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Quad- gegen Dual-Core: Tegra 3, Exynos 4412 und MSM8960 im Benchmark-Vergleich

Derzeit gibt es zahllose Chipsätze für mobile Endgeräte auf dem Markt, darunter fallen allerdings drei, die wohl zu den aktuell besten CPU-GPU-Kombinationen gehören: Nvidias Tegra 3, Exynos 4412 von Samsung und Qualcomm MSM8960. Wir wollten herausfinden, welcher Chip tatsächlich am leistungsstärksten ist, und haben alle drei auf den Benchmark-Parcours geschickt.

Quad-Core ist immer schneller als Dual-Core. Eine Binsenweisheit, die so weit verbreitet wie falsch ist. Denn allein die Tatsache, dass neben den beiden Vierkern-Chipsätzen Tegra 3 und Exynos 4412 mit dem S4-Snapdragon ein Dual-Core-Chip in unserem Vergleich dabei ist, zeigt, dass zwei Kerne sehr wohl mindestens genauso leistungsstark sein können, wie vier. Denn es kommt wie so oft nicht auf die Zahl der Kerne an, sondern auch, was in ihnen steckt. Eher noch ist das Alter ein Hinweis auf die Leistungsfähigkeit eines Prozessors - wenn auch eher ein Indiz, als ein Beweis. Das zeigt der inzwischen seit einem Dreivierteljahr auf dem Markt befindliche Tegra 3 sehr schön. Mit seinen vier Kernen (plus Companion-Core) und seiner ULP-Geforce-GPU mit 12 Kernen war er Anfang des Jahres noch das Nonplusultra, inzwischen hat die Konkurrenz aber kräftig aufgeholt. So stark sogar, dass sich inzwischen eben auch ein Chip mit nur zwei Kernen mindestens auf Augenhöhe befindet. Oder leistet er inzwischen sogar schon mehr?

Samsung Galaxy S3 Unboxing | (c) Areamobile

Die drei Testkandidaten: Samsung Galaxy S3...

HTC One X Unboxing | (c) Areamobile

...HTC One X und...

HTC One XL Unboxing | (c) Areamobile

...HTC One XL | (c) Areamobile

 

Der Test-Parcours

Diese Frage beantwortet jeder Benchmark anders. Natürlich sind diese Testprogramme ohnehin immer nur bedingt zu gebrauchen, wenn man wissen will, wie sich ein Gerät tatsächlich im Alltag verhält. Und natürlich kommt es neben der Hardware auch auf die Software an - ohne angepasste Treiber nutzt auch die stärkste Hardware nichts. Den letzten Punkt konnten wir in unseren Testdurchläufen nicht ganz ausschalten, aber wir haben ihn so weit wie möglich minimiert, indem unsere Testgeräte mit der neuesten Firmware und Android 4 ausgestattet waren. Außerdem besitzen die drei Kandidaten die gleiche Arbeitsspeichermenge und die gleiche Display-Auflösung. Sie unterschieden sich vor allem in einem Punkt: Den Chipsatz samt Prozessor und Grafikbeschleuniger. Dem Testparcours stellten sich das HTC One X mit dem Nvidia-Chipsatz Tegra 3, das HTC One XL mit dem Snapdragon-Chip MSM 8960 von Qualcomm und das Samsung Galaxy S3 mit dem Chipsatz Exynos 4412, eine Eigenentwicklung des Handyherstellers.

Das leisten die Chips in den Benchmarks

Insgesamt schlägt sich in den sechs von uns durchgeführten Benchmarks der Dual-Core-Chip von Qualcomm richtig gut. Die Eingangsfrage, ob ein Prozessor mit nur zwei Kernen gegen einen Chip mit vier Kernen bestehen kann, ist also eindeutig beantwortbar: Ja, ein moderner Dual-Core ist mindestens genauso leistungsfähig, wie ein inzwischen leicht angestaubter Vierkerner. Und teilweise sogar noch stärker - je nach Benchmark. Bei reinen CPU-Tests wie Linpack hängt der Zweikerner die vierfach besetzte Konkurrenz sogar locker ab. Zumindest im Single-Thread-Test deklassiert der Qualcomm-Chip die Wettbewerber von Nvidia und Samsung mit fast doppelt so vielen Gleitkommaoperationen pro Sekunde. Erst bei mehreren Threads kommt die Quad-Core-Elite wieder heran, aber trotz vermeintlich doppelter Power ganz klar nicht vorbei. Zum Tegra-Chip bleibt der Abstand sogar beträchtlich, der Zweikerner liegt bei den Ergebnissen fast 20 Prozent darüber.

