Fairphone: Gut genug und besser als andere Smartphones

Nachdem die ersten 5.000 Kunden das Fairphone bestellt haben, geht das Android-Smartphone in die Produktion. Die Macher des Fairphone verfolgen höhere soziale Standards als andere Handy-Hersteller und wollen alle ihre Entwicklungs- und Produktionsschritte offenlegen. Ziel der Initiative ist es, sowohl Handy-Nutzer als auch -Hersteller zum Umdenken zu bewegen. Areamobile zeigt, was hinter dem Fairphone steckt, das vor allem von deutschen Nutzern nachgefragt wird.

Die Features des Fairphone

Fairphone | (c) Fairphone

Fairphone | (c) Fairphone

Das Fairphone ist erst einmal ein ganz normales Smartphone, das unter dem Google-Betriebssystem Android in der momentan aktuellen Version 4.2 Jelly Bean läuft und auf dem Papier etliche mit dem kürzlich vorgestellten Samsungh Galaxy S4 Mini vergleichbare Features bietet. Das Gerät kann dank Quad-Band-GSM praktisch in allen Ländern der Welt zum mobilen Telefonieren genutzt werden und bietet zwei Steckplätze für SIM-Karten, so dass die Nutzer über diese Dual-SIM-Funktion zwei Mobilfunkanschlüsse parallel in einem Gerät betreiben und je nach Aufenthaltsort oder Dienst spontan zwischen zwei Mobilfunktarifen wählen können. Unter den Audio-Formaten wird auch der für eine bessere Sprachqualität bei Handy-Telefonaten im UMTS-Netz (HD-Voice) genutzte AMR-WB-Standard. Für mobile Datenübertragungen unterstützt das Fairphone Standards wie eine 3,5-Millimeter-Headset-Buchse, Micro-USB, Bluetooth, GPS, Wlan mit DLNA sowie - auf einer SIM-Karte - GPRS und UMTS mit DC-HSPA+ für Datenraten von bis zu 42 Megabit pro Sekunde im Downstream und bis zu 11,5 Megabit pro Sekunde beim Datenversand. Wer nach Lücken in der Schnittstellen-Liste des Fairphone sucht, wird bei HDMI, NFC und LTE fündig, doch diese Standards fehlen auch noch bei vielen anderen aktuellen Smartphones.

Bedient wird das Fairphone über einen 4,3 Zoll großen TFT-Touchscreen mit einer Auflösung von 960 x 540 Pixel, einer Pixeldichte von 256 PPI und einer Oberfläche aus kratzfestem Dragontail-Glas, für die Rechenleistung sind ein 1,2 Gigahertz leistender Quad-Core-Prozessor von Mediatek (Mediatek 6589) und ein 1 Gigabyte großer Arbeitsspeicher zuständig. Die interne Speicherkapazität des Fairphone ist auf 16 Gigabyte begrenzt, zur Speichererweiertung für Fotos, Videos, Musik und andere Daten kann eine microSD-Karte mit bis zu 32 Gigabyte eingelegt werden. Zu den Multimedia-Features gehören eine 8-Megapixel-Kamera mit CMOS-Sensor, Autofokus und Videoaufnahme in Full-HD-Qualität von 1.080p, eine 1,3-Megapixel-Frontkamera für Videotelefonate. Im Inneren des Geräts sind zudem Sensoren wie ein Beschleunigungssensor, ein Näherungssensor, ein Helligkeitssensor, ein Gyroskop und ein digitaler Kompass verbaut.

Über das Android-OS legt der Hersteller eine offene Benutzeroberfläche von Kwame, die noch spezielle Funktionen zur Verfügung stellen soll. Das Fairphone soll sich auch rooten lassen, so dass die Nutzer bei Wunsch auch ein alternatives Betriebssystem wie etwa Firefox oder Ubuntu oder ein Custom-ROM für Android aufspielen können.

