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Bluetooth: Funktechnik ohne Zukunft

Das neue iPad unterstützt genauso wie das iPhone 4S den Nahfunkstandard Bluetooth 4.0. Aber Apple ist damit ein einsamer Vorreiter. Areamobile erklärt, was hinter steckt.

Bei uns wird Harald Blaatand nicht einmal im Schulunterricht erwähnt, obwohl er eine zentrale Persönlichkeit der skandinavischen Geschichte ist. Ende des 10. Jahrhunderts vereinigte der Wikingerfürst  zahlreiche verfeindete Clans, schwang sich zum König von Dänemark und Norwegen auf und ebnete den Weg für die Christianisierung Skandinaviens. Auch wenn er ein paar Kriege führte, war Blaatand vor allem ein großer Kommunikator seiner Zeit – einer, der seine Ziele mit Verhandlungen, also mit Worten erreichte.

Blaatand heißt in der deutschen Übersetzung "Blauzahn", im Englischen "Bluetooth". Ihn nahm ein Industriekonsortium zum Vorbild, als es anno 1998 einen der zentralen Drahtlos-Standards für den Datenaustausch elektronischer Geräte entwickelte. Warum ausgerechnet ein Wikinger als Namensvater herhalten musste, wird deutlich, wenn man sich anschaut, welche Unternehmen federführend an der Entwicklung beteiligt waren: Nokia und der schwedische Netzausrüster Ericsson.

Der Wikingerfürst Harald Blaatand ist der Namensvater des Bluetooth-Standards. / (c) Dänische Nationalgallerie

Die Idee, die hinter Bluetooth steht, ist simpel: lästiges Kabelgewirr vermeiden! Schon Ende der 1990er war absehbar, dass die Kommunikation von Maschine zu Maschine mit der fortschreitenden Technisierung des Alltags immer bedeutsamer wird. Und Kabel stören dabei. Die Lösung dafür: Informationen über elektromagnetische Wellen statt über Kupferdrähte fließen zu lassen.

Bluetooth wurde von Anfang an so entwickelt, dass es Sprache und Daten nur über kurze Distanzen transportiert. Im Gegensatz zu den Kilometer-Überbrückern GSM, GPRS oder EDGE sollte es die Geräte genau dort miteinander kommunizieren lassen, wo sie stehen: zu Hause oder im Büro. Es ging den Erfindern darum, jedwede Elektronik  vom Computer über die Maus, den Drucker, den Scanner, das Handy und den DVD-Player drahtlos zu verbinden - das vernetzte Wohnzimmer wurde früher erfunden, als wir denken.

Nicht überall hat sich die Technologie so durchgesetzt, wie damals erwartet wurde. Für DVD-Player und Drucker ist sie heute unbedeutend, weil der Funk über Wlan mehr Vorteile bietet und weil der damit verbundene höhere Energiebedarf bei stationären, über einen Netzstecker mit dem Stromnetz verbundenen Geräten keine große Rolle spielt.

Bluetooth 4.0: Höhere Reicheweite und niedrigerer Strombedarf

Umso wichtiger ist Bluetooth allerdings für mobile Geräte geworden, die mit einer begrenzten Energiemenge haushalten müssen. Exemplarisch dafür stehen das Telefonieren über ein drahtlos mit dem Handy verbundenes Headset oder die Bluetooth-Maus bzw. -Tastatur. Der Blaufunk ist mittlerweile mehr als zehn Jahre alt und in Version 4 spezifiziert, die die Veringerrung des Stromverbrauchs in den Vordergrund stellt.

Neben der Erhöhung der Reichweite (bis zu 100 Meter) wurde mit 4.0 das Protokoll "Low Energy" eingeführt. Es ermöglicht, in einen Standby zu wechseln, der kaum Energie verbraucht, bei Bedarf aber innerhalb von fünf Millisekunden eine Übertragung auf bis zu 100 Metern aufzubauen. Durch diesen schubweisen Transport von kleinen Datenmengen ist der Energiebedarf so niedrig, dass auch Gegenstände mit Bluetooth ausgestattet werden können, die nur von einer kleinen Knopfzelle mit Energie versorgt werden. Trotz aktiver Funkverbindung können sie monatelang schlummern, ohne nachzuladen. Unternehmen sehen Anwendungsfelder für Bluetooth 4.0 in der Medizin- und Fitness-Technik, in der Gebäudesteuerung und in der Inventarisierung. In einem sogenannten Smart Home könnten die Nutzer eines kompatiblen Smartphones beispielsweise jederzeit Zählerstände erfassen oder Schaltbefehle geben. Bei Patienten im Krankenhaus könnten dagegen ohne Verkabelung Gewichts-, Herzfrequenz- und Blutzuckerdaten auf dem Smartphone abgelesen werden.

