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Smarter Alltag: Wandern mit dem Smartphone

Auch einem Smartphone muss einmal die frische Bergluft um die Nase wehen - das dachte sich unser Redakteur Tobias und ging mit mehreren Apps auf Wanderschaft. Wie sich Google Maps, Here Maps, Komoot und andere im Test geschlagen haben und ob Tobias noch immer durch die Alpen irrt, erfahrt ihr hier.

Wander-Apps | (c) Areamobile

Wandern mit dem Smartphone | (c) Areamobile

Der erste Urlaub im Jahr 2015 führte meine bessere Hälfte und mich nicht auf eine sonnige Kanaren-Insel, sondern nach Tirol - nicht zum Ski-fahren, sondern zum Wandern. Die bequeme Liege am Pool war absolut kein Thema, stattdessen sollte der schreibtischgeplagte Körper aktiviert werden, die Technik möglichst ausgeschaltet bleiben. Dass letzteres nicht ganz so funktionierte wie vorgesehen, daran war ich selbst nicht ganz unschuldig, Klamotten, Schuhwerk und Rucksack waren zwar bestens auf den Outdoor-Einsatz vorbereitet, die Wanderkarte aber blieb dummerweise zu Hause. Kein Problem, dann wird halt einfach vor Ort eine neue Karte gekauft - oder das Smartphone entsprechend mit Apps und Kartenmaterial betankt. Obwohl wir unsere Route schon zuvor grob geplant hatten, erahnte mich bereits recht früh der Gedanke: Das war absolut gar keine gute Idee.

Wenige Tage vor unserem Eintreffen wütete im angrenzenden Bayern nämlich nicht nur der Orkan "Niklas", der uns die Anfahrt ein wenig erschwerte, auch fiel in kurzer Zeit eine Menge Neuschnee. Das sorgt für die nötige Wald- und Bergromantik beim Marsch, war aber angesichts der stetig steigenden Temperaturen und der damit einhergehenden Lawinen auch ziemlich gefährlich. Dass wir unsere recht nahe an den gewaltigen Bergen entlangführenden Strecken auf gar keinen Fall so wie geplant laufen würden können, darauf machte uns eine sachkundige Einheimische aufmerksam, die angesichts der zwei vor ihr stehenden Flachland-Affen und ihrer städtischen Naivität nicht nur innerlich die Hände über dem Kopf zusammenschlug. Immerhin sahnten wir im Gespräch eine kostenlose Wanderkarte ab, die zumindest einen Ausschnitt unserer spätestens ab diesem Zeitpunkt komplett auf den Kopf gestellten Tour abdeckte und sich auch hilfreicher als jede App herausstellen sollte.

Wander-Apps | (c) Areamobile

Der Weg...

Wander-Apps | (c) Areamobile

...ist das Ziel. | (c) Areamobile

 

Die richtige Karte finden: Vier Apps im Parallel-Betrieb

Zur Auswahl standen mit Google Maps und Nokia Here Maps zwei der bekannteren Navi-Anwendungen für Android, die zwar nicht als ausgewiesene Wander-Apps gelten, sich aber durch einige Features anboten. Dazu zählt zum einen, dass beide auch Auskunft über örtliche ÖPNV-Verbindungen geben können, die wir das ein oder andere Mal gezwungen waren in Anspruch zu nehmen. Zum anderen kann das Kartenmaterial - bei Google Maps nur Ausschnitte, bei Here Maps ganze Länder und Regionen - kostenlos heruntergeladen werden und der Umgang damit ist vertraut. Daneben installierte ich noch die Wander-Apps Komoot und die Kompass Wanderkarte, die mir als große Faltkarte stets gute Dienste leistet. Auch das kostenlose Ape Map mit Open-Source-Kartenmaterial probierte ich kurz aus, das Programm schied für mich aber recht schnell aufgrund des undurchsichtigen Interface wieder aus - wie sich im Nachhinein herausstellte ein Fehler, denn die Karten sind für das Wandern durchaus brauchbar, die App bietet sogar eine 3D-Ansicht, vorgefertigte Touren und Höhenprofile an.

Wander-Apps | (c) Areamobile

Ape Maps...

Wander-Apps | (c) Areamobile

...bietet sogar eine 3D-Ansicht...

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...und mehrere Touren | (c) Areamobile

 

Vergleichsweise wenige Features bietet die Kompass-Wanderkarten-App, die eigentlich nur die Kompass-Faltkarten auf den kleinen Touchscreen bringt und mit einem GPS-Marker und einer Suchfunktion für Koordinaten - nicht Ortsnamen - ausstattet. Touren lassen sich mit dieser App nur aufzeichnen, nicht vorab erstellen und anschließend ablaufen, weiterhin werden eine SOS-Funktion mit Übermittlung von GPS-Daten und Echtzeit-Tracking für die Kompass-Community geboten. Für den gelegentlichen Blick auf den Standort ist die App damit vielleicht ganz hilfreich. Eine größere analoge Karte, auf der mit einem handelsüblichen Stift auch Markierungen vorgenommen werden dürfen und die keinen Strom verbraucht, ersetzt sie angesichts der recht speziellen, aber nicht für Jeden auch brauchbaren Funktionen nicht.

Wander-Apps | (c) Areamobile

Kompass Wanderkarte bietet nur wenige Zusatz-Features.

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Dazu zählen eine Notruf-Funktion...

