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Dual-SIM-Handys: Aktuelle Geräte im Überblick

Während Dual-Sim-Handys in Asien und Osteuropa längst üblich sind, fristen die Geräte mit zwei SIM-Karten-Steckplätzen hierzulande ein Schattendasein. Dabei sind sie doch so praktisch: Der Nutzer kann damit zwei Mobilfunkanschlüsse parallel in einem Gerät betreiben und durch die Wahl des jeweils günstigeren Tarifs Handykosten sparen. Woran liegt es also, dass das Interesse an Dual-SIM-Handys so gering bleibt? Und welche der wenigen Geräte in den Handyshops sind empfehlenswert? Unser Überblick über aktuelle Dual-SIM-Handys in Deutschland klärt auf.

Darüber, warum Dual-SIM-Handys in Deutschland bislang ein Nischenprodukt sind, gibt es geteilte Ansichten. Die eine Seite beschwert sich hinter vorgehaltener Hand, dass deutsche Mobilfunkbetreiber wie die Telekom, Vodafone, E-Plus und Telefónica Germany (O2) ihre ganze Marktmacht einsetzen, um eine breitere Einführung von Dual-SIM-Handys in Deutschland zu verhindern. Handyhersteller oder Distributoren, die mit Herstellern von Dual-SIM-Handys zusammenarbeiten wollen, drohten die Netzbetreiber mit Auftragskürzungen oder gar einer Einstellung der Geschäftsbeziehungen, heißt es.

Keine Dual-SIM-Handys in den Shops der Netzbetreiber

Dual-SIM-Handy Alcatel One Touch 890D | (c) Hersteller

Dual-SIM-Handy Alcatel One Touch 890D | (c) Hersteller

Es ist durchaus vorstellbar, dass die Netzbetreiber zu solchen Mitteln greifen, um die Verbreitung von Dual-SIM-Handys zu verhindern. Schließlich müssen sie befürchten, dass die Kunden durch eine zweite, bei einem anderen Mobilfunkanbieter erworbene SIM-Karte auf einen alternativen, günstigeren Mobilfunktarif – beispielsweise den eines Mobilfunk-Discounters – ausweichen und nicht mehr zu den Konditionen des Netzbetreibers telefonieren oder Simsen. Dabei haben die etablierten Mobilfunkbetreiber schon seit längerem mit sinkenden Umsätzen bei Mobiltelefonaten zu kämpfen. Wer diesen Vorwurf, die Netzbetreiber würden die Verbreitung von Dual-SIM-Handys behindern, für völlig aus der Luft gegriffen hält, muss mal in die Handyshops von Telekom & Co. schauen – zurzeit bietet mit Base (E-Plus) nur ein Mobilfunkbetreiber einige Dual-SIM-Handys von Samsung (B5722, B7722 und C5212) in seinem Shop an. Andererseits: Entsprechende beim Bundeskartellamt und der EU-Kommission eingereichte Beschwerden gegen die Mobilfunkbetreiber erschienen den Marktwächtern wohl wenig plausibel und blieben bislang folgenlos

Mobilfunker: Nachfrage nach Dual-SIM-Handys ist zu gering

Wer dagegen die Mobilfunkbetreiber befragt, warum Dual-SIM-Handys hierzulande kein Renner sind, erhält eine andere Antwort: Sie nehmen nach eigenen Angaben Dual-SIM-Handys nicht in das Handy-Sortiment in ihren Läden auf, weil die Zielgruppe zu klein und die Nachfrage zu gering sei. Zudem fehlten bislang attraktive Geräte im Dual-SIM-Bereich, die das Interesse einer größeren Kundengruppe wecken könnten.

Damit liegen die Mobilfunkbetreiber in Zeiten des Smartphone-Booms nicht ganz falsch: Wer den Funktionsumfang eines Smartphones schätzt, wird mit einem Dual-SIM-Handy als Hauptgerät nicht glücklich werden. Zwar gibt es erste Dual-SIM-Geräte mit Smartphone-ähnlichen Benutzeroberflächen wie beispielsweise die Samsung-Modelle B5722 und B7722 oder mit Android-OS wie das jetzt in den herauskommende Viewsonic V350 und das Simvalley SP-60 GPS, doch abseits des Google-Smartphone-Betriebssystems mit seinen Apps bieten diese Geräte eher Magerkost bei der Ausstattung. Ausstattung versus Bedienkomfort – es gibt zurzeit kein Smartphone ohne Kompromisse bei dem einen oder dem anderen Bereich. In der Regel mangelt es den Dual-SIM-Geräten beispielsweise an ebenso schnellen Datenverbindungen wie den aktuellen 1-SIM-Smartphones und an leistungsfähigen Prozessoren.  Auch lassen sich diese Dual-SIM-Smartphones über eine vergleichsweise kleinen – teilweise sogar resistiven – Touchscreen nicht so bequem bedienen.

Wer etwa das Samsung B7722 über längere Zeit nutzt, wird sich wünschen, Samsung hätte sich auf die Basisfunktion Telefonie konzentriert. Die schnellen Datenschnittstellen wirken auf dem Samsung B7722 fehl am Platze, da komfortables Surfen auf Webseiten oder Lesen von E-Mails wegen des kleinen und schwerfälligen Touchscreens zu umständlich ist. Da hätte es dem Handy gutgetan, wenn Samsung ganz auf die Telefonie-Karte gesetzt und für eine einwandfreie Sprachqualität ohne blechern anmutenden Klang und zuweilen auftretende kurze Aussetzer gesorgt hätte.

