Wer bereits mit Linux-Versionen wie SuSE oder Ubuntu gearbeitet hat, der kennt das Packaging-Prinzip. Es erlaubt den Download verschiedener Programme aus einer Liste von Software-Paketen. Anders als bei Windows bestehen Linux-Programme meistens nicht nur aus einer ausführbaren Datei, sondern sie bilden ein vernetztes Chaos der Abhängigkeiten, das sich nur noch mit der Hilfe eines Paketmanagers kontrollieren lässt. Beim Vorgängermodell Neo 1973 verwendete OpenMoko noch den Paketmanager ipkg, doch beim Freerunner wurder er gegen die an Debians "apt" angepasste Variante opkg ausgetauscht. Die Quelldefinitionen des Paketmanagers liegen im Verzeichnis "/etc/opkg" und lassen sich für den automatischen Bezug von Software-Paketen beliebig erweitern. Um neue Pakete aus den Standardquellen zu installieren, genügt der Aufruf des Befehls "".
Die Eingabe von "" zeigt alle Pakete an, die sich aus den vordefinierten Quellen installieren lassen. Ein "" zeigt die Pakete, die bereits installiert sind und "" zeigt Pakete, die "" enthalten. Weil das am Anfang reichlich kompliziert wirkt, zeigen wir hier ein paar Möglichkeiten, die wir selbst mit dem FreeRunner ausprobiert haben.
Mediaplayer installieren: Um ein erstes Erfolgserlebnis zu haben, empfiehlt es sich, einen Mediaplayer installieren. Der Befehl "" installiert einen rudimentären Player für Musikdateien in den Formaten MP3 und Ogg Vorbis. Seine Funktionen sind aber so beschränkt, dass sich unbedingt die Installation eines Theme Pack empfiehlt. Das lässt sich beispielsweise per wget beziehen.
Browser installieren: Weiterhin empfehlenswert ist die Einrichtung eines Browsers auf dem OpenMoko. Die Befehlszeile "" installiert einen Abkömmling des WebKit auf dem Freerunner. Er lässt sich nur schwer bedienen und verhält sich manchmal eigenartig, aber er basiert auf den selben Quellen wie der Standard-Browser auf den S60-Handys von Nokia. Weitere empfehlenswerte Pakete sind openmoko-dates2, openmoko-tasks2 (Kalender und Aufgaben), openmoko-today2 (mehr Funktionen für den Homescreen), gpe-icons und gpe-gallery (Bildbetrachter) und natürlich die GPS-Anwendungen openmoko-agpsui und tangogps.
Wer den Freerunner nicht ausschließlich per Neuner-Tastatur bedienen will, kann sich hier drei Pakete herunterladen, die eine winzige, aber vollständige QWERTZ-Tastatur für alle Bediensituation bereitstellen.
Bisher bezog unser Neo Freerunner seine Daten stets über die Gastverbindung, die er mit einem PC als Gateway herstellte. Doch viel spannender wäre es, wenn er sich selbst über das Mobilfunknetz mit dem Internet verbinden würde. Aber Vorsicht! Wer schon bei seinem handelsüblichen Mobiltelefon am Konfigurationsmenü verzweifelt, bekommt beim Neo Freerunner ungewollt viel tiefere Einblicke in den Aufbau von GPRS-Verbindungen.
Das ist übrigens ein Problem, das auch der harte Kern der OpenMoko-Community heftig diskutiert. So schrieb Joseph Reeves am 6.Juni auf sinngemäß: "Natürlich darf sich ein Entwickler / very early adopter eines Linux-Telefons auf Schwierigkeiten einstellen. Aber je näher wir an die Marktreife herankommen, desto dringender wird es, dass diese Sachen funktionieren."
GPRS: Viele Nutzer werden feststellen, dass im offziellen Freerunner-Wiki von OpenMoko nur die Anleitung fürs GPRS-Verbindungen mit Vorgängermodell Neo 1973 kopiert wurde. Mehr als fünf Konfigurationsdateien müssen editiert werden, bevor man eine GPRS-Verbindung über das für Linux typische PPP-Protokoll eingerichtet hat. Mit den Informationen aus dem Wiki ist uns das nicht gelungen, doch zum Glück hat Reeves eine eigene Anleitung veröffentlicht, die wir auszugsweise wiedergeben wollen.
Als Startdatei für eine PPP-Verbindung kann man das Skript "" anlegen, das für den Nutzer Root ausführbar sein muss (chmod 700). Zeichenketten wie "Vodafone", APN-Bezeichnungen oder Nutzernamen und Passwörter müssen auf den eigenen Provider angepasst werden.
Reeves' Datei /usr/bin/p
#!/bin/sh killall -9 gsmd sleep 1 pppd debug nodetach call vodafone
Wenn man dieses Skript auf dem OpenMoko angelegt hat, muss man im Terminal nur noch "" eingeben, um eine GPRS-Verbindung herzustellen. Die Zugangsdaten für den eigenen Mobilfunk-Anbieter kann man in der Datei "/etc/ppp/chap-secrets" hinterlegen. Bei Vodafone schreibt man beispielsweise "" in die Datei. Falls der Provider keine Authentifizierung benötigt, wie beispielsweise o2 in Deutschland, reicht hier auch ein "".
Die Datei "/etc/ppp/chat-vodafone" enthält die Kommandos, die PPP zum Einwählen benutzt:
'' ATZ OK AT+CGDCONT=1,"IP","internet" OK "ATD*99***1#" CONNECT ''
Das Schlüsselwort "internet" muss man durch die jeweilige APN-Bezeichnung seines Providers ersetzen. Sollte das nicht ausreichen, kann man auch den Wählstring "ATD*99***1#" gegen den in der offziellen Anleitung genannten String "*99#" austauschen. Das hilft beispielsweise bei o2 Germany, wenn man den APN "internet" verwendet.