Fairphone | (c) Fairphone

Fairphone an den Kupferminen von Kolwezi (Katanga) | (c) Fairphone

Für die Stromversorgung steckt im 9,8 Millimeter dicken und 165 Gramm schweren Fairphone ein 2.000 mAh starker, auswechselbarer Akku. Im Lieferumfang werden weder ein Headset noch ein Ladekabel liegen - Fairphone verzichtet aus Umweltschutz-Gründen auf diese Beigaben, da die meisten Nutzer das entsprechende Zubehör noch von vorherigen Smartphones besitzen und das Fairphone mit Standard-Anschlüssen für Ladegerät und Headset ausgerüstet ist.

Die Kosten und die Verfügbarkeit des Fairphone

Bis kommenden Freitag, 14. Juni, läuft die erste Werberunde für das 325 Euro teure Fairphone, das ohne Vertrag vertrieben wird und mit der klassischen SIM-Karte eines jeden Mobilfunkanbieters betrieben werden kann. Die Hürde von 5.000 Bestellungen, die der Entwickler sich selbst gesteckt hat, bevor das Gerät in die Produktion geht, hat das Fairphone bereits genommen. Am gestrigen Samstagnachmittag war auf der Fairphone-Website die Zahl von 6.370 Bestellungen zu sehen. Etwa die Hälfte der Bestellungen kommt laut Fairphone aus Deutschland. Aber auch erste Unternehmen wie der niederländische Mobilfunkbetreiber KPN oder Vodafone unterstützen Fairphone. KPN beispielsweise hat angekündigt, Fairphone über 1.000 Geräte abzunehmen.

Wer das Smartphone bis 14. Juni vorbestellt, soll eine Limited Edition des Fairphone bekommen, wobei der Hersteller bislang nicht offengelegt hat, worin sich die Sonderausgabe des Geräts von den Standard-Ausführungen unterscheiden wird. Ab Spätsommer sollen die ersten 20.000 Einheiten des Fairphone von den Fließbändern laufen, so dass sie im Herbst an die Käufer ausgeliefert werden können. Bestellungen sind bislang nur in Europa möglich. Ab 2014 soll das Fairphone auch im freien Handel verfügbar sein.

Die Produktion des Fairphone

Die Macher des Fairphone wollen vieles anders machen als Samsung, Apple, Nokia & Co. Bei den Zulieferern und in den Fabriken des Auftragsfertigers A'Hong in Shenzhen and Chongqing sollen bessere Arbeitsbedingungen herrschen und faire Löhne an die Arbeiter gezahlt werden. Mit niedrigen Löhnen und regelmäßig vielen Überstunden der Arbeiter, gesundheitlichen Gefährdungen von Arbeitern durch den Kontakt mit Giftstoffen, Kinderarbeit oder gar Suiziden in den Fabriken will Fairphone nicht in Verbindung gebracht werden. Außerdem will das Unternehmen die für die Handy-Produktion gewonnen Rohstoffe aus konfliktfreien Minen beziehen. Und damit die Kunden und andere nachvollziehen können, wie fair das Fairphone produziert wird, wollen sie Transparenz zeigen und legen auf ihrer Website Informationen über die Beschaffenheit des Handys, die Partner und die Herkunftsorte der Komponenten und Rohstoffe offen.

Fairphone | (c) Fairphone

Liste der Hersteller von Komponenten für das Fairphone und des Auftragsfertigers | (c) Fairphone

