Fast alle Hersteller haben in den letzten Tagen ihre Top-Smartphones für das wichtige Weihnachtsgeschäft vorgestellt. Ein ganz großer fehlt allerdings noch: Nokia. Der angeschlagene Handy-Riese wird in der nächsten Woche mit einer Reihe neuer Windows Phones den Befreiungsschlag versuchen. Kann er gelingen? Wir geben einen Ausblick.
Mit der Nokia World 2011 startet am kommenden Mittwoch in London die wichtigste Hausmesse des finnischen Unternehmens. Die Keynote von CEO Stephen Elop um 9:00 Ortszeit (10:00 deutscher Zeit) wird mit Spannung erwartet, schließlich muss er endlich die Karten auf den Tisch legen und mit hochklassigen Smartphones beweisen, dass der maßgeblich von ihm initiierte – und sogar unternehmensintern umstrittene – Strategieschwenk hin zum Microsoft-System Windows Phone die richtige Entscheidung war. Es gibt keinen Raum mehr für Ausreden und Verzögerungen, die Kunden, Partner und Aktionäre wollen endlich wissen, womit Nokia aus der Krise herauskommen will.
Auch wenn die jüngsten Quartalzahlen besser waren als von vielen erwartet: Nokia steht am Abgrund. Das lukrative Smartphone-Segment wird von Apples iPhone und Googles Android dominiert, im Einsteigerbereich machen chinesische Hersteller wie Huawei oder ZTE den Finnen das Leben schwer. Allein innerhalb der vergangenen Monate brach Nokias Umsatz in Europa um 39 Prozent ein. In Deutschland steht Nokia bei den Smartphone-Verkäufen nur noch an vierter Stelle. Wenn die neuen Windows Phones floppen, dann ist die Zukunft des Unternehmens ernsthaft bedroht. Nokia selbst hat natürlich noch keine Details zu den Geräten verraten, aber schon jetzt ist sicher, dass in London nicht wie ursprünglich gedacht nur ein neues Modell geezeigt wird, sondern gleich mehrere - vielleicht sogar eine ganze Armada neuer Smartphones, die jeden Bereich von Einsteiger bis Highend abdeckt. Erst vor wenigen Tagen erklärte Microsoft-Chef Steve Ballmer, er freue sich auf einen "Haufen neuer Geräte mit Windows Phone" von Nokia.
Eines davon wird das Nokia 800 sein, über das in der Vergangenheit schon mehrfach Informationen an die Öffentlichkeit durchsickerten. Das Smartphone wurde unter dem Namen Sea Ray entwickelt. Es sieht dem hochgelobten MeeGo-Smartphone Nokia N9 sehr ähnlich. Dessen 3,9 Zoll großer Touchscreen (854x480 Pixel) wird von einer Scheibe aus kratzfestem Gorilla-Glas geschützt, die leicht nach außen gewölbt ist. Das Gehäuse ist aus einem Block Polycarbonat gefräst, einem besonders hochwertigen Kunststoff, der nach Angaben von Nokia eine überragende Empfangsleistung ermöglicht. Wahrscheinlich wird das Nokia 800 von einem 1,4-GHz-Prozessor angetrieben und über einen 3,7 Zoll großen AMOLED-Touchscreen bedient. Eine 8-Megapixel-Kamera und 16 GByte Speicher sollen ebenfalls auf der Ausstattungsliste stehen.
Das Nokia Sabre geistert erst seit wenigen Tagen durch das Internet. Es erinnert an das Nokia 603, ein Mittelklasse-Gerät mit 3,5-Zoll-Touchscreen, 1-Gigahertz-Prozessor und 5-Megapixel-Kamera. Im Gegensatz zu dem Symbian-Smartphone soll das neue Windows Phone von einem 1,4 Gigahertz schnellen Prozessor angetrieben werden, dem 1 Gigabyte Arbeitsspeicher zur Seite stehen. Der Touchscreen soll eine Größe im Bereich zwischen 3,5 und 3,7 Zoll haben. Die Auflösung des Displays ist noch nicht bekannt, sie dürfte aber bei 800x480 Pixel liegen. Zu dem Modell ist aber schon ein Preis durchgesickert, er soll 300 bis 350 Euro ohne Vertrag betragen.
