen: abgesehen von Digitalkameras, die man für wenig mehr als hundert Euro beim Discounter "ergrabbeln" kann, kann keine Handykamera qualitativ mit Digicams mithalten.
Doch für Nutzer ohne semiprofessionellen Anspruch dürfte sich die Überlegung lohnen, statt zwei Geräten nur eines anzuschaffen. Lohnenswert sind insbesondere die aktuellen Handymodelle ab 3 Megapixeln Auflösung - und davon gibt es bereits einige. Die interessantesten Geräte haben wir uns im Detail angeschaut. Die Qualitätsunterschiede sind beträchtlich. top
Wir zogen für unseren zweiteiligen Test nur Kamerahandys von Markenherstellern heran, die mindestens über 3 Megapixel Auflösung verfügen, in größeren Mengen aktuell auf dem deutschen Markt verfügbar sind und an sich selbst den Anspruch stellen, als Ersatz für eine Digitalkamera herzuhalten.
LG KG920
LGs Fünfmegapixler
besticht insbesondere mit einer ausgeklügelten
Drehtechnik, die es ermöglicht,
das Display auch abzulesen, wenn man das Handy vor
dem Bauch oder über den Kopf hält. In den
seltensten Alltagsfunktionen ist dieser Formfaktor
wirklich praktisch. Ziemlich hakelig ist auch der
Umgang mit den kleinen und unkonventionell
angeordneten Tasten - der 5-Wege-Navkey wurde an
den Rand der Tastatur verbannt. Die Positionen der
Softkeys entsprechen räumlich nicht der Anzeige auf
dem Display, man muss oft umdenken, wenn man die
richtige Taste drücken will - ärgerlich, wenn der
Schnappschuss deswegen versehentlich wieder
gelöscht wird.
Obwohl das Linsensystem nicht besonders spektakulär aussieht und auch kein marketingtauglicher Name die Kameralinse ziert, verbergen sich ungeahnte Kräfte im KG920. Besonders auffällig: der integrierte Xenon-Blitz und das parallel dazu angebrachte Kameralicht für Videoaufnahmen oder Motivausleuchtung. Das KG920 verfügt über eine vergleichsweise langsam arbeitende Autofokusfunktion, nicht aber über einen optischen Zoom. 5-Megapixelbilder werden bis zu zwei Megabytes groß und brauchen dementsprechend lange, bis sie auf der mitgelieferten 256MB großen miniSD-Karte verewigt sind - mehrere qualitativ hochwertige Schnappschüsse lassen sich so nicht aufnehmen. Beeindruckend ist auch die Videoleistung des Geräts: LG nutzt einen 3GP/H.263-Kodierer, um bewegte Bilder mit 320x240 Pixeln Auflösung mit bestechender Qualität auf die Speicherkarte zu bannen.
Abgesehen von der guten Kameraleistung bietet das KG920 wenig Komfort: ohne eingelegte Speicherkarte lassen sich keine Bilder aufnehmen - lediglich acht Megabyte RAM wurden dem Handy spendiert. Kalender- und PIM-Funktionen sind kaum der Rede wert, die Bediengeschwindigkeit auf niedrigem Niveau. Die Connectivity beschränkt sich auf Triband-GSM und Bluetooth. Auch der schwachbrüstige Akku mit 820mAh Kapazität reißt nicht gerade zu Begeisterungsstürmen hin: LG spendiert zum Glück einen Ersatzakku.
Sony Ericsson K800i
Sony
Ericsson profitiert von der Hardware des
Mutterkonzerns: im K800i findet man erstmals eine
Cyber-shot Optik von Sony, die
hervorragende Fotos aufnimmt. Flankiert wird die
Qualität von einem Bestpic-Modus,
der 9 Bilder in höchster Auflösung gleichzeitig
aufnimmt und aus denen man sich im Anschluss das
beste aussuchen kann. Eine Autofokusfunktion ist
auch beim K800i vorhanden, einen optischen Zoom
sucht man wie beim KG920 vergeblich. Dafür gibts
einen richtig hellen Xenon-Blitz samt
Entfernungsmesslicht und Anti-Rote-Augeneffekt.
