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Editorial: HP und das Trauerspiel mit WebOS

HP hat es verbockt. Schon wieder. Erst gibt man mit WebOS alternativlos das einzig interessante mobile Betriebssystem neben iOS, Android und Windows Phone auf und jetzt verkündet man plötzlich stolz, auf das Google-System setzen zu wollen. Oder vielleicht auf Windows. So wird man vom Vorzeige-Einzelkämpfer zum Mitschwimmer im unüberschaubaren Strom der Klein- und Kleinsthersteller, die bereits auf Android setzen.

Baut HP demnächst wirklich Tablets mit Android oder Windows? | (c) Areamobile

Baut HP demnächst wirklich Tablets mit Android oder Windows? | (c) Areamobile

Und die Großen sind natürlich auch schon lange da. Genau da liegt auch schon das erste Problem: Um nicht unterzugehen, muss HP sich durch Klasse oder Preis abheben, doch realistisch gesehen ist weder das eine, noch das andere wahrscheinlich.

Nicht, weil HP keine Qualität liefern könnte – als größter Computerhersteller weltweit darf man das dem amerikanischen Unternehmen schon zutrauen. Aber die Konkurrenz ist schon länger auf dem Tablet-Markt tätig, teilweise hat sie schon zwei oder drei Modellreihen verkauft und konnte entsprechend Erfahrung sammeln. Ohnehin ist die Möglichkeit, sich bei Android von den Mitbewerbern zu unterscheiden, eher gering. Entweder entwickelt man eine eigene, intuitive und ansprechende Nutzeroberfläche, oder man bietet das Produkt mit der besten Technik. Am besten sogar beides. Eine eigene Oberfläche hat HP aber nicht und mehr oder bessere Technik bedeutet auch höhere Kosten – da scheint es sehr fraglich, ob man gegen die asiatische (Billig)Konkurrenz bestehen kann.

Außerdem dürfte HP in letzter Zeit einiges an Käufervertrauen verloren haben. Die Aufgabe von WebOS – oder genauer: das Ende der Produktion weiterer WebOS-Produkte – hat viele Fans hart getroffen. Schließlich hatte es bei der Übernahme von Palm vor anderthalb Jahren noch geheißen, man wolle WebOS weiterentwickeln und im ganz großen Stil verwenden. Und das war auch absolut richtig, denn WebOS hatte das Potenzial, eine wirkliche Alternative für diejenigen zu werden, die nichts mit Apple oder Google zu tun haben wollen. Vor allem, weil es einfach und intuitiv zu bedienen ist und weder so ristriktiv, noch so (daten)sammelwütig zu sein schien.

Mit dem Palm Pre fing das Elend an

Aber wer als erstes Präsentationsobjekt der Öffentlichkeit ein Gerät wie das Palm Pre mit seiner miesen Hardware vorwirft und selbst beim Nachfolger Palm Pre Plus immer noch keine gravierende Verbesserung präsentieren kann, der darf sich nicht wundern, wenn seine Produkte in den Regalen verstauben. Und mit HP-Werbung zugeklebte Straßenzüge konnte man zumindest hier in Berlin auch nicht finden. Aber genau das wäre nötig gewesen, denn der Normalkäufer ist bequem: Was er nicht kennt, kauft er nicht. Da braucht es schon gutes Zureden in Form von Werbung oder positiver Mundpropaganda von Freunden – das wird aber recht schwierig, wenn das Produkt (Palm Pre) alles andere als überwältigend ist oder wenn einfach die Menge an Geräten im Umlauf fehlt, um darüber positiv berichten zu können. Und allein Potenzial – wie auch wir es schon damals im Test des Pre bei WebOS gesehen haben – reicht für den Normal-User einfach nicht aus.

Bleibt noch der Preis als Verkaufsargument. Dass das immer zieht, hat nicht zuletzt der Firesale (zu Deutsch: Ramschverkauf) der verbliebenen Touchpads gezeigt: Wo immer noch einige Exemplare des zuvor geradezu stiefmütterlich beachteten WebOS-Tablets zu haben waren, brachen die Server gnadenlos zusammen. Kein Wunder – schließlich bietet das Gerät Spitzenhardware, auf der zur Not auch noch Android problemlos läuft – womit wir wieder beim Thema wären.

