Die Handy-Branche dreht am Rad: Immer schneller bringen Hersteller neue Geräte heraus, immer erschwinglicher für Verbraucher wird die verbaute Technik. Vernünftig ist das nicht, mahnen Vertreter von umwelt- und sozialpolitisch engagierten NGOs. Denn Rohstoffe werden immer knapper und die Elektroschrott-Berge größer. Doch nicht nur Hersteller, auch Nutzer werden zum Umdenken aufgefordert: Statt kurzer Affären sollen sie Langzeitbeziehungen mit ihrem Handy pflegen.
Der Siegeszug des Handys hält an: Weltweit gibt es laut der Fernmeldeunion ITU mittlerweile rund sechs Milliarden Handy-Verträge. Setzt sich das Wachstum mit unvermindertem Tempo fort, gibt es 2014 mehr Handy-Verträge als Menschen auf der Erde. In mehr als 100 Staaten der Welt liegt die Mobilfunk-Penetration bei über 100 Prozent, d.h. in diesen Ländern gibt es mehr Mobilfunk-Verträge als Einwohner. In sieben Staaten beträgt die Mobilfunk-Penetration sogar mehr als 200 Prozent. Auch in Deutschland gibt es mehr Mobiltelefone als Bewohner: Rechnerisch nutzt jeder Deutsche 1,5 Handys bzw. Mobilfunkanschlüsse.
Auf dem Handy-Markt herrscht ein intensiver Wettbewerb und laufend bringen die Hersteller neue Modelle heraus, die besser sein sollen als die abgelösten Geräte. Und die Kunden greifen bei den neuen Modellen zu, obwohl ihr vorhandenes Handy noch vollauf funktionstüchtig ist oder weil sie bei einer Vertragsverlängerung vom Mobilfunkanbieter ein neues Gerät angeboten bekommen - sie wollen ein Handy haben, das technisch auf dem neuesten Stand ist. Auch eine zunehmende Akku-Schwäche kann ein Grund für einen vorzeitigen Wechsel des Handys sein, vor allem wenn der Akku fest im Gerät verbaut ist und sich nicht einfach austauschen lässt. 36 Handys pro Sekunde werden auf der Welt hergestellt, 18 Monate nach der Produktion, Launch und Verkauf hat statistisch gesehen ein Gerät in der Hand des Nutzers in Deutschland schon wieder ausgesorgt. In der Regel landet das Handy dann aber nicht in einem Recyclingsystem, sondern im Hausmüll oder in irgendwelchen Schubladen. Nach Schätzung des Branchenverbands Bitkom schlummern derzeit über 85 Millionen Alt-Handys in Schubladen, in Kellern oder auf Speichern der Bundesbürger.
Die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch berichtet, dass im Jahr 2011 rund 27 Millionen neue Handys in Deutschland verkauft, im selben Zeitraum aber nur rund eine Million Alt-Handys über die Rücknahmeprogramme der Mobilfunkbetreiber Telekom, Vodafone, E-Plus (Base) und Telefónica Germany (O2) eingesammelt wurden. Die Zahl der ausrangierten Handys in Europa beträgt etwa 100 Millionen pro Jahr. Weltweit wurden 2011 rund 1,8 Milliarden neue Handys verkauft. Wie viele davon gerätegerecht entsorgt wurden, ist nicht bekannt. Wenn die ausgedienten Handys jedoch nicht den Recyclingsystemen zugeführt werden, gehen viele wertvolle Rohstoffe verloren.
Ein Handy besteht aus rund 300 Bauteilen verschiedener Materialien. Hauptbestandteil des Handys ist Kunststoff, doch auch Glas, Keramik, Metalle und sogenannte Seltene Erden wie Thulium und Lutetium werden bei der Handy-Produktion verwendet. Gold wird beispielsweise für Kontakte und Anschlüsse auf Leiterplatten, Tantel oder Koltan für Kondensatoren, Kobalt und Nickel für den Akku und Platin für LCDs benötigt. Die Gewinnung der Metalle verursacht immense Umweltschäden und Gesundheitsschäden, der in den Abbaugebieten arbeitenden und lebenden Menschen: Beispielsweise gelangen bei den meisten industriellen Abbaustätten für Gold Quecksilber oder Cyanid in die Umwelt bzw. ins Trinkwasser, und die meisten Lagerstätten für Seltene Erden enthalten radioaktive Materialien, die beim Abbau austreten und in Luft und Wasser gelangen können.
