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Sommer Gewinnspiel 2013
 

Editorial: Wir müssen reden ...

Es ist ein Teufelskreis: In immer kürzeren Abständen bringen Hersteller neue Smartphone-Modelle heraus, und die Kunden greifen begeistert zu. Damit schadet die Branche sich selbst und der Umwelt. Wie aber lässt sich der Kreislauf aufbrechen?

Die Jagd nach dem neuesten Smartphone hat zuweilen bizarre Züge angenommen: Launch-Events folgen in immer kürzeren Abständen und haben sich zu großen Show-Veranstaltungen mit Zeremonienmeister gewandelt, nachts campieren Kunden vor den Apple-Stores, um zu den Besitzern des neuen iPhone zu gehören, Wasserstandsmeldungen zur Verfügbarkeit des Google Nexus 4 haben sich im Nachrichtenbereich von Tech-Websites etabliert, und Ende dieses Monats werden wir wieder erleben, wie sich auf dem Mobile World Congress zig Journalisten um ein einzelnes Handy drängeln, um es aus jedem Winkel abzulichten. Doch es kann und wird so nicht lange weiter gehen - die Schlagzahl der Branche ist zu hoch.

Begeisterung für Smartphones | (c) Areamobile

Das Smartphone ist der Star | (c) Areamobile

Das das Tempo auf dem Smartphone-Markt ist längst in Schnellebigkeit umgeschlagen, aus der Revolution ist eine Evolution geworden, schrieb kürzlich Sophie Crocoll in einem Kommentar für die Süddeutsche Zeitung. Denn den Herstellern fehle schon seit Längerem die Zeit, sich radikal Neuem zu widmen. Davon zeugten beispielsweise zuletzt auch die im vergangenen Monat auf der CES in Las Vegas vorgestellten Smartphone-Neuheiten. So einfach entschleunigen können die Hersteller den Kreislauf nicht, denn die Kunden sind längst auf das Karussell aufgestiegen und treiben es mit an, analysiert Crocoll weiter. Für ihr Selbstwertgefühl. Wer stets das neueste Smartphone kauft, so scheine es vielen, bleibt selbst modern - auch wenn das neue Gerät für das jeweilige Nutzungsverhalten überdimensioniert ist.

Auch OS-Fragmentierung führt zu schnellerem Handy-Neukauf

Es gibt noch andere Gründe, warum die aktuellen Mechanismen des Smartphone-Marktes nicht mehr lange funktionieren werden: Bevölkerungszuwachs, Klimawandel sowie Rohstoff-Knappheit. Deren Folgen werden nicht erst in ferner Zukunft eintreten, sondern beginnen schon jetzt, sich auszuwirken. Bis zum Jahr 2050 wird es rund zehn Millionen Menschen geben, die alle so leben wollen wie wir. Währenddessen heizt die Atmosphäre auf, und die Rohstoffpreise schnellen in die Höhe. Wer diese Entwicklungen nicht einfach leugnet oder ignoriert und wer nicht an die Alchemie glaubt, stellt fest: Wir haben ein Problem.

Samsung Mobile Unpacked auf der IFA 2012 | (c) Areamobile

Große Show: Samsung Mobile Unpacked auf der IFA 2012 | (c) Areamobile

In unserem Dossier "Handy und Umwelt" haben wir die Folgen der Rohstoff-Gewinnung für die Handy-Produktion und der Handy-Herstellung beschrieben: Umweltverschmutzung, Gesundheitsschäden und Bürgerkriege in den Abbaugebieten, menschenunwürdige Arbeitsbedingungen in Billiglohnländern und wachsende Elektroschrottberge.  Hersteller und Mobilfunkbetreiber engagieren sich bei weitem nicht so stark für eine Verbesserung der in den Abbaugebieten lebenden und in den Produktionsstätten der Fertigungspartner arbeitenden Menschen, für die Aufklärung der Handy-Käufer und für wie sie könnten, auch wenn es einige Positiv-Beispiele gibt. Teilweise sind ihre Geräte für eine längere bzw. nachhaltigere Handy-Nutzung gar nicht ausgelegt, weil der Akku fest  verklebt oder fest verbaut ist, weil die Anschlüsse auf einem proprietären Standard beruhen, weil das Betriebssystem in viele Versionen fragmentiert ist und weil bei der Herstellung immer noch giftige Stoffe verwendet werden.

