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Kommentar: Nokia und Microsoft - das passt

Die Übernahme der Handy-Sparte von Nokia durch Microsoft hat manche Experten überrascht, eigentlich hatte sie sich aber angedeutet. Vor allem für Microsoft ist der Deal in vielen Punkten sinnvoll, um im Konzert der Großen mitspielen zu können.

Die Nachricht schlug heute am frühen Morgen ein wie eine Bombe: Microsoft kauft Nokia. Keine neuen Nokia-Handys mehr, Lumia-Brand verkauft, Location-Dienste gleich mit dazu, CEO quittiert den Dienst. Sofort klang bei vielen Interessenten die Panik durch: Das war's, da bleibt nichts mehr übrig, es sei denn, Nokia fängt wieder an, Gummistiefel herzustellen. Schaut man genauer hin, war die Übernahme aber weder überraschend noch bedeutet sie das Ende von Nokia.

Als Stephen Elop im September 2010 von Microsoft zu Nokia wechselte, traf der Amerikaner an der Spitze des wohl finnischsten aller finnischen Konzerne schnell eine weitreichende Entscheidung: Das mit Intel gestartete Meego-Projekt wird aufgegeben, Symbian aufs Abstellgleis geführt und ab sofort das gerade erst gestartete Windows Phone von Microsoft als Betriebssystem eingesetzt. Plan B? Gibt es nicht, brauchen wir nicht. Bereits da durfte man stutzig werden: Was passiert denn, wenn Windows Phone nicht abhebt und fliegt, sondern kurz nach dem Start krachend, qualmend und in Einzelteilen auf der Erde liegt? Ein Kurswechsel wurde bereits im voraus ausgeschlossen, die Spatzen pfiffen es schon damals von den Dächern: Im Fall der Fälle würde Microsoft wohl zuschlagen und den Konzern, der im Jahr 2000 noch rund 300 Milliarden schwer war, kaufen. Genau so ist es jetzt gekommen, wenn auch zu einem deutlich niedrigeren Preis.

Microsoft schließt zu Apple und Google auf

Microsoft kommt mit dem Zukauf von Nokia endlich in die Situation, mti Google und Apple konkurrieren zu können. Beide Firmen haben bereits jetzt alles, was man derzeit für ein erfolgreiches Smartphone-Business braucht: Ein komplettes Öko-System aus Inhalten, Apps und Karten-Diensten, ein Betriebssystem und eigene Hardware. Vor allem der letzte Punkt fehlte Microsoft noch, aber auch die erfolgreiche HERE-Plattform von Nokia macht sich äußerst gut im Portfolio. Die Entwicklung von Hard- und Software unter einem Hut zu vereinen, macht viele Dinge schlicht einfacher. Zwar dürften sich die anderen Windows-Phone-Hersteller HTC, Huawei und Samsung über diese Entscheidung nicht freuen, deren Marktanteil war allerdings auf diesem Gebiet ohnehin verschwindend gering. Hier liegt übrigens eine Gefahr für die beiden frisch Vermählten: Microsoft wird zwar Windows Phone auch weiterhin für alle Hersteller offen halten, die Frage ist aber, ob sich ein anderes Unternehmen in dieser Konstellation darauf einlassen wird - Microsoft und Nokia als Konkurrenz zu haben, ist ein dicker Brocken.

Neben Namen, Marken und Diensten bekommt Microsoft aber auch eine ganze Menge Know-How aus Finnland. 32.000 Menschen, die seit Jahren Handys, Smartphone und Dienste entwickeln, sind ein echtes Pfund, mit dem man wuchern kann. Der Zeitpunkt war zudem optimal für Microsoft, denn gerade hatrte Nokia offenbar die Talsohle durchschritten, die Lumia-Verkäufe ziehen merklich an, das Sortiment ist komplett. Hätte der Software-Riese aus Redmond noch ein Jahr gewartet, Nokia wäre deutlich teurer geworden.

Der Übergang dürfte flüssig sein

Und Nokia? Die behalten etwas ganz wichtiges, und zwar einerseits ihren Namen und andererseits die Patente. Beides hat Microsoft erst einmal nicht gekauft, sondern nur für die Dauer von zehn Jahren lizenziert. Eine fünstellige Zahl an Nokia-Mitarbeitern wird künftig für Microsoft arbeiten, die Menschen dürfen aber in Finnland oder sonstwo bleiben, werden weiter beschäftigt und haben nun eine Firma hinter sich, die einen deutlich besseren finanziellen Rückhalt bieten kann als der angeschlagene Mutterkonzern. Durch die bereits seit zweieinhalb Jahren sehr enge Beziehung beider Firmen dürften auch kaum Reibungsverluste mit der Übernahme entstehen, anders als man dies von Google und Motorola so hört. Es könnte also durchaus sein, dass sich für die Mitarbeiter von Nokia wenig bis gar nichts ändert. Gleiches gilt wohl auch für die Kundschaft, zumindest auf absehbare Zeit. Sicher ist es traurig, dass mit Nokia ein Urgestein der Handy-Geschichte sich signifikant verändern wird. Die Marke wird allerdings bestehen bleiben, ebenso das Know-How und das - noch immer ab und an aufblitzende - "gewisse Etwas".

