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Editorial: Geglückter Neustart einer Ikone

HTC hat mit der One-Serie einen Neustart gewagt – hin zu Qualität, weg von Quantität. Das wurde höchste Zeit, denn die Gewinne sind in den letzten beiden Quartalen spürbar geschrumpft und das hatte seinen Grund: Einheitsbrei. Man brachte immer mehr Smartphone-Modelle in immer kürzeren Abständen auf den Markt, von denen aber kaum noch eines einen echten "Haben-wollen"-Reiz auf die Käufer ausübte. Nach ersten Tests kann man sagen: Die Neuorientierung ist gelungen. Aber für Freudentänze ist es noch zu früh.

htc touch Diamond 2 Ansicht drei Seiten Galerie

HTC Touch Diamond 2 mit Sense-Oberfläche - ein Megaseller | (c) Hersteller

Was waren das noch für Zeiten, als man auf die Frage nach dem Handyfabrikat seines Hosentaschenlieblings "HTC" antwortete und verstörte Blicke erntete. Was anfangs nur wenigen Auserwählten bekannt war, mauserte sich zunehmend zum Geheimtipp unter den Smartphones und begann schließlich, auch auf dem Weltmarkt relevante Absatzzahlen zu erreichen. Das lag abgesehen vom Preis vor allem an der schicken 3D-Oberfläche, die damals noch nicht Sense, sondern TouchFlo hieß und das staubtrockene Windows Mobile endlich ansatzweise nutzerfreundlich gestaltete.

Während Windows Mobile langsam dahin starb, wandte sich HTC dann  Android zu und brachte zusammen mit Google das T-Mobile G1, das erste Smartphone mit dem neuen mobilen Betriebssystem auf den Markt. Mit den folgenden Android-Modellen konnte HTC auch hier mit der inzwischen längst in "Sense" umgetaufte Nutzeroberfläche Käufer begeistern, schließlich war Android jung und es gab jede Menge Verbesserungsbedarf. Doch der kontinuierliche Erfolg ging HTC offenbar nicht schnell genug, man wollte mehr. Mehr Modelle, mehr Bling-Bling und mehr Funktionen – irgendwann wurde das zu viel und als Resultat kamen immer austauschbarere Modelle auf den Markt, die grafisch immer anspruchsvollere Oberfläche wurde immer ressourcenhungriger und Versuche wie der Mehrwertdienst Sense.com sind inzwischen längst wieder im Orkus der Geschichte verschwunden. Geblieben sind bis vor wenigen Wochen nur die Backstein-dicken Handyklopper mit miefigem 90er-Jahre-Design – daran konnte auch die Style-Offensive mit Dr. Dre und seinen Beats-Kopfhörern nicht viel ändern.

HTC Sensation | (c) Hersteller

HTC Sensation. nicht hässlich, aber eher langweilig | (c) Hersteller

Doch damit sind wir nach der kleinen Geschichtsstunde wieder in der Gegenwart angelangt und hier tut sich so einiges. Sense als Nutzeroberfläche ist zum Glück geblieben und dabei besinnt man sich auf den neuen One-Modellen wieder auf das Wesentliche: Mehrwert für den Anwender. In Version 4.0 ist die Darstellung wieder schlanker und zurückhaltender und auch die Anforderungen an die Hardware wurden weiter gesenkt – ein guter Schritt in die richtige Richtung. Doch fast noch wichtiger ist das Design, das HTC bei den neuen One-Modellen S und X umgekrempelt hat, ohne den Geräten jedoch die Unverkennbarkeit der HTC-Formensprache zu nehmen. Kritiker könnten behaupten, dass die Modelle einfach endlich so dünn sind, wie Smartphones der Konkurrenz. Das reicht in Verbindung mit hochwertigen Materialien zumindest schon aus, um die beiden Modelle One X und S frisch und modern wirken zu lassen. Da macht es auch wieder Sinn, die Beats-Technologie in die flachen Flundern zu stecken, denn sie wirkt jetzt nicht mehr deplatziert wie eine Digitaluhr in einer Dampflock.

Und zudem ist HTC auch erstmals unter den Ersten, die absolute Highend-Technik in ihre Smartphones stopfen. So kommt das One X in Deutschland als erstes Handy überhaupt mit Quad-Core-Prozessor auf den Markt und das One S brilliert immerhin noch mit einem Dual-Core-Chip der neuesten Generation und einem Herstellungsverfahren für das Gehäuse, das bei Handys wegweisend ist.

