Die Telekom bietet jetzt in ihrem gesamten UMTS-Netz den Sprachstandard HD Voice an. Dieser ermöglicht Handy-Telefonate in deutlich höherer Qualität als bisher, wenn eine Reihe von Voraussetzungen erfüllt sind. Wir erklären, wie HD Voice funktioniert und wer es nutzen kann.
HD Voice ist ein Markenname. Dahinter steht ein Kompessionsverfahren für Sprachübertragungen, das Adaptive Multi-Rate Wideband (AMR-WB) genannt wird und von der internationalen Telekom-Standardisierungebehörde ITU 2003 unter der Nummer G.722.2 als einer der Standards für die Übertragung von Sprachen in Telekommunikationsnetzen anerkannt wurde. Doch bis er Einzug in die ersten Mobilfunknetze hielt, dauerte es noch Jahre.
Im Oktober 2006 startete die Telekom zusammen mit dem schwedischen Netzausrüster Ericsson erste Tests von HD Voice. Ursprünglich wollten beide Unternehmen HD Voice für eine bessere Sprachqualität bei Handy-Telefonaten bereits 2008 einführen, doch die Konkurrenz war schneller: Als erster Mobilfunkbetreiber bot Orange Voice HD an. Das Tochterunternehmen von France Télécom integrierte das neue Übertragungsverfahren 2009 in ihr Netz in Moldawien. 2010 folgten weitere Länder, darunter Großbritannien. Mittlerweile ist HD Voice in 29 Ländern weltweit bei 32 Netzbetreibern verfügbar.
Um Telefonate im Mobilfunknetz zu übertragen, wird die Sprache aufgenommen, digitalisiert und komprimiert übertragen. Lange Zeit verwendeten die Betreiber dafür den Codec AMR-NB (Advanced Multi-Rate Narrow Band). Dieser erlaubt eine maximale Bandbreite von 3.200 Hertz für die Übertragung von Sprache bei einem Frequenzspektrum von 200 Hertz bis 3.400 Hertz. Dieser Bereich umfasst allerdings nur einen kleinen Teil des menschlichen Sprachraumes, der nach Untersuchungen von Ericsson von 50 Hertz bis etwa 12.000 Hertz geht.
Mit AMR-WB (Advanced Multi-Rate Wide Band) kann das aufgenommene Spektrum mehr als verdoppelt werden. Im besten Fall, also bei guten Übertragungsbedingungen, wird ein Frequenzbereich von 50 bis 7.000 Hertz digitalisiert und übertragen. Das Ergebnis ist ein deutlich besseres Verständnis des Gesprächspartners, insbesondere in lauten Umgebungen oder bei leisen Telefonaten. Trotzdem wird die Netzlast durch die Übertragung kaum erhöht. Wie bei AMR-NB wird bei AMR-WB die Qualität stückweise zurückgefahren, wenn sich die Verbindungsverhältnisse verschlechtern.
AMR-WB ist kompatibel mit AMR-NB, so dass der Nutzer auch Teilnehmer in anderen Mobilfunknetzen anrufen kann. Um jedoch die volle Qualität hören zu können, muss der Codec sowohl von den Netzen als auch von den Handys unterstützt werden. Aber selbst wenn nur einer der Gesprächsteilnehmer über diesen Codec telefoniert, soll die Qualität des Telefonats bereits hörbar besser sein. Wie groß der Unterschied ist, hat unter anderem Orange in einem Vergleich deutlich gemacht.
Die Telekom ist in Deutschland der einzige Anbieter von HD Voice. Vodafone wartet nach eigenen Angaben noch mit einer Einführung des Standards für bessere Sprachqualität bei Handy-Telefonaten, bis sich das Angebot an kompatiblen Mobiltelefonen vergrößert hat. Auch O2 und E-Plus haben noch keine konkreten Umsetzungspläne, wie uns die Unternehmen auf Nachfrage erklärten. Doch selbst bei der Telekom kann man nicht deutschlandweit in HD-Qualität telefonieren. Der größte deutsche Mobilfunkbetreiber bietet HD Voice lediglich in seinem UMTS-Bereich an, obwohl der Codec nach Angaben des Verbandes GSA auch in GSM-Netzen eingesetzt werden kann. Das UMTS-Netz der Telekom bedeckt nach Aussage des Unternehmens rund 80 Prozent der Fläche Deutschlands, ist aber eben nicht überall im Bundesgebit verfügbar.
