Weihnachten steht vor der Tür und so mancher Autofahrer hat ein Navigationsgerät auf seinem Wunschzettel stehen. Doch die sind mitunter teuer und haben neben der Navigation nicht viel zu bieten. Wo sind die Geräte, die noch ein bißchen mehr drauf haben, als von A nach B zu lotsen? Seit einiger Zeit drängen Mobiltelefone auf den Markt, die von sich selbst behaupten, ein herkömmliches Navigationsgerät ersetzen zu können. Nur, was taugen die? Wir haben uns zwei Highendgeräte ausgesucht und gegeneinander antreten lassen. Stellvertretend für die Navigationsriege steht Sonys Highend-Navi NV-U93T, für die Handyfraktion steigt Nokias Alleskönner N95 in den Ring. Ob und vor allem wie sie uns geleitet haben, zeigt unser Special.
Prinzipiell läuft erstmal alles gleich ab, denn schon aus versicherungstechnischen Gründen wird wohl kaum ein Besitzer eines mobilen Navigationsgerätes selbiges über Nacht im Wagen lassen. Also müssen beide Kontrahenten erst einmal in der Halterung verstaut und an den Zigarettenanzünder angeschlossen werden. Für kurze Fahrten geht das natürlich auch ohne externe Stromquelle, generell empfiehlt sich das aber dann doch, zumal Sony die Laufzeit des U93T gerade einmal mit bis zu zwei Stunden angibt und auch das N95 nach etwa drei Stunden im Navigationsbetrieb den Geist aufgibt. Doch der Einbau im Kfz enthüllt einen winzigen, aber entscheidenden Unterschied: während beim "echten" Navigationsgerät U93T alle dafür benötigten Gerätschaften wie Halterung oder Stromkabel für den Zigarettenanzünder mit im Lieferumfang enthalten sind, müssen die beim Mobiltelefon N95 erst extra erstanden werden. Da fallen in entwa 30 Euro an, wobei man derartiges Zubehör nicht über Nokia direkt, sondern nur über Zubehörshops im Internet findet - Interessenten können sich etwa in unserem Zubehör-Bereich umschauen.
Aber was ist denn eigentlich im Lieferumfang enthalten? Beim Sonys Navi findet man die erwähnte Halterung samt Zigarettenanzünderkabel, eine Software-CD, ein USB-Kabel und eine TMC-Antenne. Damit ist man vollends gerüstet für den urbanen Dschungel und sollte zuverlässig von Staus verschont sein Ziel erreichen können. Beim Nokia 95 sieht man das integrierte GPS-Modul wohl zumindest für den PKW eher als "Navigations-Ausbausatz", denn der gesamte Lieferumfang bezieht sich ausschließlich aufs Telefonieren und Multimediaeinsätze. Der Navigationsgedanke wird dabei völlig ignoriert. top
Sitzt im Auto alles fest an seinem Platz, kann es endlich losgehen. Dazu muss bei Sonys Navi lediglich das Ziel eingegeben werden und schon kann die Route berechnet werden. Das geht dank des riesigen 4,8 Zoll großen Displays im 16:9 Format und der überwiegend logischen Menüführung sehr einfach. Sonys U93T steht mit dieser Displaydiagonale einsam an der Spitze des Eisberges, es gibt nur wenige Navigationsgeräte, die in dieser Größenordnung mithalten können. Bei der Eingabe hat der Nutzer die Wahl zwischen mehreren Möglichkeiten. Die einfachste ist die direkte über die Zieladresse. Alternativ kennt das Nav-U auch eine große Anzahl an Points of Interests (POIs), Sonderzielen, die in Untergruppen katalogisiert angewählt werden dürfen. Die Auswahl ist riesig und reicht von Supermärkten über Krankenhäuser bis hin zu Parks und Sehenswürdigkeiten. Letztere werden auf der Karte sogar hübsch dreidimensional dargestellt und vermitteln so bereits vorab einen ersten Eindruck. An Daten mangelt es dabei kaum: der interne Speicher von 2GB ist fast randvoll mit Karten von allen westeuropäischen Ländern belegt.
Bei der direkten Adresseingabe auf Sonys NV-U93T ist der erste Abfragepunkt etwas nervig. Der betrifft das Land, denn Sony geht offenbar nicht davon aus, dass man im Normalfal überwiegend innerhalb des Landes reist, doch glücklicherweise merkt sich das Navi die letzte Eingabe. Etwas umständlich erscheint auch die virtuelle Navi-Tastatur, die leider nicht in der vom PC gewohnten QWERTZ-Reihenfolge, sondern alphabetisch angeordnet ist. Da sucht der Finger mitunter länger nach einem Buchstaben, doch zum Glück hilft eine Auto-Vervollständigung bei der Eingabe.
Hat man seinen Zielpunkt erfolgreich eingegeben, werden der Reihe nach die anderen Adressdaten wie Stadt und Straße abgefragt und der flache Breitbild-Navi fängt an, die Route zu berechnen. Und rechnet. Und rechnet. Je nach Route kann das schon mal 1-2 Minuten dauern, doch keine Angst: im Fahrbetrieb erfolgt eine Neuberechnung der Route glücklicherweise nahezu ohne Verzögerung. Praktisch: die aktuelle Route kann jederzeit in Form von Wegpunkten modifiziert werden. Zwischenstops bei der Großmutter, im Restaurant oder anderen Orten lassen sich in beliebiger Zahl einfügen und darüber hinaus in der Reihenfolge verändern. Ein klarer Vorteil gegenüber dem N95, das keine Wegpunkte kennt - die einmal geplante Route kann nicht mehr verändert werden. Immerhin schafft das N95 die Routenberechnung in etwa genauso schnell bzw. langsam wie Sonys Navi.