HTC-Chef Peter Chou  | (c) PCmag

HTC-Chef Peter Chou | (c) PCmag

Grund für den frischen Wind, der beinahe schon ein halber Orkan ist, soll Firmenchef Peter Chou höchstselbst sein. Er gilt nicht als Theoretiker, sonder als Jeans-tragender Macher, der auch mal mit der Hand auf den Tisch haut und die Ingenieure zurück an das digitale Zeichenbrett schickt, wenn er mit einem Produkt nicht zufrieden ist. Und der auch selbst Ideen einbringt, statt nur mit Marketing-Modellen zu jonglieren. So geschehen bei den neuen One-Modellen. Gegen Ende letzten Jahres soll Chou Gerüchten, ja beinahe schon Legenden zufolge eine komplette Überarbeitung des Designs des One X gefordert haben, denn es sei zwar ganz nett gewesen, aber eben nicht außergewöhnlich genug. Oder man schaue sich etwa die beiden Onscreen-Auslösern für Foto und Video an – angeblich stammt diese Idee auch vom Chef persönlich. Da denkt man beinahe unwillkürlich an – der Vergleich sei erlaubt - einen asiatischen Steve Jobs.

Bei den neuen One-Modellen macht HTC also fast alles richtig und trotzdem soll das wie eingangs erwähnt noch kein Grund zum Jubeln sein? Richtig, denn es gibt noch Verbesserungsmöglichkeiten. Und die betreffen sowohl die One-Geräte, als auch die kommende Modellpalette. Nach dem ausführlichen Test von HTC One X und S kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass beide Modelle richtig gut sind, aber immer noch den einen oder anderen Raum für Verbesserung lassen. Das X wird unter Last einfach zu heiß – was ich schon beim neuen iPad bemängelte, trifft auf das Quad-Core-Handy fast genauso zu. Die Kamera ist zwar gut, aber so gut wie im Vorfeld versprochen definitiv nicht. Der Akku des One S ist auch nicht gerade ein Grund zur Freude, am meisten hat mich aber das Display des One S enttäuscht. Dabei ist es für sich gesehen gar nicht schlecht, aber im direkten Vergleich zum höher auflösenden und zusätzlich mit einer schärferen RGB-Matrix versehenen Touchscreen des One X wirkt es fast so unscharf, wie Angela Merkel neben einem Unterwäsche-Modell.

HTC OneS, V und X | (c) Hersteller

HTC OneS, V und X. Nimmt man die Geräte in die Hand, spürt man den Fortschritt am besten| (c) Hersteller

Auch Aussagen, man hätte keinen Speicherkarten-Einschub mehr in das One S einbauen können, weil das Gerät dann zu dick geworden wäre, klingen einfach zu sehr nach Ausrede. Samsung konnte beides mit dem Galaxy S2 schon vor einem Jahr unter einen Hut bringen, es geht also sehr wohl. Und bei dem Preis – so gut One X und One S auch sind – hätte man sich neben mehr Speicher(Erweiterungsmöglichkeit) auch ein Beats-Headset gewünscht. Vielleicht klappt das ja beim nächsten Modell.

Ein anderer Grund, warum HTC keinesfalls die Hände in den Schoß legen darf: Es gibt immer noch kein vernünftiges Tablet des taiwanischen Herstellers. Die Fähigkeiten hat das Unternehmen doch offensichtlich, aber wo bleibt etwa das schon seit gefühlten Ewigkeiten im Netz kursierende HTC Quattro? Wurde es im Laufe der letzten Umwälzungen etwa auch komplett überarbeitet? Damit kann ich gut leben, denn dann dürften wir uns ja auf Großartiges freuen: Etwa ein flaches, handliches Tablet mit scharfem Display, schnell auslösender Kamera, Beats-Audio, HTC Watch, Sense-Oberfläche und Android 4.0. Ach ja: Und endlich auch in Deutschland OnLive und das Ganze zu einem vernünftigen Preis - das wäre toll. Aber Hauptsache, HTC fällt nicht wieder in alte Fehler zurück. Dann klappt´s auch wieder mit den Gewinnen.

Themen: Smartphone, Smartphones, Smartphone-Markt
Quelle: Areamobile
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Kommentare
  1. 16.04.12 10:46 pixelflicker (GURU)

    Weltweit mag das stimmen. In den Entwicklungsländern ist das 1100 Top, das ist klar, aber bei uns benutzt das Ding so gut wie niemand (Außer Rentner vielleicht). Aber hier in Deutschland ist das wohl anders. Ich kenne jedenfalls 3 Sensation-Nutzer und 2 DesireS nutzer, aber keinen mit einem Wildfire.