Folgen der Handy-Produktion (c) Makeitfair.org
Ein anderes Kapitel der Handy-Produktion betrifft die Arbeitsbedingungen der Menschen in den Fabriken der Hersteller. Gerade die beiden Smartphone-Marktführer Samsung und Apple stehen hier seit längerem in der Kritik. Aber nicht nur sie, auch ihre Konkurrenten haben ihre Produktion von Handys und Smartphones in Billiglohnländer ausgelagert - vor allem nach China und Indien. Hier finden sie billige, aber sehr gut ausgebildete Arbeitskräfte vor und müssen teilweise in sogenannten Sonderwirtschaftszonen, mit denen diese Staaten Konzerne in das Land locken, weniger Rechte der Fabrikarbeiter beachten. Niedrige Löhne, eine ungeheure Überstundenbelastung und Bestrafungen bei Fehlern sind an der Tagesordnung. Immer wieder gibt es auch Berichte über mangelnden Schutz der Arbeiter vor giftigen Substanzen oder über Beschäftigung von Kindern oder Jugendlichen. Besonders die aus den Provinzen stammenden, jungen Leiharbeiter, die noch weniger als die einheimischen Angestellten verdienen und nur so kurze Arbeitsverträge halten, die nie in reguläre Arbeitsverhältnisse übergehen, haben es schwer. Richtige Gewerkschaften, die die Arbeitsbedingungen in den Handy-Fabriken verbessern können, gibt es nicht.
Auch die in afrikanische oder asiatische Länder mit weniger strengen Umweltschutzgesetzen als "Entwicklungshilfe" exportierten Alt-Handys werden zum Problem, wenn sie dort später wegen des fehlenden Know-Hows nicht fachgerecht recycelt werden können. Sie landen dann auf Müllhalden und die enthaltenen Giftstoffe wie Arsen oder Blei gelangen ins Grundwasser oder Straßenkinder schmelzen auf der Suche nach den wertvollen Materialien, die sie zu Geld machen können, den Schrott ein und sind dabei schutzlos giftigen Dämpfen ausgesetzt.
Giftstoffe im iPhone 5 | (c) Healthy Stuff
Teilweise bewegen sich die Unternehmen der Handy-Branche schon in die richtige Richtung: Samsung, Apple & Co. wurde beispielsweise zuletzt von HealthyStuff und iFixit attestiert, weniger Giftstoffe in ihren Handys zu verwenden. Allerdings hat Samsung seine Ziele zur völligen Entfernung von Polyvinylchlorid und bromierten Flammschutzmitteln aus seinen Produkten wieder zurückgezogen. Handy-Hersteller setzen vermehrt auf recyclingfähige Materialien - als wegweisendes Beispiel dient das Nokia 700 mit einem großen Anteil von wiederverwertbarem Kunststoff - und bei der Abdeckung des Stromverbrauchs auf erneuerbare Energieträger (Apple will noch in diesem Jahr die Rechenzentren für die iCloud zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien betreiben), richten Sammelstellen für Alt-Handys ein und befassen sich mittlerweile auch mehr mit den Arbeitsbedingungen in den Fabriken der Produktionspartner.
Doch andere aktuelle Trends wie etwa ein fest verklebter bzw. verbauter Akku im Smartphone sind den Umweltschützern ein Dorn im Auge, denn sie verhindern eine längere Lebensdauer und eine leichte Reparierbarkeit der Geräte. Zudem sind diese Bemühungen der Hersteller häufig nicht umfassend, sondern nur auf eine bestimmte Vorzeige-Geräte- oder -Dienste-Serie beschränkt.
Die Bemühungen gehen den umwelt- und sozialpolitisch engagierten NGOs jedoch nicht weit genug. Seit 2006 bewertet Greenpeace regelmäßig die Energieeffizienz- und Nachhaltigkeitsbilanz von Elektronik-Herstellern. In dem jüngsten Ratgeber "Grüne Elektronik" vom November 2012 schneidet Nokia am besten ab, erhält aber nur knapp die Hälfte der maximal möglichen Punkte. Schlusslicht unter den Handy-Herstellen ist Blackberry (ehemals Research in Motion oder RIM). Die Bewertungen der einzelnen Hersteller im Detail könnt ihr im Elektronik-Ratgeber von Greenpeace nachlesen.
