Gehört haben alle schon davon, aber wie ein Jailbreak funktioniert und welche Konsequenzen er hat, weiß keiner so genau. Wir erklären, was hinter dem Hack steckt, und geben einen Überblick über die wichtigsten Protagonisten der Jailbreak-Szene.
Jailbreak heißt übersetzt Gefängnisausbruch - und in der digitalen Welt trifft das Wort den Kern der Sache. Es geht darum, ein Betriebssystem von Beschränkungen zu befreien, die der Hersteller des Smartphones oder der Anbieter der Software eingebaut hat. Erst wenn diese Schranken fallen, kann das Potenzial der Hardware voll ausgeschöpft werden. Einen Jailbreak kann man mit einem Auto vergleichen, bei dem die Motordrosselung entfernt wurde, um mit voller Geschwindigkeit zu fahren. Bei Smartphones geht es darum, als Nutzer umfassende Rechte zu erlangen, um das Betriebssystem beliebig modifizieren zu können. Dazu muss das System gehackt werden. Man muss eine Sicherheitslücke im Quellcode des Systems finden und sie danach verwenden, um sich neue Benutzerrechte zuzuweisen. Am Ende steht ein kleines Programm mit einer grafischen Oberfläche, das den Prozess automatisiert.
Am Ende steht eines erfolgreichen Jailbreak steht ein kleines Programm mit einer grafischen Benutzeroberfläche, das den Prozess automatisiert. Hier ein Auszug aus dem Quellcode von Jailbreakme 2.0, der vom Hacker Comex unter github.com/comex/star veröffentlicht wurde.
Der bekannteste Jailbreak-Kandidat ist natürlich das iPhone. Beim Apple-Smartphone war der Jailbreak so populär, weil das Smartphone anfangs nur mit Netlock verkauft wurde und nur mit einem Hack in beliebigen Mobilfunknetzen benutzt werden konnte. Aber auch Smartphones mit Windows Phone 7 und Android kann man "öffnen": Bei Windows Phone schaltet das Tool Chevron WP7 das Smartphone für die Installation von Drittprogrammen über den PC frei. Eigentlich erlaubt Microsoft nur die Installation über die Download-Plattform Marketplace.
Bei Android verbirgt sich hinter dem bekannten Root-Zugriff des Betriebssystems nichts anderes als ein Jailbreak. Mit einem Root wird der Nutzer zum "Superuser", der jedes beliebige Programm installieren und alle Funktionen ansteuern kann, genau wie bei einem Linux-PC. Root-Rechte sind eine Grundvoraussetzung für die Installation von modifizierten Android-Versionen, die oft besser laufen als die Firmware der Hersteller.
Bei Android geht es darum, Superuser zu werden. Erst dann kann man etwa Screenshots oder -casts machen, hier am Beispiel der App ShootMe. / (c) Anbieter
Beim iPhone geht es aber nicht darum, verbesserte Firmware aufzuspielen, sondern Zugang zu alternativen Download-Plattformen zu bekommen. Dabei geht es um Download-Plattformen, die Apps anbieten, die Apple nicht für seinen App Store freigegeben hat - sei es, weil sie Funktionen freischalten, die der Hersteller nicht unterstützen will, oder weil sie die Oberfläche so tiefgreifend modifizieren, dass man das System dahinter kaum noch wiedererkennt. Dazu gehört etwa die App Android-Locker, die den Sperrbildschirm von Android-Smartphones auf das iPhone kopiert. Klar, dass Apple da nicht mitspielt. Jailbreaker-Verfechter halten dagegen, dass das Unternehmen kein Recht habe, seine Kunden zu bevormunden. Die Nutzer sollten selbst entscheiden dürfen.
Bei Windows Phone 7 ist die Sache überschaubar. Die Entwickler Rafael Rivera, Chris Walsh und Long Zheng haben den Chevron-Hack programmiert. Sie arbeiten aber mittlerweile mit Microsoft zusammen und haben das Jailbreak-Tool von ihrer Website entfernt.
Ganz anders sieht es aus, wenn man sich das iPhone anschaut. Die Mutter aller Jailbreaks hat eine ganze Szene entstehen lassen, die über mehrere Jahre gewachsen und inzwischen fest etabliert ist. Am bekanntesten ist die Hackergruppe iPhone Dev Team, die 2008 das erste Mal auftauchte, als sie die Jailbreak-App QuickPwn für iPhone 2G und 3G vorstellte. Sie wurde später in Pwnage Tool umbenannt. Das Dev Team hat auch den Jailbreak redsn0w entwickelt.
