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HTC One: Ist die 4-Megapixel-Kamera Geniestreich oder Wahnsinn?

"Weniger ist mehr" sagt HTC und stattet sein neues Flaggschiff-Smartphone HTC One mit einer sogenannten Ultrapixel-Kamera mit "nur" 4,3 Megapixel Auflösung aus. Areamobile erklärt, ob die Ultrapixel-Kamera des HTC One nur ein Marketing-Gag oder eine sinnvolle Weiterentwicklung der Kamera-Technologie ist.

5 Megapixel Auflösung war gestern, 8 Megapixel sind heute Standard oder je nach Hersteller auch schon mal 12 oder 13 Megapixel. Nokia hat sogar vor gar nicht langer Zeit auf über 42 Megapixel gesetzt und erst kürzlich den ersten optischen Bildstabilisator in sein Topmodell gequetscht. Die Richtung der technischen Entwicklung ist klar: Es geht voran, mehr ist offenbar besser. Und genau in Zeiten immer größerer Pixelmengen legt HTC den Rückwärtsgang ein und verpasst seinem neuen Topmodell HTC One nur eine Optik mit 4,3 Megapixel Auflösung. Ist das noch Genie oder schon Wahnsinn?

So funktioniert die neue

Das soll die Leistungsfähigkeit der neuen Kamera zeigen - hier mit Ultrapixel-Kamera aufgenommen...

So funktioniert die neue

...und hier ohne. Das hier verwendete Kameramodell wurde nicht spezifiziert | (c) Hersteller

 

Marketing-technischer Selbstmord oder filigranes Kalkül?

Etwas von beidem. Denn während der Hersteller offenbar ganz genau weiß, dass man ein Topmodell wie das HTC One mit einer Kamera mit nur 4 Megapixel nicht vernünftig vermarkten kann und diese Zahl daher auch auffällig unauffällig im ansonsten ausführlichen Datenblatt zum Gerät verschweigt, hat sich die Marketing-Abteilung zu neuen Höchstleistungen aufgeschwungen und einen markigen Namen für die scheinbare Mogelpackung entworfen: Ultrapixel-Kamera. Klingt überwältigend, klingt nach mehr, klingt einfach überlegen. Schließlich ist die Auflösung von Ultra High Definition beim Fernseher mit 4K oder 8K auch um ein Vielfaches höher als bei aktuellen FullHD-Modellen.

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Ultrapixel steht nicht für mehr, sondern "größere" Pixel | (c) Hersteller

Dieser Logik folgend müsste also die Auflösung der HTC-One-Kamera wesentlich höher sein als bei der Konkurrenz. Ist sie aber nicht, sie liegt wie bereits erwähnt bei 4,3 Megapixel. Was also rechtfertigt den Begriff "Ultrapixel"? Verwendet HTC mehrere Sensoren mit je 4,3 Megapixel, etwa für jedes Farbspektrum gesondert? Oder eine Oversampling-Technik wie Nokia beim 808 Pureview? Weder das eine, noch das andere. Die Antwort ist daher genaugenommen gleichermaßen ernüchternd als auch einfach: Betrachtet man nur die Pixel-Anzahl, so wird die Marketingbegrifflichkeit schnell als leere Worthülse entlarvt. Doch unter einem anderen Blickwinkel ändert sich das schnell. Denn betrachtet man das Gesamtbild, so handelt es sich bei dem Begriff "Ultrapixel-Kamera" eher um eine übergeordnete Instanz - genauso wie bei Nokia, wo sich die Bezeichnung "Pureview" nicht als Hinweis auf eine bestimmte Technik versteht, sondern auf besonders gute Bildqualität. Da bleibt allerdings die Frage, warum HTC dann noch mit dem Begriff Zoe-Kamera jongliert.

Um das zu erreichen, macht HTC zwar scheinbar (nämlich bei der Auflösung) einen Schritt zurück und widersetzt sich dem Megapixel-Rennen, kompensiert das aber an anderen Stellen wieder, so dass aus dem vermeintlichen Rückschritt der logische Fortschritt wird. Etwa bei der Sensor-Größe. Eines der Hauptprobleme von Digitalkameras ist die zunehmende Pixel-Menge bei gleichbleibend kleinem Sensor. Als Resultat sinkt die verfügbare Größe für die einzelnen Bildpunkte immer weiter ab und bei schwindendem Licht gehen zunehmend Details verloren. Gerade bei Handys, bei denen der Platzaspekt wegen der Menge an Zusatztechnik abseits der Kamera noch stärker zum Tragen kommt, verwackeln dann entsprechende Bilder schnell, denn als Ausgleich für zu wenig Licht wird einfach die Belichtungszeit unzumutbar verlängert. Bildrauschen macht sich trotzdem breit und irgendwann mutieren Partyaufnahmen zum ungewollten Suchspiel nach dem eigentlichen Motiv.

