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Firefox, Ubuntu, Tizen, Sailfish: Alternative Smartphone-Betriebssysteme im Überblick

Neben den vier großen Plattformen tut sich momentan einiges im Bereich der mobilen Betriebssysteme für Smartphones und Tablets. Wir stellen in diesem Überblick die vier interessantesten neuen Plattformen vor: Firefox, Ubuntu, Tizen und Jolla/Sailfish.

Ubuntu Phone

Das von Canonical entwickelte Ubuntu ist eine der beliebtesten Linux-Distributionen, und das soll sich künftig neben dem PC auch auf dem Smartphone und Tablet zeigen. Mit Ubuntu Phone haben die Entwickler Anfang des Jahres eine komplett neu entwickelte Oberfläche vorgestellt, die von Interessenten auf Smartphones und Tablets installiert werden kann. Vor allem die Geräte der Nexus-Reihe eignen sich gut dafür.

Ubuntu auf dem Smartphone erinnert rein optisch stark an die PC-Version. Das System wird vor allem über Wischgesten gesteuert. So lässt sich von Links stets eine Symbolleiste mit den wichtigsten Anwendungen hereinziehen, das wie von anderen Systemen gewohnt von oben herein gewischte Notification Center nutzt eine Art Tab-Technik, um verschiedene Bereiche zu trennen. Der vertikal scrollende Homescreen beinhaltet eine selbst zu konfigurierende Liste der wichtigsten Apps sowie Medieninhalte wie Videos, Musik und Bücher. Die systemweite Suche findet neben gewöhnlichen Treffern auch Apps.

Einen Tiefschlag musste Canonical gerade bei der Entwicklung eines eigenen Smartphones mit Ubuntu Phone hinnehmen. Das Ubuntu Edge, als Dual-Boot-Gerät mit Android als Zweit-System geplant, sollte über Crowdfunding finanziert werden. Stolze 32 Millionen US-Dollar wollte man in einem Monat einsammeln, um 40.000 Geräte produzieren zu können. Am Ende fehlten noch fast 20 Millionen, es gab "nur" gut 17.000 Vorbestellungen. Damit ist das Ubuntu Edge zwar wohl Geschichte, Ubuntu Phone aber noch lange nicht. Man werde sich nun auf bereits erhältliche Smartphones stützen und dort das System unterbringen, so die Entwickler.

Firefox OS

Firefox ist noch immer einer der beliebtesten Internet-Browser, er rangiert seit Jahren unter den Top 3. Nun bringen die Entwickler von Mozilla mit Firefox OS, ehemals Boot 2 Gecko, ein eigenes mobiles Betriebssystem auf den Markt, das auf ersten Geräten wie dem ZTE Open bereits in einigen Ländern erhältlich ist. Die erste Version erschien am 23. April 2013. Anders als etwa Chrome OS, das komplett auf Basis des Browsers entwickelt wurde, ist Firefox OS ein eher klassisches Betriebssystem und ähnelt in Sachen Optik Android und iOS: Ein klassisches Raster aus Apps, eine systemweite Suche, ein von oben zu öffnendes Notification Center sind bewährte Zutaten, Widgets gibt es nicht. HTML5 ist ein zentraler Baustein von Firefox OS, um eine möglichst gute Kompatibilität zu anderen Systemen zu erreichen. Mozilla verspricht gerade zum Start Updates in hoher Frequenz, um die Kinderkrankheiten zu beseitigen.

Apropos Kinderkrankheiten: Da gibt es zum Start bei Firefox OS noch eine ganze Menge, wie unser Test des ZTE Open gezeigt hat. Von der extrem schwachen Hardware des Gerätes abgesehen, lief das Betriebssystem noch nicht wirklich stabil, war an vielen Ecken unfertig und wirkte insgesamt noch eher wie eine Beta-Version. In Sachen Funktionsumfang kann sich der aktuelle stand aber durchaus schon sehen lassen, weshalb man durchaus gespannt sein darf, was Mozilla noch aus Firefox OS machen wird - bitte das nächste Mal aber mit etwas besserer Hardware.

Tizen

Als Nokia sich aus der MeeGo-Entwicklung verabschiedete und zu Windows Phone umschwenkte, begann der Aufstieg von Tizen, denn Nokias Partner Intel wandte sich nun eben diesem System zu. Kurze Zeit später stieg auch Samsung mit dem Hintergedanken ein, Tizen mit dem selbst entwickelten System Bada zu verschmelzen. Die erste Version von Tizen wurde am 5. Januar 2012 veröffentlicht. Das ebenfalls Linux-basierte System verwendet ein gewohntes Raster aus App-Icons als Hauptmenü und ist neben Smartphones und Tablets auch für TV-Systeme und den Einsatz in Fahrzeugen konzipiert. HTML5-Unterstützung und ein frei zugänglicher Quellcode nach Open-Source-Grundsätzen zählen bei Tizen ebenso zum Standard. Der WebKit-Browser zeigte sich in vielen Tests als einer der schnellsten im Vergleich. Apps können auf dem Qt-Framework entwickelt werden.

