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Editorial: Microsoft holt zum Rundumschlag aus

Mit Surface geht Microsoft in die Tiefe - die Tablets sind Teil eines umfassenderen Angriffs des Redmonder Software-Entwicklers. Mit seinen überarbeiteten Plattformen für mobile Endgeräte bläst Microsoft endgültig zur Aufholjagd auf Apple und Android.

Was haben wir in der vergangenen Woche erlebt? Microsoft hat zwei eigene Tablet-Modelle vorgestellt, die unter der neuen Betriebssystemversion Windows 8 laufen, und dann einen Einblick in einige neue Features von Windows Phone 8 gegeben. Areamobile hat die Neuerungen ausführlich beschrieben, von den Eigenschaften der Surface-Tablets für die Intel- und die ARM-Plattform über die ersten neuen Features der Smartphone-Betriebssystems Windows Phone 8 bis hin zu den Upgrade-Möglichkeiten für die aktuell erhältlichen Windows Phones mit der OS-Version 7.5. Lösgelöst von den technischen Details bedeutet dies: Microsoft stellt die Weichen, um das Überleben seiner Software zu sichern. Dazu bringt das Unternehmen Smartphones und Tablets näher an PCs und Laptops heran.

Windows Phone 8 Preview | (c) Microsoft / Areamobile

Windows Phone 8 Preview | (c) Microsoft / Areamobile

Microsoft kann mit dem PC-Pfund wuchern

Das klingt in Zeiten von iOS, Android Ice Cream Sandwich und bald auch Blackberry 10 wenig spektakulär, ist aber essenziell, um in den kommenden Jahren eine Rolle auf dem Mobile-Computing- oder auch Post-PC-Markt zu spielen. Microsoft hat dabei einen Trumpf in der Hinterhand: Windows ist das meistgenutzte PC-System weltweit, laut Microsoft läuft es auf rund 1,3 Milliarden Rechnern - vom einfachen Haushalt bis hin zum großen Unternehmen. Wenn es Microsoft gelingt, diesen bestehenden Windows-Nutzern zu zeigen, dass sie die gleiche User Experience auch auf mobilen Endgeräten wie Tablet und Smartphone erleben können, dann dürfte dies den Redmondern endlich die ersehnten Zuwächse von Marktanteilen im Mobilbereich bescheren.

Der Kernel von Windows Phone 8 für Smartphones, also das Herz des Betriebssystems, ist der gleiche wie der von Windows 8 für den PC. Dadurch will Microsoft dem wichtigen, aber bislang schwächelnden App-Bereich mehr Dynamik verleihen: Anwendungen auf Smartphones und Tablets werden mehr den PC-Pendants gleichen, Entwickler können künftig mit deutlich weniger Aufwand Apps für alle Gerätetypen kreieren. Und Microsoft bessert zusätzlich bei den Hardware-Spezifikationen nach und sorgt für mehr Vielfalt im Smartphone-Bereich: Die neuen Windows Phones werden endlich Multi-Core-Prozessoren, verschiedene Display-Auflösungen, wechselbare Speicherkarten, NFC und besseres Multitasking unterstützen. Dazu kommt eine ganze Reihe an Enterprise-Funktionen, die Windows Phones ebenso wie die Windows-8-Tablets interessant für (zahlungskräftige) Unternehmen machen. Microsoft macht sich damit für eine wesentlich breitere Zielgruppe als bisher interessant.

Windows Phone macht sich breit

Windows Phone 8 ist die zweite große Zäsur auf der knapp 18 Monate alten Smartphone-Plattform von Microsoft, nachdem der Software-Entwickler mit dem Refresh-Update bereits die Hardware-Anforderungen für Windows Phones nach unten hin erweitert hat. Da Windows Phone 8 deutlich höhere Hardware-Anforderungen als Windows Phone 7 hat, wird es kein Update für die derzeit im Handel erhältlichen Windows Phones geben. Damit stößt Microsoft einige der bisherigen Nutzer eines Windows Phones vor den Kopf, und wer vor Monaten aus Wertschätzung von Nokia-Smartphones von Symbian auf Windows Phone gewechselt war, könnte richtig verärgert sein. Dass nicht alle zu einem früheren Zeitpunkt auf den Markt gekommenen Geräte mit der neuen Betriebssystemversion bedacht werden, ist aber bei Weiterentwicklungen unumgänglich und erleben auch Nutzer des iPhone oder von Android-Geräten. Nicht wenige Nutzer werden es aber auch verschmerzen können, nicht das neueste Microsoft-OS auf ihrem Windows Phone laufen zu haben, denn Windows Phone 7 hat sich als flüssig laufend erwiesen.

