Zyb ist ein kleines Startup aus Dänemark, über das man ursprünglich nur eine Sicherheitskopie des Handy-Adressbuches im Internet anlegen konnte. Trotzdem hat Vodafone die Firma im Mai für viele Millionen gekauft und hat noch große Pläne für Zyb. Unser Unternehmensporträt gibt einen kleinen Einblick.
Tommy Ahlers muss kein Geld verdienen. "Wir hatten uns bisher nur auf Innovationen konzentriert und keine Gedanken über Einnahmemöglichkeiten gemacht", sagt der Gründer und Geschäftsführer des Handy-Sozialnetzwerkes Zyb. Frühestens in einem Jahr hätte der ehemalige Unternehmensberater von McKinsey vielleicht Werbung auf seiner Website eingebunden oder bezahlte Premium-Services angeboten. Die Millionen des Risiko-Kapitalgebers Nordic Ventures und des Investors Morten Lund, der schon Skype die Anschubfinanzierung gegeben hatte, ermöglichten Zyb seit zwei Jahren ein ruhiges Leben. Auch jetzt muss er sich keinen Kopf über die Refinanzierung machen, denn im Mai hat Vodafone das Startup für 31,5 Millionen Euro gekauft und seinen Internet Services einverleibt. Der Netzbetreiber lässt Tommy und seine Kollegen einfach so weiterarbeiten wie bisher.
Ziemlich viel Vertrauen in ein kleines Startup, dass seit der Gründung keinen einzigen Cent verdient hat. "Vodafone möchte mehr als nur eine dumme Bitpipe sein", sagt Tommy Ahlers. "Sie wollen ihren Kunden ein richtig cooles Adressbuch bieten." Dafür brauchten sie das Startup aus Dänemark. Zyb ist längst viel mehr als nur ein Backup fürs Handy-Adressbuch im Internet, auch wenn damit vor drei Jahren alles begann. Vodafone sieht sein Investment als Teil der "Total Communications"-Strategie, die CEO Arun Sarin vor zwei Jahren dekretierte. Der Mobilfunkanbieter will sich neue Einnahmequellen erschließen durch Breitbandanschlüsse, die beispielsweise in Deutschland von der Festnetztochter Arcor vermarktet werden, durch Handy-Werbung und durch neue Internet-Dienste, die PC und Mobiltelefon zusammenführen.
Zyb bringt deswegen mit der neuen Version seiner Software viele Web2.0-Funktionen aufs Handy, die bisher nur auf dem PC nutzbar waren. Statt nur die Kontaktdaten der Freunde abzuspeichern, kann man direkt mit ihnen übers Handy-Telefonbuch Kontakt halten und erfahren, was sie gerade machen. Das macht süchtig. Man möchte das Mobiltelefon gar nicht mehr aus der Hand legen, um bloß keine Neuigkeit von den Kumpels zu verpassen.
Vodafone kann sich über steigende UMTS-Umsätze freuen und hat den Fuß in der Tür zum Nachinstallieren weiterer datenhungriger Funktionen. Bei jeder Synchronisierung des Handy-Telefonbuchs mit dem Server im Internet können sie neue Zyb-Funktionen auf dem Mobiltelefon einrichten. "Tür" heißt auf finnisch übrigens "Ovi" und Zyb verfügt bereits jetzt über viele Funktionen, die Nokia erst später in seinem neuen Mobilportal anbieten möchte.
Die Vodafone-Tochterfirma hat eine Software programmiert, mit der im Telefonbuch verzeichnete Freunde auf einer Landkarte im Handy geortet werden können. Die Anzeige des Aufenthaltsortes wird bei Zyb bis zu viermal pro Stunde aktualisiert. "Wir setzen eine kostenlose Ortung des Handynutzers über die Funkzelle ein", sagt Tommy Ahlers. "Damit niemand sich verfolgt fühlt, lässt die Genauigkeit der Lokalisierung sich auf die Stadt oder das Land beschränken." Zusätzlich werden Statusmeldungen aus Twitter und Facebook eingeblendet, um zu sehen, womit die Freunde gerade beschäftigt sind und was sie später noch vorhaben.