Samsung Galaxy S3 HTC One X HTC One XL
Quadrant Standard 5386 5589 4964
Vellamo 2233 2140 2399
Antutu 12689 10017 6918
Taiji 2.0 36,68 19,3 32,1
Nenamark2 58,9 56,6 59,1
Linpack Single-Thread 57,4 51,9 103,1
Linpack Multi-Thread 180,2 163,9 196,3

Ein genau entgegengesetztes Bild liefert Antutu ab. Das Gesamt-Benchmark attestiert dem One XL mit Dual-Core-Chip nur 6.918 Punkte, die Quad-Core-Konkurrenz kommt mit 10.017 Punkten (One X) und 12.689 Punkten auf fast die doppelte Punktzahl. Das legt vor allem nahe, dass Antutu wenig verlässlich einzelne Kerne testet und das Ergebnis nur hochrechnet, denn gerade bei dem im Alltag bärenstarken Qualcomm-Chip verteilt das Testprogramm extrem wenig Punkte. Sollte unsere Vermutung stimmen, würde Antutu bei vier erkannten Prozessorkernen fast 14.000 Punkte ausspucken - das zeigt erneut, wie leistungsstark der S4-Chip von Qualcomm ist.

Das bestätigt auch der Test Vellamo. Dort schlägt das HTC One XL das Galaxy S3 und das One X mit 2.399 Punkten zu 2.233 Punkten und 2.140 Punkten erneut, wenn auch knapper als bei einigen anderen Tests. In der Vergangenheit erwies sich Vellamo außerdem als eines der verlässlichsten Testprogramme, wenn man von einem Punktergebnis auf den Alltagsnutzen schließen wollte. Und bevor der Einwand kommt, dass Vellamo als Produkt von Qualcomm die eigenen Chips beim Test bevorzugt: In der Vergangenheit führten häufig Samsung-Geräte wie das Galaxy Tab 10.1 die Bestenlisten an - das sieht nicht nach Bevorzugung des eigenen Chipsatzes aus.

Der Tegra-3-Chipsatz kann sich nur in einem einzigen Testprogramm gegen die Konkurrenz durchsetzen: Im Quadrant Standard. Hier kommt das One X auf 5.589 Punkte, Galaxy S3 und One XL liegen mit 5.386 Punkten und 4.964 knapp dahinter. Während sich der Tegra 3 hier hauchdünn von der Konkurrenz absetzen kann, liegt er bei dem Grafiktest Taiji von Righware mit Abstand auf dem letzten Platz. Die hübsche Animation ruckelt darauf mit 19,3 Bildern pro Sekunde vor sich hin, das One XL mit Qualcomm-Chip schafft immerhin flüssige 32,1 Bilder pro Sekunde und der Exynos-Chip des Galaxy S3 beschleunigt das Testfilmchen sogar auf noch schnellere 36,7 Frames. Im Grafik-Benchmark Nenamark2 sieht die Reihenfolge zwar gleich aus, aber mit 56,6 Bildern pro Sekunde (One X), 58,9 Frames (S3) und 59,1 Bildern (One XL) liegen die Widersacher deutlich näher beisammen.

Fazit: Mit zwei Kernen locker auf Augenhöhe mit der Quad-Core-Elite

Auch wenn die Benchmark-Ergebnisse nicht ganz einheitlich ausfielen: Der Dual-Core-Chip im HTC One XL liegt zumindest voll auf Augenhöhe zur stärksten Quad-Core-Konkurrenz, dem Exynos 4412 von Samsung. Wenn es um die schiere Leistung eines einzelnen Kernes geht, dürfte der Qualcomm-Chip sogar leicht vorne liegen, erst bei fordernden Multitasking-Aufgaben müsste der Quad-Core-Chip seinen Vorteil von mehr Prozessor-Kernen auspielen können. Vor dem inzwischen etwas angegrauten Tegra 3 muss sich der Qualcomm MSM8960 erst recht nicht verstecken, sowohl bei den CPU-Tests also auch bei den GPU-Benchmarks liegt er meist vorn.

Betrachtet man die zugrundeliegende Architektur, ist das nicht unbedingt überraschend. Denn der S4 von Qualcomm orientiert sich schon am neueren und leistungsstärkeren Cortex A15-Design, die anderen beiden Chips noch am A9. Bis neue Chips wie der auf A15 basierende Samsung Exynos 5 Dual oder der Qualcomm S4 Pro (Quad-Core) verfügbar sind, bleibt der MSM8960 zumindest einer der stärksten, wenn nicht sogar der stärkste mobile Chipsatz - "nur" zwei Kerne hin oder her.

