Twitter Facebook Werde Teil der Community - Registriere dich jetzt kostenlos! | Login
 

LTE: Die neuen Superphones funken auch in Deutschland

Mit LTE wird die Vision vom überall verfügbaren Breitband-Internet Realität. Aber der Weg dorthin ist steinig, längst sind nicht alle Probleme gelöst. Die Zwischenlösung sind Endgeräte die sowohl 4G, als auch 3G und GSM unterstützen. Die Gerüchte über ein Quad-Mode-iPhone sind daher nicht besonders weit hergeholt.

LTE steht für Long Term Evolution, der Datenstandard ermöglicht Datengeschwindigkeiten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde, theoretisch sind sogar mehr als 300 Megabit pro Sekunde möglich. Filme oder andere datenintensiven Anwendungen werden so spürbar schneller übertragen, außerdem werden die Mobilfunknetze spürbar enlastet, die gerade unter Datenlast ächzen, die jedes Jahr im zweistelligen Prozentbereich wächst. Die Netzausfälle bei o2 haben gerade gezeigt, dass die Grenze bald erreicht ist.

Anders als bei UMTS beginnt der LTE-Ausbau in Deutschland auf dem Land, um die so genannten weißen Flecken bei der Versorgung mit schnellen Internetzugängen zu schließen. Es handelt sich um Frequenzen im 800-Megahertz-Band, die nach der Abschaltung des Analogfernsehens in Deutschland frei wurden und besonders große Funkzellen erlauben. Genauso wie die UMTS-Frequenzen vor 11 Jahren wurden auch die LTE-Frequenzblöcke von der Bundesnetzagentur auf einer Auktion versteigert, die im April und Mai 2010 stattgefunden hat. Doch diesmal mussten die Netzbetreiber keine Horrorbeträge bezahlen, der Gesamterlös lag bei 4,4 Milliarden Euro – ein Schnäppchen gegenüber den 50,8 Milliarden Euro für UMTS. Die Vergabe knüpfte die Bundesnetzagentur allerdings an strenge Auflagen: Die Netzbetreiber müssen erst die weißten Flecken in Deutschland – also die Regionen, in denen keine Breitbandverbindung verfügbar ist – mit LTE versorgen, bevor sie ihre Netze flächendeckend umrüsten.

Das LTE-Netz der Telekom bildet noch nicht einemal einen Flicketeppich: Bis zur flächendeckenden Versorgung von LTE ist der weg noch weit / (c) Telekom

Das LTE-Netz der Telekom bildet noch nicht einemal einen Flicketeppich: Bis zur flächendeckenden Versorgung von LTE ist der weg noch weit / (c) Telekom

Die Zielvorgaben wurden bereits Ende 2011 erreicht. Alle drei Netzbetreiber haben inzwischen LTE-Datentarife und -Modems im Portfolio, zum Beispiel den "web`n`walk Connect XXL" für 74,95 € im Monat. Den Nutzern steht ein Datenvolumen von 20 GB zur Verfügung bei einer maximalen Bandbreite von 43 Megabit pro Sekunde zur Verfügung. Diese Angebote sind aber bisher auf bestimmte und in der Regel dünn besiedelte ländliche Regionen beschränkt. Für Ballungszentren gibt es bisher vor allem Pilotprojekte, an erster Steller stehen hier Köln (Telekom), Düsseldorf (Vodafone) und München (O2). Bis  eine flächendeckende Versorgung in Deutschland erreicht ist, wird noch mindestens ein Jahr vergehen, die Bundesnetzagentur schätzt, dass die drei Netzbetreiber 2013 so weit sein werden. Man kann also damit rechnen, dass erst Mitte/Ende 2012 eine großflächige LTE-Vermarktung startet und auch entsprechende Smartphones und Tablets auf den Markt kommen.

Problematisch ist dabei gar nicht unbedingt das Umrüsten der Funkmasten, sondern der Infrastruktur dahinter – der Verbindung zwischen Funkmast und Hochgeschwindigkeitsnetz (Backbone). Gerade dieses Verbindungstück kann schnell zum Flaschenhals werden: Was nutzt eine Funkkapazität von 100 MBit/s, wenn die Funkzelle nur mit 25 MBit/s an das Internet angeschlossen ist? In diese Richtung zielt auch die gerade erst bekannt gegebene Kooperation von O2 und der Telekom, die den O2-Funkmasten Zugriff auf das schnelle Glasfasernetz der Telekom erlaubt.