Genau so eine Aktion hätte es – abgesehen von einem besseren Pre – zum Marktstart von WebOS gebraucht – dann wäre die Frage nach Android oder Windows gar nicht erst aufgekommen. Und mal ganz ehrlich: Wer Milliarden für die Übernahme von Palm und die anschließende Weiterentwicklung des Betriebssystems ausgibt, der sollte doch wohl noch ein paar Millionen verschmerzen können, die man durch einen besonders niedrigen Verkaufspreis verloren hätte. Bessere Werbung kann sich doch niemand ausdenken!

Egal, dieses Kapitel ist abgeschlossen und wieder einmal stirbt der Protagonist den tragischen Heldentod. Aber aus Firmensicht ist der Wechsel auf ein renommiertes Betriebssystem vielleicht der einzig logische Ausweg aus einer Sackgasse, in der zuvor auch schon Größen wie Sony Ericsson und Motorola steckten. Beide Unternehmen haben es schließlich geschafft, sich am Android-Schopf wieder aus dem Featurephone-Sumpf zu ziehen. Vielleicht funktioniert das ja so ähnlich auch mit HP. Für WebOS-Fans bleibt nur die vage Hoffnung, dass ein anderer Hersteller das System übernimmt oder lizensiert. Viel Glück...

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Kommentare
  1. 15.09.11 13:02 bocadillo (Advanced Handy Master)

    newphone

    Weißt doch wie es hier ist- wenn einer die Notbremse zieht wenn man merkt das ein Unternehmenb Geld für ein fruchtloses Unterfangen verbläst ist er halt ahnungsls, Erbsenzähler oder sonstwas.

    Unternehmen haben nunmal nicht als Unternehmenssinn den verbrauchern um jeden Preis Vielfalt zu bieten, sondern in erster Linie erstmal Geldverdienen.

  2. 15.09.11 12:57 NewPhone (Expert Handy Profi)

    > Ich kann diesen Apotheker einfach nicht verstehen, wieso holt man sich HP auch einen aus der Medizin ???

    Ich hoffe, das war nur ein Witz, bei dem der Smiley vergessen wurde.
    http://en.wikipedia.org/wiki/Léo_Apotheker

  3. 15.09.11 12:37 bocadillo (Advanced Handy Master)

    jax

    Dic will ich nicht vergessen

    "martphones in verschiedenen Größen um genau zu sein. Wachstumsraten von über 70% jährlich sagen schon alles aus und auch die größten Profite sind hier drin wie man an Apple sehen kann! "

    Diese Wachstum findet aber nicht am Ende Apples statt- vielmehr ist es immer noch so daß das "smartphonewachstum" einfach auf substitution der proprietären systeme durch android und Symbian beruhen. Diese Wachstum ist eine Zahl ohne jegliche aussagekraft. Das haben wir bei einem anderem Thema schon reichhaltig ausdikutiert- wird aber immer noch von Dir ignoriert.

    Ein arena war kein smartphone, ein optimus one ist eins.Den meisten Usern ist das wahrscheinich nicht mal bewusst.

    "Am 28. April 2010 hat HP bekannt gegeben Palm zu kaufen und November 2010 wurde Leo Apotheker CEO und hat die Sache gecancelt wie wir nun erfahren."

    Und ich hatte schon mitte des Jahres gesagtr das dies eine Totgeburt sein wird da HP nunmal keine wirkliche Referenz für smartphones ist und webos kein wirklicher "Meilenstein der Mobilfunkbranche".
    Auch hier hat man sich "nur" von eibem kostenblock getrennt der in den nächsten Jahren viel Geld verzehrt hätte und keine chance hätte jemals rentabel zu werden.

    Und visionär/
    Man kann in dieser Branche sehr wohl Geld verdienen...aber auch sehr schnell verbrennen

    mobilefreak

    "Es ist wirklich ein ganz großer Fehler, wenn dieses System aufgegeben wird. Schon jetzt läuft es so flüssig und schnell wie andere OS, die länger auf dem Markt sind. Es sieht einfach schöner aus, bietet den (meiner Meinung nach) besten "User Eperience" von allen OSs."

