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NFC: Samsung Galaxy S3 könnte der Türöffner sein

Das Galaxy S3 ist nur eines von vielen neuen Handys, die mit NFC ausgestattet sind. Aber erstmals wird auch offensiv mit den Möglichkeiten geworben, die der neue Nahfunkstandard bietet. Wird NFC in diesem Jahr endlich durchstarten?

Dass die Zukunft NFC gehört, bestreitet niemand. Wann diese Zukunft allerdings beginnt, steht immer noch in den Sternen. Denn die Technologie, die den sicheren mobilen Datenaustausch über Distanzen von maximal 15 Zentimeter erlaubt, wird seit Jahren von Medien und Experten in den Himmel gelobt, ohne das irgendetwas passiert. Seit Nokia Mitte 2007 (!) das 6131 NFC in den Handel brachte, haben wir uns kaum über das Niveau von Piltoprojekten wie dem Handy-Ticketing des Rhein Main Verkehrsverbundes oder Touch&Travel bei der Deutschen Bahn hinaus bewegt. Eine Massentechnologie ist NFC noch immer nicht geworden – zumindest nicht in Europa.

LG Optimus Tag

NFC-Phone LG Optimus LTE Tag | (c) Hersteller

In Japan sieht das ganz anders aus, hier sind bereits mehr als 50 Millionen NFC-Handys im Umlauf. In vielen Restaurants und Läden genügt es zu signalisieren, dass man mit dem Handy bezahlen möchte – das dafür erforderliche portable Terminal steht entweder neben der Kasse oder wird von einem Mitarbeiter gebracht. Mann muss sein Smartphone nur für 2 bis 3 Sekunden daran halten, bis es piept, dann wird der Betrag vom Bankkonto abgebucht oder vom Mobilfunkbetreiber verrechnet.

Über das Thema Sicherheit sollte man sich dabei keine zu großen Sorgen machen. Weil der Funkstandard nur bis 15 Zentimeter weit reicht, ist es nahzu unmöglich, das Gerät aus der Ferne zu knacken. Und selbst wenn das Smartphone verloren geht, gibt man damit nicht gleich die Kontrolle über die Geldbörse aus der Hand. Das Abbuchen größerer Beträge (üblicherweise ab 15 Euro/Dollar) ist wie bei einer EC-Karte über eine PIN gesichert. Es lassen sich sogar Schutzmechanismen einbauen, die über das hinausgehen, was eine EC-Karte kann, etwa die Einforderung eines Kontrollcodes in bestimmten zeitlichen Abständen. Auch wenn viele Menschen es immer noch kaum glauben werden: NFC ist sicherer als Kredit- und EC-Karten, sogar sicherer als Bargeld. Denn wenn das Portemonnaie mit 200 Euro geklaut wird, ist das Geld weg, während man beim NFC-Smartphone erst mal den Code knacken muss.

Die Möglichkeiten von NFC gehen aber weit über das mobile Bezahlen hinaus. In Museen oder vor touristischen Sehenswürdigkeiten platzierte NFC-Markierungen können Informationen übertragen, entweder in Textform oder als Video, so dass man nur das Handy darüber ziehen muss, um die Geschichte des Gebäudes oder mehr über das Kunstwerk zu erfahren.

Mit diesen sogenannten NFC-Tags lassen sich sogar Smartphone-Funktionen ansteuern. Sony legt seinem aktuellen Flaggschiff-Modell Xperia S zwei NFC-Tags bei, die der Nutzer frei programmieren kann, etwa um die Display-Beleuchtung zu dimmen oder die Navi-Anwendung zu starten. Praktisch, wenn man ins Auto steigt und sein Smartphone nur noch über den Tag ziehen muss, den man irgendwo unauffällig angeklebt hat.

Samsung Galaxy S3 Software | (c) Hersteller, Areamobile

Samsung S-Beam: NFC-Feature des Galaxy S3 | (c) Hersteller

Das Anwendungsszenario ist schier unendlich – aber nur wenn man die Technologie sinnvoll einsetzt und kombiniert. Die Berührung eines Kinoplakates reicht im Idealfall nicht nur aus, um einen Filmtrailer abzurufen, sondern leitet auch gleich die Kinokarten-Bestellung in die Wege. Und um das Kino zu betreten, genügt es, das Handy am Einlass übers Lesegerät zu halten. Diese schöne neue Welt kann aber nur Realitiät werden, wenn viele Unternehmen an einem Strang ziehen und kooperieren. Alleingänge sind zum Scheitern verurteilt, wie das Beispiel Nokia zeigt. Bereits vor 4 Jahren hat der finnische Handyriese versucht, NFC in den Markt zu drücken, vor allem mit dem bereits erwähnten 6131.

