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Sprachassistenten im Test: Wie gut sind Apple Siri, Google Now, Microsoft Cortana und Blackberry Assistant?

Sprachassistent – das klingt nach Hightech und Arbeitserleichterung. Aber wie gut funktionieren die Sprachassistenten auf dem Smartphone in der Praxis? Wir haben Apple Siri, Google Now, Microsoft Cortana und Blackberry Assistant im Test auf die Probe gestellt.

Sprachassistenten im Test | (c) Areamobile

Sprachassistenten im Test | (c) AM

Was ist ein Sprachassistent?

Sprachassistenten sollen die Arbeit des Smartphone-Nutzers erleichtern oder Aktionen ohne manuelle Eingabe möglich machen - etwa beim Autofahren oder beim schnellen Gehen. Dabei geht es um die Steuerung des Smartphones per Spracheingabe, etwa das Starten von Anrufen, das Diktieren und Versenden von Mitteilungen, das Bedienen des Musikplayers oder das Abfragen von online verfügbaren Informationen.

Wie nutzt man einen Sprachassistenten?

Sprachassistenten | (c) Anbieter

Siri auf dem iPhone | (c) Apple

Die Sprachassistenten werden gewöhnlich per Tastendruck aktiviert und lauschen dann auf Spracheingaben. Sinnvoller, gleichzeitig aber auch aus Datenschutzgründen bedenklicher und stromfressender, ist die Möglichkeit, die Sprachassistenten per vorgegebenem (teilweise auch anpassbarem) Aktivierungssatz bereit für Befehle zu machen. Dabei lauscht das entsprechende Gerät ständig nach dem Aufweckbefehl, um dann anschließend weiteren Spracheingaben zu folgen. Einige Hersteller wie Motorola haben zu Stromsparen spezielle Audiochips integriert, die ausschließlich auf Aktivierungskommandos horchen, ohne den Akku spürbar zu belasten.

Wie funktioniert ein Sprachassistent?

Sprachassistenten | (c) Anbieter

Google Now | (c) Google

Wenn der Nutzer den Sprachassistenten aktiviert, lauscht das Smartphone auf gesprochene Worte. Um Rechenzeit zu sparen, werden die Sprachdaten zusammen mit Kontextdaten wie Uhrzeit und Aufenthaltsort des Sprechers komprimiert an Server der entsprechenden Assistenzanbieter gesendet. Dort werden die gesprochenen Worte in Schrift umgewandelt (Speech to Text). Anschließend wird der Text von den Servern der Anbieter erkannt und eine passende Antwort gesucht. Dann wird die Antwort generiert und an das Telefon zurückgeschickt - entweder als Datensatz, der im Telefon synthetisiert wird, oder als fertiges Soundfile. Eine Datenverbindung ist hierfür also ständig nötig.
    Die Kunst der Sprachassistenten liegt dabei darin, einerseits trotz Störgeräuschen die gesprochenen Worte richtig zu erkennen und andererseits Kontext korrekt einzuordnen. Beides ist wichtig, um ein natürliches Verhalten und eine gewisse "Intelligenz" vorzugaukeln. Fragt der Nutzer etwa erst "wie wird das Wetter heute in Berlin?" und anschließend nur noch "und in München?", muss der Assistent den Zusammenhang zwischen beiden Fragen herstellen. Außerdem benötigt ein gut funktionierender Sprachassistent möglichst viele Informationen über die Sprecher, das kann aber datenschutztechnisch problematisch sein.

Was erwarten wir von einem Sprachassistenten?

Sprachassistenten | (c) Anbieter

Cortana | (c) Microsoft

Ein Assistent soll Dinge für uns übernehmen und damit unseren den Alltag erleichtern. Folglich muss ein Sprachassistent Sprache gut verstehen, auch wenn es Umgebungsgeräusche gibt und man normal mit ihm spricht, also keinen vorgegebenen Mustern folgt. Außerdem muss der Anwendungsbereich möglichst groß sein. So viel vorweg: Keiner der von uns getesten Smartphone-Sprachassistenten - Apples Siri, Google Now, Microsoft Cortana und der Blackberry Assistant - kann diese hoch gesteckten Anforderungen erfüllen. Dennoch sind die Sprachhelfer nicht ganz sinnlos.

Sprachassistenten im Test: Versuchsaufbau

Wir haben die Sprachassistenten von Apple, Google, Blackberry und Microsoft unter die Lupe genommen. Dabei haben wir etliche Fragen möglichst natürlich gestellt und die Ergebnisse verglichen. Anschließend gab es Punkte für die Genauigkeit und den Umfang der Antworten.