Aber Bluetooth 4.0 hat sich bisher nicht durchgesetzt. Obwohl die Spezifikationen dafür bereits im Dezember 2009 verabschiedet wurden, sind bisher kaum Geräte auf dem Markt, die ihn unterstützen.  Apple nimmt hier eine Pionierrolle ein: Neben dem iPhone 4S und dem neuen iPad verstehen auch Macbooks der 2011er-Generation die neueste Bluetooth-Generation.

Eingezwängt zwischen Wlan und NFC

Motorola RAZR | (c) Hersteller

Motorola RAZR: Das einzige Smartphone neben dem iPhone 4S, das Bluetooth 4.0 unterstützt. | (c) Hersteller

Über die Gründe für die mangelnde Unterstützung kann an dieser Stelle nur spekuliert werden. Auffällig ist jedoch, dass in den letzten Jahren eine neue Form der Maschinen-Kommunikation an Bedeutung gewonnen hat: Das Einscannen von QR-Codes mit der Handy-Kamera setzt genau dort an, wo Bluetooth 4.0 seine Vorteile hätte auspielen können. Aber wozu einen teuren Chip am Plakat oder auf einem Produkt platzieren, wenn der simple Aufdruck eines Strichcodes ebenfalls die Informationen überträgt? Natürlich ist diese Kommunikation keine Interaktion, weil die Informationen nur in eine Richtung fließen. Doch parallel zu den QR-Codes haben zwei Drahtlos-Funktechniken an Bedeutung gewonnen, die auch den komplexen Datenaustausch erlauben: Wlan und NFC. Während Wlan die größere Reichweite und mehr Bandbreite bietet, funkt NFC nur im Zentimeterbereich und hat die bessere Sicherheitsarchitektur. Bluetooth sitzt eingezwängt zwischen diesen beiden Standards.

Hinzu kommt, dass Bluetooth nicht nur die gleichen Frequenzen wie Wlan nutzt, sondern auch eine sehr ähnliche technologische Basis hat. Absehbar ist daher, dass es zukünftig in das Wlan-Protokoll integriert wird, während NFC die Maschine-zu-Maschine-Kommunikation über extrem kurze Distanzen übernimmt.

Harald Blaatand wird also bald wieder in der Nische verschwinden, aus der er plötzlich Ende der 90er Jahre des vergangenen Jahrtausends hervorgezerrt wurde. Er wird uns in Deutschland weniger als Wikingerfürst in Erinnerung bleiben, sondern vielmehr als ein Symbol für die technologische Entwicklung, die auf ein Lauftempo beschleunigt hat, das fast schon unheimlich ist.

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Kommentare
  1. 11.04.12 00:03 V4Mp (Newcomer)

    Ich denke das BT eventuell keine Zukunft weiter hat, aber doch etwas verändert hat!
    Was wir heute kennen, nutzen und neues uns erwartet, hätte es eventuell ohne BT nicht gegeben.

    Was derzeit noch wichtig ist, dass Streams höhere Raten erreichen um HD Inhalte streamen zu können. Audio und Bild. Derzeit fehlt es noch an einem HD Funkstandart, der gut funktioniert und über alle Geräte. WLAN kann auch HD Inhalte streamen, aber die Durchsatzrate ist teils zu gering.
    Hier sehe ich Bedarf für die Zukunft.
    Wireless HDMI... WLAN, HDMI, BT in einem verbunden, aber kompatibel untereinander.
    Wie gerne hätte ich nicht zwischen TV, Receiver, PS3 und Co das ganze Kabelgestrüpp und ein Notebook ohne Kabel als HD Quelle nutzen zu können wäre traumhaft.

  2. 20.03.12 00:53 pixelflicker (GURU)

    > "Kann ich mit WLAN ebenso einfach Bilder oder Videos von einem Smartphone auf das andere übertragen?" [Ladylike]
    Ja, im Prinzip kann man das, jedoch besteht bei Bluetooth der große Vorteil, dass es da dafür ein standardisiertes Protokoll gibt. Bei WLAN muss auf Beiden Seiten eine passende Software installiert sein, die die Übertragung steuert. Das ist für den Entwickler wesentlich aufwändiger. Solche Dinge sollte man auch bedenken, nicht immer ist die technische Machbarkeit das Problem.