Es folgt die Definition zur Einrichtung der peer-Parameter "/etc/ppp/peers/vodafone":
/dev/ttySAC0 115200 connect '/usr/sbin/chat -v -s -f /etc/ppp/chat-vodafone' remotename web noauth noipdefault usepeerdns show-password defaultroute replacedefaultroute user web ipcp-accept-local ipcp-accept-remote local nodeflate nodetach debug
Auch hier lässt sich "vodafone" gegen den Namen des eigenen Mobilfunkanbieters ersetzen und die Parameter "" und "" kann man weglassen.
Wenn alle diese Dateien korrekt konfiguriert sind, erzeugt die Eingabe von "" auf der Kommandozeile eine längere Textausgabe die mit der Zeile " " das Einwählen abschließt. Die bestehende Internet-Verbindung kann von jeder Software auf dem Telefon genutzt werden. Einen großen Haken hat die Sache aber: Bisher gibt es keinen "GSM-Mixer", deswegen sind alle Telefonierfunktionen bei einer bestehenden GPRS-Verbindung deaktiviert. Er soll aber bereits in Arbeit sein.
Auf lange Sicht dürfte der manuelle Eingriff ins System sowieso überflüssig werden: Ein Tool namens "SettingsGUI" soll die Arbeit auf der Kommandozeile verdrängen. Wie viele der ambitionierten Projekte, die sich um das offene Telefon ranken, basiert es auf der Softwareplattform Python, die sich jeder Freerunner-Besitzer sofort per "" installieren sollte, und nutzt das Oberflächenframework GTK+. Leider verweigerte "SettingsGUI" aber mit unserem Kernel-Image den Dienst, weil es wie viele Projekte noch für das Vorgängermodell 1973 konzipiert wurde. Mehr Informationen gibt es hier.
WLAN: Etwas weniger kompliziert gestaltet sich die Einrichtung einer WLAN-Verbindung, die man auch als Ersatz für das lästige USB-Kabel missbrauchen kann. Das offizielle WiKi des OpenMoko-Projekts liefert einen funktionsfähigen Ansatz.
Zunächst erstellt man unter "/etc/wpa_supplicant/wpa_supplicant.conf" eine Datei, die für eines WLAN mit WPA2-Verschlüsselung so aussehen sollte:
ctrl_interface=/var/run/wpa_supplicant eapol_version=1 ap_scan=1
network={ ssid="SSID" scan_ssid=1 proto=RSN key_mgmt=WPA-PSK pairwise=CCMP TKIP group=TKIP CCMP psk="WLAN-Schlüssel" priority=50 }
Die Parameter SSID und der WLAN-Schlüssel müssen natürlich genauso wie die TKIP-Einstellungen für das heimische Netzwerk angepasst werden. Eine umfassende deutsche Erklärung für die Einrichtung solcher Dateien findet man beispielsweise bei ubuntuusers.de. Anschließend lässt sich der Netzwerkadapter des Neo Freerunner mit dem Befehl "" hochfahren und durch die Eingabe der Zeile "" als Daemon im System verankern.
Der letzte Schritt, "", verlangt vom Router eine DHCP-Adresse, unter welcher der Freerunner ab sofort im Netzwerk sichtbar ist. Unter dieser Adresse, die man mit "" auf der Konsole abfragen kann, ist auch die SSH-Schnittstelle des Handys sichtbar. Soll diese Netzwerkverbindung beim Neustart des Geräts automatisch hochgefahren werden, empfiehlt sich in der Datei "/etc/network/interfaces" dieser Eintrag:
auto eth0 iface eth0 inet dhcp wpa-conf /etc/wpa_supplicant/wpa_supplicant.conf
Bezugsquelle: [url]www.pulster.de[/url] - Preis 249 EUR (Stand 01/2009)
Hallo, ich habe meinen Freerunner jetzt schon seit der ersten Lieferung, und bin voll und ganz zufrieden damit. Obwohl ich eigentlich auch nur ein Windows User bin! Flashen kann man mit Live Cds und mit dem Windows Treiber ist eine Kommunikation über SSH und SCP kein Problem!
man muss nicht unbedingt linux installieren um mit dem freerunner zu kommunizieren. es gibt einen treiber für windows und auch einen für osx mit dem man von diesen systemen per ssh und usb kabel auf das openmoko teil kommt. spätestens dort sollte man aber wieder seine linux - kenntnisse ausgraben.
der bildschirm von dem telefon is einer der schönsten (weil hochauflösend) die ich auf einem handy je gesehen habe, einzig der software merkt man den beta-status noch an, weil es doch da oder dort hakt und man das ding öfter mal neu startet...
Vielen Dank für den guten Überblick. Sieht nach einem wirklich spannenden und guten (weil offenen) Projekt aus... Dann werd ich mir wohl mal einen freerunner bestellen.
ich bin Mathematiker und sehe das genauso (@Anonymous #3) :) Aber ehrlich gesagt - so wie ich die Auswahl bei OpenMoko kennengelernt habe, ist da noch ganz viel Entwicklungsbedarf.
Ihr könnt Euch übrigens auch anmelden, wenn Ihr hier einen richtigen Namen braucht :)
Anonymous#3 hat völlig Recht.
Im Gegensatz zu Android verschickt dieses Smartphone nicht automatisch SMS oder überträgt wie das iPhone Screenshoots zu seinem Hersteller. Das Linux, was drauf ist, ist immernoch stabieler, wie XP oder Vista.