Ein Problem, zwei Hebel

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Die Pixel sind wesentlich größer, als bei der Konkurrenz | (c) Hersteller

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Mehr Licht auch durch eine große Blende | (c) Hersteller

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Der optische Bildstabilisator gleicht ungewollte Bewegung aus | (c) Hersteller

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Das funktioniert über 2 Achsen | (c) Hersteller

HTC setzt genau an diesem Problem zwei Hebel an: Sensorgröße und Bildstabilisator. Genaugenommen bleibt die Sensorgröße gleich - in etwa so groß wie bei der Konkurrenz mit 8 oder 13 Megapixel. Durch die geringere Pixel-Anzahl wächst aber der verfügbare Platz jedes einzelnen Pixel. Zum Vergleich: Den Sensor des HTC One gibt der Hersteller bei 4,3 Millionen Pixel mit einer Größe von 1/3 Zoll an. Die meisten Konkurrenten verwenden bei 8 Millionen oder gar 13 Millionen Pixel sogar einen mit 1/3,2 etwas kleineren Sensor. Bei HTC resultiert daraus eine Pixel-Größe von etwa 2 Mümeter, die Wettbewerber kommen meist auf 1,4 oder sogar nur 1,1 Mümeter. 2 Mümeter sind sogar für Kompaktkameras kein schlechter Wert. Zusammen mit einer großen Blendenöffnung von f/2.0 verspricht der taiwanische Hersteller daher 300 Prozent mehr Lichtausbeute und damit bei schlechtem Licht weniger Bildrauschen, mehr Details und weniger Verwackler. Ob dieses Versprechen zu halten ist, werden Tests zeigen müssen. Fotoexperten wie der ehemalige Nokia-Mitarbeiter Damian Dinning sind da skeptisch.

An diesem Punkt setzt auch der optische Bildstabilisator ein. Ähnlich wie beim Nokia Lumia 920 sorgt er dafür, dass die Optik beim Auslösen ruhiger gehalten wird. Der Vorteil: Die Belichtung kann bei Bedarf deutlich verlängert werden, ohne dass es zu Verwacklern kommt. HTC spricht von einem echten 2-Achsen-Gyroskop, das mit einer Rate von 2.000 Hertz "viel schneller als alle vergleichbaren Handy-Kameras mit optischem Bildstabilisator" ist - also als das Nokia Lumia 920 als einzigem Gerät mit dieses Feature. Der Stabilisator von HTC kann nach eigenen Angaben Bewegungen von 1 Grad in alle Richtungen ausgleichen. Zusammen mit einem speziellen Bildverarbeitungs-Chip, der unter anderem für doppelte Auslösegeschwindigkeit im Vergleich zum HTC One X sorgt und HDR-Videos erlaubt, sollen Fotos mit dem HTC One schlicht und einfach deutlich besser werden als bei Konkurrenzprodukten - obwohl die teilweise die dreifache Auflösung bieten. So viel zumindest zur Theorie. Echte Vergleichswerte werden nämlich erst ausführliche Tests liefern, vielleicht können wir schon morgen selbst erste Aufnahmen mit dem Gerät machen. Und erst dann wird sich wirklich zeigen, ob die Ultrapixel Kamera ultra-genial oder doch eher ultra-lächerlich wird.

Vorläufiges Fazit
Ist die Ultrapixelkamera im HTC One nur ein Marketing-Gag oder gar ein Schwindel? Wenn man nur den irreführenden Namen betrachtet, der schnell auf eine besonders hohe Auflösung schließen lässt, ja. Sieht man diesen Begriff aber so wie Nokias "Pureview" als Hinweis auf besonders gute Bildqualität, dann erscheint der markige Ultra-Begriff durchaus gerechtfertigt - zumindest in der Theorie. Denn statt weiterhin am Pixel-Rennen teilzunehmen, macht HTC sein eigenes Ding und setzt auf Qualität statt Quantität. Das ist aber auch vielmehr ein logischer Schritt als eine Revolution und da mutet es schon beinahe verwunderlich an, das sich niemand anderes bislang an dieses Thema getraut hat.