Die Liste des Scheiterns auf dem deutschen Handymarkt

Nokia 101 | (c) Hersteller

Nokia 101 | (c) Hersteller

Einer, der in der Vergangenheit mehrmals offen von einer Behinderung durch die Netzbetreiber gesprochen hat, ist Stefan Asthoff, Geschäftsführer der Youngtel GmbH in Düsseldorf. Bereits 2007 plante das Start-up-Unternehmen einen speziellen Routingdienst für Handys mit Mehr-SIM-Technologie. Die Idee: Mit einer speziellen Software auf dem Mehr-SIM-Handy und über eine Anbindung auf die Rufnummern-Datenbanken der Mobilfunkanbieter sollen die Mehr-SIM-Handys bei Wahl einer Rufnummer immer automatisch den für den Nutzer günstigsten Tarif aktivieren – im besten Fall sollte der Nutzer so quasi nur noch netzinterne Handytelefonate führen.

Umsetzen ließ sich die Idee bisher nicht: Von 4-SIM-Handys ist bislang nichts zu sehen, und Youngtel verdingt sich mittlerweile als auf Dual-SIM-Handys spezialisierter Mobilfunkhändler, der auch Tarife von Drillisch und Eteleon an den Mann bringt. Bislang hat Youngtel allerdings auch nur wenige Dual-SIM-Handymodelle von Samsung und Alcatel One Touch – eine Marke des chinesischen Herstellers TCL – im Angebot.

Es hat mehrere solcher Misserfolge im Dual-Sim-Bereich gegeben. General Mobile und Hyundai Mobile suchten unter anderem mit Dual-SIM-Handys ambitioniert den Einstieg in den deutschen Mobilfunkmarkt und scheiterten. Sein unter Android laufendes Dual-SIM-Smartphone DSTL1 führte zum Beispiel General Mobile in der Türkei und in den USA ein, aber nicht mehr in Deutschland. Und der  auf Einfach-Handys spezialisierten österreichischen Herstellers Emporia hat die Produktion seines Dual-Sim-Handy inzwischen eingestellt.

Viewsonic V350 | (c) Hersteller

Interessanterweise hatte zuletzt Nokia mehrere neue günstige Dual-SIM-Handys vorgestellt, die aber in der Regel ebenfalls nur als Importware ihren Weg in die deutschen Handyläden finden. Zuletzt kündigte Nokia das ohne Vertrag 25 Euro teure Modell Nokia 101 an. Mit dem Viewsonic V350 ist dagegen gerade eines der wenigen Dual-SIM-Handys mit Smartphone-Funktionen in den Handel gekommen. Allerdings schränkt auch hier  der vergleichsweise kleine Bildschirm den Nutzungskomfort des Handys als Smartphone ein. Das Dual-SIM-Smartphone läuft unter der Android-Version 2.2 Froyo mit aufgelegter 3D-Benutzeroberfläche ViewScene und wird von einem 600 Megahertz leistenden Qualcomm-Prozessor angetrieben. Ausgerüstet ist das 12,5 Millimeter flache Gerät mit einem 3,5 Zoll großen kapazitiven Touchscreen mit einer Auflösung von 480x320 Pixel, einer 5-Megapixel-Kamera mit Autofokus, einem Steckplatz für bis zu 32 Gigabyte große microSD-Karten, HSDPA für Datenübertragungen mit bis zu 7,2 Megabit pro Sekunde (nur für einen der beiden Mobilfunkanschlüsse), Wlan b/g, Bluetooth 2.1 und GPS. Eine Software zum Betrachten von Office- und PDF-Dokumenten ist bereits auf dem V350 installiert.

Fazit

Dual-SIM-Handys haben den richtigen Sprung in die Smartphone-Klasse jedoch noch nicht geschafft. Die im Handel verfügbaren Geräte eignen sich weiterhin zum kostensparenden Telefonieren und Simsen durch die spontane Wahl zwischen zwei verfügbaren Mobilfunktarifen. Daher sollten Interessenten bei der Wahl eines Dual-SIM-Handys auch eher auf Akkulaufzeit,  Sprachqualität und komfortable Wechselmöglichkeiten zwischen den beiden SIM-Karten achten als auf Trend-Features wie Touchscreen, Apps, Widgets oder eine höherauflösende Kamera. Die Auswahl an verschiedenen Dual-SIM-Handymodellen im freien Handel ist durchaus groß. In der folgenden Bildergalerie stellen wir Ihnen aktuelle Geräte vor.

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Kommentare
  1. 28.09.11 13:36 TheHunter (Moderator)

    Ich glaube eher, dass es inzwischen aufgrund der Tarifgestaltung vollkommen überflüssig ist mehrere Karten zu benutzen. Während es früher sehr große Preisunterschiede zwischen Netzinternen und Netzexternen SMS und Gesprächsminuten gab, gibts inzwischen schon für 20€ Flats und für 29€ sogar in alle Netze. Warum sollte man sich also zwei Sim-Karten ans Bein binden?

  2. 28.09.11 12:10 ColorMe (Advanced Handy Profi)

    Dieser Sektor wird einfach viel zu wenig mit neuen Geräten versorgt. Hoffentlich wird man irgendwann auf Simkarten etc. verzichten können und somit jedes Handy mit mehreren Nummern nutzen.

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