Der erste Versuch von Fusion Garage, noch vor dem ersten iPad mit dem JooJoo ein Tablet auf den Markt zu bringen, ging schief. Das Gerät wurde zwar veröffentlicht, hatte aber mit zahlreichen Software-Problemen und unhandlicher Hardware zu kämpfen. Als Resultat blieb der erhoffte Käuferansturm aus. Mit dem Grid10 startet der Anbieter jetzt seinen zweiten Anlauf – und ist dieses Mal viel optimistischer. Zu recht? Wir haben uns das Modell genau angeschaut.
"Seit dem iPhone gab es keine Innovation mehr auf dem Mobilfunkmarkt," so Chandrasekar Rathakrishnan, Chef von Fusion Garage. Mit dem Grid10 will er das ändern. Dabei sieht das Tablet auf den ersten Blick wie jedes andere Android-Gerät aus, nur eine Kamera auf der Rückseite fehlt. "Wir glauben nicht, dass Kunden die bei einem Tablet wirklich nutzen," erklärt Rathakrishnan. Eine Frontkamera mit 1,3 Megapixel war dem Unternehmen aber wichtig. Damit wird man später mit Grid-Chat systemübergreifend per Video kommunizieren können. Die Funktion soll mit den nächsten Updates auf das Grid10 kommen – offenbar hatte man keine Zeit mehr, sie vor dem Marktstart am 24. Oktober zu integrieren. Ebenfalls nachreichen will der Anbieter den systemeigenen Appstore Grid Shop, das Office-Paket Grid Frames und die Software Grid Desktop für PC und Mac.
Das Modell mit 16 Gigabyte internem Speicher und Wlan soll 299 Euro kosten, der Preis für die gleiche Version mit einem zusätzlichen 3G-Modul beträgt 399 Euro. Vorerst wird man das Grid10 nur über die Homepage des Herstellers vorbestellen können, später soll es auch bei Amazon und über weitere Quellen beziehbar sein. Amazon ist nicht nur Vertriebspartner für Fusion Garage, sondern liefert auch das Ökosystem für das Grid10. So ist für den Download von Zusatz-Anwendungen der Amazon App Store installiert, der neben Apps später auch Musik und Filme anbietet.
GridOS und Besonderheiten des Grid10
Und das ist nicht der einzige Unterschied zu Tablets mit klassischem Android. Das Betriebssystem GridOS wurde vollständig neu entwickelt. Als Basis diente dabei ein Android-Kernel, alles andere ist eine Eigenkreation von Fusion Garage. Da das Grid10 fast vollständig auf Tasten verzichtet, mussten alle Funktionen wie Laustärkeregelung oder die Rückkehr auf den Homescreen neu erfunden werden. Wegen des Kernels funktionieren auch Android-Apps tadellos auf dem Tablet, wie Chandrasekar Rathakrishnan eindrucksvoll unter Beweis stellte. Von Rucklern keine Spur, auch aufwändige Spieletitel wie Need for Speed Shift stellt das Tablet problemlos dar. Bei den restlichen Funktionen war das noch nicht immer der Fall. Während Zoomen in Fotos auf dem Grid10 rasant und flüssig lief, hakelte es beim gleichen Vorgang im Browser noch ziemlich stark. Die Vermutung, dass dafür der vergleichsweise kleine Arbeitsspeicher von 512 Megabyte verantwortlich sein könnte, wies Firmenchef Rathakrishnan zurück. Bis zum Verkaufsstart werde das Grid10 absolut ruckelfrei laufen, erklärte er.
Da hat Fusion Garage aber noch zu tun, denn auch die lange Bedenkzeit, die sich Taskmanager und Informationszentrale Heartbeat leistete, oder leichte Ruckler auf dem innovativen Homescreen trübten bei der Vorführung das insgesamt sehr positive Bild. Dafür bietet GridOS schon jetzt ein völlig neues Bediengefühl. Das fängt schon auf dem Homescreen an, der an einen großen Tisch erinnert, auf dem völlig frei Gegenstände bzw. Schnellzugriffe abgelegt werden können. Da der Touchscreen immer nur einen kleinen Teil dieses Desktops zeigt und man darauf frei umherscrollen kann, wirkt das auf den ersten Blick sehr unübersichtlich – da hilft auch die kleine Übersichtskarte in der oberen rechten Display-Ecke nicht viel. Aber das dürfte wie zuhause auf dem Windows-Rechner sein: wer Ordner oder Verknüpfungen selbst platziert hat, findet sie meist später auch wieder. Live-Widgets gibt es zu Beginn übrigens nicht, sie könnten aber auch bald folgen.
