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Rekord-Übernahme: Googles Motive für den Motorola-Kauf

Für die Übernahme von Motorola Mobility hat Google sehr tief in die Tasche gegriffen. 12,5 Milliarden US-Dollar läss sich der Suchmaschinenbetreiber den Zukauf kosten. Eine solche Summe ist selbst bei den prall gefüllten Kassen des Dienstleisters enorm. Zumal der Handyhersteller schon seit Jahren verkauft werden sollte und ihn damals keiner haben wollte. Warum also so teuer? Und warum jetzt?

Noch vor wenigen Jahren hätte Google die Mobilfunksparte von Motorola deutlich billiger haben können. Das Unternehmen hatte sich zu lange auf den Erfolgen seiner Klapphandy-Serie RAZR ausgeruht. Doch als Apple das iPhone vorstellte, brach der Umsatz mit den stylishen Feature-Phones ein. Die Käufer wollten lieber ein Modell mit Touchscreen. Während das Unternehmen noch 2006 als zweitgrößter Handyhersteller der Welt dem Marktführer Nokia den Kampf ansagte, rutschte es im Laufe der folgenden Jahre immer weiter ab und erwirtschaftete teilweise gigantische Verluste. Mittlerweile liegt das Unternehmen nach aktuellen Zahlen vom Marktforscher Gartner nur noch auf dem 8. Platz in der Weltrangliste der größten Handyhersteller.

Bis Ende März 2008 versuchte das Management von Motorola sogar einen Verkauf der Handysparte. Doch der verlangte Preis von 10 Milliarden US-Dollar war den potentiellen Käufern damals zu hoch. Ende 2008 schätzten Börsenexperten den Wert der Abteilung nur noch auf 500 Millionen US-Dollar, ein Absturz um 94 Prozent innerhalb eines Jahres. Erst Ende 2009 rappelte sich der Handyhersteller wieder auf. Motorola setzte voll auf das Smartphone-Betriebssystem Android von Google und kehrte Anfang 2010 durch eine Exklusiv-Vereinbarung mit dem US-Netzbetreiber Verizon und eine massive Werbekampagne zum Motorola Droid wieder in die Gewinnzone zurück.

Patente: Die neue Waffe im Kampf um den Mobilfunkmarkt

Der Erfolg am Markt kann es also nicht sein, der Google dazu bewogen hat, das Unternehmen zu kaufen. Es ist wahrscheinlich viel mehr das dicke Patentportfolio des Traditionsherstellers. Motorola ist seit den Anfängen des Mobiltelefons dabei und hat die Entwicklung des Marktes lange Zeit mitgestaltet. Und Patente hat das in dem Bereich junge Unternehmen bitter nötig, um sich gegen den derzeit ausufernden Patentkrieg zu schützen, Lizenzforderungen der Konkurrenz abzuwehren und sein Betriebssystem Android zu einem konkurrenzfähigen Preis anbieten zu können.

Im September 2008 stellte Google zusammen mit HTC und T-Mobile USA das erste Android-Smartphone vor, das T-Mobile G1. Seitdem hat sich das Betriebssystem wie ein Lauffeuer verbreitet. Mittlerweile ist es auf über 40 Prozent aller Smartphones auf der ganzen Welt installiert. Doch dieser Erfolg hat auch seine Schattenseite. Wettbewerber wie Apple und Microsoft fühlen sich bedroht. Andere wie der Patentverwerter NTP wollen von diesem Erfolg profitieren.

Patente haben sich in dieser Situation als hochwirksame Waffen erwiesen. Smartphones sind hochkomplexe Geräte, die eine Vielzahl von Software unterstützen, um E-Mails verschicken zu können, Musik abzuspielen, Fotos und Videos aufzunehmen oder zum Telefonieren. All diese Funktionen sind mit unterschiedlichen Software-Patenten geschützt, für die andere Lizenzen zu zahlen haben. Die kleinteilige Regionalisierung und teilweise laxe Auslegung des Patentrechts macht die Situation noch unübersichtlicher.

Da ist es gut, wenn man selbst ein großes Portfolio an geschützten Erfindungen hat. Einen ersten Versuch startete Google, als der US-amerikanische Netzwerkausrüster Nortel sein Patentportfolio zum Kauf anbot. Der Suchmaschinenbetreiber stieg mit einem Angebot von 900 Millionen US-Dollar in die Auktion ein. Letztendlich ging das über 6.000 Patente umfassende Paket aber für 4,5 Milliarden US-Dollar an eine Bietergemeinschaft, die unter anderem aus Apple, Microsoft und dem Blackberry-Hersteller RIM bestand.