    Generell ist es aber so, dass htc höher angesiedelt ist als Sony und auch einen besseren Ruf im Android-Lager hat und alleine deswegen schon seine Geräte teurer verkaufen kann. Bei Apple lässt ja auch keiner einen Preisvergleich mit der Konkurrenz gelten und damit hat man auch recht, denn die Voraussetzungen sind andere und daher kann Apple nun mal mehr verlangen als Andere, auch wenn die Hardware meist schlechter ist.

  2. 16.04.12 09:08 bocadillo (GURU)

    PF aber auch kleines.

    Ja...das Wildfire wird nmit Sicherheit mehr verkauft als PF das wahrhaben möchte.

    Nur ist SE mit seiner U200,- € Kalsse noch deutlich günstiger und dadurch mehr auf Masse aufgestellt.

    Ein Wildfire mit einem Xperia mini vergleichen ist nunmal was ganz anderes.

  3. 15.04.12 21:15 benthepen (Advanced Handy Master)

    PF

    Doch, das Wildfire verkauft sich tatsächlich mehr, als das Sensation z.b.
    Wundert dich das wirklich? Das ist doch nix neues und bei jeden anderen Hersteller so. Auch bei Samsung verkauft sich dass S5230 besser, als jedes andere Modell.

    Edit: Bei Nokia ist es das 1100, soweit ich weiß. das ist mit das billigste, was es gibt....
    Weltweit natürlich.

  4. 15.04.12 20:32 pixelflicker (GURU)

    > "Nur weil HTC die Klasse X schneller besetzt hat muss man einfach
    > warten bis SOny das Gegenstück dazu bringt!!!!!" [Kleinesgrünesmännchen]
    Und Sony bringt sowas?
    Es ist auch wichtig daran zu denken, dass diese Modelle jeweils als Spitzenmodell der Hersteller positioniert sind. htc muss sein zweitgrößtes Modell schon aus prinzip schlechter ausstatten als das Spitzenmodell, sonst würde dieses ja keiner kaufen. Ist ja logisch.


    > "Wenn mir mein Opi 500,-- Euro schenkt und ich den Verkäufer frage
    > was es in der Preisklasse gibt wird er mir wohl One S und Xperia S vorschlagen.
    > Die Leistungen der beiden Geräte vergleiche ich dann und hier ist das Xperia vorne."
    Ja, da fahren wir eher auf einer Linie. Natürlich wird der Kunde das so entscheiden, aber man muss halt nun mal auch berücksichtigen, dass das eine Modell schon länger auf dem Markt ist. Wenn Samsung sein S3 bringt, dann ist das X auch schon länger da und wird (zumindest vor dem typischen Samsung-Preirutsch) günstiger sein, alleine, weil es schon länger da ist. In dieser Hinsicht kann man halt Elektronikprodukte nicht mit Autos vergleichen.
    Was würdest du denn von htc erwarten? Dass sie das S wie das X ausstatten? Oder das sie sich unter wert verkaufen und die Geräte billiger als die Konkurrenz machen?

    So oder so kann man das One S und das Xperia S relativ schlecht vergleichen. In den technischen Werten ist das Sony wohl besser, aber htc hat halt andere Qualitäten. Was der Kunde kauft muss er natürlich selbst entscheiden. Hier kann man bei Autos wieder gut vergleichen. Ein technisch vergleichbarer Toyota ist billiger als der Audi, dennoch gibt es Kunden die den Audi kaufen, sind die alle dämlich?


    > "Ach so, deshalb war das Wilfire/ wildfire S ja auch lange Zeit die meistverkaufte Geräteklasse ;-)) "
    htc verkauft mehr Wildfire als Desire/Sensation? Kann ich mir nicht vorstellen, wo hast du das her?
    htc ist anders Positioniert als Sony. Sony ist halt der Billig-Klasse stärker, da bekommst du viel für dein Geld. Ich würde auch ein Xperia Mini Pro kaufen, wenn ich in der Preisklasse schauen würde und kein Wildfire. Wenn ich aber ein besseres Gerät will, würde ich htc vorziehen.

  5. 13.04.12 15:23 Kleinesgrünesmännchen (Member)

    Ach so, deshalb war das Wilfire/ wildfire S ja auch lange Zeit die meistverkaufte Geräteklasse ;-))

  6. 13.04.12 15:19 bocadillo (GURU)

    "Warum verkauft dann HTC weniger Geräte in Deutschland als Sony Ericsson? "

    Vielleicht liegt das daran das HTC in der "Stückzahlkräftigen" 150,- € Klasse rund ums Xperia mini nicht vertreten ist ;-))

    Mich würde eher interessiern wieviel ARC verkauft wurden im Vergleich zu sensation und Co.

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