Die Unternehmen rechtfertigen sich, indem sie auf die Verbraucher verweisen, die ihre Kaufentscheidungen nicht nach Nachhaltigkeitskritieren treffen, sondern hauptsächlich auf die Hardware- und Software-Features oder das Design der Geräte achten. Damit haben sie nicht Unrecht. Erste große Schritte wären es schon mal, wenn die Kunden ihren Handy-Kauf von einer Vertragsverlängerung abkoppeln und über einen längeren Zeitraum nutzen würden und wenn die rund 85 Millionen von Alt-Handys in Deutschland an den regulären Stellen zum ordnungsgemäßen Recycling abgegeben würden. Das sollte eigentlich für jeden, der alte Handys ungenutzt in den Schubladen liegen hat, machbar sein. In einem kurzen Ratgeber zeigen wir, wie Anwender auf einfache Weise ihr Smartphone umweltgerechter nutzer können.


Umfrage unter Areamobile-Lesern im Juni 2012

Finanzielle Anreize für die Verbraucher müssen her

Die Hersteller müssen sich den Vorwurf des mangelnden Engagements in Sachen Nachhaltigkeit gefallen lassen. Wo bleibt zum Beispiel die Innovation, die dem zunehmenden Stromhunger der Smartphones wirkungsvoll begegnet? Aber auch dem Anwender kommt eine entscheidende Rolle zu. Um die große Masse zum Umdenken und Handeln zu bringen, braucht es allerdings wirksame  Anreize. Das kann eigentlich nur über gesetzliche Vorgaben und Sanktionen bei entsprechenden Verstößen geschehen oder über das Geld. Ein Leasing-Modell, wie es beispielsweise E-Plus (Base) mit der Handy-Miete praktiziert, ist ein sinnvolles Modell, ein Handy-Pfand wäre es ebenfalls.

Damit wir uns nicht missverstehen: Die Smartphone-Branche ist eine spannende und aufregende, und es geht hier nicht darum, den moralischen Zeigefinger zu erheben oder den Nutzern den Spaß an der Sache zu verderben. Auch wir von Areamobile berichten täglich mit Spaß, Herzblut und Leidenschaft über die neuesten Smartphones und Apps und erfreuen uns an innovativen Ideen und neuen Entwicklungen. Es geht um mehr Verantwortungsbewusstsein, bei der Handy-Herstellung, dem Handy-Kauf und der Handy-Nutzung. Hightech und Nachhaltigkeit schließen sich nicht unbedingt aus.

Dossier Handy und Umwelt

Handy-Nutzung: Kurze Affären und ihre Folgen
Interview mit Greenpeace: "Gibt es das 'grüne' Handy?"
Einfache Tipps zur nachhaltigeren Handy-Nutzung
Editorial: Wir müssen reden ...

Themen: Smartphones
Quelle: Süddeutsche Zeitung, Areamobile
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Kommentare
  1. 06.02.13 19:30 IchBinNichtAreamobile.de (Handy Profi)

    @Fritz: "[...] Daraus resultiert mein Eindruck, daß es lediglich ein (trügerisches) Gefühl ist, daß die Hersteller immer schneller immer neue Geräte auf den Markt bringen."
    >>Du meinst also, dass es generell nicht viele Modelle sind. Da stimme ich dir zu, wenn man es auf die Zahl der verkauften Smartphones hochrechnet.

    Das Grundproblem ist allerdings die Menge an Handies die insgesamt im Umlauf sind, denn diese verbrauchen Resourcen und Strom (lol). Umgekehrt finde ich das Ganze etwas scheinheilig, weil wir in anderen Bereichen viel größeren Handlungsbedarf haben, denn die verwendeten Resourcen sind gering, wenn man sie mit Fernsehern oder Laptops oder Desktop-PCs vergleicht. Das Problem ist überall das Selbe. Man sollte vllt sein Gadget Portfolio einschrumpfen. Ich persönlich brauche nichts anderes als Laptop und Smartphone.

