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Apple iOS 7: Des Kaisers neue Kleider

Apple hat beim neuen Betriebssystem iOS 7 viele Dinge fundamental geändert, Grundprinzipien der mobilen Plattform aber beibehalten. Die Inspiration für viele Neuerungen im Design kommen dabei aber offenbar von der Konkurrenz.

Das Beste vieler Welten in Sachen Optik

Apple hat mit iOS 7, wie man selbst sagt, den größten Wandel in der Geschichte des eigenen Betriebssystems eingeleitet. Das dürfte auch stimmen, vor allem in optischer Hinsicht war schließlich seit langer Zeit weitgehend Stillstand angesagt, und auch die Funktionen wurden nicht unbedingt stark erweitert, von Highlights wie der Mitteilungszentrale und der Sprachsteuerung Siri einmal abgesehen.

In optischer Hinsicht kommt iOS 7 generalüberholt daher. Alle Icons des Betriebssystems wurden überarbeitet, die Darstellung ist wie erwartet flacher geworden, es gibt keine Texturen mehr, dafür neue Schriftarten, viele große Bilder beherrschen den Look. Bei der Optik hat sich Apple allerdings recht deutlich von der Konkurrenz inspirieren lassen. Die neue Mail-Anwendung beispielsweise erinnert stark an Windows Phone, der Lock-Screen und einige Menü-Elemente wiederum an Android. iOS 7 wirkt insgesamt aufgeräumter, klarer strukturiert und moderner als in den vorherigen Versionen - vielleicht kommt die optische Nähe zu den anderen Plattformen, die in dieser Hinsicht einen deutlichen Vorsprung hatten, auch ein bisschen automatisch zustande. Den Gesamteindruck verschlechtern die äußeren Einflüsse aber nicht unbedingt - Apple hat viele gute Details aus anderen Systemen verbunden und an den eigenen Look angepasst. Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen, selbst wenn Effekte wie der 3D-Desktop, der auf den Blickwinkel des Nutzers reagiert, nicht unbedingt neue Ideen sind, wie etwa ein Konzept-Video aus dem Jahr 2009 zeigt - und auch eine App aus dem Google Play Store für Android-Handys ab Version 2.3.

Apple-User müssen künftig kräftig wischen

Wer ein iPhone oder iPad nutzt, muss sich mit iOS 7 darauf einstellen, öfter mal kräftig durchwischen zu müssen - aber nicht durch die Wohnung oder um das Displays zu reinigen, sondern um die neuen Gesten der Apple-Plattform nutzen zu können. Die Notification Bar oder Mitteilungszentrale wird von oben hereingewischt - jetzt sogar aus dem Lockscreen heraus - , ein Wisch von unten bringt das neue Control Center mit Shortcuts für Anwendungen und Einstellungen hervor, ebenfalls aus jedem Bildschirm heraus. Die neue Version von Safari lässt sich durch horizontales Wischen vor und zurück steuern, von links kann außerdem eine andere Anwendung hereingezogen werden. Auffällig dabei: Vor allem das kürzlich erschienene Blackberry OS 10 setzt ebenfalls intensiv auf solche Wischereien, auch das ehemalige Palm-Betriebssystem webOS nutzte diese Gesten intensiv.

Das neue Multitasking

Auch das neue Multitasking von Apple scheint ein wenig bei anderen Anbietern abgekupfert zu sein. Beim Doppelklick auf den Home-Button erscheinen die laufenden Apps nebeneinander in einer Reihe, zum Schließen werden sie nach oben weggeschoben. Das sieht deutlich nach dem Erbe von webOS und sogar ein bisschen nach dem Multitasking am Blackberry Playbook aus. Der Fortschritt gegenüber dem bisherigen Stand der Dinge ist aber nicht zu leugnen, zumal Multitasking mit iOS 7 laut Apple für alle Anwendungen möglich sein wird. Das Betriebssystem soll sogar so intelligent sein, nach den Vorlieben des Anwenders selbst zu entscheiden, welche Apps tatsächlich aktiv weiterlaufen müssen und welche zwischendurch pausiert werden. Das soll den Akku schonen.