Diese Fragen haben wir an die Sprachassistenten im Test gerichtet

1. Wie spät ist es?
2. Wie wird das Wetter morgen?
3. Zeige mir die Wettervorhersage für die nächste Woche!
4. Wo bekomme ich jetzt eine Pizza her?
5. Wie sind die Öffnungszeiten des Cinestar am Alexanderplatz?
6. Habe ich morgen Termine?
7. Stell den Wecker für morgen früh auf 8 Uhr
8. Wie ist der Aktienkurs von Carl Zeiss?
9. Wie ist der Wechselkurs von US-Dollar zu Euro?
10. Wie hat Schalke am Wochenende gespielt?
11. Wann ist das nächste Champions-League-Spiel?
12. Wer ist der Präsident von Indien?
13. Wie alt ist Dirk Nowitzki?
14. Wie groß ist der Kalorienbedarf eines erwachsenen Menschen?
15. Wie hoch ist die Zugspitze?
16. Wie berechnet man den Flächeninhalt eines gleichschenkeligen Dreiecks?
17. Habe ich Nachrichten?
18. Lies mir die letzten Nachrichten vor!
19. Lies mir die letzten Mails vor!
20. Ruf Stefan Schomberg an!
21. Schreibe eine SMS an Stefan Schomberg!
22. Navigiere mich zu Alte Jakobstraße 85!
23. Wie weit ist es bis nach Hannover?
24. Trag mir einen Termin für morgen um 9:30 Uhr bei Areamobile in der Alte Jakobstraße 85 ein!
25. Erinnere mich morgen bei der Abfahrt von Zuhause aus daran, dass ich tanken muss!
26. Spiel Heavy Metal!
27. Notiz an mich: Geparkt vor Alte Jakobstraße 85!
28. Erinnere mich beim nächsten mal daran, Bananen einzukaufen, wenn ich in einem Supermarkt bin!
29. Öffne www.areamobile.de!
30. Spiele Musik aus Spotify!
31. Schalte WLAN ein!
32. Öffne Skype!
33. Gib alle Titel zufällig wieder!
34. Zeig mir Katzenvideos auf Youtube!
35. Suche nach Qualcomm auf Wikipedia!
36. Zeige mir ein Rezept für Eierpunsch!
Sprachassistenten | (c) Anbieter

Blackberry Assistant | (c) Blackberry

Die Fragen and Anweisungen wurden ohne Rücksicht auf die Empfehlungen der Hersteller ausgesucht, sondern so ausgewählt, wie sie viele einem anderen Menschen auch stellen würden. Für falsches Verstehen oder die Verweigerung der korrekten Ausführung gab es jeweils drei Punkte Abzug, der einfache, aber sinnvolle Verweis auf das Internet samt Links brachte immerhin noch einen halben Punkt, eine korrekte Antwort per Sprache vier Punkte und eine zusätzliche grafische Darstellung einen weiteren Punkt. Wenn das jeweilige Smartphone die Worte falsch verstand, wiederholten wir den gleichen Satz erneut. Erst bei erneutem falschen Verständnis wurde das Gerät bei der entsprechenden Frage/Anweisung als durchgefallen gewertet. Als Testgeräte standen Blackberry Passport, Apple iPhone 6, Microsoft Lumia 640 XL und das Samsung Galaxy S5 zur Verfügung. Am Ende gab es noch einmal Extrapunkte für einzelne Funktionen. Getestet wurden in diesem Direktvergleich keine vorgefertigten Kommandos, sondern möglichst natürliche Sätze.

Sprachassistenten im Test: Auswertung

Der Blackberry Assistant liegt im direkten Vergleich zu den drei anderen Sprachassistenten abgeschlagen auf dem letzten Platz. Die Fehlerquote war hier mit unfassbaren 17 (von 36!) falsch oder nicht verstandenen Befehlen mit Abstand am höchsten. Wann immer ein Befehl nicht verstanden werden konnte, schien der Blackberry Assistant wahllos Wetter, Kalender, interne Suche oder andere installierte native Apps bemühen zu wollen. Im Alltag ist das schon nach wenigen Versuchen frustrierend. Zusätzlich ist der Blackberry Assistant am langsamsten und hat eine nicht sehr ansprechende grafische Darstellung - sofern überhaupt einmal Grafiken zu sehen sind. Mit 36,5 von 180 theoretisch erreichbaren Punkten ist der Blackberry Assistant enttäuschend und alles andere als alltagstauglich, ohne vorher die Liste der möglichen Kommandos auswendig zu lernen. Dabei darf man aber auch nicht vergessen, dass er der jüngste der Sprachassistenten ist und sich noch im Alpha-Stadium befindet.