Neben der Telekom, die HD Voice auch schon in Polen, Österreich und Tschechien startete, bieten auch Orange und deren verschiedene Abteilungen in Europa und Übersee, der australische Netzbetreiber Telstra, der dänische Anbieter TDC und der türkische Mobilfunker Turkcell die Sprachverbesserung bei Handy-Telefonaten an. Ingesamt sind nach Angaben der GSA, einem Zusammenschluss der Netzwerkausrüster, 32 Mobilfunkbetreiber in 29 Ländern und Regionen weltweit mit HD Voice vertreten. Die USA fehlt, obwohl der Standard mittlerweile neben dem Standard GSM auch das dort verwendete Format CDMA unterstützt.
Neben den Netzbetreibern müssen auch die Handys HD Voice unterstützen. Die GSA gibt an, dass insgesamt 52 Mobiltelefon-Modelle von Alcatel, HTC, LG, Nokia, Samsung, Sony Ericsson und ZTE das können. Die Telekom nennt deutlich weniger. Ihren Angaben zufolge sind HD-Voice-Gespräche nur mit dem Sony Ericsson Xperia Arc, Xperia Play, Xperia Ray, Xperia Arc S und Xperia Active, dem Nokia 500 sowie den beiden HTC-Geräten Radar und Sensation XE möglich. T-Mobile Tschechien gibt dazu noch das Xperia Mini Pro an. Außerdem wird die Funktion dort beim Nokia N8, Nokia E6, Nokia E7 und dem Nokia 700 getestet. Im Online-Shop von Orange Schweiz sind unter der Rubrik HD Voice unter anderem auch die Samsung-Modelle Galaxy S2, Galaxy S Plus und Omnia 7 gelistet.
Die Telekom ist nicht der erste Mobilfunkbetreiber, der Voice HD in seinem Netz anbietet, aber der erste und bislang einzige in Deutschland. In Anbetracht der Geschwindigkeit, mit der der Ausbau vonstatten geht, könnten aber auch netzübergreifende Telefonate in hoher Sprachqualität bald in Deutschland möglich sein. Die Auswahl an Handys und Smartphones ist vorhanden, wenn auch nicht üppig. Vor allem Highend-Modelle unterstützen den neuen Standard für Telefonate.
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Du bist nicht dabei?Danke erstmal für den ausführlichen Beitrag.
Die Frage die ich mir stelle ist: Erkenne ich wenn "HD Voice" während meines Gespräches genutzt wird ausser das ich es vielleicht höre. Und wird dabei "mein Datenvolumen" genutzt (Somit könnte man es erkennen)
Wie sieht das eigentlich mit dem Iphone aus? Erfüllt das Handy die Voraussetzungen für HD Voice?
@ AM
Dickes Lob für diesen Artikel. Gutes Hintergrundwissen leicht rübergerbacht...
Vor allem weil bei SE auch noch alle 2011er Xperias mit Noise-Shield- Mikro ausgestattet sind.
Aber den meisten ist wohl quitschbunter Bildschirm oder eine Metallbüchse wichtiger ;-)
bin ich mal gespannt wann das die anderen anbieter mal nachrüsten... die vergleiche von orangs sind auch recht authentisch würd ich sagen... genau so wie im beispiel ohne den neuen codec hör ich ja auch meine gesprächspartner....
ich finds ja mal wieder cool, dass SE da so schnell mitzieht und nicht hinterher hinkt :) btw kann man hier auch definitiv ALLE 10 2011er xperia modelle nennen da alle die selbe hardware als grundlage haben ^^
und ich denke mal ansonsten nennt die telekom einfach nur die geräte die sie selber vertreiben und deswegen weniger als es wirklich sind
HD Voice ist einfach Klasse mehr kann man nicht sagen. Nur leider liefern kaum Händler eine Info z.B. anhand eines normalen Datenblattes mit "AMR-WB" oder einfach HD Voice Fähig auf. Einfach nur paar Buchstaben mehr Schreiben für die Info. HD Voice nutzt UMTS (3G) aber ob da das Datenvolumen genutzt wird kann ich nicht sagen aber dazu einfach mal seinen Datenvolumensatz beobachten VOR,- und NACH einen Gespräch dann weiß man es genau!