Werde Teil der Community - Registriere dich jetzt kostenlos! | Login
Anzeige
 
 

Nvidia im Interview: Dualcore-Chips sind wie Kampfjets

Inhaltsverzeichnis

Tablets und Top-Smartphones kommen immer häufiger mit Dualcore-Chips auf den Markt. Aber was ist ein Dualcore-Prozessor überhaupt und was bringt er dem Nutzer? Areamobile-Redakteur Stefan Schomberg hat sich mit Lars Weinand, dem leitenden Produkt-Manager für den Bereich Technik bei Nvidia, über Vorteile, Technik und Zukunft der Tegra-Reihe unterhalten.

Herr Weinand, was macht den Dualcore-Prozessor Tegra 2 aus?

Lars Weinand, leitender Produkt-Manager für den Bereich Technik bei Nvidia

Lars Weinand ist Hauptansprechpartner bei technischen Fragen zu GeForce und Tegra in Europa

Ein mobiler Prozessor ist mehr als – im Fall von Tegra 2 - nur zwei Prozessorkerne. Dabei handelt es sich um einen Chip, der in viele Bausteine aufgeteilt ist. Dazu gehört etwa der Geforce-Grafikbeschleuniger, der sehr leistungsfähig ist, außerdem eine dedizierte Video-Engine, Kompressions-Engines, Flash-Beschleunigung, Audio-Encoder und vieles mehr. Das bedeutet, dass Vieles gar nicht über den Prozessor selbst, sondern über spezielle Bereiche in dem Chip läuft – das spart Strom, da die CPU nicht unter Volllast alle, sondern nur einige Aufgaben übernehmen muss. Und Stromsparen ist die Hauptsache bei einem Chip für mobile Anwendung. Dafür haben wir um die neun Stromsparstufen in den Tegra 2 implementiert, damit der Chip auch wirklich nur mit dem Aufwand läuft, der tatsächlich benötigt wird – eine Desktop-CPU hat deutlich weniger Mechanismen zum Stromsparen. Außerdem können nicht benötigte Bereiche des Chips ganz abgeschaltet werden, wenn sie gerade nichts zu tun haben.

Das Powermanagement im Chip ist sehr aufwändig, Nachteile habe ich bei mehr Kernen nicht. Ein Dualcore unter Volllast verbraucht zwar mehr Strom als ein Singlecore unter Volllast, aber wenn ich einen Dualcore ausreize, habe ich auch den Bedarf für diese hohe Leistung. Wenn ich eine so anfordernde Anwendung unbedingt nutzen möchte, muss ich natürlich auch mit dem höheren Stromverbrauch leben.

Was für Vorteile bringt ein Mehrkernprozessor außer der angesprochenen Stromersparnis?

Ein Vorteil von Dualcore ist die höhere Leistung bei Multitasking | (c) Nvidia

Ein Vorteil von Dualcore ist die höhere Leistung bei Multitasking | (c) Nvidia

Mit Multicore-Prozessoren kann man Dinge einfach schneller abarbeiten, weil man im Bedarfsfall die doppelte oder mehr Leistung zur Verfügung hat. Aufwändige Spiele könnte man mit einem Singlecore-Prozessor etwa gar nicht mit der nötigen Geschwindigkeit laufen lassen – mit mehr Kernen kann man mehrere Aufgaben gleichzeitig lösen. Da steckt noch viel Potenzial drin. Das Ziel, das ich mit einem mobilen Prozessor erreichen will, ist ein ähnliches Erlebnis wie auf einem Notebook. Das fängt schon an, wenn ich im Browser mehrere Tabs offen habe – das entspricht im Prinzip mehreren Aufgaben. Will ich jetzt noch weitere Seite öffnen, habe ich ein typisches Multitasking-Szenario. Ein einzelner Prozessor muss die Anfragen der Reihe nach abarbeiten, mehrere Kerne können Aufgaben gleichzeitig erledigen.

Lösen Kerne das Dilemma des Verhältnisses zwischen Leistung und Stromverbrauch?

