Die Videobrille ist mit Sicherheit das Highlight des G77, aber was kann es noch? - Auf den ersten Blick sieht das schwarze Barrenhandy recht edel aus und liegt mit nur 95 Gramm leicht und locker in der Hand. Die Vorderseite wird nur von dem Einlass für den Lautsprecher und den Nummernblock mit Funktionstasten unterbrochen. Aber auch hier fällt sofort auf, dass jeder Fingerabdruck genau protokolliert wird. Man ertappt sich immer wieder dabei, dass Display am Hemdsärmel zu säubern, oder das mitgelieferte Putztuch zu verwenden.
Die Verarbeitung des Gerätes ist hingegen ordentlich gelungen. Allein der Akkudeckel knarzt auf festen Druck, ist aber einfach zu entfernen und rastet beim Verschließen fest ein. Die seitlichen Tasten zur Lautstärkenregulierung und die Kamerataste fallen kaum auf. Sie sind in eine Metallleiste eingelassen, die komplett um das Handy herumläuft. Zusätzlich findet man noch den TV-Ausgang, der auch als Anschluss für das Headset genutzt wird, und den Strom-, bzw. Datenkabelanschluss. Beide sind von einem Kunststoffdeckel geschützt, der fest verschließt und äußeren Umwelteinflüssen keine Chance gibt. Auf der Rückseite finden wir die 3-Megapixel-Kamera, die protzig von viel Chrom eingefasst wird. Dadurch wirkt sie noch größer als sie ohnehin schon ist und lässt mehr erwarten, als sie wirklich bietet.
Das Tastenfeld bietet ein ungewöhnliches Layout: Die Stern-, Raute- und Null-Taste sind rechts neben dem Ziffernblock vertikal angeordnet. Das erfordert einige Umgewöhnung, gerade beim Schreiben von Kurznachrichten. Zusätzlich zum 4-Wege-NavKey bietet das G777 zwei Funktionstasten und eine Rufannahme- und Auflegetaste. Die Tasten sind haptisch alle optimal voneinander zu unterscheiden und haben einen guten Druckpunkt, der allerdings mitunter von leichtem Knarzen begleitet wird.
Das 2,4 Zoll-Display bietet mit einer Auflösung von 240x320 Pixeln und 262.000 Farben eine ordentliche Bildqualität. Allerdings ist der Betrachtungswinkel relativ klein. Sobald man nicht genau von vorne auf das Display schaut verfälschen die Farben. Das Hauptmenü bietet eine sehr gelunge 3x3 Gitteroptik, auch wenn die Menüpunkte in Deutsch und Englisch betitelt sind. Bei Organizer, Business Zone, Services und Fun&Games wirkt das allerdings nicht sehr weit gedacht. Allgemein ist die deutsche Übersetzung des Handys grausam. Bei eingehenden Anrufen kann der Amerikaner den Speaker anmachen, der Deutsche nur den "utsprecher". Da war wohl nicht genug Platz für ein langes Wort reserviert. Auch einige Punkte in den Untermenüs sind kaum selbsterklärend und merkwürdig abgekürzt.
Davon lassen wir uns natürlich nicht abschrecken und probieren die Schüttel-Funktion des Handys aus. Dank Lagesensor können nämlich Hintergrundbilder durch ein Bewegen des Telefons gewechselt werden. Nach links geschüttelt kommt ein neues Bild zum Vorschein, schüttelt man nach rechts, dann geht es wieder eine Runde zurück. Eine spaßige Sache, bis sich ständig die Hintergrundbilder wechseln, ohne dass man das will. Nach 1-2 Stunden haben wir dieses Feature wieder abgeschaltet, da es einfach nur nervte. Mit der gleichen Funktion können auch Lieder im Musikplayer durchgeschüttelt/-geschaltet werden.
Was bei wechselnden Bildern schon nervig ist, ist hier noch viel schlimmer: Leichtes neigen des Handys wechselt sofort das Lied. Absolut unpraktikisch und ausgerechnet beim Musikplayer nicht abstellbar. Nachdem diese Spielerei eher ein Reinfall war, schauen wir, was das G777 unter Fun&Games zu bieten hat.
