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Android 1.0 bis Android L: Wie Android erwachsen wurde

In unserer Artikel-Serie widmen wir uns der Entwicklung von mobilen Betriebssystemen von den ersten Versionen bis zum heutigen Stand. Der aktuelle Platzhirsch unter den Plattformen, die Google-Software Android, steht dieses Mal im Fokus.

Bereits 2005 hatte Google ein kleines Software-Unternehmen namens Android gekauft, ein gewisser Andy Rubin hatte die Firma gegründet. Erst zwei Jahre später, Ende 2007, gab Google bekannt, ein mobiles Betriebssystem namens Android zu entwickeln. Der amerikanische Software-Konzern war dabei aber nicht allein, Android wurde gemeinsam mit 33 Unternehmen der Open Handset Alliance entwickelt. Fast ein Jahr nach der Ankündigung, am 23. September 2008, war es dann soweit: Android erblickte das Licht der Welt.

Android 1.0 hatte zwar bereits Funktionen wie Gmail, Google Maps, den App-Store Android Market, einen YouTube-Player und Synchronisation von Kalender und Kontakten an Bord und sah in den Grundzügen ähnlich aus wie spätere Versionen, war aber etwa noch nicht vollständig auf die Touchscreen-Bedienung ausgelegt. Entsprechend war auch das erste Android-Handy, das von HTC produzierte T-Mobile G1, mit einer echten Tastatur ausgestattet, die unter dem verschiebbaren Display versteckt war. Im Frühjahr 2009 kam das G1 in Deutschland auf den Markt, hatte allerdings noch mit zahlreichen Kinderkrankheiten zu kämpfen, sowohl bei der Soft- als auch der Hardware.

Viele neue Versionen in kurzer Zeit

Nach einigen kleineren Korrekturen kam bereits im April 2009 mit Android 1.5 das erste große Update der Google-Software auf den Markt. Es trug den Beinamen "Cupcake" und begründete in dieser Hinsicht eine Nomenklatur, mit der Google den neuen Betriebssystem stets Namen von leckeren Süßspeisen verpasste. Vor allem aber kam mit Android 1.5 Cupcake die virtuelle Bildschirmtastatur, ein Feature, das auch die Hardware von Android-Smartphones grundlegend veränderte - man brauchte keine physikalische Tastatur mehr, auch wenn manche Hersteller diese sogar immer noch anbieten. Zudem brachte Android 1.5 die Widgets mit, praktische Mini-Anwendungen, die wie Icons auf dem Homescreen platziert werden können und bis heute ein Alleinstellungs-Merkmal von Android und bei den Nutzern äußerst beliebt sind.

2009 war insgesamt ein Jahr der rasanten Entwicklung bei Android. Es erschienen in schneller Folge die Updates 1.1, 1.5, 1.6, 2.0 und 2.0.1, die zahlreiche kleinere und größere Funktionen mitbrachten und Kinderkrankheiten der neuen Plattform beseitigen sollten. Vieles drehte sich zu dieser Zeit um Fehlerbehebung, die Verlängerung der Akku-Laufzeit durch eine intelligente Energieverbrauchssteuerung, neue Bluetooth-Schnittstellen und mehr. Zudem fiel der bis zur Version 1.6 bestehende Zwang zu einem Google-Account weg, dieser wird seitdem nur noch benötigt, um die Google-Funktionen und den App-Store - der inzwischen Google Play Store heißt - nutzen zu können.

Android wird erwachsen und lernt die Fragmentierung kennen

Im Mai 2010 schickte Google mit 2.2 Froyo - die Abkürzung von "Frozen Yoghurt" - auf die Reise. Froyo sorgte mit dem Wegfallen der Schranke von 256 Megabyte Arbeitsspeicher dafür, dass Android-Smartphones in dieser Richtung besser ausgestattet werden konnten. Der neue Linux-Kernel 2.6.32, der deutlich schonender mit den Leistungs-Ressourcen umging, brachte einen ordentlichen Schub in der Performance. Mit dem neuen Tethering konnte ein Android-Handy auch als mobiler Hotspot genutzt werden, die Funktion App2SD erlaubte die Installation von Apps auf der Speicherkarte, um den internen Speicher klein zu halten.