Roadmap von Nvidia - die angepeilte Leistung des Stark-Chips soll 80 mal höher sein, als bei Tegra 2 | (c) Nvidia

Roadmap von Nvidia - die angepeilte Leistung des Stark-Chips soll 80 mal höher sein, als bei Tegra 2 | (c) Nvidia

Da gibt es sicherlich auch eine Grenze – bei Desktop-Rechnern oder Notebooks habe ich mindestens zwei oder vier Kerne, das ist heute Standard, sechs oder acht Kerne sind eher Highend. Besonders Spiele nutzen das auch aus. Dann läuft etwa Sound auf einem Kern, die künstliche Intelligenz auf einem anderen und so weiter. Aber die Vergangenheit zeigt, dass die Rechenleistung nicht nur mit der Zahl der Prozessorkerne wächst. Stattdessen erhöht man die Taktfrequenzen und verkleinert die Baustrukturen für weniger Stromverbrauch. Gerade bei den mobilen Prozessoren müssen wir im gleichen Verbrauchsfenster bleiben, also unter einem Watt, und für Smartphones im Milliwatt-Bereich. Daher wird es sicherlich auch verschiedene Versionen eines Prozessors geben. Heute reden wir von Tegra 2, aber es wird sicherlich so sein, dass es zukünftig eine Tablet-Version und eine Smartphone-Version des gleichen Chips geben wird, die unterschiedlich getaktet werden.

Im Automobile-Bereich machen wir das auch schon. BMW und Audi haben Tegra 2 für ihre Autos angekündigt, die bekommen spezielle Versionen des Chips von uns. Daher ist es sicherlich nicht unsere Strategie, einfach nur immer die Anzahl der Kerne zu verdoppeln. Der CPU-Teil wird ohnehin von ARM entwickelt, daher dient er uns vor allem als Basis und ist für uns nicht das Wichtigste – das ist der Grafikbeschleuniger. Daher wird es nicht nur bei Prozessorkernen, sondern auch bei den GPUs eine Steigerung geben.

Wir vergleichen das immer so: Eine CPU ist wie ein Kampfjet. Damit können zwei Leute superschnell irgendwo hinfliegen. Eine GPU ist eher so was wie ein Airbus. Der ist nicht so schnell und nicht so flexibel, aber der kann gleichzeitig 200 Leute von A nach B bringen. Das ist für massiv-parallele Aufgaben im Desktop- und Server-Bereich sehr wichtig und der Bedarf wird auch bei mobilen Geräten künftig da sein. Die nächste Generation nach Tegra 3 wird 2012 schon 10 Mal schneller sein (Codename Wayne) als der aktuelle Tegra 2, 2013 wird Logan (Codename für Tegra 4) schon 50 Mal schneller sein und Stark (Tegra 5) bis zu 80 Mal schneller. Diese Chips werden aber auch nicht zwangsläufig nur in mobilen Endgeräten zum Einsatz kommen.

Im zweiten Teil des Interviews fragen wir den Nvidia-Produktmanager, warum es trotz Dualcore-Prozessoren auf dem Tablet Motorola Xoom und dem Smartphone LG Optimus Speed ruckelte.

Kommentar schreiben

Die Kommentarfunktion ist hier leider nur für angemeldete Benutzer freigegeben.

Du bist nicht dabei?
Werde Teil der Community
Registriere Dich jetzt kostenlos! | Login
Sichere Dir Deinen Usernamen, damit Deine Beiträge und Bewertungen nicht verloren gehen.
 
Kommentare
  1. 23.07.11 17:39 Plan3tonator (Advanced Member)

    Ups zu früh gesendet.

    Ich meinte damit, dass es bei 3.1 nicht mehr ruckelt (zum Beispiel habe ich ein mkv 720p Video auf meinem Desire und Eeepas gepackt und beide mit dem MoboPlayer abgespielt. Bei 3.0.1 ruckelte es und bei 3.1 nich mehr)

  2. 23.07.11 17:36 Plan3tonator (Advanced Member)

    Jop das mit 3.0.1 und 3.1 konnte ich auf dem Transformer auch beobachten. Einige Anwendungen habe geruckelt, obwohl sie auf meinem Desire, welches einen BEDEUTENT schlechteren Prozessor hat, total smooth liefen.

    Ich Dreckssack habe gleich am 3 Tag zum ADW Launcher EX gegriffen, da mir dort die Einstellungsmöglichkeiten mehr gefallen ;)

  3. 23.07.11 15:13 Arminator (Advanced Handy Profi)

    wirklich klasse! weiter so!!!

  4. 23.07.11 12:11 FaK (Youngster)

    jep. mit so inhalten kann man sich von der konkurrenz abheben. gefällt mir sehr gut!

  5. 23.07.11 12:05 DDD (Expert Handy Profi)

    Ein Interview ist doch mal was neues. Da muss man AM doch glatt mal Loben.

antworten
Aktuelle Geräte im Test
Anzeige
Anzeige