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Blackberry: Meilensteine und Flops im Rückblick

Inhaltsverzeichnis

Lange Zeit war ein Blackberry das Smartphone schlechthin und gehörte in jede Manager-Hand. Doch ab dem Jahr 2007 änderte sich das Bild: Immer mehr Menschen sagten "iPhone", wenn sie "Smartphone" meinten - auch in der Business-Welt. Wir zeichnen die Kurve der jahrelang erfolgreichen, dann als verstaubt geltenden und momentan ein Comeback anstrebenden Plattform im Rückblick nach.

Nicht nur US-Präsident Barack Obama nutzt einen Blackberry, auch Bundeskanzlerin Angela Merkel schwört auf die Volltastatur des Blackberry. Doch im weltweiten Smartphone-Markt spielen die Smartphones des kanadischen Herstellers mit Sitz in Waterloo immer weniger eine Rolle. Das Blackberry, das einst das Smartphone definierte und als Manager-Tool schlechthin galt, hat - abgesehen von dem Zuspruch in wenigen einzelnen Märkten - nie breite Akzeptanz unter privaten Anwendern gefunden. Im Frühjahr dieses Jahres erfolgte der Relaunch mit der neuen Plattform Blackberry 10, mit dem das angeschlagene Unternehmen noch einmal das Comeback versucht. Doch möglicherweise erfolgte das Umsatteln zu spät. Trotz guter Kritiken für die neuen Blackberry-10-Smartphones kommt das Unternehmen gegen die Konkurrenz aus dem Android-Lager und gegen Apple nicht an, die immer mehr auch in den Business-Bereich vordringen. Heute eruiert Blackberry strategische Alternativen wie etwa eine Übernahme durch einen Käufer, eine Aufspaltung oder eine Privatisierung des börsenotierten Unternehmens.

Wie ist es dazu gekommen? Mit welchen Produkten ist Blackberry, vor kurzem noch unter dem Namen Research in Motion (RIM) firmierend, groß geworden und mit welchen setzte der Niedergang ein? Und was zeichnet die heutigen Blackberrys aus? Wir zeichnen die Entwicklung der Software-Plattform und der entsprechenden Handhelds nach.

Was macht den Blackberry aus?

Blackberry steht nicht nur für das Betriebssystem und die Download-Plattform für Content und Apps, für die mit dem OS laufenden Smartphones und Tablets sowie für das Unternehmen, das die Plattform betreibt und die Geräte entwickelt. Wichtiger Bestandteil von Blackberry ist auch die eigene Infrastruktur, die es als Blackberry Enterprise Server (BES) für Unternehmenskunden und als Blackberry Internet Service (BIS) für private Anwender mit einem Smartphone mit einer Betriebssystemversion bis Blackberry 7.1 OS gibt - für das neue Blackberry 10 OS steht eine neue BES-Version (BES 10) zur Verfügung, aber kein BIS mehr.

Der für Privatanwender relevante Blackberry Internet Service, der nur mit einer speziellen Tarifoption des Mobilfunkanbieters genutzt werden kann, ermöglicht über das Mobilfunknetz oder eine WLAN-Verbindung die automatische Zustellung von E-Mail-Nachrichten, den Zugriff auf E-Mail-Anlagen, die Kontakt- und Kalender-Synchronisierung sowie den Zugang zu Internetinhalten. Bei der Übertragung komprimiert der Blackberry-Server die Daten und verschickt sie portionsweise an die Geräte weiter, wie sie vom Gerät angefordert werden - dadurch lassen sich auch größere Dateien wie etwa Office-Dateien bei langsamen Datenverbindungen zügig öffnen. Dazu bietet der BIS spezielle Sicherungs-Funktionen wie etwa eine SSL-Versschlüsselung für E-Mails (OP über SSL, IMAP über SSL oder Microsoft Outlook Web Access) und Instant Messages, für Verbindungen zu Online-Shops und für mobiles Banking sowie für die persönlichen Anmeldeinformationen des Nutzers für den BlackBerry Internet Service beim mobilen Surfen im Web. Auch die auf dem Blackberry-Smartphone oder -Tablet gespeicherten Daten lassen sich per Passwort sichern und verschlüsseln.

