Die Frage ist ziemlich schwer. "Warum findet Ostern jedes Jahr an einem anderen Datum statt?", fragt Irma Drevs in die Runde und schon ist die Diskussion in vollem Gange. "Irgendwas mit Karneval", antwortet jemand beim Osterbrunch mit ihren Freunden. "Ostern liegt immer 40 Tage nach dem Beginn der Fastenzeit", erwidert ein anderer. Doch hilfreich ist das nicht. "Und warum beginnt die Fastenzeit jedes Jahr an einem anderen Tag?", fragt Irma und die Frühstücksrunde ist so klug wie zuvor. Bis ihr Freund Christian zum Handy greift und die Frage per SMS an die Nummer 44044 schickt. Die richtige Antwort kommt in wenigen Minuten.
"Wir haben seit November schon mehr als 10.000 Fragen per SMS beantwortet", sagt Björn Behrendt, Geschäftsführer der Berliner Firma hiogi, die den Service anbietet. (Den schwer zu merkenden Namen des Unternehmens erkärt er im Interview auf der nächsten Seite.) "Unsere Antworten kommen weder von einem Call-Center noch von einem Computer, sondern direkt von den hilfsbereiten Mitgliedern unserer Community, die jede Antwort persönlich recherchieren und prüfen." Die durchschnittliche Dauer bis zur Beantwortung liegt bei gerade mal 18 Minuten, weil sie mit einem spannenden Wettrennen verknüpft ist. Alle neuen Fragen erscheinen sofort auf der zugehörigen Website http://www.44044.com/. Dort kann jedes Community-Mitglied sich des Themas annehmen. Sobald zwei hiogis die Recherche begonnen haben, beginnt das Duell. Nach maximal acht Minuten prüft ein drittes Mitglied ihre Resultate und sendet das bessere Ergebnis als Antwort.
Den aktuellen Stand der Bearbeitung kann jeder Besucher live auf der Website verfolgen. Offene Fragen sind orange markiert und werden grau, sobald das Duell beginnt. Ein Countdown zählt die verstrichenen Sekunden und erhöht zusätzlich die Dramatik. Sobald die erste Antwort eingeht, wird die Markierung gelb und bald danach wird sie grün, wenn die Antwort genehmigt ist und als SMS versendet wird. Durch dieses Sechs-Augen-Prinzip soll die Korrektheit der Antworten garantiert werden. Außerdem bietet hiogi eine Qualitätssicherung: Wenn eine Frage nicht zur vollsten Zufriedenheit beantwortet wird, dann kann der Empfänger auf der Website eine negative Bewertung abgeben. Der Antwortgeber sinkt im internen Ranking und der Frager bekommt eine SMS für seine nächste Anfrage gutgeschrieben. Bis zu fünf Punkte können pro Antwort kassiert werden, der Erstplatzierte bei hiogi mit dem Benutzernamen "regiegott" hat schon mehr als 2.000 gesammelt.
Gelb markierte Fragen bei hiogi müssen noch geprüft und für den SMS-Versand bestätigt werden | Foto: AMB
"hiogi ist ein Wissensspiel", erklärt Björn Behrendt. "Unsere Nutzer haben Spaß daran, Antworten zu geben und schauen wahrscheinlich auch gern Wer wird Millionär oder Quiztaxi im Fernsehen." Die meisten Mitspieler sitzen sowieso den ganzen Tag vorm Bildschirm und surfen aus beruflichen Gründen im Internet. So ist es für sie kein Problem, schnell mal für hiogi bei Wikipedia nachzuschauen. "Nicht selten erhält der Fragende zu der komprimierten SMS-Antwort zusätzliche Angaben, wie die Quelle und weitere Meinungen, die später unter www.44044.com im Archiv nachlesbar sind."