Mit Android 2.3 Gingerbread läutete Google Ende 2010 einen weiteren Paradigmenwechsel ein. Der Softwarekonzern brachte mit dem von HTC produzierten Nexus One zum ersten Mal ein Gerät unter dem eigenen Namen auf den Markt, weitere von HTC, Samsung und LG gebaute Smartphones sollten folgen. Gingerbread kam mit einer neu gestalteten Benutzeroberfläche und NFC-Unterstützung und ermöglichte den Einsatz höher auflösender Displays. In Sachen Funktionsumfang und App-Angebot hat Google mittlerweile zur Apple-Konkurrenz iOS aufgeschlossen, der Android-Nutzer muss keine großen Abstriche mehr machen - das System ist erwachsen geworden.

Im September 2010 hatte Samsung mit dem Galaxy Tab zudem das erste Tablet auf Android-Basis vorgestellt. Dieser Schritt sorgte zusammen mit der immer größeren Zahl an Android-Smartphones dafür, dass die Geräte sich in der der technischen Ausstattung immer stärker unterschieden: Verschiedenste Bildschirmgrößen und -auflösungen, extrem unterschiedliche Leistungen der verbauten Prozessoren und ähnliche Dinge trugen dazu bei, dass Entwickler und Hardware-Hersteller immer größere Probleme bekamen, Android und ihre Apps auf allen Geräten gleichmäßig zum Laufen zu bringen. Updates auf neue Versionen wurden verschoben oder abgesagt, die Zahl der parallel genutzen Softwarestände wurde immer größer. Die Fragmentierung der Plattform lag auch an den schnellen Update-Zyklen von Google selbst, die allerdings meist auch notwendig waren, um wichtige Features nachzuschieben sowie Fehler und Sicherheitslücken zu korrigen. Fragmentierung ist noch heute ein Problem, allerdings nicht mehr so gravierend wie früher, was auch an den nicht mehr so rasant veröffentlichten neuen Versionen liegt.

Android spaltet sich auf und feiert Wiedervereinigung

Mit der Version Android 3.0 Honeycomb geschah dann etwas Neues: Google brachte eine eigene Variante auf den Markt, die nur für Tablets entwickelt wurde. Damit wollte man der rasant steigenden Beliebtheit der trendigen Flachmänner Rechnung tragen. Honeycomb bekam dann auch tatsächlich eine komplett neue Oberfläche und ein einfacheres Multitasking verpasst, zudem hielten Grafikbeschleunigung und 3D Einzug.

Nur acht Monate nach der Präsentation von Android 3.0 Honeycomb führt Google mit der Version 4.0 Ice Cream Sandwich die beiden Linen für Smartphones und Tablets dann schon wieder zusammen. Das neue Android kam optisch als eine Mischung aus beiden Plattformen daher, es wirkte klarer strukturiert und weniger bunt und verspielt im Vergleich zu früheren Entwicklungsständen. Die klassischen Android-Buttons unterhalb des Displays konnten nun auch als Touch-Schaltflächen realisiert werden - eine Möglichkeit, die die Hersteller gerne annahmen. Neue Sicherheitsfunktionen wie die Gesichtserkennung im Lockscreen hielten ebenso Einzug wie ein neuer, schnellerer Browser. Die Integration mit der Cloud wurde durch verschiedene Google-Dienste immer enger, um Suchergebnisse und Angebote noch besser auf den Nutzer abstimmen und mehr Komfort bieten zu können - auf Kosten der Privatsphäre.

Jelly Bean lange nicht abgelöst

Die nächste Version hieß Jelly Bean, und das zum ersten Mal über mehrere Versionsstände hinweg, nämlich Android 4.1, 4.2 und 4.3. Zusammen mit Android 4.1 Jelly Bean stellte Google im Juni 2012 auch sein erstes Tablet vor, das von Asus produzierte Nexus 7. Die für den Nutzer auffälligste Neuerung von Jelly Bean ist "Project Butter", ein Oberbegriff für eine deutlich schneller und flüssiger animierte Benutzeroberfläche. Mit Google Now und Google Wallet wurden zwei weitere Google-Dienste auf die mobilen Geräte gebracht, die Funktion Photosphere erlaubt es Handy-Fotografen, Kugelpanoramen bis zu 360 Grad aufzuzeichnen.

