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Handy-Kauf: Öko-Ratings der Mobilfunker helfen nicht beim Handy-Kauf

Die Eco-Bewertungen von Mobilfunkbetreibern wie Vodafone, E-Plus O2 geben keine verlässliche Orientierung beim Handykauf. Ein einzelnes Smartphone-Modell kann bei O2 die Bestnote erhalten und im Vodafone-Ranking nur im unteren Mittelfeld abschneiden. Ein globaler, branchenweiter Öko-Rating-Standard, der für Verbraucher verständlich und nachvollziehbar ist, ist nicht in Sicht.

Wir haben den Test gemacht: Wir haben die Nachhaltigkeitsnoten von Vodafone und O2 für zehn ausgewählte Spitzen-Smartphones gegenübergestellt. Das Ergebnis: Je nach Öko-Ranking kann ein einzelnes Smartphone-Modell ganz unterschiedliche Bewertungen erhalten. Prägnantestes Beispiel ist das Samsung Galaxy Note 2, das im Eco-Index von O2 die Höchstnote 5 und im Eco-Rating von Vodafone die Note 2,4 erhält. Nicht ganz so groß fällt der Unterschied beim Samsung Galaxy S3 aus: Diesem Gerät gibt O2 eine 4,3, Vodafone eine 2,6.

Vodafone und O2 haben Öko-Rankings eingeführt, um der Nachfrage nach nachhaltigen Mobiltelefonen entgegenzukommen und Handy-Käufern in ihren Shops auf einfache Weise zu zeigen, wie umweltfreundlich und fair die zur Auswahl stehenden Geräte hergestellt werden. Beide Mobilfunkbetreiber bewerten Handys und Smartphones in ihren Shops auf einer von 1 bzw. 0 bis 5 Punkte reichenden Nachhaltigkeitsskala. E-Plus führt seit Mai 2011 mit der Umweltorganisation NABU eine Bewertungssystem mit einer Skala von 0 bis 10 durch. Dafür arbeiten die Mobilfunker jeweils mit Experten anderer Unternehmen und von NGOs zusammen und verlassen sich teilweise auch auf die Angaben der Hersteller der Handys und Smartphones. Apple ist bei keinem der Öko-Rankings mit im Boot, der iPhone-Hersteller veröffentlicht lieber auf seiner Website eigene Umweltberichte zu den einzelnen Geräten. Die Telekom will wie berichtet bei der Nachhaltigkeitsbewertung seiner Handys auf im Markt befindliche Labels setzen und kein eigenes Öko-Rating-System einführen.

Unterschiedliche Kriterien und Gewichtung für Öko-Rating

Vodafone, O2 und E-Plus/NABU legen jedoch unterschiedliche Maßstäbe an die Handys und Hersteller der Geräte an. Das Eco-Rating von Vodafone berechnet sich aus mehr als 200 Einzelaspekten wie beispielsweise dem CO2-Fußabdruck oder dem Verbrauch von Rohstoffen im Herstellungsprozess. Hinzu kommen Bewertungen für soziale Aspekte wie Arbeitsbedingungen oder Anti-Korruptionsregeln bei Herstellern. Diese Informationen werden direkt bei den Herstellern abgefragt. In die Zusammenstellung und Berechnung des Abschlusswertes zwischen 1 bis 5 sind die Hersteller der Mobiltelefone nicht mehr involviert, dafür sind die Organisationen CODDE Bureau Veritas und SKM Enviros zuständig. Die drei Themenbereiche "Grünes Design", "Lebenszyklus des Mobilfunkgeräts" und "Unternehmensleistung" (das ökologische und soziale Verhalten des Unternehmens und seiner Zulieferer) gewichten im Eco-Rating von Vodafone jeweils zu einem Drittel der Gesamtnote.

Eco-Rating von Vodafone | (c) Vodafone

Eco-Rating von Vodafone | (c) Vodafone

Auch beim Eco-Index von O2 haben die Handy-Hersteller Einfluss auf das Abschneiden ihrer Geräte in der Nachhaltigkeitsprüfung. Sie waren hier aber auch - zusammen mit Forum for the Future, einer britischen NGO für nachhaltige Entwicklungen - an der Gestaltung des Kriterienkatalogs für das Öko-Ranking beteiligt. Das führte dazu, dass es auch ein Punkt wie "Handy-Funktionalität" in den Kriterienkatalog geschafft hat, den es beispielsweise im Ratgeber "Grüne Elektronik" von Greenpeace nicht gibt, und im Eco-Index von O2 ein Viertel der Gesamtnote ausmacht. Für die Berechnung der Eco-Index-Punktzahl von O2 haben daneben noch die Bereiche "Auswirkungen verwendeter Stoffe" (26 Prozent) und "Auswirkungen der Nutzung" (19 Prozent) die größte Bedeutung, das Recycling und die Lebensdauer der Geräte (4 Prozent) dagegen die kleinste.