Andere sind schneller

LTE-Werbung von AT&T: In den USA ist man mit LTE deutlich weiter / (c) Anbieter

LTE-Werbung von AT&T: In den USA ist man mit LTE deutlich weiter / (c) Anbieter

Der Verband der Netzausrüster (GSA, Global Mobile Suppliers Association) schätzt den globalen LTE-Markt 2011 auf 237 Anbieter in 85 Ländern, dabei waren 174 Netze in Betrieb. Bis zum Ende des Jahres 2012 erwartet der Verband den Start von 93 weiteren LTE-Netzen. Vor allem Japan und die USA spielen beim Netzumbau ganz weit vorne mit. In den USA sind die größten Netzbetreiber AT&T und Verizon auch die bedeutendsten LTE-Anbieter. Beide vermarkten den neuen Funkstandard bereits seit mehreren Monaten offensiv und erreichen 200 Millionen (AT&T) beziehungsweise 75 Millionen (Verizon) Konsumenten. Der dritte Große im Bunde, Sprint, bringt LTE gerade in den vier Städten Atlanta, Dallas, Houston und San Antonio in Stellung. Im Gegensatz zu Deutschland liegen LTE-Mobiltelefone dort bereits in den Verkaufsregalen.

Die Multimode-Smartphones kommen

Wie weit die USA beim Thema LTE voraus sind, konnte man gerade auf der CES in Las Vegas sehen. Fast alle der vorgestelllten Top-Modelle – Nokia Lumia 900, Xperia Ion oder HTC Titan 2 – funken in den LTE-Netzen von AT&T und Verizon. Dabei darf allerdings nicht außer Acht gelassen werden, dass es sich um Telefone handelt, die mehrere Funkstandards beherrschen. Das Lumia 900 unterstützt etwa neben LTE (700/1700/2100 Megahertz) auch den US-3G-Standard CDMA (850/1900/2100 Megahertz) sowie GSM/EDGE in allen vier Frequenzbändern (850/900/1800/1900). Mit dem Windows Phone könnte man also auch in Deutschland telefonieren, über EDGE wäre sogar ein Datentransfer möglich.

Die Multimode-Chipsätze, die für diese breite Funkunterstützung verantwortlich sind (in diesem Fall von Qualcomm) werden noch einige Zeit den Ton angeben. Denn die IP-Telefonie über LTE ist immer noch nicht ausgereift – mit dem aktuellen Stand der Technik ist LTE ein DSL- und UMTS-Ersatz – aber kein GSM-Ersatz. Momentan behelfen sich Hersteller und Netzbetreiber mit einer Zwischenlösung: das sogenannte CS-Fallback (Circuit Switched). Dabei meldet sich das Gerät parallel zu LTE auch im UMTS- oder GSM-Netz an. Im Falle eines Anrufes wird der LTE-Modus verlassen und man telefoniert über UMTS / GSM. Wenn das Gespräch beendet ist, geht es wieder zurück ins LTE-Netz.

Fazit: Die Gerüchte zum Quadband-iPhone könnten stimmen

Auch wenn die neuen Superphones der CES etwas anderes suggerieren: Der Umstieg auf LTE steckt noch in den Kinderschuhen. Nach wie vor gibt es keine elegante Lösung für das IP-basierte Telefonieren und der Netzausbau ist weltweit noch in vollem Gange. Deutschland hinkt im internationalen Vergleich relativ weit hinterher, erste LTE-Smartphones dürften erst Ende 2012 auf den Markt kommen. Und selbst dabei wird es sich um Hybrid-Modelle handeln, die neben LTE auch UMTS und GSM unterstützen. Die Gerüchte um ein sogenanntes Quadmode-iPhone, das LTE, UMTS, CDMA und GSM unterstützt, sind also nicht besonders weit hergeholt.

Kommentar schreiben

Die Kommentarfunktion ist hier leider nur für angemeldete Benutzer freigegeben.

Du bist nicht dabei?
Werde Teil der Community
Registriere Dich jetzt kostenlos! | Login
Sichere Dir Deinen Usernamen, damit Deine Beiträge und Bewertungen nicht verloren gehen.
 
Kommentare
  1. 16.01.12 10:24 inte (Handy Profi)

    "Oh man..... Die Frequenz von 2100 MHz wird auch in Deutschland genutzt, nur im Unterschied das die Amis ihr 3G auch im 2G Bereich gelagert haben."
    Was? Das machen die deutschen, namentlich Eplus, auch. Und? Trotzdem kann das L900 W-CDMA 2100 als 3G, und das betreiben alle deutschen Netzbetreiber.

