Begriffs-Wirrwarr: Während das Nokia Lumia 800 mit einem AMOLED-Display ausgerüstet ist, steckt im Nokia Lumia 710 ein TFT-Display. Beide tragen aber den Zusatz Clear-Black-Display. Was steckt dahinter? Areamobile klärt auf.
Nokias erstes Windows Phone Lumia 800 verfügt über ein zu den Seiten hin gewölbtes AMOLED-Display. AMOLED ist die Abkürzung für "Active Matrix Organic Light Emitting Diode", es handelt sich dabei im Prinzip um eine Weiterentwicklung von OLEDs, die über eine passive Matrix (Aufbau einer Anzeige mit Punktraster unter Verwendung von Zeilen und Spalten) gesteuert werden und daher nicht für größere Displays geeignet sind. Die organische Leuchtdiode ist ein dünnes Bauelement aus organischen, halbleitenden Materialien, das aus mehreren Schichten besteht.
Da AMOLED im Gegensatz zu herkömmliche LCDs keine Hintergrundbeleuchtung benötigt, wird bei der Darstellung dunkler Inhalte kein oder weniger Strom verbraucht (bei hellen Flächen verdreht sich dieser Vorteil allerdings ins Gegenteil), es können bessere Kontraste dargestellt werden und die Technik ermöglicht einen viel höheren Schwarzwert. Weitere Vorteile von AMOLED-Displays sind auch der große Betrachtungswinkel, eine extrem schnelle Reaktionszeit (bis zu 1 Mikrosekunde) und die sehr flache Bauweise.
Im Gegenzug fällt die unrealistisch starke Farbsättigung und häufig ein leichter Farbstich (oft gelb) auf. Durch die überwiegende Verwendung der sogenannten Pentile-Matrix, bei der weniger Subpixel zum Einsatz kommen als bei einer herkömmlichen RGB-Matrix, entsteht ein Punktraster, das sich als leichte Unschärfe bemerkbar macht. Ein weiterer Nachteil von AMOLED ist die kürzere Lebensdauer als bei anorganischen Displays. Da Handys aber eine vergleichsweise kurze Nutzungszeit von wenigen Jahren haben, kommt das inzwischen nicht mehr zum Tragen. Schlimmer wiegt da die deutlich reduzierte Ablesbarkeit bei direkter Sonneneinstrahlung. Neben dem Lumia 800 verwendet Nokia AMOLED-Displays auch noch in Modellen wie N8, E7, X7, C7, und N9.
Um die Ablesbarkeit von Displays im Freien zu erhöhen, hat Nokia die Display-Technologie Clear-Black entwickelt. Dabei wird einem herkömmlichen Screen eine zusätzliche Polarisations-Schicht direkt unter dem Glas eingefügt, was störende Reflexionen auf dem Display reduziert und so nicht nur die Ablesbarkeit bei direkter Lichteinstrahlung verbessert. Nach eigenen Aussagen werden auch die Kontrastwerte angehoben, wodurch Icons detaillierter dargestellt werden und Farben intensiver wirken. Zusätzlich spricht Nokia davon, dass die Clear-Black-Technologie sich günstig auf die Akkulaufzeiten auswirkt. Der finnische Hersteller verwendet Clear-Black überwiegend für Handymodelle mit AMOLED-Display, allerdings kommt die Technik auch bei TFT-Displays wie im neuen Lumia 710 zum Einsatz. Weitere Nokia-Smartphones damit sind etwa Lumia 800, Nokia 700 und 701, Nokia C6-01 und E7.
LCD steht für "Liquid Crystal Display" und bedeutet Flüssigkristallanzeige. Zwischen zwei Glasplatten befindet sich eine dünne Schicht mit beweglichen Kristallen, die durch Anlegen einer Spannung ihre optischen Eigenschaften so verändern können, dass Licht mehr oder weniger stark durchgelassen wird. Die unterschiedlichen Farben für die Darstellung werden durch Hintergrundbeleuchtung und Polarisationsfilter erzeugt. Weiterentwicklungen wie IPS-LCD (In Plane Switching) ermöglichen bessere Blickwinkel und exaktere Farbwiedergabe als bei einfachen LCD, dafür benötigen sie allerdings zwei statt nur einem Transistor für jedes Pixel und eine stärkere Hintergrundbeleuchtung. Die jüngsten Entwicklungen wie AH-IPS (Advanced High Performance IPS) oder E-IPS (Enhanced IPS) haben diese Eigenschaft noch verbessert und darüber hinaus die Schaltzeiten weiter perfektioniert. Dennoch sind AMOLED-Displays immer noch bis zu 1.000 Mal schneller als die schnellsten LCDs mit etwa 1 Millisekunde. Zusätzlich weisen neuere Varianten von IPS-LCDs bei flachen Betrachtungswinkeln von der Seite häufig einen leichten Lila-Farbton auf.
Eine Weiterentwicklung des LCD ist das TFT ("Thin Film Transistor"). Es wird nicht mehr über einzelne Transistoren angesteuert, sondern über eine Matrix von Dünnschichttransistoren. Einfallendes Licht wird durch einen halbdurchlässigen Spiegel reflektiert und so zurück auf das Display geworfen. Hierdurch wird die Ablesbarkeit auch bei direkter Sonneneinstrahlung deutlich verbessert, allerdings gibt es immer noch leichte Nachteile bei extremen Betrachtungswinkeln. Dann sinken Farbwiedergabe und Kontrast – auch bei IPS-TFTs.
Nokia hat die herkömmliche LCD-Technik für Einstiegs- und Mittelklassemodelle wie E6, C5-03, E5 und X5-01 verwendet. IPS-Displays steckt etwa im Nokia 701, das Gerät kommt auf eine hervorragende Helligkeit von 1.000 Nits und verfügt über eines der hellsten Displays auf dem Markt. Ein TFT kommt etwa im Lumia 710 zum Einsatz.
Weiterentwicklungen von AMOLED wie Super-AMOLED und Super-AMOLED-Plus verwendet derzeit nur Samsung in seinen Topmodellen. Vor allem mit Super-AMOLED werden momentan höhere Auflösungen von bis zu 1.280x800 Pixel (Galaxy Note) realisiert, durch die der Nachteil der leichten Unschärfe wegen der Pentile-Matrix vernachlässigbar wird. Super-AMOLED-Plus wird momentan nur im Galaxy S2 mit einer vergleichsweise geringen Auflösung von 800x480 Pixel verwendet. Durch die Nutzung einer RGB-Matrix statt Pentile fällt kommt es aber nicht zu dem erwähnten Punktraster und der damit einhergehenden Unschärfe. Gründe dafür, dass Samsung bei seinen neusten Modellen nicht auf die beste Technik – Super-AMOLED-Plus – setzt, dürften neben höheren Produktionskosten auch eine geringere Lebensdauer durch die höhere Pixel- und Subpixeldichte sein.
Das AMOLED-Display im Lumia 800 bietet die satteren Farben und spart bei dunklen Inhalten Strom, der TFT-Screen im Lumia 710 ist trotz gleicher Auflösung schärfer. Beide Minimonitore verfügen über die Clear-Black-Technik, die bessere Ablesbarkeit bei direkter Sonneneinstrahlung garantieren soll und haben ihre individuellen Vor- und Nachteile. Letztendlich entscheidet da nur der persönliche Geschmack des Käufers.
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Du bist nicht dabei?
gut geschrieben mal wieder,
schön dass man in den letzten monaten immer wieder solch informative, interessante und gut geschriebenen artikel lesen durfte
weiter so und bitte mehr davon