Das große Geschäft der Zukunft sieht Motorola in WiMAX. Der Konzern kämpft in der Handysparte, auf die mehr als 50 Prozent des Umsatzes entfallen, um Marktanteile und seine Profitabilität. An Absatzerfolge des RAZR konnte er nicht mehr anknüpfen und musste sich von der koreanischen Firma Samsung als Nummer zwei auf dem Weltmarkt hinter Nokia überholen lassen. Motorola ist heute ein mittelmäßiger Spieler in einem Business, dass sie ursprünglich einmal erfunden haben. Das erste kommerzielle Mobiltelefon der Welt war ein Motorola im Jahr 1983. Heute sollen sie in ihren Labors schon Geräte haben, die neben WiMAX auch GSM, UMTS, HSDPA und VoIP beherrschen.
Auch ein nahtloser Handover von WiMAX in das GSM-Mobilfunknetz soll möglich sein, ohne das ein Telefongespräch abbricht. Das sagte Andy McKinnon, verantwortlich für Motorolas WiMAX-Geschäft in Europa, dem mittleren Osten und Afrika bei einem Interview mit Areamobile.
"Das coolste Gerät, das man sich zur Zeit vorstellen kann, wäre ein iPod Touch mit WiMAX", schwärmte Elie Bensaci, WiMAX-Produktmanager von Nortel, auf dem Broadband World Forum. Davon muss er wahrscheinlich nicht mehr lang träumen. "Das Geschäft entwickelt sich jetzt sehr schnell, weil WiMAX bald in alle neuen Laptops mit Intel-Chips eingebaut wird", erklärt Robert Syputa, Senior Partner beim Telekommunikationsmarktforscher Maravedis. Zwar gibt es bis jetzt nur PCMCIA-Karten und USB-Dongles zu kaufen, die den mobilen WiMAX-Standard beherrschen. "Aber WLAN begann auch als PCMCIA-Karte, später wurde es fest in Laptops und Handys eingebaut und heute hat es jeder", sagt Andy McKinnon. "Wimax wird den selben Weg gehen." Schon in den kommenden Monaten sollen die ersten MP3-Player, Kameras und PDAs mit WiMAX in die Läden kommen.
Foto: Nokia | Noch ohne Wimax: Nokia Internet Tablet N800 | Datenblatt | Bildergalerie
Das erste Modell könnte ein Internet Tablet von Nokia sein. Schon im September hatte Nokia auf der Fachmesse WiMAX World in Chicago verkündet, dass sie in die Nachfolger ihrer Internet Tablets Nokia 770 und N800 den Wimax-Chip „Baxter Peak“ von Intel einsetzen wollen [Update: Das von Nokia am 17.10.2007 vorgestellte N810 verzichtet nach wie vor auf WiMAX - zur News]. Vielleicht sogar als Ersatz für den bisher verwendeten drahtlosen Internet-Zugang per WLAN. Auf dem Broadband World Forum sagte Moty Rosenbaum, Vertriebsmanager des weltgrößten WiMAX-Ausstatters Alvarion dass es "eine WiMAX-Version des N800 gibt, die aber anders heißen wird und Mitte 2008 in die Läden kommen soll".
Spätestens dann müssen sich auch die etablierten Mobilfunkunternehmen wie T-Mobile ganz genau überlegen, wie sie dem Trend begegnen sollen. Denn die Frequenzen für WiMAX werden oft an branchenfremde Unternehmen vergeben. Im US-Staat Iowa betreibt beispielsweise der Zeitungsverlag Moline Dispatch Publishing sein mobiles WiMAX-Netz, das die Städte Davenport, Bettendorf, Moline und Rock Island versorgt. "Die Telcos haben bisher noch Angst vor dem mobilen Breitband, weil sie nicht wissen, wie sie damit Geld verdienen können", erklärt Robert Syputa. "Aber sie müssen bei dem Spiel unbedingt mitmachen, weil sie sonst ihr Geschäft an die Konkurrenz verlieren. Schließlich arbeiten auch Google und Ebay ernsthaft an dem Thema." Vodafone ist vorsichtshalber schon im August dem Branchenverband WiMAX-Forum beigetreten.
Bereits jetzt sind theoretisch 50 Prozent der Weltbevölkerung mit offiziell vergebenen WiMAX-Frequenzen erreichbar und die Internet-Nutzung ist damit oft viel billiger als über den 3G-Mobilfunk. Wenn das Xohm-Netzwerk in Chicago im April offiziell den Betrieb aufnimmt, muss man dafür keinen Zweijahresvertrag mit Grundgebühr abschließen, wie es sonst bei Sprint und anderen amerikanischen Mobilfunk-Anbietern typisch ist. Stattdessen soll es günstige Prepay-Preise für jeweils einen Tag oder eine Woche geben. Allerdings muss sich auch jeder Nutzer sein Endgerät selbst kaufen und bekommt es nicht vom Netzbetreiber gesponsert.
Schade nur, dass wir in Deutschland noch länger auf solche Services warten müssen. Bei der Versteigerung der „Broadband Wireless Access“-Frequenzpakete im Dezember 2006 haben zwar drei Anbieter bundesweite Frequenzen zum Aufbau von WiMAX-Netzen im 3,5-GHz-Band erworben. Doch die Lizenzbedingungen legen fest, dass sich Clearwire Europe, Deutsche Breitband Dienste und Inquam Broadband damit auf stationäre oder allenfalls nomadische Anwendungen beschränken müssen. Echten Mobilfunk lassen die geltenden Frequenzbereichszuweisungs- und Frequenznutzungspläne in diesem Band nicht zu. Die Vorschriften werden aber von der bereits von der Bundesnetzagentur überarbeitet.
Internet, e-Business und Mobilfunk sind die bevorzugten Themen des Berliner Wirtschaftsjournalisten Markus Göbel. Seit 2001 arbeitet er als freier Journalist und Analyst für Financial Times Deutschland, WirtschaftsWoche, DIE ZEIT, AreaMobile und andere.
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