Zwar will und kann Fairphone wegen Verstößen gegen die Menschenrechte in Verruf geratene Länder wie den rohstoffreichen Kongo und China mit seinen vielen Komponenten-Zulieferern und Auftragsfertigern meiden, das Start-up will jedoch in diesen Staaten nur mit Partnern zusammenarbeiten, die faire Löhne zahlen und angemessene Arbeitsbedingungen schaffen oder - im Fall der Minen im Kongo oder in Ruanda - nicht der Finanzierung von Milizen bzw. Konflikten dienen. Das sollen Überprüfungen der Arbeitsbedingungen bei A'Hong - Zulieferer der zweiten Reihe (2nd tier) werden jedoch nicht kontrolliert - sowie zwei Initiativen (CFTI and the Solutions for Hope) garantieren, mit denen sich Fairphone zusammengeschlossen hat. Für die in der Handy-Produktion wichtigen Rohstoffe Zinn, Tantal, Gold, Silber und Platin will Fairphone bereits eine "saubere und transparente Lieferkette" aufgebaut haben. Bei Wolfram sei dies noch nicht gelungen. Die Entwickler wollen das Fairphone Schritt für Schritt zu einem immer fairer produzierten Smartphone machen.

Fairphone | (c) Fairphone

Fairphone besichtigt eine A'Hong-Fabrik | (c) Fairphone

Fairphone | (c) Fairphone

Arbeiterin in A'Hong-Fabrik | (c) Fairphone

 

Der Ansatz von Fairphone endet jedoch nicht mit der Auslieferung des Smartphones. Das Fairphone setzt auf Standard-Anschlüsse für Zubehör wie Ladegerät und Kopfhörer, so dass diese nur auf Wunsch des Kunden - und gegen zusätzliche Bezahlung - mitgeliefert werden müssen und durch die Dual-SIM-Funktion wird theoretisch ein Zweitgerät, wie es mittlerweile viele nutzen, überflüssig. Der Akku des Fairphone kann ausgetauscht werden und ermöglicht so eine längere Lebensdauer des Geräts in den Händen der Besitzer, und auch andere Bauteile sollen sich über Fairphone nachkaufen und leicht austauschen lassen, so dass bei Ausfall einer Komponente nicht gleich ein neues Gerät gekauft werden muss. Und schließlich engagiert sich das Unternehmen beim Thema Recycling: Für jedes zurückgegebene Alt-Fairphone gehen 3 Euro an eine Initiative zum Entsorgen von Elektromüll in Ghana. Zukünftig soll es auch ein spezielles Rückkaufprogramm für das Fairphone geben.

Die Macher des Fairphone

Fairphone startete 2010 als Aufklärungs-Projekt zum Thema Rohstoffe aus Konfliktgebieten für elektronische Geräte. Das Team um Bas van Abel von Waag Society und Peter van der Mark von Schrijf-Schrijf stellten jedoch fest, dass sie ein entsprechendes Produkt brauchten, um die Zusammenhänge von Rohstoffgewinnung, Produktion, Vertrieb und Recycling besser erklären zu können. Dazu gründeten sie das Start-up Fairphone, dessen Mitarbeiterzahl immer noch im einstelligen Bereich liegt. Um - nach eigenen Angaben - möglichst unabhängig zu bleiben und den eigenen Idealen folgen zu können, sucht Fairphone keine Unterstützung von mehreren großen Investoren, sondern verfolgt eine Art Crowdfunding-Ansatz - erst ab einer Mindestanzahl an Bestellungen geht das Fairphone in die Produktion. Überschüsse sollen später zu einem Teil in die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Zulieferkette gesteckt werden.

Fairphone | (c) Fairphone

Fairphone-Chef Bas van Abel | (c) Fairphone

So bewertet eine Entwicklungs- und Umwelt-Organisation Fairphone

Johanna Kusch von Germanwatch bezeichnete in einem Interview mit dem O'Reilly-Verlag das Fairphone als "sehr wertvolles Projekt", das Aufmerksamkeit für das Thema faire Handys schaffe und Signalwirkung in der Branche haben könne. Sollte Fairphone mit seinem Konzept Erfolg haben, stelle sich die Frage, wozu erst die großen Handy-Hersteller in der Lage wären. Das Fairphone ist nach Einschätzung von Kusch allerdings noch weit von einem wirklich fairen Handy entfernt. Das niederländische Start-up hinter Fairphone habe noch einige Probleme zu lösen habe, die vor allem die Arbeitsbedingungen in der Lieferkette beträfen. Die Produktion des Fairphone dürfte beispielsweise nicht in kleinen chinesischen Fabriken, sondern müsste durch einen großen Hersteller erfolgen. "Dass sich die Marktführer in naher Zukunft zu einer Massenproduktion bewegen lassen, ist eher unwahrscheinlich", sagte sie. "Dazu fehlt bisher der große Absatzmarkt und das Interesse der Kunden."