Ende 2009 betrat der damals 17-jährige George Hotz die Jailbreak-Bühne. Er erregte großes Aufsehen mit seinem Jailbreak Blackra1n, der es erstmals schaffte, die neue iPhone-Systemversion 3.1 zu knacken. 2010 stellte er Limera1n vor, einen Jailbreak, der eine bis dato unentdeckte Sicherheitslücke in Apples System nutzte. Noch berühmter wurde Hotz, weil es ihm erstmals gelang, Sonys Playstation 3 zu hacken. Der begabte Entwickler arbeitet mittlerweile für das Sozialnetzwerk Facebook.
Die Oberliga der iPhone-Hacker: George Hotz aka Geohot und Nicholas Allegra aka Comex. / (c) Jeff Christensen (li.), Nathaniel Welch
Comex trat 2010 ins Rampenlicht, als er JailbreakMe 2.0 veröffentlichte, das den iPhone-Hack so einfach machte wie nie zuvor. Man musste nur die Website jailbreakme.com mit dem Safari-Browser aufrufen und dann auf ein Icon tippen - fertig. Apple schloß die entsprechende Sicherheitslücke innerhalb von 10 Tagen, aber das hinderte Comex nicht daran, ein Jahr später JailbreakMe 3.0 zu veröffentlichen, der es erstmals möglich machte, ein iPad 2 zu entsperren. Forbes enthüllte erst vor wenigen Tagen, dass hinter dem Pseudonym der 19-jährige College-Student Nicholas Allegra steckt. Das Interview mit ihm kann man hier nachlesen.
2009 gründeten Hacker aus aller Welt das Chronic Dev Team. Die neunköpfige Gruppe ist für den Greenpois0n-Jailbreak verantwortlich und entdeckte 2010 den SHAtter Bootrom Exploit, eine Sicherheitslücke, die Apple nicht durch ein Software-Update beseitigen kann. Um sie zu schließen, muss das der Hersteller Geräte mit neuen ROM-Speicherbausteinen ausliefern.
Das Tool Sn0wbreeze von dem Projekt iH8snow spielt ebenfalls eine wichtige Rolle in der Jailbreak-Szene. Wer sich dahinter verbirgt, ist aber unbekannt.
Bei Apple hat man schon Probleme, den Überblick zu behalten, aber bei Android ist die Lage noch viel schwerer zu durchschauen. Weil das Google-System offener konzipiert ist, gibt es statt ein paar elitären Hackergruppen eine große Masse von alternativen Entwicklern, die in ihrer Freizeit am Quellcode des Systems herumbasteln. Und weil Google die Apps für Android kaum überprüft, geht es weniger darum, Software zu bekommen, die neue Funktionen frei schaltet, sondern modifizierte Firmware zu intallieren, die das Gerät schneller und stabiler laufen lässt. Zu den bekanntesten ROM-Küchen gehören CyanogenMod und Darky. Erste Anlaufstelle für die bunt gemischte Entwicklerszene ist das Forum xda-developers.com.
Die Unternehmen haben die Nutzerrechte allerdings nicht umsonst eingeschränkt. Denn wer zum Superuser wird, hat viel Macht und kann auch viel kaputt machen. Wer Anwendungen installiert, die nicht vom Hersteller überprüft wurden, darf sich nicht wundern, wenn sie abstürzen oder schlecht laufen. Und auch die Gefahr durch Viren oder andere Schadsoftware wird größer. Vor knapp zwei Jahren tauchte ein Wurm auf, der nur iPhones mit Jailbreak befiel. Bei Android ist dagegen die Gefahr größer, das System irreparabel zu beschädigen. Das kommt aber nur in den seltensten Fällen vor. Viel schwerer wiegt die Tatsache, dass die Smartphone-Nutzer mit einem Jailbreak ihre Gerätegarantie verlieren. Der System-Hack will also gut überlegt sein.
(Andreas Seeger)
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Du bist nicht dabei?"Zum Thema "Verlust der Gewährleistung nach Jailbreak".
Auch wenn Apple dies androht, ist bisher kein Fall bekannt, in dem tatsächlich keine Garantie gewährt wurde. Das Risiko bei einer eventuellen Klage durch Kunden wäre für Apple viel zu hoch - schließlich könnte der Kunde doch recht bekommen und die Jailbreak-Verbotsklausel in den AGBs für unrecht erklärt werden.