Tizen erlebt momentan eine ziemlich wechselhafte Zeit. Samsung machte schon mehrmals mit Gerüchten von sich reden, man wolle Tizen fallen lassen. Zwar folgte in der Regel kurz darauf ein Dementi, erste Geräte mit Tizen haben die Koreaner bisher aber nicht vorgestellt. Mit Systena ist kürzlich ein kleines Unternehmen aus Japan vorgeprescht und hat ein Tizen-Tablet präsentiert. Samsung will allerdings noch dieses Jahr ebenfalls ein Tizen-Gerät vorstellen, das GTI-8800 Redwood, ein Smartphone. Zurzeit kursieren auch Hinweise auf ein SM-Z9005 mit HD-Display im Netz. Geräte anderer Hersteller wurden, trotz regelmäßigen Sympathie-Bekundungen für Tizen, noch nicht gesichtet.

Tizen-Logo / (c) Tizen Association

Tizen-Logo / (c) Tizen Association

Sailfish OS

Jolla ist eine Firma aus Finnland mit rund 150 Mitarbeitern, die Smartphones auf Basis des Sailfish OS entwickelt. Der Kern der Mitarbeiter besteht aus ehemaligen Nokia-Entwicklern, die sich nach dem Abschied des Handy-Herstellers von der Plattform MeeGo abgespalten haben, um seit 2011 auf Basis von MeeGo ein eigenes Projekt weiterzuentwickeln. Das erste Jolla-Smartphone wurde im Mai dieses Jahres vorgestellt, das Dual-Core-Smartphone mit der innovativen Rückseite soll 399 Euro kosten, wird allerdings noch immer nicht ausgeliefert. Damit soll es Ende des Jahres so weit sein, die erste Charge (unbekannten Volumens) ist bei den Vorbestellern gut angekommen und bereits ausverkauft.

Der große Trumpf soll bei Sailfish OS die durch die Architektur bedingte Kompatibilität zu anderen Systemen sein. Das auf einem Linux-Kernel und der Distribution Mer basierende System kann etwa für MeeGo entwickelte Software ausführen, unterstützt aber auch - viel wichtiger - Android-Programme. Durch die HTML5-Unterstützung steht auch Web-Services mit dieser Technologie die Tür offen. Sailfish OS ist für die Nutzung auf verschiedensten Hardware-Plattformen gedacht und arbeitet sowohl mit ARM-Systemen als auch mit x86-Rechnern.

Jolla | (c) Jolla

 | (c) Jolla

Sailfish UI für Jolla OS | (c) Entwickler

Sailfish OS | (c) Jolla

 

Ausblick

Sowohl diese vier alternativen Betriebssysteme als auch andere ähnliche Lösungen, die bereits in der Entwicklung sind, werden es sehr schwer haben, im Massenmarkt eine weite Verbreitung zu finden. Android, iOS und Windows Phone sind hier derzeit zu dominant und mit zu großen Ressourcen ausgestattet, als dass hier echte Konkurrenz erwachsen kann. Trotzdem bieten Ubuntu, Firefox OS und Co. interessante Ansätze abseits des Mainstreams und können sich über eine engagierte Fangemeinde freuen. Die Entwicklung ist in jedem Fall spannend und kann das Spektrum der mobilen Betriebssysteme sicher bereichern.

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Autor: Steffen Herget
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Kommentare
  1. 03.09.13 11:12 cvp (Member)

    ja das stimmt auch. Dennoch gehe ich davon aus, dass die mehr Produktzieren werden. Lassen wir uns einfach überraschen :) 3-3,5 Monate noch

  2. 02.09.13 11:28 Laborant (Expert Handy Profi)

    Mir war, dass 50'000 einfach eine Typische Vorbestellungsmenge für eine Firma dieser Grösse wäre und man deswegen einfach diese Zahl annimmt. Es könnten mehr - aber auch weniger sein.

  3. 02.09.13 11:05 cvp (Member)

    Ich hab einige Tagen hier nicht gelesen.

    Aber hier mal paar Fakten, weil paar Fragen diesbezüglich auftauchten.

    Woher ich weiß, dass 50k Bestellungen raus sind? - Also Jolla selbst hat das nicht gesagt, jedoch Leute die intern sehr zusammen Arbeiten. Jolla selbst ist bei jeder Hinsicht etwas zurückhaltend, wenn es um Informationen geht. Twittert einige interne Leute paar Infos, so belächelt es Jolla und widerspricht nicht.

    Die 50k Bestellungen sind ja bekanntlich die Vorbestellungen von den Leuten aus 136 Ländern. Jetzt müssen die natürlich mehr Produktzierren für Retouren, defekt Lieferungen usw. und vor allem für den Netzbetreiber DNS in Finnland. Da Jolla ja weitere Netzbetreiber auf ganz Europa zusammen Arbeiten möchte, gehe ich davon aus, dass die mehr Produktzierren werden.