Übrigens: Das Fairphone wird zwar nach einigen Fair-Trade-Standards hergestellt und vertrieben, das von Flo-Cert vergebene Gütesiegel trägt das Fairphone jedoch nicht.

Die Erfolgschancen des Fairphone

Fairphone kann noch so hehre Ambitionen haben und in seinen Bemühungen, ein möglichst fair produziertes Smartphone herzustellen, noch so erfolgreich sein - wenn die Smartphone-Nutzer nicht mitziehen, ist das Vorhaben zum Scheitern verurteilt. Fairphone ist eben auch ein Unternehmen, das Handys verkaufen muss. "Das Fairphone ist nicht das beste Smartphone im Markt, aber es ist gut genug", sagt Fairphone-Gründer Bas van Abel treffend. Interessierte Nutzer, die das Fairphone und seinen Verkaufspreis mit Smartphone-Modellen anderer Hersteller vergleichen, sollten bedenken, dass sie beim Fairphone nicht nur für die Technik und die Features bezahlen, sondern mit ihrem Geld auch andernorts bessere Arbeitsbedingungen und umweltschonendere Rohstoffgewinnung unterstützen.

Nur anhand der Zahl der verkauften Geräte will sich Fairphone allerdings nicht messen lassen: Das Unternehmen will vielmehr die Handy-Branche - laut van Bas ein "überholtes, ausgedientes System" - von innen grundlegend verändern. Dazu muss es nicht nur andere Unternehmen, sondern auch die Verbraucher zum Umdenken bewegen. In dem Fairphone finden sie ein Smartphone, das technisch auf gehobenem Mittelklasse-Niveau liegt, aber für ein reineres Gewissen sorgt.

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Kommentare
  1. 08.10.14 16:52 Biglerdi
    Fazit nach 9 Monate im Gebrauch: Topgerät

    Ich bin der glückliche Besitzer eines Fairphones "First Edition". Ich benutze dieses Handy nun seit Januar 2014 im täglichen Gebrauch. Im Vergleich zu meinem vorherigen Gerät (Sonyericson) merke ich als "Normaluser" in Sachen Geschwindigkeit keinen Unterschied. Auch wenn ich das Fairphone Spezialisten in die Hände geben, die es dann vergleichen mit einem Apple Iphone oder anderen Android Smartphones, bekomme ich die Auskunft, dass sie so direkt beim Gebrauch keinen Unterschied feststellen können in Sachen Schnelligkeiten, Handling etc. Einzig wird mir zurückgemeldet, dass das Fairphone gut in der Hand liege und die meisten PrüferInnen das etwas schwerere Gewicht schätzen, da man fühlt, dass die Hülle nicht aus Plastik, sondern eben aus Alu, einem hochwertigen Material besteht. Auch das Speichern von Fotos, Musik und Worddokumenten ist kein Problem. Die Sprachqualität beim telefonieren ist sehr gut. Der Akku hält nach 10 Monaten normalem Gebrauch bei mir noch über 2 Tage.
    Vor einer Woche besuchte ich während eines Amsterdamsaufenthaltes die Fairphone Hersteller. H"Headquarter" ist in einem alten Lagerhaus (Dockhaus) im nördl. Teil der Stadt. Vom Treppenhaus bin ich mit meiner Frau durch eine Türe marschiert, die mit dem Namen "Fairphone" angeschrieben war und stand unmittelbar in einem grossen Raum mit grossen Tischen. Um diese Tische sassen lauter junge Leute, die am Arbeiten waren. Bald stand ein junger Mann auf und fragte nach unserem Anliegen. Als wir ihm erzählten, dass wir aus der Schweiz seien und Fairphone-Besitzer seien, bat er uns Platz zu nehmen. Ein interessantes Gespräch entspann sich und uns war bald klar, dass diese jungen Menschen vollen Einsatz geben für ein Produkt, das nachhaltig und möglichst fair produziert wird. Der junge Mann erzählte von seinem 6 monatigen Aufenthalt in China bei der Firma, diese diese Faiphones herstellt (mehr unter http://www.fairphone.com). Der Techniker schaute sich unsere Fairphones genauer an, brachte sie auf den neuesten Stand und zeigte uns noch einige Tricks und gab uns noch tipps mit auf den Weg. Er erzählte uns noch, dass die "Second Edition" 2015 auf den Markt kommen soll, mit phänomenalen Neuerungen. Da darf man ja gespannt sein.
    Dieser interessante Besuch, bei dem ich die Ehrlichkeit der jungen Menschen und ihre wahren Beweggründe kennenlernte, hat mich bewogen, das Fairphone mit 5 Sternen zu bewerten. Für mich ist das Fairphone ein Topgerät.........

