Werde Teil der Community - Registriere dich jetzt kostenlos! | Login
 
 

Plattform-Duell: Blackberry 10 versus Windows Phone 8

2013 wird das Jahr des Aufstiegs eines dritten Ökosystems auf dem Smartphone-Markt. Das erwarten nicht nur die Analysten von Gartner. Und als aussichtsreiche Kandidaten für den Platz hinter den dominierenden Smartphone-Plattformen Android und iOS gelten Windows Phone 8 und Blackberry 10. Doch welches der beiden Systeme wird das Rennen machen? Areamobile analysiert die Stärken und Schwächen von Windows Phone 8 und Blackberry 10 für die Nutzung der Smartphones im privaten Bereich.

Blackberry 10 vs. Windows Phone 8: Die Anbieter

Nokia Lumia 920 und Blackberry Z10 | (c) Hersteller / Areamobile

Nokia Lumia 920 und Blackberry Z10 | (c) Hersteller / Areamobile

Wer steht sich da eigentlich gegenüber? Auf der einen Seite das ehemals unter Research in Motion (RIM) firmierende kanadische Unternehmen Blackberry, das Smartphones und Tablets sowie die gleichnamige Mobil-Plattform aus einer Hand anbietet. Der Anteil von Blackberry OS am Smartphone-Markt ist von über 20 Prozent in 2009 auf 3,5 Prozent in Q4 2012 gesunken. Mit der neuen Plattform Blackberry 10 wollen die Kanadier wieder in die Erfolgsspur zurückgelangen. Erstes Smartphone mit Blackberry 10 ist das Blackberry Z10, demnächst wird mit dem Blackberry Q10 ein weiteres folgen. Das zwischenzeitlich schon als veraltet geltende Tablet-Modell Blackberry Playbook kann mit Blackberry 10 aktualisiert werden und womöglich eine Verkaufs-Renaissance erleben. Blackberry verfügt über knapp 3 Milliarden US-Dollar an liquiden Mitteln und ist schuldenfrei.

Blackberry kann noch auf eine Basis von rund 79 Millionen registrierten Blackberry-Nutzern in über 175 Ländern und von rund 60 Millionen Nutzern des Blackberry Messenger (BBM) bauen. Es pflegt außerdem Beziehungen zu über 660 Mobilfunkbetreibern und Distributionspartnern und zählt mehr als 90 Prozent der Fortune 500 sowie viele Behörden und Regierungsstellen zu seinen Kunden. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen auf zahlreichen Events in verschiedenen Städten rund um den Globus massiv um die Unterstützung der Entwickler geworben.

RIM Zeigt Blackberry OS 10 Beta 3 auf dem Blackberry Jam Americas | (c) Unternehmen

Blackberry-Chef Thorsten Heins | (c) Blackberry

Auf der anderen Seite steht der Plattform-Betreiber Microsoft mit einem Eigenkapitalberg von 70 Milliarden US-Dollar und seinen Hardware-Partnern wie HTC und Samsung sowie vor allem Nokia. Die Finnen haben sich ganz dem Microsoft-OS verschrieben und bieten zurzeit die größte Anzahl an Windows Phones und mit etlichen speziellen Diensten und Anwendungen sicherlich auch die interessantesten Geräte für das Microsoft-OS. Windows Phone startete vor gut drei Jahren mit der Betriebssystemversion 7, Anfang November 2012 gingen im deutschen Handel die ersten Smartphones mit Windows Phone 8 an den Start - Windows Phone 8 hat also einen Marktvorsprung und im vergangenen Jahr noch das traditionell lukrativere Weihnachtsgeschäft mitnehmen können. Dennoch lag der Marktanteil von Windows Phone in Q4 2012 nur bei knapp 3 Prozent.