Im jahr 2013 war es dann aber doch vorbei mit den Jelly Beans. Android 4.4 wurde am 1. November vorgestellt und trug als Beinamen Kitkat, also die Bezeichnung eines Schokoriegels aus dem Nestlé-Sortiment. Damit holte sich Google erstmalig eine konkrete Marke als Bezeichnung ins Boot. Das Update, welches wie üblich zunächst den Nexus-Geräten zugute kam, brachte auf optischer Seite eine leicht überarbeite Oberfläche mit, die etwa im Vollbild-Modus auf die schwarzen Balken oben und unten verzichtete. Der Google-Dienst Hangouts dient als Nachrichtenzentrale, die Telefonfunktion wurde erweitert. Zudem hat Google für Android 4.4 Kitkat die Voraussetzungen beim Arbeitsspeicher auf 512 MB gesenkt, um auch ältere und weniger leistungsfähige Geräte nicht auszuschließen.

Android wird erneut geteilt

Ähnlich wie bei der reinen Tablet-Version Honeycomb wird Android im Jahr 2014 erneut geteilt, zumindest ein kleines bisschen. Mit Android Wear erscheint eine eigene Version für Smartwatches und andere Geräte der neuen Kategorie Wearables, die mit ihren sehr kleinen Displays und eingeschränkten technischen Möglichkeiten neue Formen der Bedienung nötig machen. Eine Bildschirmtastatur gibt es bei Android Wear nicht, die gesprochene Sprache ist hier das Mittel der Wahl. Die erste Version des Betriebssystems, das Benachrichtigungen als Karten zum Wegwischen anzeigt, unterstützt allerdings noch keine Tonausgabe, Telefonieren über eine Smartwatch ist also zum Start mit Android Wear nicht möglich.

Neue Version noch ohne Namen und Nummer

Die nächste Android-Version steckt noch im Beta-Stadium fest und hat dementsprechend noch weder einen schmackhaften Beinamen noch eine Versionsnummer. Schlicht Android L heißt das nächste Update bislang. Zu den wichtigsten neuen Versionen zählt die überarbeitete Benutzeroberfläche, dessen Look Google mit "Material Design" bezeichnet. Außerdem wurde die ART-Runtime, die eine bessere Performance als die ältere Dalvik-Laufzeitumgebung bietet, noch einmal komplett überarbeitet. Auch ein neuer Lockscreen zählt zu den neuen Features von Android L.

Die Entwicklung ist noch nicht zu Ende

Es hat sich also einiges getan beim Google-Betriebssystem seit der ersten Version vor fast fünf Jahren - und die Entwicklung ist noch nicht zu Ende. Android L wird seine Versionsnummer und den vollständigen Namen im Herbst bekommen, wenn die Version das Beta-Stadium verlässt. Die wichtigsten bisherigen Android-Versionen mit den jeweiligen wesentlichen Neuerungen haben wir in einer Tabelle zusammengefasst.

