Die Hersteller von Smartphones haben sich längst von Hardware-Produzenten in Dienste-Anbieter verwandelt. Bei dieser Entwicklung haben alle verloren und Macht abgeben müssen, weil sie viel zu träge agiert haben. Nur Apple hat alles richtig gemacht. Ein Kommentar.
Die Software macht den Unterschied, exemplarisch dafür steht die Präsentation des Galaxy S3 in London. Natürlich wurden das großartige Display und der Vierkern-Prozessor herausgehoben, aber den Großteil der Zeit wandte Samsung dafür auf, die Dienste und Software-Extras zu erklären, die das Smartphone zu einem intelligenten Assistenten machen sollen, der unser Verhalten beobachtet und automatisch darauf reagiert.
Ob die Software das Galaxy S3 in ein "neues Konzept von einem Smartphone" (Samsung) verwandeln, sei an dieser Stelle dahingestellt. Entscheidend ist vielmehr, dass noch nie zuvor so viel von Software die Rede war, wenn ein neues Telefon vorgestellt wurde, abgesehen natürlich von Apple-Präsentationen. Der iPhone-Hersteller hat schon immer einen Schwerpunkt auf Bedienung und Dienste gelegt – und sich in den letzten Jahren zu den wertvollsten Unternehmen der Welt entwickelt. Natürlich ist dieser Fokus nicht der einzige Grund für den beispiellosen Erfolg, aber der Zusammenhang ist zu offensichtlich, um Zufall zu sein.
In diesem Kontext wird man vielleicht irgendwann die Erfindung von iTunes und AppStore höher einschätzen als iPhone und iPad. Denn nur die gigantischen Umsätze mit Musik, Filmen und Apps machen Apple zu der Milliardenmaschine, die einen Börsenrekord nach dem anderen knackt. Das iPhone ist nur das Medium, das die Inhalte zum Kunden trägt.
So ähnlich muss auch Stephen Elop gedacht haben, als er Anfang 2012 den "Krieg der Ökosysteme" ausrief. Er versucht gerade den taumelnden Handy-Riesen Nokia mit Hilfe eines solchen Ökosystems in die Erfolgsspur zurückzuführen. Der Name: Windows Phone.
Das Beispiel Nokia zeigt, wie schwer es den Hardware-Herstellern fällt, in diesem neuen Kampf der Ökosysteme erfolgreich zu sein. Das Unternehmen musste seine in jahrelanger Arbeit entwickelte Software- und die meisten Dienste von einem Tag auf den anderen über Bord werfen, nur um sich auf Gedeih und Verderb in die Abhängigkeit von Microsoft zu begeben. Eine solche Kröte schluckt man nur, wenn man kurz davor ist, den "Krieg der Ökosysteme" zu verlieren, weil man sich in eine aussichtslose Lage manövriert hat.
Welch hohen Preis Nokia für seine Fehlentscheidungen zahlen musste, wird deutlich, wenn man Produktmanger danach fragt, warum das neue Flaggschiff Lumia 900, das gerade in die Handy-Shops wandert, keinen Dual-Core-Prozessor hat. Neben dem üblichen Marketing-Geschwurbel von der optimal auf die Software abgestimmten Hardware fällt auch irgendwann der Satz: "Wir könnten ja, aber da muss Microsoft erst das System entsprechend anpassen."
Und das ist nur eine von vielen Fußfesseln. Der App-Store von Windows Phone? Wird von Microsoft verwaltet. Musik und Filme? Microsoft hat die Verträge gemacht und bestimmt die Verkaufskonditionen. Nokia darf nicht einmal die Systemoberfläche anpassen.
Die Android-Hersteller, allen voran Samsung, scheinen es da besser zu haben. Aber nur auf den ersten Blick. Sie können die Oberfläche anpassen und das System tiefgreifend modifizieren und ihm so ihren Stempel aufdrücken – aber das ändert nichts an der Tatsache, dass sie Google gerade dabei helfen, im mobilen Internet eine genauso große Vormachtstellung zu erringen wie im stationären Netz. Für Filme und Musik müssen sie mit Drittdienstleistern zusammenarbeiten, weil sie alleine zu klein sind, akzeptable Verträge mit den großen Labels und Filmstudios auszuarbeiten. Und im App-Store haben sie auch nichts zu sagen.
Sie versuchen, es sich in dem engen Rahmen bequem zu machen, den Google ihnen lässt. HTC arbeitet mit dem Kopfhörer-Spezialisten Beats zusammen und stattet seine Smartphones mit besonderen Musikfunktionen aus. Samsung versucht, Apples Sprachassistenten Siri zu klonen, und sorgt obendrein dafür, dass alle Smartphone mit den selbst produzierten Fernsehern und Enterntainment-Geräten kommunizieren. Aber der große Wurf, das große Ganze fehlt allen.
Natürlich könnte ein Hersteller einfach versuchen, Google links liegen zu lassen und ein eigenes Ökosystem zu etablieren, bestehend aus Betriebssystem, App-Store und Store für Musik und Filme. Aber warum ein Risiko eingehen, wenn sich mit Android noch genug Geld verdienen lässt? Man könnte auch zurück fragen: Was ist so schlecht daran, wenn mehrere Unternehmen von einem mobilen Ökosystem profitieren?