Erst nach langem Zögern sind andere Unternehmen gefolgt. Alle Flaggschiff-Modelle der 2012er-Generation (HTC One X, Sony Xperia S, LG Optimus LTE Tag, das Google-Handy Galaxy Nexus) sind mit einem NFC-Chip ausgestattet und Google hat NFC-Dienste sogar in das Android-System integriert (Wallet und Beam). Samsung wirbt bei seinem Superphone Galaxy S3 ganz aktiv mit einem NFC-Feature (S-Beam), das auf dem Google-Dienst aufsetzt.

Trotzdem dürfte die Technik in Europa auch weiterhin nur langsam vorwärts kommen. Die Gründe dafür sind vielschichtig:

  • Erst wenn NFC auch im mittleren und unteren Smartphone-Segment zum Ausstattungsstandard wird, hat NFC einen so großen Verbreitungsgrad erreicht, dass die Unterstützung auch für den Einzelhandel und Banken attraktiv wird.
  • Es ist relativ einfach und kostengünstig, einen NFC-Chip in Smartphones zu pflanzen. Viel schwerer wird es sein, die für eine sinnvolle Nutzung erforderliche Infrastruktur aufzubauen, etwa die Kassensysteme im Einzelhandel umzustellen und die Bankautomaten mit entsprechenden Lesegeräten auszustatten.
  • Auf Verbraucherseite fehlt nach wie vor die Akzeptanz für digitale Bezahlmethoden. Vor allem in Deutschland ist die Skepsis gegenüber Kreditkarten und Diensten wie PayPal nach wie vor groß.

Samsung Galaxy S3 als Türöffner

nfc visa

Screenshot aus einem Werbespot von Visa, der während der Olympischen Spiele ausgestrahlt wird: London wird NFC-Modellstadt. / (c) Anbieter

Vor allem der letzte Punkt ist der entscheidende Faktor. Denn nur wenn der Kunde NFC nachfragt, werden die Unternehmen bereit sein, breit in die erforderliche Infrastruktur zu investieren. Dem Galaxy S3 könnte hier eine Schlüsselrolle als Türöffner zukommen. Denn Hersteller Samsung ist neben dem Kreditkartenanbieter Visa einer der Hauptsponsoren der diesjährigen Olympischen Sommerspiele in London und wird das Smartphone massiv bewerben – zusammen mit dem NFC-Feature S-Beam. Außerdem haben beide Unternehmen große Summen investiert, um ein komplettes NFC-Ökosystem in der britischen Hauptstadt auzubauen: Über 3.000 entsprechende Terminals werden in der City zur Verfügung stehen, um Bustickets zu kaufen oder Souvenirs zu bezahlen. London wird in diesem Sommer eine der Modellstädte für NFC in Europa und es bleibt zu hoffen, dass sich nicht nur die Besucher, sondern auch die Fernsehzuschauer von den neuen Möglichkeiten begeistern lassen. 2012 könnte NFC endlich den Durchbruch in Europa schaffen.

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Kommentare
  1. 06.06.12 13:23 thahoodz (Member)

    den code vom nfc zu knacken ist easy wie eine hochgesichertes wlan zu entschlüsseln.

    alles was irgendwie programmierbar ist oder elektronisch wurde doch immer ausgetrickst.

    ich zahle lieber bar oder mit karte. ich bin zwar auch onlinezahler, hier kann man zwar auch easy an die bankdaten kommen, aber wer aufpasst dem passiert in der regel auch nichts. die nfc bezahlung müsste mit dem fingerabdruck zuzüglich eines codes bestätigt werden. wenn es immer leichter wird zu zahlen, werden die gauner es immer leichter haben, trotz verschlüsselungen leider.