Der ehemalige Marktführer Nokia befindet sich noch in der Phase der Restrukturierung, von der der Wechsel auf Windows Phone nur ein Bestandteil war. Im vierten Quartal 2012 kamen die Finnen laut Gartner auf einen Smartphone-Marktanteil von 18 Prozent, den geringsten Wert in der Firmengeschichte, und das auch nur dank der Einbeziehung der ausgelieferten Geräte der Feature-Phone-Serie Asha. In Oktober, November und Dezember 2012 lieferte Nokia 4,4 Millionen Lumia-Smartphones mit Windows Phone aus. Die Barreserven des Handy-Herstellers belaufen sich auf knapp über 4 Milliarden Euro. Andere Hardware-Partner wie Samsung und HTC haben zwar ebenfalls zumindest ein oder zwei Smartphones mit Windows Phone 8 gelauncht, doch sie fahren bislang eher passiv auf dem Windows-Phone-Zug mit.

Auch Microsoft und Nokia waren vor dem Start von Windows Phone auf Werbetour bei Mobilfunkanbietern und Fachhändlern gegangen. Vor dem Launch von Windows Phone 8 haben sie noch einmal ihre Anstrengungen erhöht, um dafür zu sorgen, dass die Windows Phones vom Beratungspersonal in den Geschäften auch wirklich als ernsthafte Alternative zu Android oder dem iPhone angesprochen werden. Denn über so tiefgehende Verbindungen mit den Mobilfunkbetreibern und eine so starke Marke im Smartphone-Bereich wie Blackberry verfügt Microsoft - anders als im PC-Bereich - inzwischen nicht mehr.

Handy-Vergleich | (c) Areamobile

Smartphones von Nokia, Samsung und HTC mit Windows Phone 8 | (c) Areamobile

Fazit: Mit Microsoft/Nokia sowie Blackberry sind drei Schwergewichte der Branche mit großen finanziellen Ressourcen sind zum Neuanfang und Umdenken gezwungen, auch in Sachen Marketing. Microsoft und Nokia haben zusammen wesentlich mehr Ressourcen und einen zeitlichen Vorsprung, die Marketing-Maschinerie für Windows Phone 8 läuft auf vollen Touren. Blackberry steigert die Verfügbarkeit seiner Smartphones in Deutschland eher leise - so gewinnt man kaum Kunden hinzu.

Blackberry 10 vs. Windows Phone 8: Betriebssystem und UI

Blackberry verfolgt beim neuen System mit seiner gestenbasierten Benutzeroberfläche einen neuartigen Ansatz: Hier wischt man hoch, runter, nach links, nach rechts oder schielt ("Peek") kurz mal in den zentralen Mitteilungs- und Benachrichtigungs-Eingang Blackberry Hub. Das Bedienkonzept heißt "Flow", der Nutzer kann direkt von Anwendung zu Anwendung wechseln, ohne Umweg über einen App-Launcher. Bis zu acht Anwendungen können gleichzeitig laufen und in einer Übersicht als sogenannte Active Frames aufgerufen werden. Widgets wie bei Android oder Live-Tiles wie bei Windows Phone oder andere Möglichkeiten zur Personalisierung des Geräts gibt es für Blackberry 10 nicht. Während das Menü flach und die Anordnung der einzelnen Bereiche übersichtlich ist, müssen die Bediengesten erst neu erlernt werden. Das geht nicht innerhalb von einigen Minuten, sondern braucht Tage intensiver Anwendung, bis man wirklich alle Kniffe - und auch noch bestehende Mängel - des Systems entdeckt hat. Erfreulich, dass Blackberry auf seinen neuen Geräten wie etwa dem Blackberry Z10 ein Lernprogramm für Einsteiger - und das sind jetzt erst einmal alle Erstnutzer eines Blackberry-10-Smartphones - anbietet.

Funktionen von Blackberry 10 | (c) Anbieter

Blackberry 10: App-Übersicht

Funktionen von Blackberry 10 | (c) Anbieter

Blackberry Hub

Funktionen von Blackberry 10 | (c) Anbieter

Active Frames | (c) Anbieter

 