Themen: Dual-Core
Quelle: Areamobile
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Kommentare
  1. 22.09.12 13:56 chrissiheini (Newcomer)

    @Frankfurter Knackarsch:
    Wozu denn noch höhere Auflösungen auf dem Smartphone? xD Ich kann auf meinem One X jetzt schon keine einzelnen Bildpunkte mehr erkennen, mehr will ich doch garnicht?
    Auf dem Desktop macht das "noch" mehr Sinn, da kann man ja noch einzelne Pixel erkennen, wenn man Jung ist und gute Augen hat :D

  2. 24.08.12 01:50 abkhazia (Youngster)

    Ihr denkt all das gibts noch nicht?oder nicht möglich?theorethisch kanns jetzt ein iphone 20 geben.aber wozu wenn man noch bis dahin iphone 5,6,7,8,9 usw verkaufen kann :) hoffe ihr habt mich verstanden :)

  3. 22.08.12 23:56 nohtz (Professional Handy Master)

    "Ein Millisekunde und der 3 Stunden HD-Film ist umgerechnet"
    -->da ist doch aber das kribbeln, der thrill während der wartezeit weg... ;-) da könnt ich geschichten erzählen *g*
    (hart erarbeitetes geld weiss man ja schliesslich auch mehr zu schätzen als "zugeflogenes")

  4. 22.08.12 22:45 Frankfurter Knackarsch (Advanced Handy Profi)

    "Bei Displays ist das Ziel fast erreicht: Mehr Pixel, als das Auge auflösen kann."

    Ich würde sagen, daß bei Displays noch viel Luft nach oben ist. Im Handset/Mobile Bereich ist man noch nicht einmal an Full-HD rangekommen, bei stationären Monitoren/TVs könnte 4K Auflösung endlich Standard werden, und wo bleiben überhaupt die OLEDs?

    Die benötigte Leistung hängt vom Einsatzzweck ab. Zum Browsen, Office und Filme gucken braucht man mMn nicht unbedingt die Power eines Core i7, dafür reicht ein moderater ARM vollkommen. Dagegen kann man bei Games mit Killergrafik nie genug Leistung haben, was aber einen stromhungrigen MonsterCPU+GPU inkl aufwändiger Kühlung verlangt. Es versteht sich von selbst das Beides in einem nicht geht.
    Die Erwartung iwann das Leistungsniveau eines x86 von einem sparsamen mobilen ARM, mit dem man dann StarCraft2@FullHD auf Ultra spielen kann, zuerwarten sollte man sich schnellsten abschminken

  5. 22.08.12 22:33 Surab (Expert Handy Profi)

    @ Heisenberg:
    1ms? Das geht aber besser! ;)

    Nein, im Ernst. Momentan faende es wichtiger, wenn neue SoC/CPUs weniger Strom verbrauchen, besonders auf Smartphones. Aber genau aus dem Grund muss weiterentwickelt werden!

  6. 22.08.12 21:32 Heisenberg (Gesperrt)

    @Arminator
    > Mein tablet ist ja doch noch deutlich langsamer als mein desktop, hab ich nix dagegen wenn sich das angleicht.

    Jepp. Meine Apps brauchen auch immer noch einige Zeit zum Starten. Die sollen gefälligst sofort verfügbar sein. Nur das kann das Ziel sein. Wir alle haben uns daran gewöhnt, dass das Starten von z.B. einen Spiel auf dem PC einige Zeit braucht. Wer eine SSD in seinen Desktop einbaut, bekommt ein Gefühl dafür, wieviel Luft da noch nach oben ist.

    Viele haben Probleme damit sich Fortschritt vorzustellen und sehen immer nur den aktuellen Stand als Normalität. Mein Gott, wie viele haben früher gesagt, sie brauchen keinen Rechner zu Hause oder kein Internet oder kein Handy oder kein Internet unterwegs oder oder oder. Ich bin so alt, dass ich mich noch daran erinnern kann, dass die überwiegende Mehrheit der Meinung war, Anrufbeantworter wären Unsinn...

    Bei Displays ist das Ziel fast erreicht: Mehr Pixel, als das Auge auflösen kann. Alle meinen "Computer" im weitesten Sinne (Smartphone, Tablet, Desktop) haben noch sehr, sehr viel Verbesserungspotential in der Performance. Dort ist das Ziel alles sofort in Echtzeit zu haben. Ein Millisekunde und die komplexeste Anwendung steht zur Verfügung. Ein Millisekunde und der komplexeste Photoshopfilter ist fertig. Ein Millisekunde und der 3 Stunden HD-Film ist umgerechnet.

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