Die Antwort lautet: nichts. Aber der Blick zurück zeigt doch: Vor fünf Jahren sind alle mit den gleichen Voraussetzungen in die schöne neue Smartphone-Zukunft gestartet, die sich damals abzuzeichnen begann. Die Möglichkeiten optimal genutzt hat mit Apple aber nur ein einziges Unternehmen, das zudem noch neu in den Mobilfunksektor eingestiegen ist. Alle anderen haben versagt – das sollte sich auch ein Samsung in Erinnerung rufen, wenn es mal wieder einen Galaxy-Verkaufsrekord feiert und dabei verschweigt, das ein dickes Stück vom Kuchen nach Mountain View in die Google-Zentrale geht.
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Du bist nicht dabei?@ chief
klar machen die business, nicht nur mit win8...
Wie Sie alle auf Windows8 das auf Intel Tablets läuft warten.
Versprecht euch nicht zuviel. Microsoft ist kein Roteskreuz das Spenden sammelt. Die machen knallhartes Business.
Hier werden noch einige das große Heulen anfangen, wenn es nicht so wird wie Sie es sich erhoffen oder man hört gar nichts mehr von ihnen ;)
danke,
würde bedeuten ein i7 ist etwa 500 mal so schnell wie ein die schnellste handy CPU. echt 500 mal? wie siehts bei den grafikbeschleunigern aus? hatte eigentlich mit einem deutlich geringeren leistungsunterschied gerechnet.
"also würde schon mal gerne wissen wie z.b. der S3 oder Ipad-beschleuniger gegen einen desktop abschneiden. von der auflösung sind handies und laptops ja schon ähnlich"
Der Qualcomm S4 kommt auf ca. 220 Mflops. Ein aktueller i7 auf 140 Gflops. Ich denke das sagt alles...
Aber man vergleicht hier halt Birnen mit Äpfeln.
> der computer wie wir ihn kennen wird irgenwann geschichte sein
Guck, das sehe ich nicht so extrem. Das Auto hat zwar das Pferd aus vielen Bereichen heraus gedrängt aber ich habe gestern noch welche IRL gesehen. ;) Stationäre Rechner mit (mehreren) großen Bildschirmen (evtl. als AIO) wird es immer geben – oder willst du prof. CAD/CAM oder auf einem Tablet machen (selbst, wenn darauf Windows läuft). Aber das sind natürlich spezielle Anwendungen. Aber auch die Sekretärin, die noch lange Jahre viel tippen darf (bis endlich Spracherkennung fehlerfrei funktioniert und auch Satzzeichen automatisch setzt und das eine oder andere umformuliert), wird mit einem stationären Gerät mit mattem 22"-Schirm und ergonomischer Tastatur besser beraten sein. Aber viele jetzige Computer lassen sich bestens durch Tablets ersetzen, vor allem die Privaten (eh der größere Markt) aber eben auch Firmenrechner, z.B. im Management, Außendienst, Beratung, Steuerung, Analyse, Forschung & Lehre, Verkauf/Marketing, Lager ....
> ich denke MS hat verstanden, dass Apple eine Tür aufgestoßen hat zu einer neuen arbeitsweise, zu einem formfaktor.
Meines Erachtens haben sie es, wie so oft, nur halb verstanden (wie auch seinerzeit beim iPhone und beim iPod). It's all about the software! Das iPad ist nicht nur erfolgreich wegen seines Formfaktors (dünn, leicht, Laufzeit ...), sondern eben auch, weil es (dank iOS) einfach zu bedienen ist. Apple hatte damals die Wahl: Sie hätten auch versuchen können, ein etwas finger-optimierteres OSX auf das Tablet zu packen (wurde ja zuerst sogar gemunkelt) aber ich denke, iOS war nicht nur die einfachere Wahl, sondern sogar der Erfolgsbringer. Man hat auf einem iPad ein nahezu wartungs- und virenfreies OS (nicht zu vergleichen mit Windows), dass jeder 90-jährige Opa und jedes 3-jährige Kind versteht und das quasi automatisch gebackupt wird (entweder über iTunes oder iCloud) und dass auf einen (wenn auch anfangs nicht auf das Display optimierten) großen Katalog finger-bedienbarer Apps zugreifen konnte.
> ich freue mich auf win8 und werde über kurz oder lang mein laptop durch ein modulares system ersetzen.
Dann freue ich mich mit dir, dass du dein zukünftiges System gefunden hast. Mir persönlich wäre ein 10"-Notebook zu klein bzw. ein 15"-Tablet zu wuchtig. Und die App-Versorgung wäre mir wahrscheinlich die ersten 2 – 5 Jahre zu klein. Von daher ist so ein Hybride keine Option für mich.
> Außerdem lässt sich der iTunes-Store, Appstore, Playstore und der Marketplace wunderbar mit "Prepaidkreditkarten" nutzen, die oft deutlich geringere Nebenkosten aufweisen als eine Herkömliche.
Wie verbreitet sind denn diese Prepaidkarten? bekomme ich die auch im Supermarkt, wie die iTunes/Ikea/Amazon/Douglas-Guthabenkarten? Kann ich die verschenken? Bekomme ich da womöglich auch mal 20% Ermäßigung?
"würde bedeuten ein i7 ist etwa 500 mal so schnell wie ein die schnellste handy CPU. echt 500 mal? wie siehts bei den grafikbeschleunigern aus?"
Die Flops geben quasi die komplette Leistungsfähigkeit des Systems an.
Während ein Smartphone also 220 Millionen Gleitkommaoperationen pro Sekunde berechnet macht ein Desktop PC in der gleichen Zeit 140 Milliarden. Also ca. 630 mal mehr.
Was meinst du genau mit Grafikbeschleunigern?