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Portrait: ThinPrint/Cortado - vom Druckertreiber zum Handybeamer

Inhaltsverzeichnis

Vom Netzwerkdrucker zum "Handybeamer"

Im Jahr 1999 meldete ein kleines Team in Berlin ein Software-Patent für das Drucken in Netzwerken an und gründete parallel dazu eine Firma, die diese Idee vermarkten sollte. Neun Jahre später ist daraus ein weltweit aufgestelltes Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern und Niederlassungen in den USA und Australien geworden. Angeboten werden nicht mehr nur Drucklösungen, sondern mobile Dienste, die von gehosteten Mailboxen bis zur Online-Festplatte reichen. Die Geschichte von ThinPrint ist eine der wenigen Erfolgsstorys, die in Berlin geschrieben wurden.

Die Unternehmenszentrale von ThinPrint in Berlin Moabit | Foto: ThinPrint

 

In der Firmenzentrale in Berlin Moabit treffen wir Carsten Mickeleit, Gründer und Firmenchef von ThinPrint. Ein freundliches Lächeln, ein unruhiger Blick, ein schneller Händedruck - man merkt sofort, dass der drahtige 41-jährige immer zu wenig Zeit hat. Deshalb geht es auch gleich mit schnellen Schritten weiter zum Meeting-Raum. Doch um den zu erreichen, muss man über die Dachterrasse in einen ganz anderen Teil des Gebäudes wechseln. So ein Gang dokumentiert auch die rasante Expansion, die ThinPrint in den letzten Jahren durchgemacht hat. "Wir mussten praktisch jedes Jahr neue Flächen anmieten" sagt Mickeleit nicht ohne Stolz. Das starke Wachstum der jüngsten Zeit verdankt ThinPrint vor allem einem neuen Service, der erst im August 2006 gestartet wurde: Cortado.

Cortado: Mobile Dienste in einem Paket

Cortado bündelt als eigenständig agierende Division von ThinPrint alle mobilen Business-Softwarelösungen und Hosting-Dienste. Das Angebot ist umfasst die gesamte Palette von Hosted Exchange und professionellen E-Mail- und PIM-Services mit Push-Mail-Funktionalität bis hin zu Enterprise-Lösungen und Premiumdiensten, die das Handy in einen vollwertigen Arbeitsplatz verwandeln. Anwender können mit auf Ihrem mobilen Begleiter nicht nur Emails sofort empfangen, sondern auch Anhänge lesen, faxen oder über Bluetooth, Infrarot oder das Netzwerk im Originalformat drucken, ohne sie herunterladen zu müssen.

Die drei Produktsäulensäulen von Cortado | Foto: ThinPrint

 

Das Angebot ist in drei Säulen unterteilt. Cortado Free bietet kostenlosen Push-Mail-Empfang für Privatnutzer, Cortado Online Services ein gehostetes Mailboxpaket für Selbständige und kleine Unternehmen und Cortado Enterprise Solutions ermöglicht den mobilen Zugriff auf das Unternehmensnetzwerk sowie ein umfassendes mobiles Management von Dokumenten und Faxen.

Cortado Free ist natürlich für die Leser von AreaMobile besonders interessant, weil es ein gebührenfreies Push-Mail-Postfach bietet, mit dem sie ihre E-Mails in Echtzeit auf dem mobilen Gerät empfangen und senden können. Anders als bei seinen Standard-Accounts setzt Cortado beim Free-Paket auf die IMAP-Push-Technologie, anstelle von ActiveSync. Grund dafür ist, dass fast jedes aktuelle Handy kompatibel zu diesem Standard ist. Endgeräte von Nokias N- und Eserie über Sony Ericssons W-, K- und P-Serie bis zu Apples iPhone unterstützen dieses Email-Protokoll. Nachteil: das virtuelle Postfach von Cortado Free ist mit 20 Megabyte äußerst klein ausgefallen.

Dafür bietet Cortado neben dem Email-Push auch einen professionellen Spamfilter, Virenschutz und den Online-Zugriff auf das Postfach mittels Outlook Web Access (OWA). Funktionen wie die Online-Synchronisation von Kontakten und Kalendereinträgen mit dem Windows Mobile Smartphone oder dem PC-Outlook, die OWA normalerweise bietet, sind in der kostenlosen Variante allerdings nicht nutzbar. Sie bietet einzig und allein dem Email-Empfang.

Foto: AMB | Im neuen Postfach wartet bereits eine Email, die zum Einrichtungsassisten fürs Handy führt. Hier wird erkennbar, wie sich Cortado Free finanziert: über klassische Bannerwerbung.

 

Der Weg zur Echtzeit-Email ist denkbar einfach. Nach Eingabe der gewünschten Email-Adresse, dem Passwort und der Beantwortung einiger Fragen gelangt man direkt zum nagelneuen Postfach, in dem einige Werbefelder bereits demonstrieren, wie sich Cortado Free finanziert: über klassische Bannerwerbung. Aber keine Sorge, es nerven keine Popup-Fenster, die Werbung lässt sich zwar kaum ignorieren, bleibt aber auf ein erträgliches Maß an den Seiten des Browsers reduziert.

