Internet-Telefonie funktioniert auch auf den ältesten Mobiltelefonen. Nachdem wir zuletzt erklärt haben, wie man sie auf teuren WLAN-Handys einrichtet, zeigen wir heute, wie man einen Internet-Anruf auch über eine mobile Webseite, per Chat oder sogar mit einer SMS auslösen kann. Der Trick heißt Callback. Das Handy startet keinen Anruf, sondern meldet lediglich die Nummern beider Gesprächsteilnehmer an den Server einer Firma wie Jajah, Gizmo Project oder Voxalot. Der Server ruft dann beide an und verbindet sie übers Internet. Das ist besonders bei Telefonaten vom Handy ins Ausland günstig. Beispielsweise kostet ein Anruf ins peruanische Festnetz mit einem Privatkunden-Tarif von E-Plus 2,49 Euro pro Minute und mit Jajah nur 19 Cent.
Die Firma nutzt dafür aus, dass VoIP-Anrufe in die Festnetze der meisten Länder spottbillig sind und dass die Bundesnetzagentur in Deutschland einen Höchstpreis für ankommende Gespräche in Mobilfunknetzen festgelegt hat. Beispielsweise dürfen Vodafone und T-Mobile nie mehr als 7,92 Cent netto pro Minute von anderen Telefongesellschaften verlangen, wenn eine Handy-Nummer in ihrem Netz angerufen wird, e-plus und o2 höchstens 8,8 Cent. Diese Preise müssen allen anderen Telefongesellschaften "diskriminierungsfrei" gewährt werden. Sie gelten also auch für Jajah oder den Großhändler, bei dem sie sich mit Telefonminuten eindecken. Die zwei gleichzeitigen Anrufe, die der Jajah-Server für ein Telefonat von einem deutschen Handy ins peruanische Festnetz aufbaut, kosten zusammen ungefähr zehn Cent pro Minute. Die VoIP-Firma macht also mit ihren niedrigen Preisen einen ordentlichen Gewinn.
Um den Service nutzen zu können, muss man sich erst einmal auf der Webseite www.jajah.com registrieren. Jeder Neukunde bekommt 25 Cent Startguthaben zum Ausprobieren. Damit kommt man aber nicht sehr weit und schon bald wird die erste Aufladung fällig. Mindestens fünf Euro müssen per Kreditkarte, Überweisung, Moneybookers oder Paysafecard zu Jajah transferiert werden.
Das Telefonieren geht dann ziemlich einfach. Öffnen Sie auf dem Browser ihres Handys die Webseite mobile.jajah.com und geben Sie Ihre Anmeldedaten ein. Als nächstes öffnet sich eine Webseite, auf der schon ihre Telefonnummer hinterlegt ist und Sie nur noch die Nummer Ihres Gesprächspartners eingeben müssen.
Richtige Jajah-Experten drücken aber gleich auf das Wort "Ändern" und hinterlegen als "Meine Telefonnummer" die Nummer eines Festnetztelefones, das in der Nähe steht. Beispielsweise vom Anschluss ihres Hotelzimmers. Jajah-Telefonate sind nämlich viel billiger, wenn sie zwischen zwei Festnetzanschlüssen geführt werden. Den Anruf nach Peru bekommt man beispielsweise für nur 5,8 Cent pro Minute, auch wenn man ihn übers mobile Internet ausgelöst hat. Als nächstes gibt man die Nummer seines Gesprächspartners in die freien Felder ein und drückt "Anrufen".
Sofort klingelt auch das Telefon und eine Stimme sagt "Bitte warten sie. Jajah stellt Ihre Verbindung her." Innerhalb weniger Sekunden ist man verbunden. Gleich nach dem Ende des Gesprächs erscheint der Anruf im Einzelverbindungsnachweis auf der Webseite von Jajah.
Jajah ist übrigens sehr hartnäckig. Wenn die Verbindung nicht hergestellt werden kann, weil beispielsweise in Peru niemand ans Telefon geht, dann fragt die Computerstimme, ob sie es in fünf Minuten oder 15 Minuten oder einer Stunde noch einmal versuchen soll. Allerdings auf Englisch. Die Antwort gibt man über die Nummerntastatur seines Telefons. Für die mobile Nutzung von Jajah gibt es übrigens auch eine extra Software fürs Handy, den Jajah Mobile Plugin. Allerdings scheint das Programm nicht mehr weiter entwickelt zu werden. Jajah möchte wohl, dass seine Kunden vorrangig die mobile Webseite verwenden, weil sie dann nicht für jedes Endgerät eine eigene Software entwickeln müssen. Zumindest steht das Programm nur für ziemlich alte Mobiltelefone zur Verfügung.