So funktioniert der Blackberry Internet Service | (c) Blackberry

So funktioniert der Blackberry Internet Service | (c) Blackberry

Der BES für Unternehmen macht auch andere Daten aus dem Firmennetzwerk auf den Blackberry-Geräten zugänglich und bietet weitergehende Kontroll- und Sicherungs-Funktionen.

Die Anfänge der Blackberry-Smartphones

Wir überspringen die ersten mobilen Endgeräte von RIM in den 1990er-Jahren. Die Inter@active Pager 850, 900 und 950 taugten für das E-Mailen unterwegs und hatten einen eingeschränkten HTML-Browser an Bord, boten aber keine Sprachfunktionen. Der erste Blackberry-Handheld mit Telefon-Funktion war der im April 2002 gelaunchte Blackberry 5810 mit Blackberry OS 2.0. Um mit dem Gerät, in das kein Mikrofon integriert war, telefonieren zu können, mussten die Nutzer jedoch noch ein Headset anschließen. Das Blackberry 5810 unterstützte auch das Pushen und Synchronisieren von E-Mails und Terminen im Kalender.

2003 ging die 600er-Serie der Blackberry-Handhelds an den Start, die eine integrierte Telefon-Funktion mitbrachte. Im selben Jahr stärkte RIM die eigene Plattform durch den Dienst Blackberry Connect für Symbian, Windows Mobile und Palm OS, so dass der Unternehmens-Mail-Dienst auch für die Konkurrenz-Systeme bereitstand. Wichtig waren hier vor allem die Nutzer von Symbian-Geräten des damaligen Marktführers Nokia.

2003 wurden die Blackberrys auch interessanter für private Anwender, als erste Netzbetreiber POP und IMAP für mobiles E-Mailen auf dem Blackberry einführten und die farbigen Varianten der 7200er-Serie in den Markt kamen. 2004 folgten mit dem Blackberry 7510 der erste mit einem Lautsprecher ausgestattete Blackberry-Handheld sowie später im Jahr das Blackberry 7100t mit Suretype-Tastatur - hier waren die Tastaturdrücker jeweils doppelt mit Buchstaben belegt. Aufgrund seines Designs, den Hörertasten oberhalb der Tastatur sowie der Betriebssystemversion Blackberry 4.5 OS mit Multimedia-Funktionen gilt dieses Gerät als Vorläufer der Blackberry-Pearl-Reihe.

Blackberry 5810 | (c) Blackberry

Blackberry 5810 | (c) Blackberry

Blackberry 6230 | (c) Blackberry

Blackberry 6230 | (c) Blackberry

 

Die Zahl der Abonnenten des Blackberry-Dienstes wuchs rasant: 2004 zählte das Unternehmen eine Million Blackberry-Nutzer, 2005 registrierte es den fünfmillionsten Kunden, Ende 2007 waren es über elf Millionen Nutzer. Kurz vor dem Umstieg auf die neue Plattform Blackberry 10 OS gab das Unternehmen die Zahl von 79 Millionen Blackberry-Nutzern Nutzern bekannt. Zum Ende des ersten Quartals 2013, in dem der Start von Blackberry 10 OS erfolgte, fiel die Abonnenten-Zahl auf rund 72 Millionen.

Blackberry-Smartphones für private Anwender

Das erste rein an private Anwender gerichtete Modell war das im Oktober 2006 gelaunchte Blackberry 8100 Pearl mit Blackberry 4.5 OS Trackball, Suretype-Tastatur, microSD bis 2 Gigabyte, 1,3-Megapixel-Kamera, Mediaplayer zum Abspielen von Musik und Videos sowie Bluetooth 2.0 zur kabellosen Anbindung von Headsets oder eines GPS-Empfängers. Anfangs war das Gerät für 439 Euro ohne Vertrag bei Vodafone erhältlich, sinnvoll genutzt werden konnte es jedoch nur mit einer Blackberry-Tarifoption. Blackberrys E-Mail-Push mit 1 Megabyte Datenvolumen kostete damals bei Vodafone knapp 5 Euro pro Monat. 2007 - im Jahr des ersten iPhone - folgten weitere Consumer-Geräte wie das Blackberry Curve 8300 (bei T-Mobile), Blackberry Curve 8310 (bei Vodafone) und das Blackberry 8800 mit QWERTZ-Tastatur und integriertem GPS, wobei nur bei den Curve-Geräten auch eine 2 Megapixel auflösende Kamera zu den Multimedia-Funktionen gehörte.