Enttäuschend fallen die
Videoqualitäten aus - die
Videofunktion erlaubt lediglich die Aufnahme
176x144 Pixel kleiner Videos im 3GP-Format mit
weniger als 20 Frames pro Sekunde.
In Sony Ericssons 3-Megapixelboliden verstecken sich zeitgemäße Qualitäten ganz anderer Art. So wird die schnelle Nutzerführung auf dem brillianten QVGA-Display durchgängig mit Vektorgrafiken gerendert und ist leicht den Vorstellungen des Nutzers anpassbar. Bilder lassen sich mit einem Klick in ein Google-Blog hochladen, via UMTS Videotelefonate führen, RSS-Feeds lesen oder EMails abrufen. Mit 72MB integriertem Speicher ist man nicht zwangsläufig auf eine Erweiterung in Form eines Memorystick M2-Kärtchens angewiesen, da ein 3-Megapixelfoto knapp ein Megabyte groß wird, ist dessen Anschaffung aber sehr empfehlenswert.
Überzeugend für den Alltag sind auch die PIM-Funktionen des K800i: sie erlauben das Festhalten von mehreren Telefonnummern, EMail- und Postadressen. Der Geburtstag eines Kontakts wird automatisch im Kalender verewigt. Daten lassen sich via SyncML mit entsprechenden Servern abgleichen.
Nokia hat schnell auf den Wunsch vieler Nutzer reagiert, Fotos mit mehr als 3 Megapixeln Auflösung mit dem Handy aufnehmen zu können. Drei unserer Prüflinge stammen aus finnischer Produktion und sind allesamt Vertreter der Highend-Reihe "N-Series". N73 und N93 setzen auf Linsensysteme des deutschen Traditionsoptikers Carl Zeiss, das N80 gibt sich mit einer etwas günstigeren Linsenalternative zufrieden. Alle drei Telefone basieren auf Nokias Smartphone-Betriebssystem Symbian/S60 und sind daher ihren beiden Konkurrenten insbesondere in Bezug auf Business- und Internetfunktionen deutlich überlegen. Sie verfügen über ausgereifte Connectivity-Funktionen und nahezu beliebige Erweiterbarkeit.
Einen optischen Zoom (3-fach) bietet von den drei Handys nur das N93, das Nokia angesichts seiner majestätischen Dimensionen hochoffiziell als Multimedia-Computer tituliert, statt es Smartphone zu nennen. Dem Gerät wird diese Bezeichnung durchaus gerecht: außer abzugsreifen Fotos lassen sich mit dem N93 auch Videos mit 640x480 Pixeln Auflösung und über 30 Frames/Sekunde aufnehmen, die im MPG4-Format kodiert werden. Die LED-Leuchte am unteren Rand der Linse kann es zwar helligkeitsmäßig nicht mit der Konkurrenz aufnehmen, reicht aber für Portraitfotos im Dunkeln aus. Mit dem N93 ist es erstmals bei Nokia möglich, Fotos in voller Auflösung direkt an Fotoblogs der Community Flickr.com zu senden - da detailreiche Aufnahmen locker ein Megabyte groß werden können, sollte man hierfür aber eine schnelle Datenverbindung samt entsprechend begünstigter Datenoption nutzen.
Das N80 will seit seinem ersten Erscheinen weniger mit der Qualität als mit seiner äußerst ausgereiften Connectivity punkten. WLAN, UMTS, EDGE und eine schnelle Bluetooth-Schnittstelle sind derzeit wie im N93 das Nonplusultra mobiler Datenverbindungen. Via WLAN lassen sich mit den WLAN-Ports von N80 und N93 Fotos und Videos an UPnP-fähiges Multimedia-Equipment, beispielsweise Fernsehgeräte, Settop-Boxen oder Mediacenter-PCs versenden. Das N73 konzentriert sich auf Foto- und Smartphone-Funktionen und bietet diese Möglichkeit mangels WLAN-Port nicht. top
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