Gewöhnen müssen sich die Nutzer auch an die neue Tastatur von Blackberry 10: Sie passt sich mit der Zeit dem Schreibverhalten des Nutzers an, liefert beim Tippen zwischen den Zeilen Wortvorschläge, die in das Textfeld geschnippt werden können, und erkennt automatisch die jeweils genutzte Sprache. Der Blackberry Hub sammelt Mitteilungen aus den verschiedenen Kommunikationskanälen wie SMS/MMS, E-Mail, Blackberry Messenger, Social Networks sowie Benachrichtigungen von Apps "built for Blackberry". Angesichts der Vielzahl an eintreffenden Informationen bietet der Blackberry Hub Filter für einzelne Nutzerkonten, bei längerem Drücken einer Mitteilung werden am rechten Rand Optionen zur weiteren Vorgehensweise eingeblendet. Der Lock-Screen von Blackberry zeigt Informationen aus dem Blackberry Hub an, bietet aber keine Schnellzugriffsmöglichkeit auf den Posteingang. Dafür muss erst der Lock-Screen hochgeschoben werden. Nur die Kamera-Anwendung lässt sich durch längeres Drücken des Kamera-Icons auf dem Sperr-Bildschirm direkt öffnen. Der Browser von Blackberry 10 unterstützt neben HTML5 auch Flash und übliche Features wie beispielsweise Bookmarks oder einen Lesegerät-Modus, bei dem alle Grafiken herausgefiltert werden und nur noch Text angezeigt wird.

Das Menü von Windows Phone 8 ist ebenfalls kaum verzweigt und auch für Einsteiger auf Anhieb leicht zu durchschauen. Es gibt einen Homescreen im Kachel-Design, auf dem sogenannte Live-Tiles mit permanent aktualisierten Informationen, Anwendungen und Verknüpfungen liegen. Der Nutzer kann die Größe der einzelnen Tiles in drei Stufen verändern sowie die Auswahl und ihre Anordnung variieren. Durch eine seitliche Wischgeste gelangt der Nutzer in die App-Übersicht in schlichter Listenform - mehr gibt es auf der oberen Menüebene von Windows Phone 8 nicht. Bei vielen installierten Apps wird das schnell unübersichtlich, dann hilft nur eine Suche nach Anfangsbuchstaben. In den bunt und grafiklastig gestalteten Anwendungen mit mehrseitigem, nebeneinander liegendem Aufbau wird es etwas unübersichtlicher, doch mit der Zeit bewegt sich der Nutzer auch hier sicher. Als Browser ist der Internet Explorer 10 mit Funktionen wie Phishing-Filter und SmartScreen an Bord, statt Flash unterstützt er Silverlight.

Nokia Lumia 920 Unboxing | (c) Areamobile

Windows Phone 8: Homescreen

Nokia Lumia 920 Unboxing | (c) Areamobile

In der Größe veränderbare Live Tiles

Nokia Lumia 920 Unboxing | (c) Areamobile

App-Übersicht | (c) Areamobile

 

Fazit: Windows Phone 8 ist auch für Einsteiger auf Anhieb verständlich und lässt sich vom Nutzer ausreichend personalisieren, die Bedienung von Blackberry 10 muss erst erlernt werden und die Benutzeroberfläche lässt sich nicht personalisieren. Geschlossen sind beide Systeme, mit all den damit verbundenen Vor- und Nachteilen. Auch in Sachen Browsing sind beide Plattformen jetzt konkurrenzfähig zu Android und iPhone, leichte Vorteile bei Geschwindigkeit und wegen der Fähigkeit, Flash zu nutzen, sehen wir bei Blackberry.

Blackberry 10 vs. Windows Phone 8: System-Updates

Eine so starke Fragmentierung des Betriebssystems wie bei dem Google-Betriebssystem Android gibt es weder bei Blackberry 10 noch bei Windows Phone 8. Zwar gibt es bei beiden Systemen einen Schnitt, ab dem alte Geräte zum neuen System nicht mehr upgrade-fähig sind (bei Windows Phone Version 8, bei Blackberry der Wechsel von Version 7 zu Version 10), Android kennt aber deutlich mehr Versionen mit eigenen Hardware-Restriktionen. Auch bei Blackberry 10 und auch bei Windows Phone 8 werden Firmware-Updates zu unterschiedlichen Zeitpunkten in den verschiedenen Märkten und von den verschiedenen Hardware-Herstellern ausgerollt. Das liegt daran, dass die neue Firmware erst in den jeweiligen Netzen getestet wird und die Mobilfunk-Unternehmen das Update erst freigeben müssen.