Blackberry 8300 Curve | (c) Blackberry

Blackberry 8300 Curve | (c) Areamobile

Blackberry 9000 Bold | (c) Blackberry

Blackberry 9000 Bold | (c) Blackberry

 

Im Mai 2008 stellte RIM mit dem Blackberry Bold 9000 seinen ersten UMTS- mit HSDPA-fähigen Blackberry vor. Weitere Features des Smartphones mit Volltastatur und Blackberry 5.0 OS waren USB 2.0, Bluetooth 2.0, WLAN und GPS sowie eine 2-Megapixel-Kamera, ein Mediaplayer und 1 Gigabyte interner Speicher sowie ein microSD-Steckplatz. Das Blackberry 9000 Bold kam im Spätsommer des Jahres in die Shops von T-Mobile und Vodafone - kurz vor dem Launch des T-Mobile G1, des ersten Android-Smartphones im deutschen Markt. Der im November 2008 eingeführte Blackberry 9500 Storm kam dagegen mit einem Touchscreen und sollte Geräten wie dem Apple iPhone 3G oder Samsung Omnia mit Windows Mobile Konkurrenz machen. Durch einen Lagesensor wurden wie beim iPhone die Inhalte auf dem Bildschirm automatisch je nach Haltung des Geräts ausgerichtet, zum Tippen gab es eine vollständige virtuelle Bildschirmtastatur. Großer Makel an diesem Gerät: Es gab keine WLAN-Schnittstelle.

Im September 2008 kündigte RIM auch die Zwei-Wege-Synchronisation von E-Mails für private Anwender mit Blackberry Internet Service (BIS) an, so dass E-Mails nicht mehr nur auf das Smartphone gepusht wurden, sondern in anderer Richtung die Anwender nicht mehr benötigte elektronische Post im Mail-Postfach auch direkt vom Handheld aus löschen konnten. Außerdem startete das kanadische Unternehmen als Pendant zum iTunes App Store von Apple einen Software-Shop mit dem Namen Application Center, dem Vorgänger der heutigen Blackberry World. Schon damals war das vergleichsweise kleine Angebot an Anwendungen das Problem. Außerdem erhielten Blackberry-Nutzer nur mit einer SIM-Karte des Netzbetreibers, in dessen Shop sie ihren Blackberry gekauft hatten, Zugang zum Application Center. Apples iTunes App Store für das iPhone war und ist dagegen an einen iTunes-Account gebunden.

Während der Nutzer des ersten Storm-Handhelds mit gefedert gelagertem Touchscreen noch echtes haptisches Feedback erfuhr, sorgten bei dem im Herbst 2009 eingeführten Blackberry 9520 Storm 2 Piezo-Kristalle zwischen zwei Folien unter der Display-Oberfläche für Rückmeldung bei Eingaben. Die Funktionsweise des sogenannten SurePress-Verfahrens: Die Piezo-Kristalle werden unter Spannung weich und formbar, im ausgeschaltetem Zustand des Handys bleiben sie hart. So fühlt der Nutzer zwar eine Art mechanisches Feedback, das mit dem Druckpunkt von herkömmlichen Tasten vergleichbar ist, umgesetzt werden die Eingaben aber elektrostatisch. Das kapazitive und Multitouch-Eingaben unterstützende Display des Storm 2 löste bei einer Diagonalen von 3,25 Zoll 480 x 360 Pixel auf.

Angenommen wurde die Storm-Reihe von den Nutzern jedoch nicht. Vor allem der Touchscreen des ersten Blackberry Storm 9500 erwies sich als pannenanfällig. So führte RIM diese Smartphone-Serie nicht weiter fort. Auch für die Pearl-Reihe kam mit dem Blackberry 9105 3G im Jahr 2010 nur noch ein weiteres Smartphone-Modell heraus. Wer heute auf die Website des Anbieters schaut, bekommt auf den ersten Blick - neben den neuen Geräten mit Blackberry 10 OS - die jüngsten Smartphones der Serien Bold, Curve und Torch angezeigt.