Dass Microsoft - das Feature-Pack für das Samsung Galaxy S lässt grüßen - mit dem Windows Phone 7.8 benannten Software-Update zumindest einen Teil der Features von Windows Phone 8 für aktuelle Windows Phones bereitstellen möchte, ist als Geste des guten Willens an Nutzer und wohl auch an den Partner Nokia zu verstehen - die Finnen bringen schließlich gerade ihr erstes Highend-Smartphone Lumia 900 mit Windows Phone 7.5 außerhalb der USA in den Handel. Es bleibt abzuwarten, was das Feature-Pack für Windows Phone 7.5 neben dem neuen Homescreen von Windows Phone 8 tatsächlich zu bieten haben wird. Windows Phone 7 soll dagegen als OS-Variante für Einsteiger-Smartphones in Schwellenländern vorerst weitergepflegt werden.

Surface: Die Messlatte für andere Windows-8-Tablets

Auch im Tablet-Bereich macht sich Microsoft mit seinem Vorgehen nicht nur Freunde. Mit den Surface genannten Tablet-Modellen und den cleveren Cover-Tastaturen wird der Konzern aus Redmond mal wieder einen Versuch mit Hardware aus dem eigenen Hause wagen. Ob es sich dabei um Referenzgeräte à la Galaxy Nexus oder das kommende Nexus-Tablet handeln wird, mit denen das Potenzial der Plattform demonstriert werden soll, und/oder ob dies ein Beleg dafür ist, dass Microsoft das Vertrauen in die Kreativität und Innovationskraft der OEM-Partner verloren hat, ist nicht bekannt. Offenbar will Microsoft aber - anders als bei ersten Tablet-Versuchen - diesmal kein Risiko eingehen und die Kontrolle über Software und Hardware behalten, um beides möglichst genau aufeinander abzustimmen. Die Surface-Tablets bilden so auf jeden Fall die Messlatte für Windows-8-Tablets anderer Hersteller.

Microsoft wird aber mit seinen Surface-Tablets den OEM-Partnern kaum das Wasser abgraben, denn die Microsoft-Tablets sollen nur in den Shops des Herstellers erhältlich sein, und die Redmonder müssen auch nicht befürchten, dass sie durch Eigen-Produktion und -Vertrieb der Surface-Tablets bisherige Partner verprellen. Ist die Plattform erfolgreich, werden andere Hersteller daran teilhaben wollen - nur darauf kommt es an. Und das Verhalten des Konkurrenten Google könnte Microsoft weitere Partner in die Arme treiben, zum Beispiel wenn es entgegen den bisherigen Aussagen doch eine Bevorzugung für den jüngst übernommenen Handy- und Tablet-Hersteller Motorola gibt. Der Weg in die Apple-Welt, dem anderen wichtigen und derzeit dominierenden Ökosystem - ist den Hardware-Herstellern ja verschlossen, das Blackberry-OS liegt dagegen derzeit am Boden.

Fazit

Mit Windows 8 und Windows Phone 8 sowie den hochwertigen Surface-Tablets rücken die Remonder die Smartphone- und Tablet-Nutzung näher an die des PCs heran und schließen selbst zu Apple und Google auf. Einiges haben sie sich dabei von den Konkurrenten abgeguckt und eigentlich bieten sie nichts wirklich Neues. Microsoft hat dennoch in den kommenden Monaten auch noch ein hartes Stück Arbeit vor sich: Es muss reibungslos funktionierende Geräte in den Handel bringen, die richtigen Preispunkte setzen sowie sein angestaubtes Image abschütteln und die Anwender von der Attraktivität der Systeme und Geräte überzeugen. Wir sind gespannt, was demnächst Apple mit dem iPhone 5 und Google mit dem Nexus 7 und Android 4.1 Jelly Bean vorlegen.

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Kommentare
  1. 27.06.12 14:07 NewPhone (Expert Handy Profi)

    > Das ist schlichtweg FALSCH!

    Ich glaube, ihr redet aneinander vorbei. Man kann, soweit ich weiß, auf Win RT zwar Office laufen lassen – aber es ist eben keine Metro-App (d.h. sie verwendet keine oder nicht ausschließlich Metro-APIs). Natürlich kann man Office über Metro-Kacheln starten (das geht auf Win8 Pro ja auch, dass man klassische Desktop-Apps über Metro-Kacheln starten kann – ist ja nur eine Verknüpfung) aber das sagt nichts über die verwendeten APIs aus. Metro-Apps haben z.B. keine Fenster und alle Elemente sind groß genug, um per Finger bedient zu werden. Das ist bei Office einfach nicht der Fall – und für genau diesen Zweck hat MS überhaupt eine Art Not-Desktop in Win RT integriert, den aber nur Microsoft-Apps nutzen dürfen: Dieser Not-Desktop existiert im Prinzip nur für Office, weil es Office (noch) nicht als Metro App gibt.