Unter den hiogis soll es besonders viele junge Leute geben und Blogger, die bekanntlich einen unstillbaren Mitteilungsdrang haben. Einer soll ein Ingenieur sein, der die Website den ganzen Tag in einem Browser-Fenster geöffnet hat, und ein anderer ist ein Opa mit viel Zeit. Insgesamt habe die Community schon mehrere Tausend Mitglieder, sagt Behrendt. Doch die genaue Zahl will er nicht nennen, weil solche Informationen bei wagniskapitalfinanzierten Internet-Startups ein großes Geheimnis sind. Sein Geschäftsmodell hat er auf jeden Fall geschickt aufgezogen, denn hiogi funktioniert nach einem bekannten Prinzip im Web 2.0: "AAL". Diese drei Buchstaben stehen für "andere arbeiten lassen".
Anders als beim britischen Vorbild Texperts, wo die Antworten von professionellen Experten kommen, die oft sogar einen Doktortitel haben und mit ihren SMS zwischen ?7,60 und ?12,67 im Nebenjob verdienen, gehen bei hiogi die Antwortgeber leer aus. Am Monatsende werden lediglich Gewinne für 1.300 Euro verlost. "Das ist aber nur der drittwichtigste Anreiz für unsere Nutzer", sagt Behrendt. Das ist verständlich, wenn der Hauptpreis ein Gutschein im Wert von 320 Euro für einen Hotelaufenthalt im Erzgebirge ist, auf den es bei der Verlosung mehrere tausend Teilnehmer abgesehen haben. top
Geldverdienen per SMS
Ihr Geld verdient die Firma mit den Kurznachrichten, denn jede Antwort kostet 39 Cent, von denen der größte Teil bei dem Mobilnetzbetreibern und dem Düsseldorfer SMS-Dienstleister net-m hängen bleibt. Premium-SMS MT heißen die Kurznachrichten, bei denen der Empfänger zahlen muss. Für das Stellen einer Frage an hiogi wird nur der normale SMS-Preis fällig. "Ab 2009 müssen wir Schwarze Zahlen schreiben", verkündet Geschäftsführer Björn Behrendt die Vorgabe der Investoren Hasso Plattner Ventures, Michael Zehden und Dirk Ströers Media Ventures. Gerade erst wurde die zweite Finanzierungsrunde besiegelt. "Die Mischung mobiler Fragen mit web-basierten Antworten hat uns überzeugt und birgt großes Potential, da die Menschen ihr Handy mehr und mehr als Informationsquelle nutzen und auch bereit, sind ihre Erfahrungen im Wikipedia-Stil zu teilen", sagt Steve Bartlik, Senior Analyst bei Hasso Plattner Ventures.
Trotzdem geht es sparsam zu bei hiogi, denn die SMS-Einnahmen decken gerade einmal die Kosten für die Technik. Von den fünf Angestellten der Firma sind zwei nur als Praktikanten eingestellt. Die Ikea-Einrichtung des Großraumbüros in Berlin-Mitte hat der 32-jährige Geschäftsführer selbst zusammengebaut und die teure Kaffeemaschine Krups Siziliana auf dem Flur kaufte er gebraucht bei Ebay für 120 Euro. In seinen vorherigen Jobs bei Ebay und als Unternehmensberater bei KPMG ging es ihm besser, aber Behrendt wollte eben schon immer seine eigene Firma haben.
Richtig große Einnahmen soll eines Tages die Werbung bringen. Schon jetzt gibt es ein paar Banner von Google und Adbutler auf der Website und später erhofft sich hiogi feste Sponsoren. "Die Fragen nach Restaurants könnten ja von McDonald's präsentiert werden", schlägt Behrendt vor. Auch auf den WAP-Seiten und den Spezialseiten für das iPhone sollen Anzeigen erscheinen. Nur die hiogi-Kurznachrichten sollen möglichst frei von Werbung bleiben, weil 160 Zeichen einfach zu kurz sind. "Maximal würden wir die SMS auf 140 Zeichen verkürzen wie bei Twitter", sagt Behrendt, aber bisher hat sich sowieso noch kein Werbekunde dafür gemeldet. Gern würde er auch mit Fernsehsendern ins Geschäft kommen. Sie sollen einen Ticker durchs TV-Bild laufen lassen, indem die Zuschauer Fragen zur Sendung per SMS stellen. Auch auf Online-Portalen von Zeitungen und TV-Sendern könnte man Frage-Ecken einrichten.