Zur besseren Übersicht lassen sich auf dem Desktop einzelne Objekte zu so genannten Clustern zusammenfassen. Sobald man zwei Objekte nebeneinander ablegt, werden sie automatisch von einer dickeren Linie eingerahmt und das System fragt nach einem Titel für das neue Cluster. So kann man etwa Office-Dokumente an einem Ort sammeln - wie in Ordnern, deren Inhalt man auf einen Blick sieht. Doch der Desktop von GridOS ist nur ein kleiner Bestandteil der Neuerungen im Vergleich zu anderen mobilen Betriebssystemen. So reagiert das System intelligent auf Nutzeraktionen. Markiert man etwa ein Wort im Browser, erscheint ein Rad-förmiges Kontextmenü, über das mit wenigen Klicks zahlreiche Möglichkeiten wie den direkten Kauf oder zusätzliche Informationen erreichbar sind – zusätzlich zu Standard-Operationen wie Copy&Paste natürlich. Mit Flash kann das Grid10 übrigens auch umgehen.
Ähnlich intuitiv lassen sich einfache Aktionen wie der Wechsel auf den vorherigen Bildschirm oder in den Taskmanager ausführen – wie auf dem Playbook von RIM streicht man dafür mal von oben oder von links vom Rahmen des Tablets aus über das Display.
Die Entwickler kombinierten außerdem mehrere Dienste wie Termine und Bing Maps. So soll sich ein Gerät mit GridOS etwa bei einem erkannten Stau auf der geplanten Strecke zum nächsten Termin von allein melden und eine vorzeitige Abfahrt wegen des hohen Verkehrsaufkommens vorschlagen. Demonstrieren konnte man das aber noch nicht. Genauso wenig, wie die "Seamless State" genannte Funktion, bei der ein Besitzer von mehreren GridOS-Geräten etwa einen Film auf dem einen Tablet anfangen und nahtlos auf dem Nächsten weiter schauen kann – alle Geräte bleiben also immer auf dem gleichen Stand und zwar nicht nur wie bei Google und Co. bei Kontakten und Terminen. Vielleicht ist das auch noch eine Funktion, die später nachgereicht wird? Denn im Gegensatz zum Grid10, das schon bald auf den Markt kommt, war ein Termin für den Marktstart des ersten GridOS-Smartphone (Grid4) noch nicht in Sicht.
Design und Verarbeitung
Die Hardware des Grid10 weiß durchaus zu gefallen. Die angegebenen 13,9 Millimeter gelten nur für die dickste Stelle des Tablets. Da die Rückseite aus Aluminium leicht gewölbt ist, ist das Gerät außen deutlich schmaler und liegt so recht gut in der Hand. Bleibt noch das vergleichsweise hohe Gewicht – an ein Samsung Galaxy Tab 10.1 oder ein iPad 2 kommt das Grid10 nicht heran. Unhandlich wirkte das Grid10 aber trotzdem nicht. An der Verarbeitungsqualität gab es auf den ersten Blick auch nichts auszusetzen, das Gerät wirkte sehr hochwertig. Zur Ablesbarkeit des Displays lässt sich noch keine abschließende Aussage treffen. Zwar waren im abgeschalteten Zustand starke Spiegelungen erkennbar. Dennoch störten sie die Ablesbarkeit beim Ausprobieren des Tablets unter Kunstlicht kaum. In freier Umgebung könnte das aber schon wieder ganz anders aussehen.
Fazit
Trotz der ominösen "Pressekonferenz": Angst davor, wie beim WePad viele Versprechungen und nur halbgare und viel zu späte Umsetzungen vorgesetzt zu bekommen, müssen potentielle Käufer des Grid10 wohl nicht haben. Denn in München waren schon viele gute Ansätze zu erkennen, der Großteil davon wurden auch bereits demonstriert und funktionierten schon ziemlich gut. Außerdem konnte Fusion Garage mit dem JooJoo bereits Erfahrung sammeln und weiß jetzt, wie es nicht geht. Auch das Angebot, an seine alten Kunden ein kostenloses Grid10 auszugeben, trägt zur Glaubwürdigkeit der Firma bei und nicht zuletzt konnten wir das Gerät selbst ausprobieren – das hatten die WeTab-Macher immer unterbinden wollen. Eine abschließende Aussage zur Qualität des Produktes lässt sich erst nach einem intensiven Test tätigen, aber schon jetzt scheint das Grid10 nicht nur für ehemalige WebOS-Fans interessant zu sein, die auf der Suche nach einem neuen Lieblingssystem sind. Etwas Arbeit hat Fusion Garage aber noch vor sich.
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Du bist nicht dabei?Auf den Bildern machts wirklich einen schönen Eindruck.
Bin gespannt obs denn auch intuitiv zu bedienen ist oder zu designverliebt???
Das WeTab war auf jeden Fall Schrott.
Die bekommen sicher Geld dafür von MS.
Aber die Oberfläche gefällt mir. Sieht wirklich richtig gut aus. Ich bin sehr gespannt wie das OS läuft.
Android Kern und die entscheiden sich für Bing.... find ich TOP :P
Finde das Ding auch sehr interessant - vor allem der Ansatz mit dem eigenen OS ist lobenswert.
Jetzt bitte keine größeren Patzer bei der Hard- und Software leisten (WePad lässt grüßen) und die Oberfläche mit 60fps laufen lassen, damit mal dieses geschmeidige Scrollen auch Apfelverächter genießen können.