    > "In dem Fall bliebe rechnerisch nur die Differenz zwischen BT- und WLAN-Stromverbrauch
    > als Mehrverbrauch übrig. Ich glaube, das kann man in der Rangfolge der Stromverbraucher
    > in einem Handy vernachlässigen." [Beinhart]
    Ich hab jetzt keine genauen zahlen dafür, aber ich glaube das ist nicht so einfach. Bei mir ist WLAN bei den Verbrauchern immer ganz weit oben. Aktuell rangiert WLAN bei mir auf dem zweiten Platz der Verbraucher (16%) und Bluetooth auf Platz 9 (2%). Das ist schon ein sehr großer Unterschied.


    > "Wenn es um eine echte Haus-STEUERUNG - also bspw. Licht, Heizung, WaMa,
    > GSP, Rolläden Ü-Kameras usw. - geht, die primär dann sinnvoll ist, wenn sie
    > auch von aussen über das www erfolgen kann, geht meines Erachtens an
    > einer Vernetzung per WLAN kein Weg vorbei"
    Das ist halt schwer pauschal zu sagen, wenn man z.B. von einem Rauchmelder oder ähnlichem ausgeht, dann ist der Stromverbrauch schon interessant, diese Geräte haben oft keinen Stromanschluss und müssen lange mit einer Akkuladung auskommen. Das ist mit WLAN schwer umzusetzen.
    Ich finde schon, dass Bluetooth durchaus seine Einsatzbereiche hat und nicht so einfach zu ersetzen ist. Von der Baugröße der Chips und Antennen gar nicht erst zu sprechen. BT FSEs fürs Ohr sind mittlerweile so klein, dass sie kaum mehr sichtbar sind.

  3. 19.03.12 17:15 Beinhart (Gast)

    @ Pf:
    "das Problem ist aber eher, dass die mobilen Geräte mit WLAN auch bei nicht benutzung mehr Strom brauchen als mit Bluetooth und kaum jemand wird WLAN jedesmal aus- und einschalten wollen wenn er ins Auto steigt."

    Das ist grundsätzlich richtig, dass WLAN etwas mehr Strom zieht als BT. Solange Handys aber auch bei permanent eingeschaltetem BT + WLAN mit einer Akkuladung einen ganzen Tag durchhalten, halte ich den Verbrauch durch WLAN allein für unproblematisch. Die gilt insbesondere, wenn BT als Verbraucher wegfällt, weil es durch WLAN ersetzt wird. In dem Fall bliebe rechnerisch nur die Differenz zwischen BT- und WLAN-Stromverbrauch als Mehrverbrauch übrig. Ich glaube, das kann man in der Rangfolge der Stromverbraucher in einem Handy vernachlässigen.


    "Darüberhinaus ist ja Bluetooth für mehr interessante Einsatzzwecke geeignet, wie der Artikel ja bereits einige aufführt (z.B. Haussteuerung)."

    Ja, natürlich ist ein "In-House"-Einsatz von BT denkbar und möglich. Wenn es um eine echte Haus-STEUERUNG - also bspw. Licht, Heizung, WaMa, GSP, Rolläden Ü-Kameras usw. - geht, die primär dann sinnvoll ist, wenn sie auch von aussen über das www erfolgen kann, geht meines Erachtens an einer Vernetzung per WLAN kein Weg vorbei. Die vergleichsweise einfache Erweiterbarkeit des WLAN-Netzes durch Repeater halte ich für einen enormen Vorteil gegenüber dem arg begrenzten BT-Funkradius.
    Selbst so profane Dinge wie häusliche Personenwaagen nehmen schon per WiFi Kontakt zum Smartphone auf. z.B. dies hier: www.t-mobile.de/medisana oder diese www.withings.de/de/waage
    Somit sehe ich nur noch sehr wenige und begrenzte Einsatzgebiete für BT.

  4. 19.03.12 16:16 Ladylike871 (Advanced Member)

    Zitat:" Ja das kann man, je nach
    Handy ist das möglich...."
    Ok Danke für die Info :-)

  5. 19.03.12 15:38 cookieman (Professional Handy Master)

    Ja das kann man, je nach Handy ist das möglich....

  6. 19.03.12 14:39 Ladylike871 (Advanced Member)

    Kann ich mit WLAN ebenso einfach Bilder oder Videos von einem Smartphone auf das andere übertragen?

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