Dafür müssen Behrendt und die hiogis aber erst einmal wahrgenommen werden. "Es ist schwer, uns bekannt zu machen", sagt der Geschäftsführer, der auch für Marketing, Öffentlichkeitsarbeit, Finanzen und Kooperationen alleinverantwortlich ist. Sein Startup-Team arbeitet Tag und Nacht und natürlich waren sie auch zu Ostern im Büro. Das Datum für dieses spezielle Wochenende richtet sich übrigens nach dem Pessachfest im jüdischen Mondkalender, der von unserer Zeitrechnung abweicht. Deswegen dürfen wir die Eier jedes Jahr an einem anderen Kalendertag suchen. top
Der Slogan wirkt jedoch etwas angegraut: "Sims dich schlau". Das Wort "simsen" ist in letzter Zeit mehr und mehr aus der Mode gekommen.
Extrem tolle Idee des Unternehmens! Wenn man die Standard-SMS-Kosten des Netzbetreibers miteinrechnet, zwar recht teuer, aber diesen Leuten gönnt man den Erfolg wirklich (an dem es bisher ja scheinbar noch etwas zu hapern scheint)! Der Artikel ist außerdem super geschrieben!
Und wann ist der erste Vollmond nach dem 21. März? Natürlich jedes Jahr an einem anderen Datum.
Ich habe Dir die wichtigsten Absätze aus Wikipedia kopiert. Sie zeigen wie Ostern sich nach dem Pessachfest richtet und warum es wegen des abweichendenden jüdischen Mondkalenders jedes Mal ein anderes Datum bei uns hat.
[url]http://de.wikipedia.org/wiki/Ostern[/url]
Ostern ist im Christentum das Fest der Auferstehung Jesu Christi.
[...]
Jesu Kreuzigung und Auferstehung fielen nach dem NT in eine damalige Pessachwoche; nach den Synoptikern fiel sein Todestag mit dem Hauptfesttag des Pessach, dem 15. Nisan, zusammen. Nach dem Johannesevangelium dagegen starb er am 14. Nisan zur selben Zeit, als die Pessachlämmer im Tempel geschlachtet wurden.
[url]http://de.wikipedia.org/wiki/Pessach[/url]
Das Fest fällt gemäß der biblischen Einsetzung in den jüdischen Frühlingsmonat und beginnt nach dem Jüdischen Kalender am Abend des 14. Nisan. Die folgende Tabelle zeigt die Termine von Pessach der letzten und für die nächsten Jahre an. Pessach beginnt wie alle jüdischen Feiertage am Sonnenuntergang des Vorabends.
[url]http://de.wikipedia.org/wiki/Jüdischer_Kalender[/url]
Der jüdische Kalender ist ein Lunisolarkalender. Die Monate sind wie bei einfachen Mondkalendern an den Mondphasen ausgerichtet, es existiert jedoch gleichzeitig eine Schaltregel zum Angleich an das Sonnenjahr.
[...]
Der Kalender kombiniert das Mond- mit dem Sonnenjahr. Daher werden die einzelnen Feiertage zwar immer in der gleichen Jahreszeit begangen. Die konkreten Tage ändern sich von Jahr zu Jahr nur bezogen auf den gregorianischen Kalender. Im jüdischen Kalender haben sie in der Regel feste Daten.
"Das Datum für dieses spezielle Wochenende richtet sich übrigens nach dem Pessachfest im jüdischen Mondkalender, der von unserer Zeitrechnung abweicht. Deswegen dürfen wir die Eier jedes Jahr an einem anderen Kalendertag suchen."
Wikipedia sagt da aber was anderes: Da ist Ostern der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond nach dem 21. März. ([url]http://de.wikipedia.org/wiki/Ostersonntag[/url])
Vom jüdischen Pessachfest steht da nichts...?!
Der CEO von hiogi ist ja auch schon 32 Jahre alt. Vielleicht ist es ihm vor lauter Arbeit gar nicht aufgefallen, dass das Wort "simsen" schon wieder out ist. Mir übrigens auch nicht (36 Jahre alt).
Was sagt man den heute?