    Jetzt kommt die Frage: Wie wollen die das machen? Vor allem wie wollen die ihre Mitarbeiter bezahlen... Die Vorbesteller haben 100€ bzw. nur 40€ Vorkasse geleistet. Das ist ja viel zu weniger! Richtig! Da habt ihr recht. Aber viele vergessen, dass Jolla, nach dem die die Firma gegründet haben und ihren Betriebssystem auf einem alten Nokia N950 Dev Smartphone Präsentierten..... das einige Firmen richtig viel Geld gesponsert haben.... dazu ein Zitat:

    "Jolla has raised $258 million from a variety of telecommunications industry players to launch Sailfish, and it will distribute the OS to device manufacturers free of charge, generating revenue by licensing proprietary software features and from intellectual property rights."

    Um es kurz zu Übersetzen: Jolla bekam 258.000.000 Doller. 258 Millionen Doller. Das Geld haben die von verschiedenen Anonymen (also für die Öffentlichkeit) Telekommunikationsfirmen gesponsert bekommen. Dann kommen noch die kleinen summen der Vorbesteller, wobei diese auch schon um die 4-5 Millionen liegen kann. Damit Finanziert Jolla ihre … ich muss jetzt raten....glaube 15 Mann Unternehmen!? Also es sieht für mich wirklich alles Rosig aus. Die werden ihren Ding schon durchziehen.

    Das China ein geschlossenes System bekommen mag ich bezweifeln, wieso auch? Android ist ja auch „fast“ ganz offen. Und ganz ehrlich, wenn etwas geschlossen wird, wird man es auch öffnen können ;) Bei Windows ist es noch nicht so der Fall, weil das System einfach nicht attraktiv genug ist oder was auch immer.

    Meine einzige Befürchtung ist, dass Jolla es nicht bis ende 2013 schafft, sondern erst im 1 Quartal 2014.

    Ich zu mein Teil finde, dass mich Android, iOS und Windows Phones einfach langsam nerven. Man liest nur Android hier iOS dort und manchmal Windows Phone. Das ganze langweilt mich schon so sehr. Vor allem diese Android ist besser als iOS und umgekehrt.... Bei Android muss die Leistung an die Software angepasst werden. Da hat Blackberry es viel besser gemacht und hoffe das Jolla genau so macht... Die Software an die Hardware anpassen. Man sieht ja schon, dass Sailfish OS auf einem Nokia N950 mit 1 Single Core und 1GB Ram nahezu Flüssig läuft. Die bringen aber gleich einen Dual Core (Gott sei dank und kein Quadcore oder Qcta Core Mist) und Wahrscheinlich 1-2 GB Ram.

    Und zu guter Letzt finde ich Sailfish OS einfach genial, weil die Apps die bis dato Programmiert werden (auf der SDK), sehen wie ins System Intrigiert aus. Hintergrund, Text Format usw. Die Dev´s geben sich dabei Mühe. Und sollte mal zur Not ein Programm fehlen, tja dann kann man sich bequem ein HTML oder Android App drauf laden, bis einer von den guten Dev´s neu für Sailfish Programmiert oder portiert und vom Design her auch anpasst.


    <3 Sailfish OS

  4. 24.08.13 16:04 handyhacho (Expert Handy Profi)

    Boca: Jetzt hast Du aber immer noch nicht erklärt, warum Jolla für den chinesischen Markt geschlossener werden müsste, wenn der Marktführer Android genauso offen ist?
    Das WeTab kam aus einer 5-Mann-Klitsche die eine eigen Linux-Distro zusammengefrickelt haben und diese dann auf Tablets vorinstalliert haben. Das ist mit der 150-Mann Nokia-Expertise von Jolla überhaupt nicht vergleichbar!

  5. 24.08.13 15:47 IMPULS

    Etwas unfair der Vergleich, doch zieht man Ubuntu OS als "Referenz", ist SAILFISH OS schon "viel weiter".
    Natürlich ist bei JOLLA noch nicht alles im grünen "Moneyberreich" , doch zumindest kann man Hoffen. Es wird zwar schwer für Jolla doch es ist zu schaffen... Persönlich begrüsse ich ein neues OS, auch wenn Sailfish OS nicht an die grossen OS vom Erfolg und Breite rankommen wird, doch ein "freies" OS mit tollen Funktionen findet auch Fans/Kunden... Vom Design her finde ich das Jollaphone das zweitschönste Design 2013. ( Der erste Platz hat schon das wunderschöne OPPO Find 5).
    Mein rebellisches Herz OS wünscht Jolla alles Gute und Erfolg, mein BWL "Verstand" ist voller Skepsis....
    Hoffentlich gewinnt das rebellische Herz... :)

  6. 24.08.13 07:10 bocadillo (GURU)

    Laborant

    Übrigens werden die meisten startups aufgekauft und integriert .

    Wir reden auch bei jolla nicht mehr vom 1. Jahr , nichtmal dem 2.

    Für mich ist das eine Blase wie das wetab ... Aber Schaun Mer mal

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