Weitere Services, deren Inhalte angezeigt werden, sind Del.icio.us, Skype, LinkedIn, Youtube, Flickr oder RSS-Feeds. So lassen sich zu jedem Freund im Telefonbuch beispielsweise auch seine neuesten Blog-Einträge, Fotos oder Videos sehen. Bisher bietet Zyb diese Software nur für Handys von Sony Ericsson an, doch bald soll auch eine Symbian-Version veröffentlicht werden. Dann kommt außerdem GPS zum Einsatz, um die Lokalisierung zu präzisieren. Die dänische Firma Zyb kommt damit dem Mobiltelefon-Hersteller Nokia zuvor, der genau solche Funktionen demnächst auf seine Handys bringen möchte. "Es gibt 60 Milliarden Telefonbuch-Einträge in den Nokia-Handys", sagte Michael Halbherr, Geschäftsführer der Nokia gate5 GmbH, Ende Juni auf einem Presse-Workshop. "Das ist der größte Social Graph der Welt."
Seine Firma entwickelt die Navigationssoftware Nokia Maps, die in den kommenden Monaten um die Funktionalitäten des hinzugekauften Startups Plazes erweitert werden soll. Bei Plazes können die Nutzer per Laptop oder Handy melden, wo sie gerade rumhängen und ihre Pläne für den Rest des Abends verkünden. Veröffentlicht werden die Informationen durch kleine Einträge auf der Website, wofür Plazes bisher noch Landkarten von Google Maps einblendet. Demnächst soll das auch mobil möglich sein, die Standorte werden dann in Nokia Maps eingeblendet. Zusätzlich sollen über den Nokia-Service Ovi auch aktuelle Fotos, Statusmeldungen und Inhalte derselben Sozialnetzwerke wie bei Zyb angezeigt werden. Die Telefonbucheinträge im Handy, die Nokia demnächst als Knotenpunkte in einem Sozialnetzwerk verwenden möchte, setzt Zyb schon seit zwei Jahren für diesen Zweck ein.
Wer seine Nummern und andere Handy-Daten per SyncML mit dem Server von Zyb synchronisiert, um eine Sicherheitskopie anzulegen, kann diese Informationen mit anderen Nutzern teilen. Wenn ein Zyb-Benutzer seine Daten ändert, aktualisiert er damit auch die Adressbücher in den Handys seiner Freunde. Mit der neuen Software kann er nun auch regelmäßig die Anzeige seines Standorts aktualisieren. "Wir freuen uns, wenn Nokia dasselbe macht", sagt Tommy Ahlers. "Dadurch lernen die Nutzer endlich, was mit ihren Mobiltelefonen möglich ist." Die meisten Handybesitzer hätten noch nicht einmal begriffen, dass sie mit Zyb Sicherheitskopien ihrer Handynummern im Internet anlegen können.
Trotzdem konnte Zyb bereits 300.000 Nutzer für seinen kostenlosen Service gewinnen und hat damit in den vergangenen Jahren auch seiner jetzigen Mutterfirma einige Kunden weggeschnappt. Synchronisation war ursprünglich vor allem im Business-Bereich ein Thema. Wer sein Geld mit den Kontakten verdient, die im Handy-Adressbuch gespeichert sind, der will sie ungern verlieren und bezahlt gern für ihre Sicherheit. Darauf hat jedenfalls Vodafone gesetzt, als sie vor drei Jahren den Backup-Service MeinAdressbuch starteten. Er funktioniert ähnlich wie Zyb, muss aber ohne die ausgefuchsten Web2.0-Funktionen auskommen. Jede Synchronisierung mit dem Server kostet 39 Cent, alternativ kann für 2 Euro im Monat eine Flatrate mit unbegrenzt vielen Synchronisationen gebucht werden.