  2. 05.02.13 09:21 Fritz_The_Cat (Advanced Handy Profi)

    @ ibna:

    Okay, verstanden. Liegt wohl an der unterschiedlichen Betrachtung. Modellzyklus vs. Produktzyklus.
    Dennoch werde ich das Gefühl nicht los, daß Gefühl und Realität etwas auseinander gehen. Darum habe ich mir mal eben die deutsche Samsung-Seite angeschaut. Dort sind aktuell 35 Smartphones gelistet … inklusive aller Derivate wie spezieller LTE-Varianten und Sondermodelle. Fasst man diese Derivate mit deren jeweils eigentlichem Stamm-Modell zusammen, reduziert das die Modellanzahl um überschlägig etwa ein Drittel. Macht also nur noch 24 Geräte. Wenn ich es richtig sehe, verteilen sich diese 24 Modelle auf 2 "Geburtsjahre." Daraus resultiert mein Eindruck, daß es lediglich ein (trügerisches) Gefühl ist, daß die Hersteller immer schneller immer neue Geräte auf den Markt bringen.

  3. 04.02.13 22:46 IchBinNichtAreamobile.de (Handy Profi)
    Immer mehr := viel

    @Fritz: Spielt das eine Rolle? Per Def können die Produktzyklen nicht immer kürzer werden. Was der Verfasser dieses Satzes (wer auch immer) sicherlich damit sagen wollte ist, dass pro Jahr verdammt viele Smartphones pro Herstellern herausgebracht werden (ein Zyklus kann auch mehrere Modelle hervorbringen etc etc). Ich würde mich also nicht so sehr an diesem Satz aufhängen, weil er eine Hyperbel darstellt, daher auch die Analogie im Titel.

  4. 04.02.13 22:05 Fritz_The_Cat (Advanced Handy Profi)
    Realität oder Gefühl?

    "In immer kürzeren Abständen bringen Hersteller neue Smartphone-Modelle heraus"

    ==> Ist das tatsächlich so oder ist es nur gefühlt?
    Sind die Modellebenszyklen wirklich kürzer geworden? Oder kommt uns das nur so vor, weil manchmal schon relativ kurz nach dem Marktstart eines Modells erste GERÜCHTE über einen - angeblichen - Nachfolger gestreut werden?
    Häufig genug gestreut werden von Blogs oder Internetseiten, die einzig daran interessiert sind, mit solchen Gerüchten Klickzahlen und damit eigene Werbeeinnahmen zu generieren.

  5. 04.02.13 18:28 IchBinNichtAreamobile.de (Handy Profi)

    Zitat AM:"Wie aber lässt sich der Kreislauf aufbrechen?"
    >>Im Endeffekt nur durch die Abschaffung des Kapitalismus in seiner heutigen Form ;). Man könnte an die Eigenverantwortung appellieren (zeitloser Klassiker).

    @ben:"Wie war das gleich mit der Gier ....... ;-)"
    >>Vorsicht! Du meinst bestimmt Habgier und nicht Gier wie Begierde. :p

    Zum Rest deines Beitrags muss ich sagen. Haste Recht, aber ich muss auf meinen ersten Satz hier verweisen, denn solange man nicht aus diesem Argumentationskreis ausbricht kommst du auf keinen grünen Zweig im wahrsten Sinne des Wortes. ;)

  6. 04.02.13 16:59 benthepen (Expert Handy Profi)

    Wie war das gleich mit der Gier ....... ;-)

    Die Konzerne haben einfach einen enormen Konkurrenzdruck und sind gezwungen dagegen zu halten.
    Man konkuriert nicht mehr nur mit den Nachbarländern, sondern es kommen immer mehr dazu.
    Die Chinesen geben richtig Gas, in fast allen Zweigen der Industrie, so dass man einfach keine Sekunde die Hände in den Schoß legen kann.
    Die Unternehmen an sich werden kaum dagegen was machen können, Nachhaltiger zu arbeiten, da, wie schon geschrieben, andere Länder diesen Aspekt eben (noch) nicht so sehen. Gutes Beispiel China. Die Städte sind voller Smog, der Verkehr bricht zusammen, weil immer mehr vom Fahrrad aufs Auto steigen, die Leute können sich mehr leisten und tun dies auch.
    Denen ist es erstmal egal über Nachhaltigkeit nachzudenken. Dort passiert das, was bei uns schon vor langer Zeit passiert ist.
    Und da wir in Europa auch mit Asien konkurrieren, muss diese Nachhaltigkeit Global stattfinden, denn wir leben hier nunmal nicht unter einer Käseglocke.
    Man kann in Europa den Anfang tun, aber dann sollte man auch nur Produkte kaufen, die auch in Europa hergestellt werden und das wird nicht funktionieren. Zumindest wenn wir von Elektronik sprechen.

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