Das ist eigentlich schade, weil bei Benutzung der Software viel weniger Daten übertragen müssen, als beim Telefonieren über mobile.jajah.com, wo nacheinander mehrere mobile Webseiten aufgerufen werden. Bei einigen Handys fügt sich Jajah Mobile nahtlos in das Betriebssystem ein. Man tippt einfach die gewünschte Nummer und telefoniert wie normal, nur eben über Jajah. Die Software unterdrückt sogar das Klingeln des eigenen Handys, wenn der Jajah-Server zurückruft. Dadurch fühlt sich die ganze Prozedur schon wie ein richtiges Telefonat an und nicht wie ein Callback. Diese nahtlose Version von Jajah läuft aber nur auf einigen Symbian-Telefonen. Andere Handys müssen sich mit einer weniger umfangreichen Java-Variante begnügen. top
Die Preise von Jajah sind zwar ziemlich günstig, aber sie lassen sich noch weit unterbieten. Wer keine Angst vor ein bisschen Bastelei hat, bekommt den mobilen Callback fast gratis. Lediglich ein bis zwei Kilobyte für mobile Daten fallen an. Aber die Telefonate kosten im besten Fall 0 Cent pro Minute. Möglich macht es Voxalot, eine Telefonanlage im Internet. Mit ihrer Hilfe kann man mehrere verschiedene VoIP-Anbieter gleichzeitig verwenden und für jeden Anruf automatisch den billigsten einsetzen.
In hatten wir schon erklärt, wie man gleichzeitig Truphone, Sipgate und Voipcheap auf einem WLAN-Handy von Nokia verwendet. Oft ist es aber einfacher, die Zugangsdaten zu seinen verschiedenen Anbietern auf der Webseite von Voxalot zu hinterlegen und auf seinem Handy nur noch einen VoIP-Zugang zu verwenden: Voxalot. Die Software auf den Servern der australischen Firma entscheidet dann automatisch, über welche der verschiedenen VoIP-Firmen sie einen Anruf verbindet. Außerdem kann sie eingehende Anrufe auf den verschiedenen Nummern der VoIP-Anbieter entgegennehmen und auf beliebige Endgeräte weiterleiten. Ein zusätzlicher Vorteil ist, dass man nur noch einen zentralen Anrufbeantworter für seine vielen verschiedenen Anbieter hat. Jede eingehende Nachricht wird per E-Mail gemeldet und kann über die Webseite abgehört werden.
Möglich macht solche Kunstgriffe wieder einmal der SIP-Standard. Der Service ist vergleichbar mit einem POP3-Sammeldienst für E-Mails, wie ihn z.B. GMX anbietet. Er ruft regelmäßig die E-Mails aus anderen Postfächern ab und sammelt sie in der Inbox von GMX.
Seit einigen Monaten gibt es Voxalot auch mobil. Die Handy-Webseite mobile.voxalot.com sieht ziemlich ähnlich aus wie Jajah fürs Handy und funktioniert auch fast genauso. Oben gibt man seine eigene Nummer ein und unten die des Gesprächspartners. Darunter kann auch noch eingeben, über welchen Anbieter man sich verbinden lassen möchte. Oder man belässt es einfach bei der Voreinstellung "Use Smart Call" und lässt die vorher definierten Wahlregeln für Voxalot entscheiden.
Im Eigenbau funktioniert auch der Callback per Chat, den man über den MSN Messenger, Yahoo oder Google Talk auf seinem Handy auslösen kann. Dazu muss man sich beim Service Gtalk2VoIP anmelden, der ziemlich ähnlich wie Voxalot funktioniert. Zusätzlich kann man damit auch seine Telefonanrufe auf seinem Instant Messenger von Yahoo, MSN oder Google entgegen nehmen. Auch bei Gtalk2VoIP hinterlegt man die Zugangsdaten zu seinen verschiedenen VoIP-Anbietern. Dabei stört auch nicht, wenn man sie bereits bei Voxalot und in seinem Handy hinterlegt hat. Durch den SIP-Standard sind mehrere gleichzeitige Anmeldungen mit verschiedenen Endgeräten beim selben Service möglich.
Selbst per SMS lassen sich Callback-Services benutzen. Dadurch lassen sie sich auch auf den verwenden. Die acht Millionen Kunden des kalifornischen VoIP Providers Mig33 senden einfach eine SMS mit ihrem Passwort und den beiden Telefonnummern, beispielsweise "ilovemig33*14155551212*61412345678" an die Nummer +44-771-7989963, und schon werden sie verbunden. Hier wird genau erklärt, wie das funktioniert.
salut
Kann ich das alles auch mit einem chinesischen Chip machen? China>Deutschland, Deutschland>China
MfG Theo