Auch das Nokia Sun ist erst wenige Tage alt, es tauchte in einem Dokument des französischen Mobilfunkbetreibers Orange auf. Hier waren auch die Spezifikationen des Smartphones angeführt: Unibody-Gehäuse, 1,4-Gigahertz-Prozessor, ein 3,7 Zoll großer AMOLED-Touchscreen, 8-Megapixel-Kamera und 16 Gigabyte interner Speicherplatz. Zudem soll das Nokia Sun mit einem Steckplatz für eine SIM-Karte im Micro-Format ausgerüstet sein. Vieles deutet darauf hin, dass alle neuen Windows Phones von Nokia wie Apples iPhone nur noch mit einer Micro-SIM funktionieren.
Alle neuen Nokia-Smartphones werden mit Windows Phone 7.5 Mango laufen. Microsoft hat den Herstellern der Geräte eigentlich verboten, die Oberfläche anzupassen, um eine Fragmentierung des Systems zu verhindern. Nokia wurden allerdings Sonderrechte gewährt. Auf den Gerätefotos kann man auch schon Unterschiede zur Standard-Version erkennen. So ist die Schriftart Nokia Pure installiert, statt des von Microsoft verwendeten Segoe WP. Außerdem sieht man eine Live-Kachel mit der Beschriftung "Nokia Navigation". Das dürfte allerdings niemanden überraschen, Nokia ist schließlich einer der größten Navigationsanbieter der Welt, und die kostenlosen Navi-Dienste der Symbian-Smartphones ein wichtiges Verkaufsargument. Die dort installierte Software Nokia Karten bietet in 80 Ländern eine sprachgestützte Onboard-Navigation, erlaubt direkte Karten-Downloads per Wlan, führt auch Fußgänger und Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs zum Ziel und integriert Check-in-Angaben über Facebook, Twitter und die VZ-Netzwerke. Es wird spannend, ob die auf Windows Phone portierte Version gleich zu Beginn diese volle Funktionalität mitbringen wird.
Wer von Nokia am Mittwoch technische Superlative erwartet, dürfte enttäuscht werden. Alles deutet darauf hin, dass der finnische Hersteller nicht mit einem ultradünnen Kevlar-Superphone à la Motorola RAZR auf die Bühne zurückkehrt, sondern mit einem breiten Angebot von solide ausgestatteten Windows Phones, die alle Preissegmente besetzen und dabei exklusive Nokia-Zusatzdienste bieten. Dabei ist der Preis der entscheidende Faktor. Die Rückkehr in den von Google und Apple erfolgreich besetzten Smartphone-Markt kann nur gelingen, wenn Nokia seine Geräte günstiger verkauft als die Konkurrenz. Aber das ist bekanntlich schon immer eine Stärke des finnischen Herstellers gewesen. Und wer weiß, vielleicht zaubert Stephen Elop am Mittwoch ja auch noch ein Modell aus dem Hut, mit dem keiner gerechnet hat. Spannend wird es also allemal.
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Du bist nicht dabei?Hier tun immer viele so, das der Kunde immer und ewig bei "seinem" OS bleibt und nie wieder wechselt.
Warum denn nicht?
Alle 2 Jahre bekommen die Meisten, in der Regel, ein neues Handy. Und es soll Kunden geben, die auch was "Neuem" aufgeschlossen sind.
Ich könnte mir vorstellen, event. nächstes Jahr mir ein Windows Phone zu zu legen.
Werde das OS auf jeden Fall weiterhin im Auge behalten.
Da malst Du die Chance kleiner als sie ist.
Ich glaube, dass Nokia mit den neuen Geräten nur eine Chance hat bei bereits bestehenden WM7 Kunden. Apple und Android Kunden haben sich mittlerweile stark in ihren "Ökosystemen" eingelebt. Nokia hätte aber nur eine wirkliche Chance auf hohe Verkaufszahlen, wenn sie zusätzliche Kunden gewinnen. Die Geräte müssten also sehr edel sein, technisch einen Vorsprung bieten, z.B. mit sehr guter Kamera und der besagten super Empfangsqualität. Dann und nur dann kann Nokia im Highend Bereich bestehen.
nerk
ich tippe auf 3,7", da die tasten bei wp noch mit hinmüssen, die es beim 3,9" grossen touch beim meego-betriebenen N9 nicht gibt
ansonsten haben N9 und 800 das gleiche gehäuse
3.9 Zoll ist das N9 - das Searay hat afaik einen etwas kleineren Bildschirm, weil es unter dem Screen noch Tasten hat. Also 3.7 Zoll.
Auch ist die Screenauflösung von 854x480 die des N9 - die WinPhones sind auf 800x480 ausgelegt. Da wurden deutlich N9-Fakten mit 800-Gerüchten zermischt.
Ich hoffe ja auch dass Nokia noch nen Böller platzieren kann...
Editieren geht mal wieder nicht. Man man man.