AreaMobile.de sprach mit Geschäftsführer Carsten Mickeleit über den Erfolg von Thinprint/Cortado, die Achillesferse Datentarif und die Möglichkeit, mit kostenlosen Angeboten Geld zu verdienen.
Wie kamen Sie auf die Idee, ThinPrint zu gründen? Als die Firma Citrix 1997 einen pragmatischen Ansatz für die zentrale Bereitstellung von Software-Funktionen einführte, erkannten wir, dass dabei das Thema Drucken sehr stiefmütterlich behandelt wurde. Wir haben erfolgreich verhindert, dass es sich zu einem echten Show-Stopper entwickelt.
ThinPrint/Cortado ist heute ein internationales Unternehmen. Wie haben Sie das rasante Wachstum gestemmt? Da wir genau am Ende der Internet Blase gestartet sind, waren wir recht erfolglos bei der Suche nach Venture Capital, da keiner das Drucken als strategisches Thema erkannt hatte. Seitdem finanzieren wir unser Wachstum selbst und sind entsprechend unabhängig. Auch geben uns unsere aktuellen finanziellen Ressourcen einen sehr großen Handlungsspielraum.
Können Sie den Weg von ThinPrint zu Cortado skizzieren? Nachdem unser Konzept, sehr frühzeitig mit einer Drucklösung für server based computing in den Markt einzusteigen, aufgegangen war, haben wir uns nach der nächsten Welle umgeschaut. Da lag mobile Computing recht nah. Dass jetzt nicht nur dieser Bereich boomt, sondern gleichzeitig auch unser Stammgeschäft mit der Virtualisierung als Nachfolger des server based Computing einen regelrechten Höhenflug erfährt, haben wir nicht erwartet. Es freut uns natürlich um so mehr.
Also ist Cortado nicht als Konsequenz aus der Tatsache entstanden, dass man mit Drucklösungen kaum noch Geld verdienen kann? Nein, im Print-Markt ist die Luft noch lange nicht raus und im mobilen Markt, da sind wir uns sicher, kommt das Drucken noch. Wenn die Anwender erst einmal erfahren haben, wie einfach man mit einem Handy auf Dokumente zugreifen kann, wollen sie nicht erst ihren PC starten, um diese auch zu Drucken und sei es auf Electronic Paper.
Warum haben Sie dann mit Cortado eine neue Marke geschaffen? Sie hätten doch einfach unter dem Namen ThinPrint weitermachen können. Cortado hat sich heute schon stark von dem reinen Druckbereich entfernt. Der Cortado Corporate Server, mit dem Sie Dokumente lesen, faxen oder drucken können, ohne sie komplett herunter zu laden, setzt zwar auf Patenten auf, die wir mit ThinPrint entwickelt haben, aber bietet mittlerweile eine vollständige Plattform für das Dokumenten-Management. Auch wenn Drucken weiterhin ein wichtiges Thema ist, so ist es nur eine Komponente unseres Cortado Angebotes. Und um dies herauszustellen haben wir die neue Marke geschaffen. Wir sind sehr stolz auf diese Marke, die wir international geschützt haben und die sich fast überall auf der Welt so schreibt wie man sie spricht. Das ist eine sehr gute Grundlage für einen Email Dienst.
Wie ist ihr Unternehmen weltweit aufgestellt? Welche Rolle spielt der deutsche Markt für ThinPrint und vor allem Cortado? Der deutsche Markt ist sehr wichtig für uns, besonders auch für Cortado. Das heißt aber nicht, das wir die anderen Märkte außer acht lassen dürfen. Gerade der US-Markt liegt im Bezug auf die von uns angesprochenen Business-User ganz klar vorne. Mit unseren zwei US Niederlassungen fühlen wir uns dafür aber gut gerüstet und auch unser Hosting Center hat einen Ableger in Denver.
Wie bringen Sie mit Cortado Ihre ThinPrint-Technologie aufs Handy? Wozu brauche ich die dort? An meinem Handy hängt doch gar kein Drucker. Naja, Drucken ist nur eine der vielen Anwendungen. Aber natürlich kann an Ihrem Handy auch ein Drucker hängen. Infrarot, Bluetooth und WiFi sind nur ein paar Beispiel mit diesem zu kommunizieren. Das Drucken ist eine hervorragende Möglichkeit, Dokumente in den verschiedensten Formen auszugeben, zum Beispiel auch auf dem Handy-Display.
Haben Sie also eine Technik, die ursprünglich fürs Drucken entwickelt wurde, zweckentfremdet, um den Datenverkehr zu minimieren? Ja, genau.