Eco-Index von O2 | (c) O2

Eco-Index von O2 | (c) O2

Samsung Galaxy Note 2 im O2 Eco-Index: Besser geht es nicht

Diese Mixtur sorgt dafür, dass generell im Eco-Index von O2 höhere Nachhaltigsnoten vergeben werden als im Eco-Rating von Vodafone. Die Bewertung des Samsung Galaxy Note 2 ist das beste Beispiel dafür, dass das O2-System nicht funktioniert, denn besser als die Höchstnote geht es nicht - Samsung müsste alles richtig gemacht haben und bräuchte keine weiteren Anstrengungen in Umwelt- und Arbeiter-schonendere Produktionsprozesse unternehmen. Von einem wirklich "grünen" oder "fairen" Handy ist die Branche aber weit entfernt. Auch das Fairphone-Projekt erfüllt die Voraussetzungen dafür nicht.

Im Vodafone-System fallen die Bewertungen moderater, "glaubwürdiger", wenn auch nicht transparenter aus. Aktuelle Highend-Smartphone erhalten hier mittelmäßige Nachhaltigkeitsnoten, Spitzenwerte erzielen einfache Geräte wie das Nokia 100 oder das Nokia C2-05 (je 4,1). Sowohl Vodafone als auch O2 betonen, dass ihre Kriterienkataloge nicht in Stein gegossen sind, sondern regelmäßig mit allen Akteuren überprüft und diskutiert werden und gegebenenfalls auch geändert werden können.

Handys und ihre Öko-Noten Vodafone Eco-Rating O2 Eco-Index
Samsung Galaxy Note 2 2,4 5
Samsung Galaxy S4 2,5 k.A.
Samsung Galaxy S3 2,6 4,3
Apple iPhone 5 k.A. k.A.
HTC One 2,4 3,8
Sony Xperia Z 2,7 3,8
Nokia Lumia 920 / 925 3,1 / k.A. k.A.
Nokia Lumia 820 3,2 3,9
Nokia Asha 300 3,7 3,9
Blackberry Z10 2,7 3,8
Ergebnisse bei Abfragen der Handy-Eco-Werte im Juli 2013. Die Bestnote ist jeweils eine 5, die schlechteste Note eine 0 bzw. 1. Teilweise liegen den Mobilfunkbetreibern zu wenig Informationen zu den Geräten vor, in diesem Fall wird keine Note vergeben. Einige Hersteller, zum Beispiel Apple, nehmen an diesen Rating-Systemen nicht teil.

Das Bewertungssystem von NABU und E-Plus umfasst zu wenige, zu alte Handy- und Smartphone-Modelle, um an aktuellen Smartphones Interessierten mit einer Kaufempfehlung nach Öko-Aspekten helfen zu können.

Keine Vergleichbarkeit, kein Nutzen für Handy-Käufer

Generell haben vergleichende Wertungssysteme, wie sie von Vodafone, O2 und E-Plus/NABU durchgeführt werden, Vorteile gegenüber Zertifizierungs-Systemen, die es beispielsweise vom amerikanischen Mobilfunkbetreiber Sprint und dem Unternehmen UL Environment gibt. Bei vergleichenden Systemen können alle Geräte mit Noten auf der gleichen Grundlage bewertet werden, die der Verbraucher miteinander vergleichen kann. Schlechte Benotungen können zudem Druck auf die jeweiligen Hersteller ausüben, bei neuen Geräten durch nachhaltigere Produktionsprozesse bessere Bewertungen anzustreben.