Blackberry 10 vs. Windows Phone 8: App-Angebot

Im vergangenen Jahr hat Blackberry auf zahlreichen Events in verschiedenen Städten rund um den Globus massiv um die Unterstützung der Entwickler geworben, ihnen mehrere Tools zum Programmieren von Apps an die Hand gegeben und ihnen zudem eine Möglichkeit geboten, bereits für Android entwickelte Apps auf einfache Weise auf Blackberry 10 zu portieren. Das Ergebnis: Die neue Plattform startete mit mehr als 70.000 Apps in der Blackberry World, jede Woche kommen 1.000 dazu - ein echter Achtungserfolg, auch wenn es sich bei vielen um einfache Android-Umwandlungen und nicht um Anwendungen mit dem Prädikat "built for Blackberry" handelt. Es wird sich im Test zeigen müssen, wie sich diese von Android portierten Apps auf den Blackberry-10-Smartphones verhalten - je unauffälliger, desto besser. Wichtig wird auch sein, dass Blackberry 10 im App-Bereich das aktuelle Momentum aufrechterhalten kann.

Während der Spielebereich zumindest zurzeit ein Schwachpunkt von Blackberry 10 ist, punktet Windows Phone 8 unter anderem mit der Xbox-Live-Integration. Das Betriebssystem startete vor drei Jahren mit nur 5.000 Apps, mittlerweile stehen im Windows Phone Store rund 130.000 Apps zur Auswahl. Weil Microsoft bei der App-Anzahl für Windows Phone aber damit noch lange nicht mit den Angeboten im Google Play Store für Android oder im iTunes App Store für das iPhone mithalten kann, verweist das Unternehmen gerne auf die Qualität seines App-Angebots oder auf sein Angebot an Apps mit lokaler Relevanz für den Nutzer. Nicht zu Unrecht.

Die unter Smartphone-Nutzern beliebtesten Anwendungen mit dem bekannten Funktionsumfang sollten jedoch verfügbar sein, sonst empfinden das die Nutzer als Makel. Wie gut oder schlecht das App-Angebot einer Mobil-Plattform ist, hängt am Ende aber immer mit den individuellen Vorlieben und Bedürfnissen der Nutzer ab. Bislang schafft es nur Nokia, seine Lumia-Smartphones mit speziellen Apps von den Windows Phones von HTC, Samsung und Huawei abzuheben. Dazu zählen vor allem ortsbezogene Anwendungen wie Bus&Bahn oder City Kompass und Apps mit zusätzlichen Kamera-Funktionalitäten.

Fazit: Nachholbedarf in Sachen Apps haben beide. Der Windows Phone Store hat einen zeitlichen Vorsprung und daher zurzeit ein größeres App- und Content-Angebot als die Blackberry World, das Momentum hat aber zurzeit Blackberry 10. Blackberry hat sicherlich den früheren Start von Windows Phone mit einer mageren App-Auswahl beobachtet und den Fehler des Konkurrenten, diesen Bereich anfangs vernachlässigt zu haben, nicht wiederholt.

Blackberry 10 vs. Windows Phone 8: Besondere Dienste

Die integrierte Location-Plattform von Nokia mit Nokia Karten und Nokia Drive ist ohnehin eine der großen Stärken von Windows Phone. Karten-Downloads über Wlan, Navteq-Traffic-Service, 3D-Straßenansichten, kostenlose Turn-by-Turn-Navigation in vielen Ländern, Fußgänger-Navigation, Indoor-Karten, Einbindung von öffentlichen Verkehrsmitteln in einigen Städten - Nokia bietet in Sachen ortsbezogene Dienste das volle Programm, wobei die Dienste mittlerweile auch nahtlos miteinander verknüpft sind. Blackberry 10 baut dagegen auf Karten von TomTom und offeriert bislang nur ein mageres Navigationsangebot ohne Satellitenansicht, ohne Street View und mit einer sprachgestützten Routenführung nur auf Englisch. Ebenfalls zur Windows-Phone-8-Plattform gehören der Videocall- und Messaging-Dienst Skype, in den auch der Windows Live Messenger eingeht, sowie die Anbindung an den Cloud-Dienst Skydrive, bei dem jeder Nutzer eines Windows Phone 7 Gigabyte Online-Speicherplatz für Fotos, Videos und Dokumente erhält.