Im Postfach wartet bereits eine Begrüßungs-Email, in der man einen Link findet, der direkt zum Einrichtungsassistenten für das Mobiltelefon führt. Die Einrichtung von Cortado Free auf dem Handy ist zwar kinderleicht, erfordert aber einige Geduld, da man alle Serverdaten und Einstellungen manuell über die Zifferntastatur eingeben muss. Mit Hilfe zahlreicher an das jeweilige Handy angepasster Screenshots wird Schritt für Schritt der Weg zum mobilen Postfach erklärt. Hat man diese letzte Hürde endlich überwunden, freut man sich über einen SMS-ähnlichen Mailverkehr.

Foto: AMB | Wie bei einer SMS wird der Eingang einer Email sofort angezeigt

Im Test vergingen kaum mehr als fünf Sekunden, bis die versendete Email auf dem Handy ankam. Dabei wird nur die Kopfzeile angezeigt, die komplette Nachricht lädt man sich nur bei Bedarf herunter. Wie bei einer SMS oder MMS wird der Empfang mit einem Signalton oder einer Vibration signalisiert. Doch während eine SMS noch mit vier bis 19 Eurocent zu Buche schlägt, werden bei der Kopfzeile einer Email nur einige Bytes übertragen, die Kosten tendieren gegen Null. Ein Datentarif mit Volumenabrechnung beim Provider ist allerdings Pflicht, damit der Nutzer mit seiner Handyrechnung keine böse Überraschung erlebt.

Der Weg von Cortado Free zu den kostenpflichtigen Online Services und zur Enterprise Edition ist kurz. Wer alle Funktionen von Outlook Web Access nutzen möchte oder ein größeres Postfach benötigt, kann jederzeit wechseln, Mailadresse und Mailbox bleiben dabei vollständig erhalten. Die monatlichen Kosten variieren je nach Gerät und Dienst. Das Cortado-Einsteigerpaket für Nokia- und Windows Mobile-Smartphones mit 250 MB Postfach, ActiveSync-Synchronisation von E-Mails, Kontakten und Aufgaben kostet 4,95 Euro monatlich. Dabei varieren die Preise je nach Größe des Postfaches, der Anzahl der Email-Adressen und den Synchronisationsmöglichkeiten.

Richtig teuer wird es, wenn man einen Blackberry nutzen möchte: Da beginnt das Mailboxpaket mit 19,95 Euro im Monat, hier kann der Nutzer allerdings auch auf einen größeren Mailbox-Speicher zugreifen und von Anfang an seine eigene Domain für die Mailadresse verwenden. Da bei Cortado Online Services nicht mehr IMAP Idle, sondern professionelle Synchronisationslösungen wie Microsoft ActiveSync, Nokia IntelliSync oder BlackBerry Enterprise Server zum Einsatz kommen, sind die Dienste auf Windows Mobile-Handys und auf Smartphones von Nokia, Palm und Blackberry beschränkt.

Upgrade von Cortado Free auf einen kostenpflichtigen Account | Foto: AMB

 

Für Premiumdienste wie den Versand und Empfang von Faxen werden – unabhängig vom Grundpaket - zusätzlich 7,95 Euro im Monat fällig. Erst bei diesen Zusatzpaketen werden die Wurzeln von ThinPrint sichtbar. Hier dreht sich fast alles um die Dokumentenausgabe und -verwaltung, bei denen Cortado auf das Know-how des Mutterunternehmens zurückgreift. So lässt sich mit dem Dienst "Print to Screen" ein benötigtes Dokument über das Smartphone direkt auf dem Monitor des Notebooks anzeigen. Statt der Originaldatei wird lediglich eine Display-optimierte Ansichtsdatei übertragen. Für diese Darstellungsform wird in der Regel pro Seite nicht mehr als 10 KB an Datenvolumen übertragen. Eine auf dem Notebook dargestellte Ansicht des Dokuments lässt sich speichern und zu einem beliebigen Zeitpunkt ausdrucken.

Mit lassen sich Dokumente vom Smartphone direkt auf dem Notebook ausgeben oder ausdrucken | Foto: ThinPrint

 

Das Angebot an solchen Zusatzdiensten wird von Cortado beständig weiterentwickelt. So wurde jüngst "Cortado Connect" für BlackBerry vorgestellt, das dem BlackBerry-Nutzer 1 Gigabyte Online-Speicher bei box.net zur Verfügung stellt – und das sogar kostenlos. Kann man solche Dienste eigentlich komplett über Werbung refinanzieren? Und wie abhängig ist man als Anbieter von mobilen Messaging-Lösungen eigentlich von den Netzbetreibern? Schließlich läuft beim Endkunden nichts ohne einen Datentarif. Wir sprachen mit Geschäftsführer Carsten Mickeleit über den Erfolg von ThinPrint/Cortado, die Achillesferse Datentarif und die Möglichkeit, mit kostenlosen Angeboten Geld zu verdienen.

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Kommentare
  1. 10.04.08 10:03 Testerman (Gast)

    Seit 4 Jahre habe ich Cortado, und es funktioniert immer wunderbar als Coffee Ersatz

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