  2. 17.10.13 18:50 pixelflicker (GURU)

    @Boca:
    > Man kann noch so größer antikapitalistisch sein - ohne Gewinn kein Projekt .
    Was willst du denn überhaupt? Die Finanzierung steht doch schon lange. Die nötigen Geräte wurden innerhalb der gesetzten Zeit verkauft. Wo fehlt dir da die Finanzierung?


    @gorki:
    > Deine [Boca] selbstgefällige und abfällige Art nervt langsam...
    Langsam, ja...


    @Heisenberg:
    > Ich bin der Meinung, dass es selbst dann nicht wirklich gescheitert ist, wenn es
    > keinen Nachfolger gibt, weil die Finanzierung nicht lohnt. Das Projekt hat schon jetzt
    > sehr viel dafür getan die Aufmerksamkeit auf die Arbeitsbedingungen und die Bedingungen
    > unter denen die Ressourcen abgebaut werden, zu lenken. Und das war das Ziel von
    > Fairphone. Damit ist das Unternehmen schon jetzt ein Erfolg, ganz egal
    > wieviele Fairphones verkauft werden.
    Eben. Genau so sehe ich das auch.

  3. 17.10.13 11:50 IchBinNichtAreamobile.de (Handy Master)

    @chief:
    "Man kann noch so größer antikapitalistisch sein - ohne Gewinn kein Projekt ." --Boca
    >>Das ist eben nicht korrekt, denn je nachdem wie es konzipiert ist, ist ein Gewinn gar nicht notwendig.

  4. 17.10.13 11:06 Heisenberg (Gast)

    @DDD
    > Allerdings habe ich die Befürchtung das ohne weiteren Geldgebern
    > (namhafte Sponsoren) kein weiteres Modell des Fairphones zustande kommen wird.

    Ja, das Frage ich mich auch. Wenn andere Smartphone-Hersteller schon Verluste machen, dann wird es das FairPhone wohl schwer haben.

    @Chief
    > So ganz unrecht hat Boca nun auch wieder nicht und das wisst ihr.

    Womit? Er schrieb, dass das Fairphone "scheitern" wird. Ich bin der Meinung, dass es selbst dann nicht wirklich gescheitert ist, wenn es keinen Nachfolger gibt, weil die Finanzierung nicht lohnt. Das Projekt hat schon jetzt sehr viel dafür getan die Aufmerksamkeit auf die Arbeitsbedingungen und die Bedingungen unter denen die Ressourcen abgebaut werden, zu lenken. Und das war das Ziel von Fairphone. Damit ist das Unternehmen schon jetzt ein Erfolg, ganz egal wieviele Fairphones verkauft werden.