  2. 29.05.12 12:16 Der C (Youngster)
    EC mit verkratzem Magnetstreifen ist sicherer

    Eine EC mit verkratztem Magnetstreifen erlaubt einem nur und ausschließlich per PIN zu zahlen und dies recht Sicher. Die Karte reagiert halt nicht per RFID oder NFC. Somit kann diese eben nicht, wie bei z.B. neuen Perso von Distanzen von über einem Meter ausgelesen werden. Da gibt es schon genug Artikel zu und auch wie man dies verhindert.

    Das x mal 15 EUR abgebucht werden kann bei NFC und somit binnen Sekunden das Tages- oder Monats-Limit ausgereizt werden könnte, ist für mich ein Grund gegen dieses Bezahlsystem, solange man das nicht 100% Sicher einschränken kann. Fraglich ist auch ob die Kreditinstitute auch dort die Haftung übernehmen wenn binnen Stunden (bzw. "sofort") der Diebstahl gemeldet wird.

    Das hier eine Handy-PIN bzw. wohl eher ein Lock-Screen als sicher beschrieben wird, sollte dem aufmerksamen Leser zu denken geben. Das scheint aus einer PR-Meldung oder einem anderen Artikel zu stammen, weil es keiner kritischen Überprufung nahezu aller Handy-OS-Versionen und Lock-Screens standhält.

  3. 28.05.12 22:05 Schandmauler (Member)

    @ M.a.K.

    Die neuen EC-Karten, die "bald" kommen werden, haben auch eine NFC ähnliche Funktion und werden Beträge bis 20 Euro ohne PIN bezahlen.
    Zum Glück blockiert das nicht jeder so extrem aus Angst ausspioniert oder beklaut zu werden.
    Immerhin kostet es dich lediglich einen Anruf die Karte sperren zu lassen. In der Zeit bis zur Sperrung werden deine Verluste überschaubar sein und du wirst mehr an die Ämter bezahlen müssen für die Neubeantragung all deiner Papiere mehr bezhalen müssen, als alle anderen Verluste. Deine Belege solltest du sowieso aufheben. Du hast ohne schließlich weder Garantie- oder sonstige Gewähransprüche. Die Nachteile in NFC sind einzig und allein die noch nicht vorhandene Infrstrauktur und das NFC bisher nur in HighEndProdukten verfügar ist.

  4. 28.05.12 16:38 M.a.K (Expert Handy Profi)

    "Das Abbuchen größerer Beträge (üblicherweise ab 15 Euro/Dollar) ist wie bei einer EC-Karte über eine PIN gesichert"

    Was einen ja nicht daran hindert in 20 verschiedene Geschäfte zu gehen und überall nur 1-2 Schachteln Zigaretten zu kaufen :)

  5. 28.05.12 15:22 Ponyslayer (Advanced Member)

    @ SiddiusBlack

    Bevor man das Wort unmöglich zu knacken in den Mund nimmt, sollte man Jailbreak, Rootkits und Trojaner sagen. Nichts ist unmöglich zu Knacken. Wer dein Handy hat kann dieses mit jeder Software bespielen, die ihm so in den Sinn kommt.

  6. 28.05.12 14:15 SiddiusBlack (Member)
    @AF-Speed

    @AF-Speed
    Keine Ahnung ob du mit den 500+ Euro den Preis des Smartphones meinst oder die Möglichkeit damit was abzubuchen, in beiden Fällen denkst du nicht zu ende.

    Smartphone: Kauft man sowieso, wenns verloren geht ist es Dummheit.

    Illegale Abbuchung bei Verlust: Faktisch unmöglich. Denn erstmal muss jemand den Pincode knacken, die Chance das einer der so was kann dein Smartphone findet liegt ungefähr so hoch wie die Chance 6 richtige im Lotto zu haben. Alternativ kann man das sogar noch mehr absichern als nur mit einem Pincode, dann ist es quasi unmöglich zu knacken. Und selbst wenn, bis dahin hast du den Verlust bemerkt und NFC schon gesperrt.

    Wie dem auch sei: Wenn dir die Geldbörse verloren geht inkl Bankkarte oder vielleicht sogar Kreditkarte hast du in jedem Fall den größeren und auch gefährlicheren Verlust.

    NFC soll sich endlich durchsetzen, dass wäre wirklich klasse!

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