    Die vk zahlen vor dem Abverkauf sprechen aber eine andere Sprache.

    Es bringt einfach nicht genug Mehrwert um die Leute vom Androidtrend wegzubekommen.

  4. 15.09.11 12:26 bocadillo (Advanced Handy Master)

    mobilefrak

    "Wieso sollte man ein OS mit Alleinstellungsmerkmal einstampfen, obwohl soviel Zeit u. Geld darin investiert wurde, nur um einer von vielen Hersteller zu werden, die Android/WP verkaufen."

    Weil viel Geld verbrannt wurde und noch vielmehr Gerld verbrennt werden müßte.
    Die bisherigen Marktteilnehmer sitzen so fest im Sattel als daß zuviel Geld investiert werden müßte um überhaupt in die Gewinnzone zu kommen

    " Vor allem sagt man, man wolle eine reine Softwareentwicklungsfirma werden...ja dann...wieso soll man dann nicht WebOS weiterentwickeln und pflegen?"

    Die Frage ist- für was. Für smartphones??? Uninteressant. Für tabets- dito. Für desktop??sinnlos.


    "Die müssen doch bei den firesales mitbekommen haben, dass da eine sehr hohe Nachfrage besteht."

    Scheinbar besteht diese Nachfrage bei auskömmlichen Preisen eben nicht. Verschenken kann jeder.

    inte

    meego wird dadurch weder interessanter noch uninteressanter.

    sabu


    Visionen sind ganz schön und gut- aber V isiomn und suizid liegen oft nah nebeneinander.

    wirelez

    "Manager, Banken und Kaufmänner machen Firmen nur kaputt..."

    Wenn dievWelt so einfach wäre....

    Das Korn

    Hp hätte mutiger sein können wie sie wollen- die Frage ist ob sie wirklich auch für sich rentabel dem Wettbewerb Kunden hätten abnehmen können.
    Was bringt webos dem Heer der Massenuser an Mehrwert als dads diese wechseln.

    Diese "metoo" systeme hben es akut sehr schwer gegen ios und Android zu bestehen- und so schrecklich visionär ist webos jetzt auch nicht.

  5. 15.09.11 11:49 Mobilefreak (Gast)

    Ich hab das Pre3 hier neben mir liegen. Wenn ich damit arbeite, braucht ich wirklich nur darüber nachzudenken, was ich machen will, nicht wie ich es machen muß.

    Es ist wirklich ein ganz großer Fehler, wenn dieses System aufgegeben wird. Schon jetzt läuft es so flüssig und schnell wie andere OS, die länger auf dem Markt sind. Es sieht einfach schöner aus, bietet den (meiner Meinung nach) besten "User Eperience" von allen OSs.

    Ich kann diesen Apotheker einfach nicht verstehen, wieso holt man sich HP auch einen aus der Medizin ???

  6. 14.09.11 12:23 Jax667 (Gast)

    Eigentlich war ein eigenes OS für HP genau das, was sie gebraucht hätten. WebOS wurde immer mit viel Lob erwähnt und auch ich bin/war ein bekennender Fan. Ein CEO Wechsel hat aber nun mal Konsequenzen, Leo Apotheker hatte wohl andere Absichten mit HP und ich behaupte, dass sich diese Entscheidung als großer Fehler herausstellen wird. Am 28. April 2010 hat HP bekannt gegeben Palm zu kaufen und November 2010 wurde Leo Apotheker CEO und hat die Sache gecancelt wie wir nun erfahren.

    Die Welt bewegt sich aber immer mehr auf mobile Geräte zu, Smartphones in verschiedenen Größen um genau zu sein. Wachstumsraten von über 70% jährlich sagen schon alles aus und auch die größten Profite sind hier drin wie man an Apple sehen kann! Der reichste Mann der Welt kommt aus der Mobilfunkbranche (Carlos Slim Helú) und wir stehen erst am Anfang dieser heißesten Technologie der Welt.

    Die PC Industrie klagt über sinkende Absatzzahlen und HP hat sich mit diesem Schritt selbst in den Fuß geschossen.

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