HERE | (c) Nokia

Nokia-Dienste auf der Location-Plattform Nokia Here | (c) Anbieter

Eines der besonderen Features von Blackberry 10 ist die Anwendung Blackberry Balance. Damit ist das Blackberry Z10 eigentlich zwei Smartphones: eines für die private Nutzung und eines für die berufliche Nutzung mit Zugang zum Firmennetzwerk. Beide Bereiche sind strikt voneinander getrennt, berufliche Daten lassen sich nicht auf den privaten Bereich übertragen. Der Wechsel von einem zum anderen Bereich gelingt aber schnell per einfacher Wischgeste. Wenn im April das Blackberry Q10 herauskommt, wird es auch ein Blackberry-10-Smartphone mit echter Volltastatur geben, auf das trotz des Touchscreen-Booms manche Nutzer nicht verzichten wollen - Windows Phone 8 bietet nicht auch nur ein solches Gerät. Mit dem Blackberry Messenger (BBM) sind jetzt auch Videocalls unter BBM-Nutzern möglich. Auf einen speziellen Cloud-Dienst wie etwa Skydrive für Windows Phone müssen oder können - je nach persönlichem Bedarf - Blackberry-10-Nutzer verzichten.

Fazit: Blackberry 10 zieht im Business-Bereich (Stichwort "Bring Your Own Device" oder kurz "BYOD"), Windows Phone 8 im privaten, speziell bei Navigation und bei Games.

Blackberry 10 vs. Windows Phone 8: Die Smartphones

Insgesamt stehen zurzeit sechs Smartphone-Modelle mit Windows Phone 8 von den Herstellern Nokia, HTC, Samsung und - in Kürze - Huawei zur Auswahl. Nokia hat mittlerweile sein drittes Smartphone mit Windows Phone 8 in Deutschland herausgebracht. Das Nokia Lumia 620 (269 Euro UVP) richtet sich anders als das Flaggschiffmodell Lumia 920 (649 Euro UVP) oder das Mittelklasse-Smartphone Lumia 820 (449 Euro UVP) an preisbewusstere Nutzer. Außerdem haben die Finnen kürzlich auf dem Mobile World Congress in Barcelona schon zwei weitere Mittelklasse-Smartphones der Lumia-Reihe vorgestellt. Noch im März kommt mit dem Huawei Ascend W1 ein nur rund 200 Euro teures Smartphone mit Windows Phone 8 hinzu. An Windows Phone 8 interessierte Nutzer finden somit eine große Spannweite der Preise für die Smartphones vor.

Das Vorzeige-Smartphone Lumia 920 punktet mit seiner von Nokia und Carl Zeiss entwickelten Pureview-Kameratechnologie mit optischem Bildstabilisator, einem brillanten 4,5 Zoll großen Touchscreen mit einer Auflösung von 1.280x768 Pixel, einem drahtlos aufladbaren Akku, NFC- und LTE-Unterstützung sowie einem schnittigen Design. Das hochwertig wirkende Unibody-Gehäuse aus Polycarbonat hat jedoch gravierende Nachteile: Der 32 Gigabyte große Speicher des Nokia Lumia 920 lässt sich nicht per microSD-Karte erweitern und der Akku nicht auswechseln. Abgesehen von einigen Extras ähnelt sich die Hardware der verschiedenen Smartphone-Modelle mit Windows Phone 8 jedoch. Das liegt an den Mindestanforderungen wie etwa einem Dual-Core-Prozessor von Qualcomm (Snapdragon S4) und einer von drei vorgegebenen Display-Auflösungen, die die Geräte erfüllen müssen. In allen Tests haben sich aber Smartphones mit Windows Phone 8 mit dieser Ausstattung als absolut flüssig und ruckelfrei erwiesen.