Auf dem nächsten Platz mit deutlichem Abstand vor dem Blackberry Assistant folgt Microsofts Cortana. Der Microsoft-Dienst verweigerte nur dreimal die Arbeit, was aber auch daran liegt, dass statt einer Fehlermeldung oder fehlerhaften Ausführung am häufigsten bei allen Sprachassistenten der einfache Verweis auf das Internet samt Linkvorschlägen folgte. Cortana geht lieber auf Nummer sicher - aber hilft das dem Nutzer? Je nach Situation nicht ausreichend. Der Microsoft-Sprachdienst lauscht offenbar weniger als Google Now und Siri auf Zusammenhänge und kommt in diesem Vergleichstest auf 76 von 180 möglichen Punkten.

Google Now lag nur fünf mal komplett daneben und stellte etwa keinen Wecker, sondern wollte stattdessen eine Erinnerung anlegen. Der einfache Verweis aufs Internet liegt mit 13 statt 20 mal deutlich unter der Quote von Cortana, stattdessen findet Google  Now gerade bei Sport oder direkten Wissensfragen besser die passende Antwort und verpackt sie auch öfter in ansprechende Grafiken. Dafür überraschte Google Now mit Patzern bei einfachen Fragen etwa nach offenen Terminen. Insgesamt kommt der Google-Sprachassistent auf 79,5 von maximal 180 Punkten.

An der Spitze steht in diesem direkten Vergleichstest der iPhone-Sprachassistent Siri. Der Abstand zu Google Now ist nicht groß, insgesamt macht der Apple-Sprachassistent aber auch dank ansprechendster grafischer Aufbereitung und angenehmster Stimme die beste Figur. Zwar liegt Siri auch fünfmal komplett daneben, verweist aber nur sechs mal auf das Internet als Hilfestellung. Stattdessen weiß Siri 24 Mal die richtige Antwort oder untermalt ihre kurzen Andeutungen mit aussagekräftigen Grafiken - damit kommt Siri auf 104 von 180 möglichen Punkten und trägt den Sieg im direkten Vergleich davon.

Die Texterkennung ist selbst bei störenden Umgebungsgeräuschen inzwischen sehr gut. Man sollte aber vor allem darauf achten, recht deutlich zu sprechen und vor allem Worte in Sätzen klar voneinander abzutrennen. Dann funktioniert auch die Diktatfunktion sehr gut und zuverlässig. Einen großen Unterschied zwischen Google, Apple, Microsoft und Blackberry gab es hier nicht, dennoch sehen wir dabei Siri und Cortana in der Führungsrolle und den Blackberry Assistant knapp hinten an.

Nach der Vergabe der Zusatzpunkte steht der Sieger fest:


Falsche Ausführung
Linkliste
Antwort per Sprache
Zusätzliche Grafik
Extrapunkte
Endergebnis
Blackberry Assistant
16
3
17
13
+1 (Diktat)
35,5
Microsoft Cortana
3
20
14
9
+5 (Speed)
+5 (Diktat)
76
Google Now
5
13
16
14
+5 (Speed)
+3 (Diktat)
79,5
Apple Siri
5
6
24
20
+5 (Speed)
+5 (Stimme)
+5 (Diktat)
119

Fazit

Siri ist der Einäugige unter den Blinden, das muss man ganz einfach so knallhart sagen - das sieht man auch an den niedrigen Punktzahlen in Relation zu den maximalen Punkten. Denn wer glaubt, mit seinem Smartphone im Jahr 2015 einfach wie mit einem menschen drauflosquatschen zu können, der irrt gewaltig. Siri interpretiert hier noch am besten und gibt Hinweise, ist aber keineswegs davor gefeit, auch einfache Dinge zu verpatzen. Verlässlich sind die Sprachassistenten alle nicht oder nur für ganz einfache Aufgaben. Aber wenn man sich vor Augen führt, dass selbst Siri beim Stellen eines Weckers aus 8 Uhr morgens grundsätzlich 0 Uhr nachts machte, dann hat das nichts mit verlässlich zu tun, sondern dann ist man höchstens verlassen. Ohne Kontrolle funktionieren all diese Dienste also nicht und fallen damit in wichtigen Situationen wie etwa beim Autofahren schlichtweg durch, da sie dann zu viel Aufmerksamkeit erfordern.