Mutig ist der Schritt von HTC allemal. Jetzt müssen die Taiwaner nur noch beweisen, dass sie die Theorie auch in die Praxis umsetzen können. Denn trotz sichtbarer Fortschritte im vergangenen Jahr: Als Kameraexperte geht das Unternehmen immer noch nicht wirklich durch und mit dem Titan 2 und seiner 16-Megapixel-Optik verfolgte man im vergangenen Jahr noch den genau gegenteiligen Weg zur Ultrapixel-Kamera im HTC One.

Themen: Android-Smartphone
Quelle: Aremobile, HTC

Endlich, endlich! Klasse statt Masse, 4 Megapixel mit Ultra-Platz, statt zwölf Megapixel in Micro-Größe - bitte, bitte, bitte, HTC: Hoffentlich habt ihr dieses Mal mehr Wert auf das wirkliche Funktionieren dieses Prinzips gesetzt, statt auf Markting... Los, überzeugt mich!

Persönlicher Kommentar von Stefan Schomberg

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Kommentare
  1. 21.02.13 15:42 pixelflicker (GURU)

    Stimmt, hast recht, jetzt seh ich es erst. Man darf erst erfahren, dass das ein Link ist, wenn man mit der Maus drüber fährt. Ein Glück, dass ich nicht mit dem Tablet hier surfe. ;-)

  2. 21.02.13 13:13 Stefan Schomberg (Testleiter areamobile.de)

    @Boneko und besonders Pixelflicker ;)

    Klar ist die Quelle verlinkt - so wie meistens. Unter dem Artikel.

    mfg

  3. 21.02.13 13:00 pixelflicker (GURU)

    Ein Foveon X3 Chip ist es definitiv nicht (das wäre der mit den drei Schichten), das was htc verbaut ist ein einschichtiger Chip, der durch besonders hohe Lichtemfpindlichkeit punkten soll. Der Bildstabilisator dürfte dem des Lumia sehr ähnlich sein, angeblich ist er ja etwas empfindlicher auf Bewegung, aber viel Unterschied wird da nicht sein. Marketing halt. Für mich ist nur wichtig, dass er für Barcodes-Lesen reicht und das er flach im Gehäuse sitzt. Ich könnte sogar komplett auf ihn verzichten, schließlich würde die vordere Kamera auch für Bardoces reichen, wäre aber etwas unkomfortabler.


    @boneko:
    araemobile gibt fast nie Quellen an. ;-)

  4. 21.02.13 12:26 boneko

    Hier übrigens die Quelle: http://www.htc.com/www/zoe/sensor/ (könntet ihr rujig verlinken..)

    Bei dem Vergleichsbild oben ist anzumerken, dass das rechte auf obiger Seite den Dateinamen "iPhone5.jpg" trägt, also würde ich nicht sagen, dass die Quelle des Bildes nicht bekannt ist ;)

  5. 21.02.13 12:01 Laborant (Expert Handy Profi)

    Die Gesamte Optik sei - laut dem Whitepaper von Nokia - Schwimmend gelagert. Die Bewegungen werden vom Gyroskop aufgenommen und mittels einer (wahrscheinlich) Magnetischen Ansteuerung auf die Optik übertragen.
    (über die Ansteuerung der Optik hab ich leider nix gelesen).
    Laut dem Whitepaper erkenne das System 500 Bewegungen pro Sekunde, was schliesslich zu einer Verachtfachung der möglichen Verschlusszeiten führt.
    Die Whitepapers zu PureView und PureMotion kann man hier runterladen. http://press.nokia.com/products/575/nokia-lumia-920/

    Hat HTC auch ein Whitepaper rausgegeben? Wenn die drei Sensoren nutzen würden, würde ich damit mal ehrlich Gesagt Prahlen. Denn das ist etwas, was es in Smartphones noch nicht gibt. Ich habe nur mal gehört, dass das Minolta (?) verwendet(e). Weiss überhaupt wer, wie das ganze Funktioniert? Ich meine, so Trivial ist das dann doch nicht :D

  6. 21.02.13 10:37 no way (Handy Profi)

    gut das würde ja für die objektiv variante sprechen...
    Danke.

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