Das ab 600 Euro (UVP) teure Blackberry Z10 wird in den kommenden Wochen das einzige Smartphone mit Blackberry 10 OS im deutschen Handel sein, frühestens im April wird mit dem Start des Blackberry Q10 für Käufer eine Auswahlmöglichkeit bestehen. Blackberry bietet Plattform und Hardware aus einer Hand und hat daher bei der Zusammenstellung der Komponenten seiner Smartphones freie Wahl. Das Blackberry Z10 kommt beispielsweise mit dem Dual-Core-Prozessor Snapdragon S4 Pro MSM8960 von Qualcomm und 2 Gigabyte RAM und erweist sich in ersten Hands-ons als wahres Multitasking-Monster. Bis zu acht Anwendungen können im Hintergrund gleichzeitig weiterlaufen. Anders als bei anderen Betriebssystemen laufen hier im Hintergrund Anwendungen wie ein Videostream weiter, während ein Nutzer beispielsweise kurz neu eingetroffene Mitteilungen überprüft.

Bedient wird das Blackberry Z10 über einen 4,2 Zoll großen Touchscreen mit einer Auflösung von 1.280x768 Pixel, der 16 Gigabyte große interne Speicherplatz kann per microSD-Karte um weitere 32 Gigabyte erweitert werden. Allerdings können wie bei Windows Phone Apps und Spiele nicht auf die wechselbare Speicherkarte ausgelagert werden. Zu den Schnittstellen des Blackberry Z10 zählen neben einer 3,5-Millimeter-Buchse für handelsübliche Kopfhörer, Micro-USB und Bluetooth 4.0 auch ein Mini-HDMI-Port sowie NFC für Bezahl- und Ticketing-Dienste. Für mobile Datenübertragungen unterstützt das Blackberry Z10 GPRS/EDGE, UMTS/HSPA+ und LTE, für den Internetzugang an Hotspots Wlan n. Die 8 Megapixel auflösende Hauptkamera kommt mit Autofokus und Fotolicht. Interessant wird sein, wie lange der nur 1.800 mAh starke Akku des Blackberry-Smartphones im Alltags-Betrieb durchhält.

Fazit: Das Windows Phone Nokia Lumia 920 bietet das frischere Design und Raffinessen wie die Pureview-Kamera und einen drahtlos aufladbaren Akku, das Blackberry Z10 punktet mit der kräftigeren GPU, einem per microSD-Karte erweiterbaren Speicher und einem auswechselbaren Akku. Zurzeit deckt Windows Phone 8 aufgrund der unterschiedlichen Preispunkte ein breiteres Marktsegment ab und eignet sich auch für preisbewusstere Smartphone-Einsteiger, während Blackbery 10 zunächst eine kostspielige Angelegenheit und somit vor allem etwas für Early Adopter oder treue Fans der Plattform ist.

Blackberry 10 vs. Windows Phone 8: Mobilfunktarife

Der Blackberry Internet Service (BIS), die Datenkomprimierung und die Blackberry-Tarifoption, deren Erlöse sich Hersteller und Mobilfunkbetreiber aufteilten, sind bei Blackberry 10 Geschichte. Das Blackberry Z10 und die folgenden Smartphone-Modelle mit dem neuen Blackberry-OS können mit jedem herkömmlichen Smartphone-Tarif mit ausrreichend bemessenem Datenvolumen genutzt werden - auch auf Prepaid-Basis. Bei Windows Phones war das von vornherein so. Offenbar unterstützen die neuen Blackberrys eine Art dynamisches Netzbetreiber-Branding. Ist zum Beispiel eine Micro-SIM-Karte der Telekom oder von Vodafone eingelegt, startet das Smartphone mit dem jeweiligen Mobilfunker-Logo, das System nimmt automatisch die Internetzugangs-Einstellungen vor, und im Browser werden Netzbetreiber-Dienste wie etwa Mobile-TV als Lesezeichen angelegt. Mit SIM-Karte von E-Plus oder O2 unterbleiben solche automatischen Einstellungen.