Besser schlagen sich all diese Dienste, wenn man sich intensiv damit beschäftigt, was man sagen kann und vor allem wie. Wer die möglichen Kommandos brav auswendig lernt, kann deutlich größeren Nutzen aus kurzen, präzisen Befehlen ziehen - nur mit normalem Sprechen hat das dann nichts mehr zu tun. Das zeigt aber immerhin, dass die Erkennung von Sprache durchaus schon weit genug fortgeschritten ist, nur am Verständnis hapert es noch. Solange das nicht gelöst ist, bleiben Sprachassistenten für die meisten Nutzer unbrauchbar.

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Kommentare
  1. 20.04.15 17:52 GreatMaker (Advanced Handy Profi)

    Meine ziemlich komplette Liste mit Siri-Anfragen:

    - Stelle den Timer auf ...
    - Erinnere mich um ... an...
    - Kopf oder Zahl? (Sehr praktisch bei der Frage, wer nach einer Party das Auto nach Hause fahren muss)
    - Zeige mir Bilder von ... (wissensdurstige Kinder beim Bücher vorlesen halt)
    - Navigiere mich zu Kontakt XY

    Aber da würde noch so viel mehr gehen. Mich nervt vor allen Dingen, dass Siri keine englischen Musiktitel/Bands erkennt. Argh!

  2. 20.04.15 15:28 Echse (Handy Master)

    @pixel

    Nein es ist nicht verwunderlich. Es war klar, das siri besser wird und wurde.
    Die stimmen welche meinten, Siri ist viel schlechter als sie Konkurrenz stammen sicher noch aus 2014

    http://www.areamobile.de/news/27600-spracherkennung-apples-siri-soll-bald-besser-verstehen.

    Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass mit der Verbreitung von sw die sprachassistenten langsam den Bereich der Spielerei verlassen werden. Das hängt natürlich auch mit der Anzahl der verkauften Geräte zusammen.
    Einfache Sachen wie
    " ruf xyz an" oder " wie ird das Wetter morgen" etc. sind schnell in die Uhr gesprochen.
    Ohne das Handy rauskramen zu müssen.
    Also ich sehe einiges an potenzial für siri und co. in Verbindung mit sw.

  3. 20.04.15 13:50 pixelflicker (GURU)

    Und immer noch ist es nicht viel mehr als eine Spielerei. Wirklich genutzt wird das von niemanden, auch wenn es - gerade bei Apple - oft als das große Kaufargument dargestellt wird/werden muss.
    Mich wundert allerdings etwas, dass Siri hier gewinnt, ich habe schon oft gelesen, dass angeblich Cortana viel besser sein soll.

  4. 20.04.15 12:15 IchBinNichtAreamobile.de (Advanced Handy Master)

    @SiddiusBlack:"Trotzdem hab ich ein iPhone 6 Plus, ist halt aktuell das beste Smartphone [...]"
    >>Manche sagen so, manche so ;) Wenn die Software eher mäßig ist, dann passt das auch nicht zu einem "besten" Smartphone. Auch die technische Ausstattung passt nicht zum "besten" Smartphone.

  5. 20.04.15 11:00 polli69 (Advanced Handy Profi)

    @Siddius: Stell die Tastatur auf englisch um, dann werden auch die Wörter erkannt und gegebenenfalls korrigiert. Siri allerdings erkennt nur die Sprache, die du als Systemsprache gewählt hast. Finde ich auch nicht gut.

  6. 20.04.15 10:02 SiddiusBlack (Advanced Member)

    Siri ist zwar sehr gut im Sprachverständnis, keine Frage, aber die deutsche Siri kann partout nicht mit englisch umgehen was wiederum schwach ist! Da ist Google besser denn dort werden auch englische Begriffe beim deutschen Assistenten verstanden was für mich manchmal wichtig ist da ich hier und da auch mal was in Englisch diktieren muss...und da fällt Apple dann komplett durch da auch jedes englische Wort von der Tastatur nicht erkannt und in ein deutsches geändert wird, gerade beim schnell tippen EPIC FAIL!

    Trotzdem hab ich ein iPhone 6 Plus, ist halt aktuell das beste Smartphone, da können auch die hier hochgelobten M9 und S6er nicht mithalten...obwohl das S6 "Edge" schon sehr Edel ist :)

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