Öko-Ranking 2012 der Handy-Hersteller (c) Greenpeace
Und auch unter den Mobilfunkbetreibern gibt es erwähnenswerte Beispiele: E-Plus (mit dem NABU) und O2 informieren etwa die Kunden auf ihren Websites über die Ökobilanz der angebotenen Handys, und die Joint Audit Cooperation, eine freiwillige Initiative europäischer Mobilfunkanbieter, auditiert Lieferanten gemeinsam zumindest der ersten Zulieferstufe, und O2 will ab 2015 keine Handys mehr mit neuem Ladegerät ausliefern. Doch Vertreter von NGOs fordern von den Mobilfunkbetreibern eine stärkere Bewerbung von SIM-only-Tarifen sowie mehr Transparenz bezüglicher ihrer Zulieferer und ihrer Bemühungen, die Arbeitsbedingungen in der Lieferkette zu verbessern. "Von einer nachhaltigen Branche von fairen und ökologischen Handys sind wir nach wie vor weit entfernt", urteilt Germanwatch in einer im August 2012 veröffentlichten Studie zur Unternehmensverantwortung von deutschen Mobilfunkanbieter (PDF). "Da Mobilfunkanbieter vielfach mit dem Vertrag auch ein Handy an ihre Kunden verkaufen, haben sie eine Mitverantwortung für die sozialen und ökologischen Bedingungen in der IT-Industrie."
Längere Lebenszeiten für das Handy, weniger Verbrauch und mehr Recycling fordern Umwelt- und Menschenrechts-Organisationen von den Konsumenten auf der einen Seite, um den Abbau der für die Produktion von Handys notwendigen Elemente und damit verbundene Umweltschäden zu reduzieren. Doch sie nehmen auch die Unternehmen und die Politik in die Verantwortung. "Ob Handyproduktion, nachhaltige Vertragsgestaltung oder Recycling – überall sehen wir in der Mobilfunkbranche noch Verbesserungsbedarf", stellt beispielsweise Germanwatch fest. Das freiwillige Engagement der Handy-Hersteller oder Mobilfunk-Anbieter komme immer wieder an Grenzen, deshalb müsse der Staat mit intelligenten Rahmensetzungen eingreifen, beispielsweise mit einem Handy-Pfand, einer Leasing-Lösung oder einer anderen Vorgabe, die Verbraucher zur Rückgabe ihres alten Handys ermuntert, und mit einem international einheitlichen Bewertungsssystem, mit dem Verbraucher überprüfen können, wie nachhaltig ein Handy hergestellt wurde.
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Du bist nicht dabei?@IchBinNichtAreamobile.de
Wenn du von jedem die Suppe auslöffeln möchtest die er anderen einbrockt ist das dein Problem ich kann dir nur eins sagen.
Ich kaufe so gut wie immer Produkte von Firmen die eine gute oder sehr gute Reputation haben, diese sind dann meist auch etwas teurer und machen mir dann auch wenig bis gar keine Probleme.
Der Einfluß des Verbrauchers wird was die Marktlenkung oder Produktqualität betrifft total überschätzt, denn bis der Kunde reagiert ist das Kind schon lange in den Brunnen gefallen.
Die eine Firma schließt, die nächste Klitsche macht auf oder es entsteht ein Monopol und dann ist eh Schluß mit lustig und der Kunde muß sehen wo er bleibt.
Der Gesetzgeber macht der Industrie die Vorgaben und wenn die Mist sind kann der Kunde sich auf den Kopf stellen und muß im Zweifel mit Schrott klar kommen oder gleich ganz verzichten.
Der Fisch fängt immer am Kopf an zu stinken und die Verbraucher sind nun mal der Schwanz.
Klar kann der Kunde einen Boykott organisieren z.B. bei Kinderspielzeug wurden gerade höhere Grenzwerte für Giftstoffe beschlossen dann leg mal los.
@Quirky:
"Am Ende ist immer der Verbraucher Schuld.
So einfach machen es sich manche. [...]"
>>Schuld ist wohl übertrieben. Es geht eher um Ursache und Wirkung und Emergenz. Der Verbraucher hat natürlich eine Eigenverantwortung für das was er kauft. Es ist zwar schade, dass es auf lange Sicht keine andere Regulierung mehr zu geben scheint außer das Geld, aber ändern kann man es nicht.
"[...] Also konsumiert und laßt euch nicht verwirren. One Handy is not enough."