    "AT&T sowie Verizon verwenden LTE im 700MHz Bereich. Daher werden die Endgeräte die ausschließlich für den US Markt bestimmt sind auch nicht für den europäischen Standard funktionieren."
    Ja, richtig. Geht aber aus der Überschrift des Artikels, und dem Artikel selber nicht hervor. Da steht irgendwas von EDGE, das hier funktioniert. Das mag stimmen, allerdings funktioniert 3G auch, warum ist das nicht erwähnt.

    "Was die 800MHz angeht dient dieser hier in Deutschland ausschließlich als DSL-Ersatz. entweder danach oder parallel dazu kann LTE im 2,6GHz genutzt werden. Wobewi aber auch hier die Überlegung stattfindet, allerdings nicht als komplette Abdeckung sondn in bestimmten Bereichen Glasfasernetzte zu benutzen."
    Irgendwie hast Du schonmal solch einen Bloedsinn geschrieben, ohne ihn naeher zu erlaeutern. Du glaubst doch selber nicht, dass die Netzbetreiber parallel zwei getrennte LTE-Netze aufbauen, oder etwa doch?
    Wie kommst Du auf den Bloedsinn? Vielleicht denkst Du ja, irgenjemand erfindet bis dahin noch CSD für LTE oder ich weiß auch nicht...
    Analog zu GSM werden niedrige Frequenzen wohl für ländliche Regionen, hohe für die Ballungsräume genutzt werden. Hat aber mit den Fehlern im Artikel nicht viel zu tun.

  2. 16.01.12 08:51 cookieman (Moderator)

    Oh man..... Die Frequenz von 2100 MHz wird auch in Deutschland genutzt, nur im Unterschied das die Amis ihr 3G auch im 2G Bereich gelagert haben.

    AT&T sowie Verizon verwenden LTE im 700MHz Bereich. Daher werden die Endgeräte die ausschließlich für den US Markt bestimmt sind auch nicht für den europäischen Standard funktionieren.

    Was die 800MHz angeht dient dieser hier in Deutschland ausschließlich als DSL-Ersatz. entweder danach oder parallel dazu kann LTE im 2,6GHz genutzt werden. Wobewi aber auch hier die Überlegung stattfindet, allerdings nicht als komplette Abdeckung sondn in bestimmten Bereichen Glasfasernetzte zu benutzen.

  3. 15.01.12 22:17 inte (Handy Profi)
    und überhaupt...

    ...hängt Deutschland im Internationalen Vergleich keinesfalls hinterher.
    Jedoch gilt es Auflagen bezüglich der Netzabdeckung zu erfüllen, und so müssen zunächst Strukturschwache Regionen mit fehlender DSL-Struktur erschlossen werden.
    Dies ist bereits in 13 Bundesländern abgeschlossen (http://www.heise.de/newsticker/meldung/Versorgungsauflagen-im-800-MHz-Bereich-in-Schleswig-Holstein-erfuellt-1401642.html). Somit steht Deutschland im direkten Vergleich von der Fläche her den USA in nichts nach (http://www.att.com/network/ vs. http://www.vodafone.de/business/firmenkunden/netzabdeckung.html).
    Es fehlen halt noch die Ballungsräume, aber das wird sich sicher im nächsten halben Jahr ändern.

  4. 15.01.12 21:50 inte (Handy Profi)
    @areamobile

    Ich finde Eure Überschrift in Verbindung mit dem Artikel relativ irreführend.
    Es wird IMHO nicht deutlich, dass die LTE-Frequenzen der USA nicht den deutschen entsprechen. Weiterhin schreibt Ihr selber, das die Geräte CDMA 3G auf 2100 Mhz unterstützen. Dies ist der europäische Standard, also falls Eure Angaben stimmen funken die Geräte in Europa in 2G und 3G, jedoch nicht in 4G... Das sollet Ihr deutlich machen, sonst bestellt sich noch jemand ein LTE-Gerät aus den USA und ärgert sich, wenn es sich dann hier nicht ins Netz einbucht...

  5. 15.01.12 21:36 inte (Handy Profi)
    Es gibt schon lange eine elegante Lösung für das IP-Telefonieren...

    UMA - http://de.wikipedia.org/wiki/Unlicensed_Mobile_Access

    Das funktioniert schon seit Jahren wunderbar über Wifi, wie z.B. bei Orange: http://business.orange.co.uk/home/soletrader/products-and-services/network-and-connectivity/coverage-solutions/uma

    Und, natürlich funktioniert das auch über LTE. Siehe z.B. hier http://www.volga-forum.com/

antworten
Aktuelle Geräte im Test