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Microsoft Deepfish beta: Vorschau auf den neuen Windows Mobile-Browser

Internet-Surfen auf dem Handy ist ein großes Thema. Zwar brauchte das mobile Internet einige Jahre Anlaufzeit, um sich als Massenmedium zu etablieren, doch schaffen es schnelle Netzstandards, leistungsfähige Browser und brilliante Display immer häufiger, Kunden von den Vorzügen des Internets für die Jackentasche zu begeistern.

Die Zeit ist reif für neue Browser

Foto: AMB | Nokias S60/KHTML-Browser

Foto: AMB | Internet Explorer auf Windows Mobile 6

Microsoft hatte lange Zeit ein Ass im Ärmel: während auf gängigen Mobiltelefonen allenfalls WAP- und XHTML-Browser wegen langsamen Prozessoren und unausgereifter Software kläglich an der benutzbaren Darstellung großer Webseiten scheiterten, portierte Microsoft seinen Internet Explorer vom Desktop auf den Handheld. PDAs waren leistungsmäßig Handys weit voraus und erlaubten die hinreichend schnelle und optisch akzeptable Darstellung von Inhalten aus dem World Wide Web. 2007 zwingt die Konkurrenz den Redmonder Konzern, nachzulegen. Nokia installiert auf seinen S60-basierten Smartphones mittlerweile ausschließlich einen Browser mit KHTML-Engine, der mit vielen Komfortfunktionen, verschiedenen Zoomstufen, voller ECMA-Kompatibilität und vor allem einer äußerst ansprechenden Darstellung von Webseiten aufwartet.

Der norwegische Ansatz Opera Mobile verlässt sich auf Proxy-unterstützte Surffunktionen, die nicht nur den Datenverkehr verschlanken, sondern auch das Rendering-Resultat perfektionieren. Und schließlich stellte im Januar Apple sein iPhone vor, das mit Hilfe von Bildschirmgesten den mobilen Zugriff auf Internetseiten intuitiver gestaltet und ebenfalls die Engine KHTML nutzt.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit arbeiten Mitarbeiter der Microsoft Labs derzeit an einem Browser für Windows Mobile-Endgeräte, die den Internet Explorer ablösen und an die Leistung der Konkurrenzprogramme heranreichen soll. Die Betaversion des Projekts "Deepfish" wurde im Frühjahr 2007 erstmals an einen ausgewählten Testerkreis herausgegeben. Wir haben uns den aktuellen Stand von Bedienung und Qualität näher angeschaut.

 

Mobile Browsing - neu definiert

Deepfish wird als CAB-Installer bereitgestellt, den man entweder via Microsoft ActiveSync bzw. dem Vista Device Center auf seinem Smartphone oder PDA installiert oder mit Hilfe des Endgeräts herunterlädt und dort direkt aktiviert. Die grundlegende Navigation ist übersichtlich und simpel: außer einer Adressleiste, einer rudimentären Favoritenverwaltung und einem Zurück-Knopf gibt's noch keinen Komfort für den Deepfish-Tester.

Das "Geheimis" hinter Deepfish ist ähnlich wie bei Opera Mobile ein Proxy-Server. Ein leistungsstarker zentraler Rechner holt in Vertretung für das eigentliche Endgerät alle Webseiteninhalte von dessen Herausgeber ab und berechnet aus ihnen eine grafische Darstellung nach dem gleichen Verfahren wie herkömmliche Desktop-Betriebssysteme. Anschließend wird nur ein Abbild der Website ans mobile Endgerät gesendet, auf dem der Nutzer navigieren kann. Zoomt man in die Webseite hinein, werden detaillierte Grafikinformationen vom Server nachgeladen, sodass man beim Surfen permanent auf eine Online-Verbindung angewiesen ist. Der große Vorteil: die Handy- bzw. Smartphone-Prozessoren müssen deutlich weniger leistungsfähig sein, um auch aufwendige Webseiten naturgetreu darstellen zu können. Die große Herausforderung: es muss weiterhin die WWW-übliche Navigationslogik erhalten bleiben, inklusive Hyperlinks, speziellen Layout- und Dynamik-Technologien wie CSS, Javascript und Flash-Movies.

Betritt man erstmals mit Deepfish eine Website, fühlt man sich an Opera und das iPhone erinnert. Nicht, weil etwas außergewöhnliches passieren würde, sondern weil gerade nichts außergewöhnliches passiert. Die Seite sieht genauso aus wie auf dem PC, lediglich die Schrift lässt sich wegen der geringen Displayauflösung nicht mehr lesen. Es sei denn, man verfügt über einen Highend-PDA wie T-Mobiles Ameo / HTCs Advantage mit VGA-Display: hier lassen sich in vielen Fällen schon in der Ausgangsansicht detaillierte Informationen ablesen. Die Steuerung gelingt intuitiv: Ein Druck auf den Navkey öffnet ein schwebendes Zoomfenster, das man über dem Bereich der Webseite platziert, den man näher betrachten möchte. Nach dem Zoom genehmigt sich Deepfish eine kurze Ladezeit, um die detaillierteren Seiteninhalte abzurufen, die stufenweise nacheinander aufgebaut werden.

In der Nahansicht genügt ein Klick, um einen Mauszeiger zu aktivieren, der via Steuerkreuz über alle interaktiven Elemente wie Hyperlinks und Formularelemente gelenkt wird - das selbe Verfahren verwendet Opera in seinem neuen Mini-Browser der vierten Generation. Ein längerer Druck auf den Navkey bzw. auf den Touchscreen führt zurück in den Ansichtsmodus, ein erneuter Druck in die Übersicht.

In der Praxis verhält sich Deepfish trotz des Entwicklerstadiums hinreichend zuverlässig und erlaubt eine ähnlich komfortable Ansicht von Webseiten wie bei Nokia/KHTML oder Opera. CSS-Stile werden in der Regel korrekt dargestellt und Flash-basierte Inhalte als solche erkannt. Nicht funktional ist bislang AJAX, das man zur Ansicht hochgradig interaktiver Websites - insbesondere im Web2.0-Umfeld - benötigt. Auch noch etwas hakelig gestaltet sich die Ansteuerung und das Ausfüllen von Formularfeldern: da der Mauszeiger beim Springen über die einzelnen Elemente nicht immer dem logischsten Pfad folgt, ist man bisweilen länger damit beschäftigt, ihn auf dem gewünschten Eingabefeld zu platzieren. POST-basierte Formulare und Meta-Refreshs werden derzeit auch noch nicht unterstützt, sodass Anmeldeversuche an gängigen Web-Foren mit Deepfish noch zum Scheitern verurteilt sind.

Foto: AMB | Dank großem Display schon in der Initialansicht lesbar: Deepfish auf T-Mobiles AMEO

 

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