Blackberry 10 vs. Windows Phone 8: Business-Einsatz

Die neuen Blackberrys mit Blackberry 10 gehen natürlich weiterhin als klassisches Business-Gerät durch. Mit dem Schlagwort "Mobile Computing" beschreibt Blackberry-Chef Thorsten Heins ja gerade Anwendungsszenarien, mit denen Nutzer durch mobile Endgeräte produktiver werden. Die Benutzeroberfläche mit dem Bedienkonzept "Flow" und die (echte) Tastatur sind dafür wichtige Bestandteile, andere sind das vorinstallierte Office-Paket Documents to Go von Dataviz zum Lesen und Bearbeiten von Dokumenten und Präsentationen. Für Unternehmenskunden stellt Blackberry mit dem Blackberry Enterprise Server 10 (BES10) auch eine neue Infrastruktur mit umfangreichen Sicherheits-Features bereit und erlaubt auch das Mobile Device Management von Android und iPhone - bislang nicht aber von Windows Phone.

Blackberry 10 | (c) Hersteller via Rapidberry

Blackberry 10: Blackberry Balance | (c) Hersteller via Rapidberry

Blackberry 10 | (c) Hersteller

Blackberry 10: Tastatur | (c) Hersteller

 

Ein Windows Phone mit Version 8 und echter Volltastatur für mobile Vieltipper gibt es zwar nicht. Die Smartphones mit Windows Phone 8 kommen aber mit vorinstalliertem Microsoft Office und lassen sich ebenfalls sehr gut in Unternehmensumgebungen einbinden. Der überarbeitete Office Hub ist die zentrale Komponente von Windows Phone 8 für die Bearbeitung von Office-Dokumenten. Er bietet jetzt eine Übersicht über die verschiedenen Speicherorte der Dokumente und eine grafische Übersicht aller Powerpoint-Folien. Dokumente werden mit Office 365 plattformübergreifend synchronisiert, mit der Funktion "Willkommen zurück" können Nutzer zum Beispiel auf dem Tablet an der Stelle weiterarbeiten, an der sie zuvor auf dem Smartphone unterbrochen haben.

Nokia Lumia 820 im Vergleich mit Nokia Lumia 920 | (c) Areamobile

Nokia Lumia 820 (links) und Nokia Lumia 920 | (c) Areamobile

Windows Phone 8 bietet zudem Exchange-Server-Unterstützung, integrierte Sharepoint-Optionen und eine App für den Messaging-Dienst Lync Mobile. Zu den Sicherungs-Funktionen von Windows Phone 8 zählen ein Sicherer-Start-Modus, eine Codesignatur von Betriebssystemdiensten und -anwendungen, eine Anwendungs-Sandbox und eine Bitlocker-Geräteverschlüsselung.

Fazit: Blackberrys sind das klassische Business-Tool, das bleibt auch bei Blackberry 10 so. Allerdings öffnet sich das System durch das Mobile Device Management auch anderen Plattformen und macht damit die eigenen Geräte auch im Geschäftseinsatz entbehrlicher. Microsoft kann mit der weiten Verbreitung von Windows 8 auf PCs wuchern. Da Windows Phone 8 und Windows 8 auf dem gleichen Kernel basieren, klappt auch das Zusammenspiel zwischen Smartphone, Tablet, Laptop und PC mit aktueller Betriebssystemversion perfekt.

