Viele Jahre lang haben Mobilfunkunternehmen ihre Kunden mit überhöhten Preisen ausgenommen, die technisch gar nicht notwendig waren. Zwar haben Konkurrenz und Regulierung die Preise in letzter Zeit gedrückt, doch der Unterschied zum Festnetz ist immer noch riesengroß. " Unternehmen wie Vodafone zahlen selbst nur 0,8 Cent pro Minute für einen Handy-Anruf von Deutschland nach China" , erklärt Hjalmar Windbladh, CEO der schwedischen Firma Rebtel. Sein Unternehmen verbilligt internationale Telefonate, indem es jedem Anzurufenden eine lokale Rufnummer zuweist und die Gespräche dann übers Internet ins Ausland verbindet. Deshalb stänkert er gern gegen die Geldschneider in der Mobilfunkbranche. " Warum kassieren sie für solche billigen Verbindungen einen Euro oder mehr?" , fragt er wütend.
Weil ihre Kunden keine andere Wahl haben. Anders als im Festnetz können sie keine Billigvorwahl vor die anzurufende Telefonnummer setzen und auf einen günstigeren Anbieter ausweichen. Meistens wissen sie gar nicht, dass gerade die teuren internationalen Handy-Telefonate fast zum Nulltarif übers Internet geschickt werden. Beim Einkauf der Telefonminuten macht es keinen Unterschied, ob sich ein Mobilfunkanbieter oder eine Festnetzfirma eindeckt.
" Für Anrufe in die meisten Länder der westlichen Welt kauft man auf Großhandelsebene 60 Minuten für 33 Cent" , enthüllt der Roaming-Experte Pat Phelan, Geschäftsführer der irischen Firma Cubic Telecom. Die Gewinnspanne der Mobilfunkunternehmen ist also riesig. Deshalb war auch die Erleichterung groß, als im vergangenen Jahr die ersten Handys auf den Markt kamen, die eben doch eine Alternative bieten: kostengünstige Internet-Telefonie (Voice over IP, VoIP) per WLAN und andere Services, die VoIP sogar ohne WLAN aufs Handy bringen. Daraus ist ein Trend erwachsen, der die Beutelschneider im Mobilfunk das Fürchten lehrt. " Gerade Manager befinden sich sowieso zu 80 Prozent ihrer Arbeitszeit in Büros mit WLAN" , erklärt Harry Behrens, Geschäftsführer des Berliner VoIP-Ausstatters 4S newcom. " Warum sollten sie in dieser Zeit teuer übers Mobilfunknetz telefonieren?" top
Die Kölner Firma Betamax unterbietet mit ihren verschiedenen Angeboten wie Voipstunt, Sparvoip, Voipbuster oder Lowratevoip fast jeden Telefonpreis weltweit. Für zehn Euro kann man vier Monate lang mit Voipstunt in die Festnetze von über 30 wichtigen Länder telefonieren. Deutschland ist natürlich mit dabei. Die britische Firma Truphone bietet schon seit neun Monaten die Festnetze von 40 Ländern komplett kostenlos an und wird diese Einführungsaktion wohl zum Jahreswechsel wieder einmal verlängern.
Technische Grundlage dieser günstigen Angebote ist das Session Initiation Protocol (SIP), das Forscher des Berliner Fraunhofer-Institut für offene Kommunikationssysteme (Fokus) in den 90er Jahren erfanden. Sie hatten die Nase voll von den dicken Rechnungen, die ihnen die Deutsche Telekom jeden Monat für Telefonate mit Partnern in Japan und den USA schickte. Professor Henning Schulzrinne und seine Leute setzten also hin, um ein System für kostenlose Telefonate übers Internet zu basteln. Sie starteten nicht weniger als eine Revolution damit. Heute haben viele WLAN-Handys, wie die E- und Nserie von Nokia, die SIP-Telefonie bereits vorinstalliert. Bei anderen Geräten können externe Programme dafür nachinstalliert werden. top
Eine ähnliche Lösung peilt wohl auch Truphone an, denn seit Juni bezeichnen sie ihre Software als " optimiert für 3G-Netze" . Die Briten sind immer für eine Überraschung gut. Erst Ende September zeigten sie auf einer Messe im kalifornischen San Diego, wie sie ihre VoIP-Lösung auf dem iPhone zum Laufen bringen, ohne dass man es dafür hacken muss und die Garantie verliert. Dabei ist die Installation von Fremdsoftware auf dem Edel-Handy von Apple doch eigentlich verboten und wird vom Betriebssystem verhindert. top
Ähnliche Blockademethoden verwenden auch die Mobilfunkbetreiber Vodafone und Orange. Seit April liefern sie das Nokia N95 in Großbritannien nur mit blockiertem VoIP aus, wenn Kunden es als billiges Vertragshandy kaufen. Angeblich weil Nokias SIP-Software nicht absturzsicher ist. " Wenn wir ein Gerät subventionieren, wollen wir über die Qualität sicher sein" , ist die wenig einleuchtende Erklärung von Helene Vigue, Business Devices Manager von Orange. Schließlich funktioniert auf den unsubventionierten N95 alles wunderbar. Allerdings ist die Angst der Mobilfunkunternehmen auch verständlich. In Europas wichtigster Wirtschaftsmetropole London deckt die Firma The Cloud bereits die ganze Innenstadt mit WLAN ab, so das man überall fast kostenlos über Truphone telefonieren kann. Lediglich die Datenpakete müssen bezahlt werden, eine Flatrate kostet zehn Euro im Monat.
Solche Entwicklungen werden sich noch verstärken, wenn die Netze für den neuen 3G-Mobilfunkstandard WiMAX aufgebaut werden, der wie ein riesengroßes WLAN funktioniert. Er ermöglicht bereits jetzt VoIP-Telefonate in ganz Chicago und den umliegenden Vorstädten. Mit 80 Kilometer pro Stunde können sich die Kunden des Wimax-Netzwerkes XOHM von einer Funkzelle zur nächsten fortbewegen, ohne dass ihr Gespräch abreist. Bezahlen müssen sie meistens nur eine billige Flatrate für die übertragenen Daten, weil die Mehrheit der VoIP-Anbieter Telefonate in die USA kostenlos ermöglicht. Sprachminuten zahlt niemand mehr. top
salut
Kann ich das alles auch mit einem chinesischen Chip machen? China>Deutschland, Deutschland>China
MfG Theo