    Aber für Bocadillo mit seinem sehr eingeschränkten, radikalkapitalistischen Weltbild, gilt halt alles als "gescheitert", dass keine großen Gewinne abwirft. Der Sinn hinter dem Fairphone ist es aber nicht Gewinne zu erzeugen und deswegen kann man "Erfolg" und "Scheitern" hier nicht ausschließlich anhand der Gewinne festmachen.

    Für solche "Schlechtmenschen", denen die Arbeitsbedingungen, die Probleme bei der Ressourcengewinnung und die Ungerechtigkeiten beim Handel so völlig egal sind, habe ich ehrlich gesagt, wenig positive Gefühle über. Wenn solche Leute, dann jeden, der sich in irgendeiner Form für Probleme in dieser Welt einsetzt oder auch nur interessiert, auschließlich Hohn und Spott übrig haben, dann wünschte ich mir fast, dass diese Menschen mal einen Tag in einer Coltan-Mine im Kongo neben 14jährigen Kinderarbeitern schuften mögen.

    (EDIT: Das war jetzt nicht unbedingt auf Bocadillo gemünzt. Aber es kann sich jeder gerne den Schuh anziehen, der möchte ;)

    Wir sind ja alle selbst Mitschuld an solchen Umständen und kaufen auch alle hier die IT-Produkte, die so hergestellt werden. Nur durch totalen Konsumverzicht kann man sich schuldfrei machen. Das bedeutet aber nicht, dass man nicht versuchen kann seine dunkelgraue Weste etwas hellgrauer zu bekommen, in dem man bestimmte Produkte meidet, andere bevorzugt, so etwas wie das Fairphone unterstützt oder im ersten Schritt die Probleme wenigstens mal benennt und diskutiert ohne gleich als "Gutmensch" beschimpft zu werden.

    @IBNAM
    > Du weißt doch, diese verflixten Gutmenschen. Ich kann zwar die Skepsis per se verstehen,
    > aber nicht die vernichtende Grundhaltung, dass es keine hellen Grautöne (was man
    > gemeinhin als gut bezeichnet) gibt.

    Das hast du schön ausgdrückt.

  5. 16.10.13 22:18 DDD (Expert Handy Profi)

    Die Idee selber finde ich nicht schlecht und dementsprechend das Projekt selber auch nicht. Allerdings habe ich die Befürchtung das ohne weiteren Geldgebern (namhafte Sponsoren) kein weiteres Modell des Fairphones zustande kommen wird.

    Wie will man mit ein paar Verkauften Smartphones genug Geld zusammenbekommen um das Projekt weiter voran zu Treiben ? Und die zweite Frage ist was bringt eine Eintagsfliege, die evtl nicht mal eine ist um im schnelllebigen Smartphone Bereich eine Signalwirkung zu erzeugen ?

    Ich würde es dem Fairphone durchaus gönnen aber wenn sich das Fairphone und evtl ähnliche Projekte nicht zumindest 1 oder 2 % des Marktes Sichern ist das Ding hier fürn Arsch. Zumindest den eigentlichen Zweck entsprechend.

  6. 16.10.13 20:40 chief (Advanced Handy Master)

    So ganz unrecht hat Boca nun auch wieder nicht und das wisst ihr.

    Fair heißt in diesem Zusammenhang auch, das die Arbeiter (egal ob in den Minen oder beim Zusammenbau) Fair bezahlt werden wollen.
    Und dazu braucht man Geld. Vor allem das das Fairphone noch nicht zu 100% Fair hergestellt werden kann wird eine Menge Geld benötigt das zu ändern.

    Auch braucht man Geld um sicherzustellen das die Rohstoffe und der Zusammenbau weiterhin Fair bleiben kann. (Nachhaltigkeit)

    @Boca

    Der Ton macht die Musik ;)

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