Abgesehen von Windows Phone und der Lumia-Serie ist übrigens noch nicht geklärt, was mit den Asha-Handys von Nokia geschehen wird. Da Microsoft unter anderem auf den Einsteiger-Bereich und günstige Preispunkte im Blick, könnte den billigen Nokia-Geräten harte Zeiten bevor stehen. Eines ist aber wohl gewiss: Nach der Übernahme ist das Gerede, ob Nokia nicht auch Android-Smartphones anbieten soll/muss/wird, auf jeden Fall vorbei. Und das ist in meinen Augen auch gut so. Alles andere wird die Zukunft zeigen - zumindest falls die Wettbewerbshüter der Fusion keinen Riegel mehr vorschieben.

Autor: Steffen Herget
Themen: Smartphone, Lumia
Quelle: AM
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Kommentare
  1. 04.09.13 12:42 IMPULS

    Man sollte auch nicht vergessen, das die "Nokianer" ein Lumia haben weil es logischerweise ein Nokia ist, und nicht weil es WP8 ist.Ein "gesunder" nokianischer Partiotismus "floss" immer mit. Das jetzt für etliche nach dieser "Fusion" (*sehr stark hüstel*) kein Lumia mehr in Frage kommt ist verständlich, und hat meines Erachtens nichts mit "Bashing" zu tun. Es ist halt nicht mehr "Original-Nokia". Die letzte europäische "Legion" gefallen...
    Hinzu kommt noch die " was passiert mit meinen Daten, wirds jetzt noch schlimmer Frage" die jeder für sich selbst entscheidet....
    WP8 hat gewiss Potential doch die der Evospeed lässt mehr als zu wünschen übrig... ( ich bin selbst WP8 User)
    Da frag ich mich ob MS nicht "absichtlich" den Evospeed bei WP verzögert hat um NOKIA damit...
    Pardon, hab nur "fantasiert"... :)

  2. 04.09.13 12:22 sottil (Handy Profi)

    Interessanter Artikel dazu:
    http://mobil.derstandard.at/1378247953123/Trojanisches-Pferd-Kritik-an-Nokia-Boss-Elop-in-Finnland

  3. 04.09.13 11:00 Laborant (Expert Handy Profi)

    Gandalf: Die Frage ist, ob WindowsPhone oder Lumia wächst. Sollte MS den Lumia-Namen fallen lassen, dann wird sich dies sehr schnell Zeigen.

    Aber ja, man sollte aufhören, alles zu verschlafen. Seit etwa einem Jahr sieht das WinPhone8-OS noch genau so aus. Alles was änderte, war ein FM-Radio. Dabei hat das System viel mehr Punkte, an denen geschliffen werden sollte. Der Kalender ist etwa seit WP7 noch immer unter aller Sau. Nur mal so als Beispiel.
    Wenn man sich in diesem Markt behaupten will, muss man überall mindestens Gleich gut wie die Konkurrenz sein. Wenn man sagt: "WinPhone for Business" dann darf etwas integrales wie der Kalender nicht so shitty sein.

    Nokia hat gezogen, während Microsoft die Leine nicht löste... einen Neubeginn konnte sich Nokia eh nicht leisten, also: Dilemma weglagern und einen auf IBM machen :)

  4. 04.09.13 10:46 Gandalf (Expert Handy Profi)

    @sottil

    Windows Mobile war nicht das Schlechteste. Man sollte nur aufhören, alles zu verschlafen.
    Ich weiß ja nicht welche wirtschaftliche und technische Sicht dir vorschwebt, aber es geht eben nicht immer wie bei Google, dass man mit einem OS aus dem Nichts kommt und Marktführer wird.
    Ihr stellt euch das Alle viel zu einfach vor, habe ich den Anschein.
    Windows Phone wächst und wächst, das ist positiv und mehr kann man im Moment nicht erwarten.


    @chief

    Findest du nicht?
    Hier wird derart signifikant auf Microsoft eingegangen, dass man die Liebe zu Nokia schlicht vergisst.
    Oder ärgert es dich nur, dass Nokia nun finanziell gesichert ist und BlackBerry dagegen vor sich hin lebt und langsam den Tod vor Augen hat?

  5. 04.09.13 10:43 handyhacho (Expert Handy Profi)

    Sehr guter und auch kritische Kommentar auf Heise-Online:
    http://www.heise.de/newsticker/meldung/Kommentar-Bye-bye-Nokia-1947952.html

    Nokia hatte mit Microsoft den falschen Partner, wenngleich auch wohl nicht ganz freiwillig, Elop wurde damals ja durch die US-Aktienmajorität "eingesetzt" und kam nicht auf Wunsch des Konzerns.
    Naja. Wenigstens hat Microsoft es nicht geschafft, Nokia vollkommen zu ruinieren, sollen die doch selber das Mobilfunkgeschäft an die Wand fahren...

  6. 04.09.13 10:39 sottil (Handy Profi)

    Voreingenommen???

    Schau dir die MS-Historie im Mobilmarkt der letzten Jahre an, mehr brauche ich dazu nicht sagen.

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