    Sollte ich mich in meinen Ausführungen geirrt haben, so möge man mich bitte korrigieren.

  2. 27.06.12 13:58 Gorki (Handy Master)

    "winrt hat zwar ms Office, jedoch muss dafür extra der Desktop gestartet werden.
    Auf Metro gibt es kein Office, auch nicht auf Windows Phone."

    --> Das ist schlichtweg FALSCH! Metro ist frei konfigurierbar und die Officeanwendung kann so platziert werden, wie man es wünscht oder wie es bei Windows Phone schon immer war.

  3. 27.06.12 13:14 cupmic

    Und wo ist dann das Problem wenn ich auf den Desktop wechseln muss? Tastatur-Cover dran und zack wird aus meinem Tablet ein Netbook, auf dem ich komfortabel meine Officegeschichten erledigen kann. Denn sind wir mal ehrlich, keiner wird große Textverarbeitungen oder Tabellenkalkulationen nur mit einer Bildschirmtastatur durchführen. Zum Chatten mag die Tastatur meines iPad's vll noch ausreichen aber ein Worddokument möchte ich damit nicht bearbeiten.

    Also gut dann schafft sich der Haushalt eben ein neues Tablet an. Und was liegt da näher, als ein Surface o.ä. anzuschaffen, auf dem ich volle Windowsfunktionalität hab?! Merkste wat?

    Microsoft hat Ihnen den Krieg erklärt? Wo denn? Die Surfacetablets werden in keinem!!! Laden neben W8-Tablets von Asus, Acer etc stehen! Somit ist damit wohl auch keine direkte Konkurrenz gegeben. Oder hat Google den Herstellern mit seinen Nexus-Phones etwa den Krieg erklärt?!

    Windows hat einfach quasi eine Monopolmacht im Desktopbereich und da wird auch ein Ubuntu und Co nix ändern. Dazu ist deren Marktmacht, Verbreitung und das dazugehörige Ökosystem einfach zu klein und unbekannt.

  4. 26.06.12 19:05 handyhacho (Advanced Handy Profi)

    winrt hat zwar ms Office, jedoch muss dafür extra der Desktop gestartet werden.
    Auf Metro gibt es kein Office, auch nicht auf Windows Phone.
    Alle drei Jahre ein neuer PC? Glaube ich nicht. Heute kaufen die Leute eher ein neues Tablet, der Rechner zu Hause tut es dann ja meistens doch noch.
    Interessant wird es auch, wenn die OEMs Rechner mit Ubuntu 150 Eure günstiger verkaufen als mit Windows, wie Dell das z.B. In Asien heute schon macht.
    Und die OEMs haben allen Grund zu solchen Experimenten, schließlich hat Microsoft ihnen den Krieg erklärt.
    Ebenso im Firmen Umfeld, SuSE und RedHat steigern von Jahr zu Jahr die Gewinne...
    Möglicherweise haben viele Kunden auch schlicht kein Interesse an Metro, das würde Ubuntu und Co ebenfalls in die Hände spielen.
    Abwarten...

  5. 26.06.12 14:14 Noticed (Moderator)

    "Viel alte Hardware ist zu schwach für Win7, und kaum jemand wird ernsthaft seinen Rechner entsorgen wollen, nur um etwas neues mit auf dem Desktop völlig überflüssigen Kacheln zu kaufen."

    Der Rechner läuft dann eben mit XP weiter. Das wird noch bis 2014 weitersupportet. Und wer dann noch an seiner alten Hardware festhält, kann ja gerne auf Linux umschwenken. Diese Leute machen einen verschwindend geringen Anteil auf dem Markt aus.

  6. 26.06.12 13:52 cupmic

    @handyhacho
    Office ist sogar standardmäßig in Windows RT integriert ;-) Ist also sehr wohl für Metro erhältlich.

    Und du glaubst doch nicht allen ernstes, dass Linux in den nächsten 10 Jahren eine bedeutsamere Rolle als jetzt einnehmen wird? Zeig mir denjenigen, der wegen "veralteter" Hardware aus der Windows-Welt aussteigt und sich Linux zuwendet. 70% der "Normaluser" wissen doch nichtmal etwas mit dem Begriff Linux anzufangen. Und alle 3-4 Jahre wird doch sowieso mittlerweile ein neuer PC angeschafft.
    Und auf Unternehmensebene kannst du das ganze Spiel weitermachen... Es wird auch in Zukunft im PC-Sektor kein Weg an Windows und in kleinerem Rahmen an MacOS vorbeiführen.

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