>>Um es mal konkret zu Ende zu denken, führt diese Sichtweise ganz klar zur Ausbeutung aller Rohstoffe und damit auch zu einer Preiserhöhung aller Produkte und das im Grunde ohne Not. Ich bin zwar nicht besonders grün, aber Mäßigung dürfte den Wenigsten schaden.
"[...] Wer die Gesetze macht ist auch Schuld und ich mache keine. [...]"
>>Mit solchen Aussagen macht man es sich viel zu einfach. Deine Aussage hört sich nach totaler Entmündigung des Indiviuums an. Tatsächlich führt diese schon recht extreme Spezialisierung dafür, dass wir völlig handlungsunfähig und hilflos werden. So wird auch gerne der schwarze Peter auf eine Institution geschoben ohne nachzudenken, dass da noch viel mehr dranhängt. Du bist Teil des Systems und somit bist du auch dafür mitverantwortlich, so einfach ist das. Wer aufgibt hat schon verloren.
@natelnutzer:
"Immer wieder erschreckend wie sich in Deutschland eine verklärte Naturromantik mit Technikfeindlichkeit verbindet. [...]"
>>Ich höre sowas zwar auch gelegentlich, aber in diesem Artikel konnte ich das jetzt so nicht rauslesen. Umgekehrt ist es auch nicht besser. Wenn technischer Fortschritt ohne Rücksicht auf die Natur geschieht, so ... den Satz brauch ich gar nicht mehr beenden, denn diese Floskel hört man so oft, dass man die Wahrheit irgendwann anzweifelt, aber es stimmt nun mal.
"Ich bin auch dafür, die Umwelt zu schonen. Aber das regelt sich weitgehend von allein. [...]"
>>Wie gut das funktioniert, sehen wir jetzt am Öl. Und es stellt sich einfach die Frage, warum man es immer übertreiben MUSS. Und auch hier trifft zu was ich schon sagte, wenn man glaubt es regelt sich schon allein, dann ist man ohnmächtig und entmündigt.
"Ausserdem wird es zunehmend schwerer, den Kunden jährlich etwas wirklich besseres zu verkaufen. Ich mein, das erste iPhone war ein Durchbruch. Das iPhone 4 mit seinem Display auch. [...]"
>>Zu den Smartphones zurück muss ich dir leider sagen, dass du etwas medienhörig bist, wenn du sagst, dass das iPhone 4 Display ein Durchbruch war. Displays mit dieser ppi gab es schon vorher ;). AMOLED Displays waren ein Durchbruch (das erste Consumer-Display war glaub ich in nem Nokia), aber die Retina Displays waren lediglich ein gut gemachtes Marketing.
@alwaysultra:
"Fast jeder von uns sieht sich zwar als bewussten Konsumenten, ist dabei aber eigentlich auch nur ein stark manipulierter Dauerkäufer – es fällt nur in der Masse nicht so auf."
>>ACK, insbesondere die Manipulation darf man nie unterschätzen.
"Aber warum muss ein postkapitalistisches Szenario zwangläufig negativ ausfallen?"
>>(Schwer mich da kurz zu fassen) Erstmal MUSS ES NICHT, da wir nicht wissen was nach (post) dem Kapitalismus kommt. (Ich denke, aber, ich weiß was du meinst)
Der Kapitalismus wird in einer Katastrophe münden und das muss man nicht mit großer Panik sehen, man sollte konstruktiv bleiben. Um ein T-Shirt-Aufdruck zu zitieren, den ich irgendwann mal gesehen hab: "Im Kapitalismus war auch nicht alles schlecht." (das ist tatsächlich so; die Ironie ist aber unüberhörbar).
Ich hatte schon einen ellenlangen Text geschrieben, aber ich kenn noch nen besseren Weg, danach kannste dir deinen Teil denken. http://goo.gl/L0FyC etwa ab 1:09:10 geht's dann konkret um den Kapitalismus.
Am Ende ist immer der Verbraucher Schuld.
So einfach machen es sich manche.
Ist natürlich totaler Blödsinn.
Wenn ist die Regierung Schuld ob jetzt die EU Dikatur oder unsere Nasen das könnt ihr euch jetzt aussuchen.
Wer die Gesetze macht ist auch Schuld und ich mache keine.
Also konsumiert und laßt euch nicht verwirren. One Handy is not enough.
Immer wieder erschreckend wie sich in Deutschland eine verklärte Naturromantik mit Technikfeindlichkeit verbindet. Da gilt jeder als Sünder, der sich jährlich ein neues Handy kauft. Gleichzeitig trauert man "der guten alten Zeit nach", ohne zu erkennen wie bescheiden man damals mit dem Staatskonzern Telekom lebte. Ja, damals benutzte man sein Telefon zwei Generationen lang. Aber war das besser?