Motorola-Kauf: Google zahlte einen hohen Preis

Jetzt sollen Motorola-Patente Google schützen, wenn auch zu einem hohen Preis. Google zahlte 12,5 Milliarden US-Dollar, 63 Prozent über dem Marktwert des Unternehmens. Doch billiger hätte der Suchmaschinenbetreiber das Unternehmen kaum bekommen, wie das Technik-Blog GigaOm berichtet. Denn ein anderer potenter Käufer saß ebenfalls am Verhandlungstisch: Auch Microsoft interessierte sich für Motorola und dessen Portfolio von 17.000 Patenten und 7.500 laufenden Anträgen.

Ob der von Google erworbene Patentpool allerdings den Herstellern von Android-Smartphones hilft, Lizenzforderungen von anderen abzuwehren, darf bezweifelt werden. So zahlen HTC und eine Reihe weiterer kleiner Hersteller schon jetzt Lizenzgebühren an Microsoft, weil Android geistiges Eigentum vom Software-Giganten aus Redmond enthält. Mit Samsung soll das Unternehmen derzeit in Verhandlungen sein.

Der große Areamobile-Vergleichstest: HTC Desire gegen Samsung Galaxy S

Android-Smartphones: HTC Desire und Samsung Galaxy S | Foto: areamobile.de

An der Produktion von Hardware hat Google dagegen kein Interesse. Das hat das Unternehmen schon früh klar gemacht. Statt selbst Mobiltelefone herauszubringen, vereinte der Konzern Ende 2007 Software-Entwickler, Hersteller und Netzbetreiber in der Open Handset Alliance. Auch nach dem Kauf hat Google keine Ambitionen dazu. Motorola Mobility soll als eigenständige Abteilung erhalten bleiben und wird wie die anderen Partner das Android-Betriebssystem lizenzieren.

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Kommentare
  1. 22.08.11 09:51 cookieman (Moderator)

    Motive?

    Das hatten wir doch schon im anderen Thread diskutiert. Google musste handeln, und das Google auch bereit war mehr Geld dafür zu bezahlen, zeigt wie hoch der Druck von Apple war. Mit der Sicherung der Patente von Motorola, hat sich Google entsprechend gegen Apple abgesichert, und Android für die Zukunft sozusagen gestärkt.

  2. 21.08.11 19:39 Macianer (Gast)

    Außer, daß es Google es wahrscheinlich auf Motorolas Patente abgesehen hat, steht NICHTS in dem Artikel, was zu seiner Überschrift paßt. Der Rest ist Firmenhistorie zu Android, Google und Motorola.

  3. 21.08.11 19:16 pnzrknckr (Newcomer)

    ich mein ja nur - wer ausser google soll über MOTIVE von GOOGLE bescheid wissen ? und nachdem sich die situationen in der mobilfunkindustrie doch einigermassen kurzfristig ändern, ist sowieso alles nur spekulation - nachher sind wir vielleicht gescheiter. vorher wird geraten gehofft und spekuliert.

    ach, ich hatte das motzen meines sohnes im ohr.
    gruesse

  4. 21.08.11 13:40 Macianer (Gast)

    @ pnzrknckr:
    >>der artikel ist dir nicht fundiert genug ?…<<
    —> Über die Frage, ob oder wie fundiert er ist, sprach ich doch gar nicht. Ich sagte lediglich, daß der Artikel das durch die Überschrift vorgegebene Thema m.E. verfehlt hat. Das schrieb ich ja auch sehr deutlich.…

    Was der auf Deine einleitende Frage folgende Teil Deines Posts mit meinem Beitrag #5 oder gar dem einleitenden AM-Artikel zu tun haben soll, ist mir allerdings schleierhaft.

  5. 21.08.11 12:10 pnzrknckr (Newcomer)
    @ Macianer (Expert Handy Profi)

    der artikel ist dir nicht fundiert genug ?
    herummotzen (über das abendessen) tut mein kleiner sohn auch oft und gern. (er mag kein gemüse.)
    wer von den kleinen lichtern will über die motive von google fundiert sprechen können ?

    global sind millionen endkunden und millionen ingenieure und ein haufen CEO's und ein ein haufen rohstoffhändler und, und, und, 24/7 live an dem themenkomplex "mobilphone in past present and future" beteiligt.

    immer schön einen bissen nach dem anderen.
    ein löffel für pappi, ein löffel für mammi. und einer für die oma.
    und morgen sind wir gescheiter als heute.
    zumindest mein sohn.

    gruesse.

  6. 21.08.11 08:32 Birk (Expert Handy Profi)

    @Yuri
    > jedes patent läuft nach einer bestimmten zeit ab und kann nicht mehr geschützt werden, also whats up?

    20 Jahre...

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