Cortado free ist für den Kunden völlig kostenlos. Das heißt doch im Umkehrschluss, dass Sie dabei Geld verlieren. Wie finanzieren Sie diesen Service? Sie haben völlig recht, das kostet. Und normalerweise müssten wir diese Kosten auf den Nutzer umlegen. Aber die Bereitschaft, Kleinstbeträge im Internet zu bezahlen, ist vor allem in Deutschland kaum vorhanden. Viele Nutzer scheuen sich davor, ihre Bankverbindung oder ihre Kreditkarte im Netz zu verwenden. Dazu kommt der organisatorische Aufwand, den wir mit der Verwaltung der Mini-Beträge hätten. Daher haben wir uns für die Finanzierung über Werbung entschieden. Der Nutzer muss eben mit Werbebannern leben, wenn er Cortado Free im Internet aufruft. Und die Resonanz, die wir bisher erhalten haben ist außerordentlich gut, weil beide Seiten profitieren. Die Finanzierung mit Anzeigen ist viel besser, als einen monatlichen Mini-Betrag zu bezahlen. Mobile Advertising ist in meinen Augen ein ganz wichtiger Zukunftsmarkt.
Mit Cortado Free kann man Dutzende Emails für den Preis einer SMS senden. Zugestellt werden sie genauso schnell, wenn auch der Empfänger über Cortado Free verfügt. Warum rennen Ihnen die Leute nicht die Bude ein? Wenn hier die Carrier mehr Kostentransparenz schaffen könnten, wäre das sicherlich so. Aber wir sind auch so mit dem Zulauf sehr zufrieden.
Ihr Unternehmen ist auf mobile Datenverbindungen angewiesen. Wie beurteilen Sie den Markt in dieser Hinsicht? Das ist natürlich eine Achillesferse. Unsere Dienste sind ohne mobile Datenverbindung gar nicht denkbar. Bei uns werden Dokumente vor der Übertragung auf das mobile Endgerät im Schnitt um 80 Prozent komprimiert, die übertragenen Mengen sind also extrem gering. Aber egal, wie stark man den Datendurchsatz optimiert, Verbindungskosten fallen immer an. Hier hat sich in den letzten Jahren ja viel getan, die ehemals astronomisch hohen Datentarife sind regelrecht in den Keller gerauscht. Aber das soll nicht heißen, dass wir mit der aktuellen Situation zufrieden sind. Wir ärgern uns nach wie vor über die hohen Preise der Netzbetreiber für mobile Datenverbindungen, vor allem im Ausland. Das Roaming blockiert uns regelrecht, aber wir blicken zuversichtlich auf die Regulierungsbehörde in Brüssel. Da wird sich demnächst noch einiges tun.
Warum schrecken die Nutzer immer noch vor dem mobilen Internet zurück? Die hohen Preise der vergangenen Jahre haben dafür gesorgt, dass bei den Nutzern ein regelrechtes Angstdenken vor dem mobilen Internet entstanden ist. Die Leute trauen sich ja gar nicht, mit dem Handy ins Netz zu gehen, weil sie dann glauben, plötzlich mit gigantischen Kosten konfrontiert zu werden. Auch wenn dies innerhalb Deutschlands nicht mehr der Fall ist. Hier sind die Netzbetreiber und die Medien in der Pflicht, den Leuten diese Angst zu nehmen.
Mit Apple ist ein neuer Hersteller in den Mobilfunkmarkt eingetreten. Waren die Auswirkungen des iPhones auch bei Cortado zu spüren? Apple hat den Markt kräftig durchgeschüttelt. Wir denken auch, dass das iPhone die Einführung von Google Android unterstützt. Gerade in Deutschland hat es auch gezeigt, das ein Handy mehr als 1 Euro kosten darf. Eine direkte Bedrohung für Blackberry können wir allerdings nicht erkennen.
Sie waren in diesem Jahr auch auf der CeBit, obwohl viele Mobilfunkunternehmen stattdessen auf dem Mobile World Congress in Barcelona ausgestellt haben. Wie wichtig ist Hannover für Cortado? Die CeBit ist nach wie vor sehr wichtig für uns und wird es auch in naher Zukunft bleiben. Allein schon, weil man dort nicht nur Fachbesucher trifft. Da sind unsere Nutzer unterwegs, echte Menschen, die man sonst eigentlich nie zu Gesicht bekommt. Schon allein dafür lohnt sich die Messe. Wir waren aber auch auf dem Mobile World Congress und diskutieren gerade, ob wir unser Engagement dort ausweiten.
Wie wird mobiles Messaging in fünf Jahren aussehen? Laufen alle nur noch mit Pushmail-Handys rum? Klar, nur wird man es nicht mehr als Pushmail bezeichnen, weil es dann ein Standard ist. Aber viel spannender ist doch die Frage, wo die Grenzen zwischen Desktop PC, Notebook und Handy verlaufen werden. Stellen Sie sich vor, Ihr Handy könnte Ihren Monitor und Ihre Tastatur nutzen! Gibt es dann noch Dinge für die Sie einen PC benötigen? Ja, es wird sie auch in 5 Jahren geben, aber wir können Sie Ihnen dann als Cortado Service zur Verfügung stellen. Sie werden es vielleicht nicht glauben, aber dann können Sie sogar vom Handy Drucken (lacht). Das Interview führte Andreas Seeger
Seit 4 Jahre habe ich Cortado, und es funktioniert immer wunderbar als Coffee Ersatz