Ich bin auch dafür, die Umwelt zu schonen. Aber das regelt sich weitgehend von allein. Wenn die Rohstoffe knapp werden, wird es attraktiv für Firmen, alte Handy wieder zurück zu nehmen. Das wird dann wie folgt aussehen: "Tauschen Sie jetzt ihr altes gegen ein neues Handy". Da braucht es kein "Handy-Pfand". Lediglich ein bisschen Verständnis von wirtschaftlichen Zusammenhängen.
Ausserdem wird es zunehmend schwerer, den Kunden jährlich etwas wirklich besseres zu verkaufen. Ich mein, das erste iPhone war ein Durchbruch. Das iPhone 4 mit seinem Display auch. Aber wenn ich heute ein iPhone 4 mit einem iPhone 5 oder Galaxy S3 vergleiche...so riesig ist der Unterschied nicht. Und wenn die Technik nicht mehr ganz so schnell zulegt, werden die Leute auch wieder seltener ein neues Gerät kaufen.
Sehr schöne, schlüssige und gut ausformulierte Gedankengänge, so wie man es von dir gewohnt ist, IchBinNichtAreamobile.de
Lass mich an dieser Stelle noch einiges ergänzen, um der ganzen Sache das Prinzip "Hoffnung" nicht fehlen zu lassen...
Richtig, wir leben in einem sehr ausgeprägten Kapitalistischen System, das vom Massenkonsum und der Wegwerfmentalität genährt wird. Schränken wir diese also ein, bricht das System in sich zusammen. Aber warum muss ein postkapitalistisches Szenario zwangläufig negativ ausfallen?
Würde weniger konsumiert werden, bangt jeder vor dem Verlust seines Arbeitsplatzes und horrend steigenden Preisen. Doch schnell wird übersehen, dass das Verlagern von Arbeitsplätzen durch Abwanderung in Billiglohnländern und Automatisierung (auch Effizienzsteigerung) bereits geschieht, es also kein vages Zukunftsszenario mehr ist, sondern Alltag. Unsere heutigen, günstigen Preise lassen sich auch relativieren, wenn man deren Folgekosten, wie z.B. die durch Umweltschäden oder sozialen Spannungen entstehenden, mit in die Kalkulation einrechnet. Einfach ausgedrückt: Die günstigen Preise bezahlen wir JETZT schon mit Arbeitsplätzen, Folgekosten (durch Umweltschäden), sozialen Spannungen und unserer Gesundheit. Was soll also schlimmeres noch kommen? Man nimmt die Problematik nur nicht als solche wahr, weil die Folgen nicht unmittelbar und in ihren Zusammenhängen deutlich erfahren werden. Fast jeder von uns sieht sich zwar als bewussten Konsumenten, ist dabei aber eigentlich auch nur ein stark manipulierter Dauerkäufer – es fällt nur in der Masse nicht so auf. Im Übrigen kann ich jedem, der sich mit dem Thema Wohlstand und Zufriedenheit näher beschäftigen möchte, das letzte Buch von Bas Kast ans Herz legen (wobei es sicher auch viele andere gute Literatur zu dem Thema gibt).
Ich traue unserer Spezies zu, ein nachhaltiges und mit dem Planeten und unserer Gesellschaft verträglicheres System schaffen zu können, auch wenn das nicht von heute auf morgen geschehen kann, aber auch nicht passieren wird, wenn man auf Teufelkommraus reglos erstarrt und am Satus Quo festhält, wie ein Reh im Scheinwerferlicht. Letztlich wissen wir doch, dass es so auf Dauer eh nicht gut geht….
So long
@Quirky:"Der Einfluß des Verbrauchers wird was die Marktlenkung oder Produktqualität betrifft total überschätzt, denn bis der Kunde reagiert ist das Kind schon lange in den Brunnen gefallen."
>>Jap, denn die Hersteller produzieren einfach nur aus Spaß irgendwas und richten sich keinesfalls nach der Nachfrage der Verbraucher. Man könnte argumentieren, dass die Verbraucher doch sowieso von der Werbung zum Kauf gebracht werden, aber dann bestätigt das auch nur die mangelnde Eigenverantwortung bzw die totale Entmündigung des Kunden. Und genau das hatte ich ja geschrieben.