Starke Abweichungen in den Bewertungen derselben Geräte in verschiedenen Öko-Rating-Systemen unterlaufen jedoch das Ziel, hiermit der langsam steigenden Nachfrage nach umweltfreundlicher und sozial gerechter hergestellten Mobiltelefonen entgegenzukommen. Das sieht auch Cornelia Heydenreich von Germanwatch so. "Die Initiativen zur Bewertung von Mobiltelefonen hinsichtlich nachhaltigkeitsrelevanter Aspekte sind grundsätzlich zu begrüßen. Kunden können dadurch verstärkt bezüglich der ökologischen und sozialen Auswirkungen von Handys sensibilisiert werden und ihre Kaufentscheidungen auch an diesen Kriterien festmachen", sagte sie Areamobile. "Allerdings gibt es derzeit kein optimales Bewertungssystem. Alle weisen noch Mängel auf."

Problematisch sei, dass die Bewertungen sehr häufig auf den Herstellerangaben beruhen und somit einerseits nicht unabhängig überprüft sind und andererseits Unternehmen, die sich an der Bewertung nicht beteiligen wollen, herausfallen. Insgesondere zu menschenrechtlichen und sozialen Themen sieht Heydenreich die Bewertungsgrundlage noch als sehr begrenzt an - beim NABU-Ranking basiere sie beispielsweise nur auf einer Studie zu Konfliktrohstoffen, während andere Probleme beim Rohstoffabbau für die Handy-Produktion wie etwa Kinderarbeit, Vertreibungen von Menschen und Umweltprobleme nicht berücksichtigt würden.

Branche strebt globalen Öko-Rating-Standard an

Germanwatch empfiehlt schon seit längerem, dass die Unternehmen eine gemeinsame Bewertung vornehmen und nicht jedes Unternehmen sein eigenes System entwickelt. Auch die Internationale Fernmeldeunion ITU spricht sich in einer im vergangenen Jahr veröffentlichten Studie für einen branchenweiten, globalen Öko-Rating-Standard aus, der auf den einzelnen Stärken der bisherigen unterschiedlichen Systeme aufbauen soll und an dessen Entwicklung unter anderem Mobilfunkbetreiber, Geräte-Hersteller, NGOs und Staatsvertreter mitwirken sollen. Das würde nicht nur mehr Transparenz für Handy- und Smartphone-Käufer bringen, sondern auch einen geringeren Aufwand für die beteiligten Unternehmen beim Erstellen, Zusammentragen und Bewerten des Datenmaterials. Bislang gibt es keine Anzeichen dafür, dass ein solcher branchenweiter Bewertungsstandard in naher Zukunft eingeführt wird.

Für Handy-Käufer bedeutet dies: Trotz der Unzulänglichkeiten der bisherigen Bewertungssysteme und der mangelnden Transparenz bei der Ermittlung der Daten bleiben die Öko-Ratings der Mobilfunkbetreiber oder die Produkt-Umweltberichte der Hersteller die einzigen Möglichkeiten, schnell an Informationen über die ökologischen und sozialen Aspekte bestimmter Handy-und Smartphone-Modelle zu gelangen. Eventuell können ihnen auch Verkäufer in den Läden auf Nachfrage mit solchen Informationen dienen.

Weiterführende Links

Quelle: AM
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Kommentare
  1. 15.07.13 19:57 CSiPhone (Advanced Member)

    War von der Arbeit aus und die Rechner wollen nicht so, wie es will.

  2. 15.07.13 16:36 pixelflicker (GURU)

    @CSiPhone:
    Was treibst du denn?

    @chief:
    Sicher gibt es die, aber den Meisten ist das doch egal. Das meistverkaufte Smartphone ist immer noch eins mit festen Akku und das schon seit Jahren.

  3. 15.07.13 13:59 CSiPhone (Advanced Member)

    Und schon wieder :D

  4. 15.07.13 13:58 CSiPhone (Advanced Member)

    Doppelpost, Sry.

  5. 15.07.13 13:54 CSiPhone (Advanced Member)

    Doppelt-Post, Sry.

  6. 15.07.13 13:48 CSiPhone (Advanced Member)

    Gibt sicherlich einige, jedoch die Mehrzahl meines Erachtens nicht. Ich finde das zwar gut, jedoch gibt es viel mehr Bereiche wo man eher was tun kann und auch muss, nur da wird es nicht gemacht.

    Als Bsp. war ich mal bei einer Vorlesung wo es um Energie/Erderwärmung/Umwelt im Allgemeinen ging (will nicht zu sehr ins Detail gehen) und allein die Sonnenenergie kann das Hundertfache von unserem Bedarf decken, nur wird so was nicht gemacht, warum? Weil die Leute an dem nicht mehr soviel Geld verdienen würden und so wird das auch bei den Handys sein, so denke ich.

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