Aber beim N95 sieht alles ohnehin ganz anders aus, und damit ist nicht nur die Optik gemeint. Vor der Navigation kommt erst einmal das Bezahlen. Denn während man mit einem "normalen" Navi quasi ein Sorglos-Komplettpaket erwirbt, ist beim N95 zwar das Kartenmaterial und auch eine Routenplanung dabei, die eigentliche GPS-Navigation mit Sprachausgabe fehlt hingegen. Man kann lediglich Routen à la Google Maps planen und anzeigen lassen.
"Echte" Navigation auf dem N95 kostet also Geld. Die Navigationslizenzen beginnen bei 5,97 Euro für eine Woche über 7,96 Euro für einen Monat bis hin zu drei Jahren für 69,99 Euro. Hat man sich für eine Lizenz entschieden, kann diese direkt übers Mobilfunk-, oder WLAN-Netz erworben werden.
Die einfachste Methode stellen wohl Premium-SMS dar, dabei werden für das Wochen- oder das Monatspaket automatisch jeweils drei bzw. vier SMS zu je 1,99 Euro verschickt und mit der nächsten Handyrechnung bezahlt. Für die Ein- bzw. Dreijahrespakete stehen andere Bezahlmethoden wie etwa per Kreditkarte zur Verfügung. Ist dieser Schritt absolviert, kann man endlich loslegen, allerdings fällt die die Eingabe der gewünschten Zieladresse zwangsläufig etwas umständlicher aus - die Zifferntastatur eines Handys handhabt sich eben anders als ein QWERTZ-Touchscreen. Auch die Suche nach etwa POIs nimmt auf dem kleinen Display und der daraus resultierenden tieferen Verstrickung in Untermenüs zwangsläufig mehr Zeit in Anspruch und erfordert eine Phase der Einarbeitung
Glücklicherweise genügt auch beim N95 oftmals die Eingabe der ersten Buchstaben, um das gewünschte Ziel zu finden. Schwerer wiegt allerdings die Tatsache, dass Nokias Computer 2.0 mehrmals bei der Berechnung abstürzte. Während der Fahrt verzeichneten wir glücklicherweise keine Aussetzer. Alle, die mit Stabilitätsproblemen kämpfen, sollten einen Ausflug ins Einstellungsmenü von Nokia Maps unternehmen. Nachdem wir dort die automatische Internet-Nutzung deaktivierten, lief das Programm stabil.
Wer seine Speicherkarte mit den Kartendaten verloren oder ausversehen gelöscht hat, für den bietet Nokia einen - diesmal kostenlosen - Service an. Mit Hilfe des Map Loaders, den man sich hier herunter lädt, ist der Download weltweiter Kartendaten von mehr als 150 Ländern möglich. Über ein Auswahl-Menü kann der Nutzer bequem Karten von Korea oder Australien anwählen, die darauffolgende Installation auf der Speicherkarte erfolgt genauso automatisch wie die Einbindung in die Nokia Maps auf dem N95. Praktisch, wenn etwa die nächste Reise nach Tokio oder New York ansteht.
Diese Flexibilität bietet Sony nicht. Über die auf CD mitgelieferte Applikation können zwar Sprachpakete und auch Kartenmaterial herunter geladen werden, die Auswahl bei letzterer bleibt aber auf Europa beschränkt - und das, obwohl das NV-U93T über einen internen Speicher von 2 GB und sogar einen Slot für Memory Stick Pro Duo verfügt. top
Stimmt, die Routenberechnung findet generell direkt auf dem N95 statt - da ist uns ein Fehler unterlaufen. Habe den Text dementsprechend korrigiert.
Das N95 führt keine Routenberechnung auf dem Server durch. Dies ist frei erfunden! Die Berechnung erfolgt selbstverständlich immer auf dem Gerät.
Das Gerät kann eine Verbindung zum Server aufbauen, wenn die Kartendaten ungenügend vorhanden sind. Sind jedoch die Kartendaten einmal auf das Handy übertragen, so wird keine Verbindung zum Server mehr benötigt.
Im Verhältniss zu anderen Navigationsgeräten ist eine 3 Jahres Lizenz relativ günstig. Andere Hersteller verlangen für das halbe Jahr etwa 100 EUR. Man darf nicht vergessen, dass man innerhalb von den 3 Jahren immer die aktuellsten Karten besitzt.
Wobei bei den neu ausgelieferten N95 wenigstens ein Ladekabel für den Zigarettenanzünder dabei ist.
Finde ich wirklich toll, die Navi-Software kostenlos anzubieten.
Das Nokia-Handy ist dann ein vollwertiges Navigationsgerät.
Außerdem ist eine interessante Kauf-Argument für Nokia.
Allerdings würde ich auch begrüßen wenn auf für ältere Geräte kostenlos wäre.
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