Hier findet man aber lediglich zwei Spiele, die diesen Namen aber nicht wirklich verdient haben. Bei Helikopter weicht man durch Drücken einer einzigen Taste Hindernissen aus. Kann man uneingeschränkt zum Einschlafen empfehlen! Die zweite Applikation ist: Würfeln! Mit 1-5 Würfeln würfeln. Unglaublich!
Weitere Anwendungen wie Taschenrechner, Umrechner oder Stoppuhr sind rein obligatorisch und beschränken sich auf das Nötigste. Das G777 bietet aber nicht nur diese Standardkost. Unter dem Menüpunkt Organizer findet man nicht nur einen Body Mass Index (BMI)- sondern sogar einen Menstruationsrechner.
Der Kalender bietet ebenfalls nur Magerkost. Mehr als eine einfache Monatsansicht, in der Termine eingetragen werden können, ist beim G777 nicht drin. Das reicht knapp für kurze Einträge und Erinnerungen.
Zur Erinnerung: Laut General Mobile ist das G777 ein Multimedia-Handy. Wenn bei den Spielen und der Videobrille gespart wurde, kann ja vielleicht die Kamera überzeugen? Leider nicht. Starkes Pixelrauschen und ein insgesamt verwaschenes Bild sorgen für Stirnrunzeln. Da helfen auch die vielen einstellbaren Effekte und Rahmen nicht. Gerade bei schlechten Lichtverhältnissen sollte die Kamera nur für ganz wichtige Schnappschüsse genutzt werden. Die LED-Leuchte als Lichtverstärker kann ebenfalls getrost vergessen werden. Gegenstände die maximal 50 Zentimeter entfernt sind bekommen noch ein wenig Licht ab, alles dahinter nicht mehr. In ganz dunklen Räumen kann man sich Fotos direkt sparen.
Der Sucher zeigt auf einen Schlag die wichtigsten Einstellungsmöglichkeiten an. Über die Tasten 1-8 können die entsprechenden Funktionen eingestellt werden, ein gesondertes Menü gibt es obendrein. Die etwas kleine Auslöser-Taste bietet leider keinen genauen Druckpunkt und ist schlecht zu erfühlen.
Foto: AMB | Originalaufnahme General Mobile G777
Wo liegen denn nun die Multimedia-Stärken des G777? - Schauen wir uns doch mal den Musikplayer an. Auf den ersten Blick wirkt der Skin unglaublich geekig und unpassend. Die spaßige Schüttel-Funtkion zum Durchschalten der Lieder ist ungenau, vor allem beim Start des Players werden oft 1-2 Lieder ohne ersichtlichen Grund übersprungen. Und selbst ein kleines Verschieben des Telefons auf dem Tisch führt zum Song-Wechsel.
Mit dem NavKey können die Grundfunktionen wie Play, Skip und Pause angesteuert werden, mit den Funktionstasten wird der Musik-Ordner ausgewählt. Das wars? Ja, das wars! Erstaunlich wenig für ein Multimedia-Handy, das eine grausame Kamera, wenige Spiele und kaum Applikationen bietet. In den Grundeinstellungen des Handys finden wir dann aber doch noch einen Eintrag mit dem Namen Soundeffekte.
Hier versteckt General Mobile sieben Presets für verschiedene Musikrichtungen, die frei editierbar sind. Ein 8-Band-Equalizer ermöglicht umfangreiche Einstellungen. Die Änderungen hört man allerdings nicht sofort, man muss immer erst abspeichern und das Menü verlassen, bevor das neue Klangbild aktiviert wird.
Abschließend haben wir uns auch im SMS-Schreiben versucht. Leider gibt es auch hier nichts Positives zu berichten. Das Handy beherrscht zwar die Worterkennung T9 in englisch und deutsch, allerdings muss jedes Wort oder jeder Satz nach der Eingabe noch einmal übernommen werden um auch im Textfeld zu erscheinen. Kompliziert und unverständlich, das hätte man auch einfacher lösen können. top
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