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...und die GPS-Suche | (c) Areamobile

 

Komoot ist da sicherlich die spannendere App für Wanderer, die mit ihrer Routen-Funktion auch einen echten Mehrwert bietet. Sie zeigt auf ihrer Startseite interessante Orte in der Nähe an und schlägt entsprechende Wandertouren mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden vor - je nach Fortbewegungsmethode (Wandern, Bergsteigen, Radfahren, Ski-Langlauf und viele mehr) werden dabei unterschiedliche Touren herausgegeben. Besonders genial: Neben der Beschaffenheit des Bodens wird auch ein Höhenprofil eingeblendet, das auf das vorbereitet, was man sich eingebrockt hat. Der Zugriff auf Google Maps, Here Maps oder andere Apps mit Zugang zu ÖPNV-Daten erlaubt eine Auskunft über den Anfahrtsweg zum Startpunkt der Route, Karten dürfen kostenpflichtig auch heruntergeladen werden.

Leider ist die Bedienung der App nicht sonderlich intuitiv, gespeicherte Touren sind eher unscheinbar im Personenprofil abgelegt. Auch erlaubt die App nicht das nachträgliche Verändern solcher Touren, es muss stets eine neue angelegt werden. Jede Strecke von der Start- zur Zielposition wird automatisch berechnet.; Zwar gibt es die Möglichkeit, Zwischenziele einzufügen, allerdings dürfen die vorgefertigten Routen nicht händisch variiert werden.

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Komoot

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Touren sind je nach Art der Fortbewegung anders.

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Angaben zum Höhenprofil und dem Untergrund. | (c) Areamobile

 

Ich bin dann mal weg... vom Fenster

Und genau da sind wir bei einem großen Problem aller hier aufgeführten Apps: Das Programm sagt, wo es lang gehen soll. Dass das aber nicht immer gut ist, stellte Google Maps gleich mehrfach unter Beweis, das insgesamt das aktuellste und für die schnelle Orientierung hilfreichste Kartenmaterial lieferte. So schickte uns eine automatisch berechnete Fußgänger-Strecke unverhofft mitten an einer viel befahrenen Bundesstraße ohne Fußgängerweg entlang, die wir mindestens einmal hätten überqueren müssen. Keine gute Idee war es außerdem, uns an einem schmalen - und wieder viel befahrenen - Fernpass ins nächste Dorf zu schicken, denn auch hier gab es keinen Weg für Fußgänger.

Wird die Route beim Google-Programm einmal vorgefertigt, dann können keine eigenen Änderungen vorgenommen werden, Wünsche für alternative - und weniger gefährliche - Wege werden schlicht nicht berücksichtigt und können auch nirgends eingegeben werden. Das machte unsere spezielle Situation, in der wir durch die Witterung eine komplett andere Route zu laufen gezwungen waren, nicht unbedingt leichter, Google hätte uns mehrfach gnadenlos ins Verderben geschickt. Der Verweis auf eine Beta-Funktion für die Berechnung von Fußgänger-Routen in Google Maps sollte also in jedem Fall ernst genommen werden, verlässlich ist sie im Härtefall nicht.

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Der enge Fernpass hat keinen Fußgängerweg.

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Routen können nicht manuell verändert werden.

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Anfragen lassen sich nicht speichern. | (c) Areamobile

 

Äußerst hilfreich wären für die ideale Wander-App auch Echtzeit-Gefahrenmeldungen für den aktuellen Standort. Denn wie sich einige Tage nach unserer Rückkehr herausstellen sollte, waren wir nicht die einzigen, die zu dieser Zeit durch den teils knietiefen Tiroler Schnee wanderten. Einen Tag nach unserer Abreise begrub eine Schneelawine zwei Wanderer unter sich, für einen davon endete dieser Unfall tödlich. Gesunden Menschenverstand und Kenntnis der örtlichen Gepflogenheiten kann auch eine App nicht liefern, entsprechende Hinweise auf die gegenwärtige Situation könnten aber zumindest auf Gefahren hinweisen. In unserem Fall tat das eine waschechte Person, und der Kontakt mit den Einheimischen könnte uns vor schlimmerem bewahrt haben - keine App kann das ersetzen.

Einen letzten Kritikpunkt möchte ich der Usability von Google und Here Maps widmen: Keine der Anwendungen erlaubt das Speichern einmal eingegebener Strecken oder Verbindungsabfragen, und das kann gehörig nerven. Vor allem dann, wenn geplant werden und Zeiten und Touren miteinander verglichen werden sollen, sind die weit verbreiteten Navi-Apps einfach unbrauchbar. Intuitiv ist Google Maps ohnehin schon seit dem letzten großen Update aus dem vergangenen Jahr nicht mehr, jeder Button, jedes Eingabefeld muss ausprobiert werden, um zur gewünschten Funktion zu gelangen.

Fazit

Eine App ersetzt weder eine Wanderkarte, noch das Gespräch mit einem Ortskundigen. Eine sinnvolle Bereicherung für die Wandertour bietet die Komoot Wander-App, die mit Schwierigkeitsgraden, unterschiedlichen Fortbewegungsmethoden und einem hilfreichen Untergrund- und Höhenprofil aufwarten kann. Auf die Fußgänger-Routen von Google Maps sollte man sich hingegen auf keinen Fall verlassen, diese können mitunter gefährlich enden. Wünschenswert für die ideale Wander-App wären eine Echtzeit-Gefahrenmeldung sowie die Möglichkeit, einmal aufgerufene Strecken-Abfragen für die spätere Einsicht und Vergleiche abzuspeichern.

Autor: Tobias Czullay
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