Android-Version Datum Wichtigste neue Features
1.0 23.9.2008 erste Version, Browser, Gmail, Maps, Android Market, YouTube-Player, Synchronisation von Kontakten und Kalender
1.5 Cupcake 30.4.2009 Bildschirm-Tastatur, automatischer Wechsel zwischen Hoch- und Querformat, Widgets, erster Beiname "Cupcake"
2.2 Froyo 20.5.2010 neuer Linux-Kernel, weniger Ressourcen-Verbrauch, mehr als 265 MB RAM möglich, Tethering, App2SD, Flash, HTML5
2.3 Gingerbread 6.12.2010 neue, schlankere UI, höhere Bildschirm-Auflösungen, NFC-Unterstützung. deutliche Performance-Steigerung
3.0 Honeycomb 22.2.2011 reine Tablet-Version, neue UI mit Startleiste, einfaches Multitasking, Hardware-Beschleunigung, bessere 3D-Leistung
4.0 Ice Cream Sandwich 19.10.2011 Tablet- und Handy-OS zusammengeführt, neue UI, systemweite 3D-Beschleunigung, besserer Browser, Gesichtserkennung im Lockscreen
4.1 / 4.2 / 4.3 Jelly Bean 27.6.2012 flüssigere Animationen ("Project Butter"), Google Now, Google Wallet, User-Konten (auf Tablets), Photosphere, Bluetooth-LE-Support, 4K-Auflösung möglich, mehr Sprachen
4.4 Kitkat 31.10.2013 elegantere Oberfläche, Wireless Printing, Verbesserungen ART-Runtime, Bluetooth Message Access Profile (MAP), weniger RAM notwendig
Android Wear 18.3.2014 eigene Version für Smartwatches und andere Wearables, erweiterte Sprachbedienung, optimiert für sehr kleine Displays, reduzierter Funktionsumfang, App müssen angepasst werden, Notifications als Karten
Android L (Beta) 25.6.2014 Neue UI mit "Material Design", neuer Lockscreen mit "Personal Unlocking", neue ART-Runtime

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Autor: Steffen Herget
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Kommentare
  1. 20.07.14 15:54 chief (Handy Master)

    Habe es im Zusammenhang auf ibnams gelesen der allgemein erinnert hat :)

  2. 20.07.14 15:48 Gorki (Handy Master)

    @ chief, Du weißt schon das ich auf einem Post von Boca reagiert habe, oder?

  3. 20.07.14 14:44 chief (Handy Master)

    @Gorki
    Gibt es den schon Android L seit 1 Jahr? ;)

    Die Kommentare sind ein gutes Jahr alt aber im Artikel ist die Rede von Android Wear und L.

    AM hat den Artikel einfach schlampig (sorry für die Wortwahl ist aber so) einem Update unterzogen und ohne entsprechende Kennzeichnung wieder aus den tiefen des Archivs an die Oberfläche gezogen.

    Im Artikel und auf der Hauptseite ist Überschrift

    "Android 1.0 bis Android L: Wie Android erwachsen wurde"

    Auf der Community Seite unter den aktuell diskutierten Themen und wenn man in den Kommentaren im Forum ist aber lautet die Überschrift noch

    "Von 1.0 bis Jelly Bean: Wie Android erwachsen wurde"

  4. 20.07.14 13:39 M.H.
    Fehlerhafter Artikel @ admin

    "Mit Android 2.3 Gingerbread läutete Google Ende 2010 einen weiteren Paradigmenwechsel ein. Der Softwarekonzern brachte mit dem von HTC produzierten Nexus One zum ersten Mal ein Gerät unter dem eigenen Namen auf den Markt, weitere von HTC, Samsung und LG gebaute Smartphones sollten folgen."

    Als ich das gelesen habe dachte ich sofort, dass hier was nicht stimmt. Das nexus one wurde Anfang 2010 vorgestellt und nicht etwas mit 2.3 sondern mit 2.1. 2.3 wurde erst mit dem Nexus S vorgestellt!

    Bitte berichtigen.

  5. 19.07.14 22:00 theflo (Member)

    Ach der Boca wieder...

    Apple hui, Android pfui

    Veraltetes Halbwissen und die immer dieselben Sprüche.

    Dass HTC inzwischen bei Sense 6 angekommen ist und dabei auf Benutzerwünsche eingegangen ist hat er nicht mitbekommen oder ignoriert es geflissentlich weil es nicht in sein Weltbild passt.

  6. 19.07.14 21:16 M.a.K (Expert Handy Profi)

    Ich kann mich noch gut an meinen ersten Androiden erinnern. Es war das Sony Ericsson Xperia X10 in weiß.
    Mich hat das Display total begeistert, es war knackscharf und das war leider das einzige was bei dem Gerät überzeugen konnte. Am Ende ärgerte ich mich dafür mein N8 weggegeben zu haben, vor allem da ich gute Bilder mag und die 8MP des X10 schlechter waren als die 5MP des N95 und überhaupt war alles am N8 bessser, ausser dem Display. Von guten Mikrofonen und Lautsprechern hatte bei Sony Ericsson damals lieder niemand Ahnung.

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