Blackberry 9500 Storm | (c) Areamobile

Blackberry 9500 Storm | (c) Areamobile

Blackberry 9520 Storm 2 | (c) Areamobile

Blackberry 9520 Storm 2 | (c) Areamobile

 

Der von der im Jahr zuvor von RIM übernommenen Software-Schmiede Torch Mobile entwickelte Webkit-Browser wurde im August 2010 als Bestandteil der neuen Betriebssystemversion Blackberry 6.0 OS erstmals auf einem Blackberry-Smartphone vorgestellt. Das entsprechende Gerät, das Blackberry 9800 Torch, trumpfte mit weiteren Neuerungen für Blackberry auf: dem Slider-Format, der Kombination aus Touchscreen und mechanischer Volltastatur sowie dem kapazitiven Touchscreen wie beim iPhone oder bei Android-Smartphones (also ohne SurePress-Klicken). In Sachen Hardware-Leistung hinkte Blackberry den Highend-Smartphones anderer Hersteller jedoch weiter hinterher.

Der neue Blackberry-Browser war zwar nicht so schnell wie die Surfprogramme für Android oder iPhone, renderte aber HTML-Webseiten und HTML-E-Mails und bot Tabbed Browsing zum schnelleren Wechseln zwischen verschiedenen Webseiten sowie eine Doppel-Tipp-Funktion zur automatischen Anpassung von Texten an die Bildschirm-Breite. Flash unterstützte der Blackberry-Browser dagegen weiter nicht. Neben dem Webkit-Browser brachte das auf dem Blackberry Torch laufende neue Betriebssystem Blackberry 6.0 OS weitere Neuerungen wie eine überarbeitete Benutzeroberfläche mit fünf Menübereichen und Widgets, erweiterte Messaging-Funktionen sowie Universal Search mit. Auch ein YouTube-Client, eine eigene Podcast-App, die Blackberry-Protect-App zur Datensicherung und Wifi-Music-Sync mit einem Rechner mit iTunes oder Windows Media Player waren Bestandteil des Software-Pakets. Im Vergleich zu iOS oder Android zeigte sich Blackberry OS jedoch auch in der neuen Version weniger grafisch aufbereitet und in den unteren Menüebenen schlicht und textlastig.

Um das Blackberry Playbook und das neue Betriebssystem Blackberry 10 mit den ersten Smartphones für die neue Plattform geht es auf der zweiten Seite unseres Blackberry-Rückblicks.

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Kommentare
  1. 19.08.13 12:58 handyhacho (Expert Handy Profi)

    @Aleisius
    Da hast Du aber wohl noch kein BBOS10-Gerät, wenn Du "bis heute Blackberry hast". Gegen die neuen Blackberrys sehen diese komischen Windows-Kacheln richtig alt aus, vom fehlenden Datenschutz und der Microsoft Prism-Cloud ganz zu schweigen.
    Und, richtig, Blackberry hatte mal einen Dienstausfall - wie z.B. Skype gefühlt jedes halbe Jahr. Ist aber auch völlig egal, den seit den neuen Blackberries ist der BB-Dienst überhaupt nicht mehr nötig.
    Und, ja, Tablets sind durch, sieht man doch schön an WinRT, die vergammeln im regal, und auch Apple hat ein Mini-ipad gebracht, die Zukunft gehört wohl eher diesem Formfaktor bzw. dem eines Galaxy Note. Daher kommt jetzt ja auch das große Blackberry, quasi als Playbook-Ersatz.

  2. 19.08.13 06:06 bocadillo (GURU)

    Kunibert

    Und vielleicht auch noch Heins " interessante " Ausführungen dieses Jahr als er sagte das bB in 5 Jahren .... Und Tablets seien uninteressant .

    Aber was soll man sagen - der Mann leitete auch schon die Handysparte von Siemens ;)

  3. 18.08.13 23:04 Kunibert (Advanced Member)

    Ein schöner Nachruf!
    Zur Vollständigkeit, waren da nicht auch mal Serverausfälle, die die BB-Dienste für einige Zeit komplett lahm legten?

  4. 18.08.13 19:29 Aleisius
    Ich habe bis heute ein Blackberry

    hatte aber zwischen durch mal ein WinPhone, und ich muss sagen, dass man an WinPhone erkennt, was Blackberry alles falsch macht, da es Microsoft richtig macht.

    Irgendwie werde ich das sehr subjektive Gefühl nicht los, dass Blackberry einfach "den Arsch nicht richtig hoch bekommt". Schade, es war und ist ien prima Hersteller, wird Zeit dass sie in Tritt kommen. Da helfen Nachrichten zu Firmenverkäufen etc natürlich wenig...

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