Beide Angebote verwenden den Standard SyncML zur Datensynchronisation, der nach Tommys jüngster Zählung bereits von 500 verschiedenen Mobiltelefonen unterstützt wird. Ähnlich wie beim Einrichten eines E-Mail-Zugangs trägt man beim Handy im Unterpunkt "Synchronisierung" den Servernamen von Zyb ein sowie den Login und das Passwort. Wem das zu kompliziert ist, der kann einfach auf der Website eine SMS für die automatische Handy-Konfiguration anfordern. Trotz des Standards gibt es aber manchmal Probleme. "Wir können nicht alle 500 Handys selbst ausprobieren, sondern müssen uns auf öffentlich verfügbare Technikinformationen verlassen", sagt Tommy Ahlers. "Wenn ein Hersteller die Umsetzung von SyncML in seinen Handys ändert, dann sind wir erst einmal angeschmiert." Besonders Geräte von Netzbetreibern sehen oft ganz anders aus als der Standard, manche haben gar keinen Sync-Button, obwohl die Hersteller-Website einen ausweist.
Die Übertragung der Daten ist günstig. Für das Backup eines Adressbuchs mit knapp 150 Einträgen entsteht beispielsweise bei einem Nokia 6300 ein Datenaufkommen von etwa 70 KB. Beim richtigen Mobilfunkanbieter kostet diese Menge weniger als 17 Cent. Der Service lässt sich auch gemeinsam nutzen, indem man auf mehreren Handys den selben Zyb-Account für die Synchronisation installiert. So kann die ganze Familie ein gemeinsames Telefonbuch auf allen Geräten nutzen oder die Mutter trägt dem Vater Termine ein, die er nach der nächsten Synchronisation auf seinem Handy vorfindet.
"Einer unserer Kunden nutzt vor allem den Papierkorb", sagt Tommy Ahlers lachend. "Dort hat er mehr als 1.000 Personen gespeichert." So ein Adressbuch im Handy wird ab hundert Kontakten unübersichtlich. Doch wer einen Eintrag bei Zyb löscht, verliert ihn nicht ganz. Zwar verschwindet der Kontakt aus dem Handy, doch im Menüpunkt "Papierkorb" auf der Website von Zyb lässt er sich weiter finden. Das ist ein gutes Backup für Leute, die nicht ganz so wichtig sind. Auch SMS lassen sich mit der S60-Version archivieren, sie werden einfach bei jeder Synchronisation ins Internet kopiert. Auf der Website von Zyb stehen die Nachrichten dann gruppiert wie in einem Chat-Protokoll. Das kann sehr romantisch aussehen, wenn sich beispielsweise ein Pärchen per SMS angenähert hat. Solche Nachrichten behält man gern.
Andere SMS-Funktionen findet vielleicht nicht jeder sinnvoll: Tommy Ahlers schickt gern Shouts über Zyb. Das sind Statusnachrichten, welche die Freunde aus seinem Adressbuch nicht nur auf der Zyb-Website sehen können, sondern auch per SMS zugestellt bekommen. Gern sendet er noch um Mitternacht eine Nachricht, wenn er beispielsweise in London aus dem Konzert von Elton John kommt oder wenn er gerade etwas Neues entdeckt hat. "Zum ersten Mal seit Jahren nehme ich den Bus", schrieb er neulich an alle. "Die haben jetzt einen Minutenzähler der zeigt, wann der nächste kommt", notierte Tommy erstaunt. Wenig später beschwert er sich, dass der Bus zu voll ist. "Es wird Jahre dauern, bis ich wieder den Bus nehme", endet die Nachricht von Tommy Ahlers. Er hat eben immer genügend Geld für ein Taxi.
ja ich funktioniert aber net so gut wie da beschrieben
klingt nicht schlecht hat schon jemand damit erfahung gemacht ?
ja ich funktioniert aber net so gut wie da beschrieben