Die Grundzüge von IOS ändern sich kaum

Was sich auch mit iOS 7 nicht ändert, ist der grundsätzliche Aufbau des Apple-Betriebssystems. Die Homescreens bestehen weiterhin aus dem bekannten Icon-Raster, Dinge wie Widgets, Live-Kacheln oder unterschiedlich große Schaltflächen gibt es nach wie vor nicht. Das ist einerseits gut, müssen sich doch die angestammten Apple-Nutzer nicht umgewöhnen. Andererseits zeigt die Konkurrenz schon lange, wie man es anders und in mancher Hinsicht besser machen kann - Apple jedoch behält unbeirrbar den eigenen Weg bei. Sicher, jeder grundsätzliche Wandel bei diesen Dingen birgt die Gefahr, die Fangemeinde nachhaltig zu vergrätzen, Microsoft kann davon derzeit ein Lied singen. Und doch hätte man von Apple in diesem Punkt ein wenig mehr erwartet.

Fazit: Schöne neue Welt

Ein gutes Pferd springt nur so hoch, wie es muss - diese alte Binsenweisheit kam nach der Vorstellung von iOS 7 schnell in den Sinn. Apple musste etwas tun und das Betriebssystem grundlegend modernisieren, vor allem optisch, aber auch in Sachen Funktionalität im Alltag war die Konkurrenz teilweise weit enteilt. Genau das hat das Team um Designer Jony Ive erreicht, iOS 7 sieht sehr gut aus und scheint auch ein stimmiges Konzept in Sachen Bedienung zu haben, auch wenn nicht wenige Dinge zuerst bei Android, Windows Phone und Co. zu sehen waren. Apple wird die anderen Plattformen mit dem im Herbst, vermutlich zusammen mit dem iPhone 5S, erscheinenden iOS 7 wieder einfangen und mehr oder weniger gleichziehen, aber nicht überholen. Das Unternehmen geht unter der Führung von Tim Cook derzeit nicht wirklich voran, sondern läuft hinterher. Das muss nicht unbedingt etwas schlechtes sein, stellt aber schon einen Umschwung dar - Ausgang ungewiss.

Zum Nachlesen

Genauere Informationen zu den wichtigsten neuen Features von iOS 7 haben wir in einer seperaten Meldung zusammengestellt. Den Live-Ticker zur Apple-Keynote auf dem WWDC 2013 zum Nachlesen findet ihr hier. Über 100 Bilder vom Event finden sich in unserer Foto-Galerie vom Apple-Event.

Quelle: AM
iOS 7

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Kommentare
  1. 18.06.13 17:47 pixelflicker (Professional Handy Master)

    Das ist gerade ein besonders gutes Beispiel, weil sich Apple ja jetzt selbst nicht mehr an sein Patent hält. Dort war nämlich die Rede von einer vorgezeichneten Bahn innerhalb der das Entriegelungssymbol bewegt wird, wenn ich mich recht erinnere.
    Der Neue WP-Like Lockscreen funktioniert ja jetzt anders.

  2. 18.06.13 13:07 Gorki (Handy Master)

    Eben, wenn ich zum Beispiel an dieses Urteil denke: http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/urteil-gegen-bildschirmsperre-motorola-darf-in-deutschland-nicht-mehr-wischen-a-815877.html

    Da gab es noch viel weniger Gemeinsamkeiten...

  3. 18.06.13 11:38 pixelflicker (Professional Handy Master)

    > Also bitte nicht so tun, als ob da einfach geklaut wird, nur weil es Gemeinsamkeiten gibt.
    Ich kenne da eine Firma, die hat genau das schon sehr exzessiv betrieben...
    Darum geht es ja eigentlich.

  4. 18.06.13 02:55 Conny84 (Newcomer)

    IoS oder Android... ich warte auf Ubuntu und einen Hardwareproduzenten, der alle nötigen Treiber preis gibt und mich tun und machen lässt ohne mich zu überwachen.
    Alleine das Gefühl, nicht überwacht zu werden, gibt mir ein gutes Gefühl bzw. kein Schlechtes, was ich bei anderen Plattformen -so wie jetzt- habe.

  5. 12.06.13 15:58 pixelflicker (Professional Handy Master)

    Ich finde das hier sehr gut gemacht:
    http://www.youtube.com/watch?v=QYJXFD7VBYo

  6. 12.06.13 15:47 IOSammy (Advanced Handy Profi)

    @heise

    ist das PPs an mich ? ^^

    wenn ja,

    also ich bin echt definitiv überzeugter apple (iPad 4, iPhone5, AppleTV und iPod^^ habe sogar über mein LG plasma das apple logo geklebt :D:D:D) kunde und habe bis jz alles gut gefunden an sich oder es auf jeden fall nachvollziehen können. nur iOS 7 bin ich mir noch nicht 100% beim design sicher.

    und deswegen bin ich eben auch der größte kritiker von apple. ^^

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