Blackberry 10 vs. Windows Phone 8: Fazit

Smartphone-Nutzer entscheiden sich in der Regel für eine Plattform und suchen sich dann ein entsprechendes Neugerät. Um diese schon Smartphone-erfahrenen Nutzer zu einem Wechsel zu bewegen, muss eine andere Plattform schon Attraktives und Außerordentliches bieten. Sowohl Windows Phone 8 als auch Blackberry 10 tun dies auf recht eigenständige Weise. Beide Betriebssysteme müssen jedoch viel Kraft in den Imagewandel investieren. Für Smartphone-Einsteiger, die ihre Plattform-Wahl noch nicht getroffen haben, ist Windows Phone 8 die günstigere Einstiegsoption. Außerdem vefügt Microsoft über deutlich mehr finanzielle Reserven, die in flächendeckende Werbung investiert werden können. Dabei hätte gerade Blackberry Werbung nötig, um den Wandel vom staubtrockenen Business-Phone zur gelungenen Mischung aus Arbeits-und Freizeitgerät aufzuzeigen. Werbung und eine größere Bandbreite an Geräten werden wohl zumindest in den kommenden zwölf Monaten ein großer Vorteil der Microsoft-Plattform auf der Jagd nach Platz 3 sein. Wünschenswert ist jedoch, dass sowohl Windows Phone 8 als auch Blackberry 10 ihren Platz auf dem Smartphone-Markt finden und behalten - für mehr Vielfalt und mehr Auswahl für die Nutzer.

Themen: Smartphones
Quelle: Areamobile

Ich habe selbst viele Jahre lang einen Blackberry mit Hardware-Tastatur genutzt. Als Zweit-Handy war es wegen seines guten Empfangs und langer Akku-Laufzeit stets dabei. Doch irgendwann blieb es immer häufiger zu Hause liegen, bis es nur noch in der Schublade schlummerte. Ich freue mich, dass Blackberry mit dem neuen OS wieder da ist und mit dem Z10 ein Blackberry wieder zu meiner Mobil-Ausrüstung dazugehört!

Persönlicher Kommentar von Björn Brodersen

Senden
Artikel bewerten
Kommentar schreiben

Die Kommentarfunktion ist hier leider nur für angemeldete Benutzer freigegeben.

Du bist nicht dabei?
Werde Teil der Community
Registriere Dich jetzt kostenlos! | Login
Sichere Dir Deinen Usernamen, damit Deine Beiträge und Bewertungen nicht verloren gehen.
 
Lesen Sie alle 12 Kommentare in unser Community.
Kommentare
  1. 25.03.13 18:40 cms0104

    Ein Mileston mit WP8 wäre persönlicher Traum von mir ^^
    Wobei ich ganz klar WP8 den Verzug gebe vor BB10 da mir persönlich das UI besser gefällt

  2. 12.03.13 22:53 EcoWin (Gesperrt)

    Jo, das hoffe ich auch. Den Tag sehne ich mir hierbei, wo ich wieder ein Gerät à la Touch Pro 2 in den Händen halten darf...

  3. 12.03.13 21:48 Icecreamefreunde (Youngster)

    Auch wenn ich selbst WP klar im Vorteil sehe, wünsche ich mir ebenfalls BB den Erfolg. Vor allem, weil ich hoffe das andere Hersteller so animiert werden endlich mal wieder Geräte mit physischer QWERTZ-Tastatur zu entwickeln. Egal ob WP, Android oder was auch immer.

  4. 12.03.13 11:12 pixelflicker (GURU)

    @Boca:
    Warum sollten die Nutzer in Unternehmen selbst entscheiden welches Smartphone sie bekommen? Sie entscheiden ja auch nicht selbst welches Notebook sie bekommen, oder? Warum auch, das macht doch gar keinen Sinn, weil sie die Anforderungen gar nicht kennen, die Systeme die dahinter stehen und wofür andere die Geräte nutzen müssen. Das alles kann nur die IT überblicken und deswegen macht es auch keinen Sinn, wenn die Nutzer entscheiden welche Geräte genutzt werden. Am Ende wundern sie sich dann, dass sie bestimmte Funktionen nicht nutzen können und wer ist dann der Schuldige? Wenn die IT entscheidet welches Gerät genutzt wird, dann kann der Nutzer denen auf dei Füße treten, wenn was nicht klappt, aber wen tritt man auf die Füße wenn der Nutzer selbst entscheidet? Ich glaube die wenigsten Arbeitnehmer wollen das wirklich...

  5. 12.03.13 10:02 handyhacho (Advanced Handy Profi)

    @boca
    LOL jaja komm rechne nochmal vor Du BWL-Ass:)

  6. 12.03.13 07:59 chief (Handy Master)

    @Gandalf
    Dito

antworten
Aktuelle Geräte im Test