In etwa vergleichbar ist die Klausel, wenn z.B. Aldi seinen Kunden untersagen würde, auf den Aldi-PCs statt Windows Linux zu installieren.
Daher: Die Androung des Gewährleistungsverlustes ist FUD, wie es mittlerweile allgemein leider sehr üblich geworden ist."
Es ging noch nie um den Verlust der Gewährleistung.
Es geht immer und ausschließlich nur um den Verlust der Garantie. Und da kann jede Firma machen was sie will. Garantien sind immerhin freiwillige Versprechen der Händler, demnach kann eine Garantie auch an beliebige Bedingungen geknüpft sein. Apple kann ohne weiteres jedem Nutzer mit einem Jailbreak die Garantie verweigern, solange dies auch in den AGB (ohne 's) so bestimmt ist.
Die Apple Garantie deckt aber eh nur (wie die meisten anderen Garantien auch) Herstellungs- und Materialfehler ab. Diese sind immer auch von der 2 Jährigen Gewährleistung abgedeckt. Die Gewährleistung ist auch nicht weiter einschränkbar (§ 475 BGB) und wird auch von Apple ausdrücklich nicht eingeschränkt.
Also werden die Rechte des Kunden durch einen Jailbreak in KEINER Art und Weise IRGENTWIE eingeschränkt.
Der Jailbreak als solches ist auch nicht wirklich das Problem. Beim IPhone wird es zum Problem wenn das Baseband per software verändert wird, um das Phone vom Netlock zu befreien. Da das Baseband nicht zurück gesetzt werden kann, ist es für künftige Updates nicht mehr zu gebrauchen. Ob sich das z.B. mit dem IOS5 ändert.. ist fraglich.
Zum Thema "Verlust der Gewährleistung nach Jailbreak".
Auch wenn Apple dies androht, ist bisher kein Fall bekannt, in dem tatsächlich keine Garantie gewährt wurde. Das Risiko bei einer eventuellen Klage durch Kunden wäre für Apple viel zu hoch - schließlich könnte der Kunde doch recht bekommen und die Jailbreak-Verbotsklausel in den AGBs für unrecht erklärt werden.
In etwa vergleichbar ist die Klausel, wenn z.B. Aldi seinen Kunden untersagen würde, auf den Aldi-PCs statt Windows Linux zu installieren.
Daher: Die Androung des Gewährleistungsverlustes ist FUD, wie es mittlerweile allgemein leider sehr üblich geworden ist.
für diesen guten Artikel. Da ich mich nicht so gut auskenne, finds ich toll auf diese kurze Art einen Überblick über das Thema Jailbreak zu bekommen.
P.S.: Ich kannte zwar schon vorher Hotz, wusste aber nicht, wie der aussieht. Als ich die beiden Bilder gesehen habe, musste ich mich voll kaputt lachen, weil die mit ihren Wuschelhaaren und ihrem dämlichen Blick genau das Klischee erfüllen, das man so von Computerfreaks hat:-)
"Bei Windows Phone schaltet das Tool Chevron WP7 das Smartphone für die Installation von Drittprogrammen über den PC frei. Eigentlich erlaubt Microsoft nur die Installation über die Download-Plattform Marketplace."
ChevronWP schaltet eigentlich nur den "Developermodus" frei. Der dient Entwicklern zum testen der eigen Kreationen. Die Tools dafür gibt es übrigens ganz offiziell und kostenfrei von Microsoft.
"Viel schwerer wiegt die Tatsache, dass die Smartphone-Nutzer mit einem Jailbreak ihre Gerätegarantie verlieren. Der System-Hack will also gut überlegt sein."
Ich finde es schade, dass eine Seite, wie Areamobile den Verlust der Gerätegaranite als Tatsache kommentiert. Dies liest sich, als würden Hersteller reihenweise Garantien ablehnen, nur weil das Gerät ein Jailbreak hat. Meine Erfahrung mit dem HTC HD2 und auch dem Iphone4 sind da gan anders. Speziell meinen HD2 habe ich zweimal zu Garantiezwecken zurückgeschickt, ohne das der Hersteller Anstalten gemacht hat, Garantieleistungen zu verweigern.
Klar gibt es einige solcher Fälle, allerdings sind die eher die Ausnahme als die Regel. Meine Erfahrung, nicht nur durch meine Geräte, sondern auch durch lesen die verschiedensten Foren.
Ansonsten finde ich den Artikel sehr gelungen für Leute, die über ein Jailbreak nachdenken.